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Schadstoffe: Hersteller müssen Auskunft geben
CorbisOb Spielzeug, Regenjacken oder Pfannen Schadstoffe enthalten, lässt sich auf den ersten Blick kaum erkennen. Wer sichergehen will, kann beim Hersteller Informationen einholen. Seit Jahresbeginn sind die Firmen verpflichtet, Auskunft über mehr als hundert Chemikalien zu geben.
http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...-a-875838.html
- #1 05.01.2013 09:15 von
0,1 Prozent
Erst bei 0,1 Prozent Anteil am Produkt muss der Hersteller Angaben machen?
Der hauchduenne Teflonfilm auf meiner Jacke wird also locker ignoriert werden koennen.
In meinen schweren Stiefeln koennen auch 2 Gramm Gift stecken ohne das man mir das erzaehlen muss. Im schlimmsten Fall in der Form eines Nagels der einem von der Innensohle durch die Haut piekst. Waere nach dem Gesetz erlaubt und muesste nicht bekanntgemacht werden.
Wieviel nicht zu deklarierendes Gift sind 0,1 Prozent meines 1000kg schweren Autos? 1 Kilogramm. Duerfte sogar durch die Lueftung direkt in meine Atemwege geblasen werden, wenn der Hersteller es wollte.
0,1 Prozent, ein tausendstel also, klingt fuer den Laien nach sehr wenig und deshalb haben wahrscheinlich auch Politiker die wenig Ahnung von Chemie haben diesen Unfug abgesegnet.
Warum muss ich als Konsument erst nachfragen. Bei den zehntausenden von Dingen in unseren Haushalten sollen wir auf Verdacht ueberall rumtelefonieren und Briefe schreiben? Waere es nicht im Interesse der Volksgesundheit wenn die entsprechenden Hersteller von vornherrein deutlich machen muessen was sie uns verkaufen moechten? - #2 05.01.2013 10:20 von
Tasächlich
Viele wirklich gefährliche Stoffe wirken tatsächlich schon in sehr geringen Mengen. Selbst wenn die Pflicht zur Deklaration bei 0,01% schon greifen würde wären nicht alle gefährlichen Stoffe automatisch erkennbar.
Natürlich ist es anders herum auch für Hersteller (vor allem kleine) auch extrem teuer alle eigenen Produkte auf kleinste Spuren giftiger Stoffe prüfen zu lassen.
Im Grunde leiden wir unter unserer eigenen "Geiz ist geil"-Einstellung. Viele haben aber auch schlicht nicht das Geld um sich Produkte zu kaufen deren Hersteller auf Nachhaltigkeit und Verbraucheschutz wirklich Wert legen.
Außerdem ist es nur wenigen Menschen wirklich möglich die Inhaltsstoffe wirklich richtig zu bewerten. Inzwischen ist ein Grundstudium der (Bio)Chemie nötig um wenigstens zu erahnen welcher Stoff eine Wirkung auf ein Biologisches System haben kann.... und die richtigen Experten sind sich bei vielen Stoffen auch nicht einig über deren Schädlichkeit.
Fazit: Die meisten werden einfach versuchen nicht darüber nachzudenken und wenn ein Produkt nicht nachweislich eine sofort krankmachende Wirkung hat wird man es eben in Kauf nehmen das es komisch riecht.
Wer ist schon in der Lage ein paar Jahre später einen BEWEIS anzutreten das ein Stoff in einem irgendwann benutzen Produkt tatsächlich der Auslöser für eine Krankheit jetzt ist? - #3 05.01.2013 10:40 von
Wie hilfreich ist diese Regelung denn ???
Wenn ich z.B. eine Jacke kaufen möchte, dann schreibe ich zunächst den Hersteller an. Nach 1,5 Monate später habe ich noch immer keine Antwort bekommen. Dann kann ich mir überlegen, ob ich eben einfach keine Antwort bekommen habe, weil der Hersteller das lästig fand oder weil keine nachweispflichtigen Schadstoffkonzentrationen enthalten sind. Also bin ich nicht wirklich schlauer, als vorher: Vielleicht unproblematisch, vielleicht ein träger/gerissener Hersteller, der sich am Ende ohne jegliche Konsequenzen fürchten zu müssen, darauf zurückziehen könnte, eine solche Anfrage sei beim ihm oder die Antwort beim Kunden nicht angekommen ...
Inzwischen ist aber die Jahreszeit, in der ich die Jacke tragen möchte, schon vorbei und die Frage hat sich erledigt.
Na eine "super praxistaugliche" Regelung !!! Wer denkt sich so überflüssige Schrottregelungen nur aus? - #4 05.01.2013 10:53 von
Schliesst diese Verordnung die aus China importierte Ware ein?Weil diese sind doch eigentlich die groessten Uebeltaeter,was giftige Chemikalien in Gebrauchsgegenstaenden und auch Kinderspielzeug betrifft.
- #5 05.01.2013 12:32 von
Importware
Ja, diese Verordnung schließt alle in der EU hergestellten Waren UND in die EU importierten Waren ein. Im Falle des Imports ist der Importeur für die Korrektheit und Nachvollziehbarkeit der Stoffe verantwortlich. In der Praxis sind natürlich noch etliche Waren im Umlauf, die keinen Text bestehen würden. Da reicht es schon, mal an einem PVC-Gegenstand ex China zu schnüffeln und man ahnt, dass hier der SVCH-Stoff DEHP (Weichmacher) eingesetzt wurde.
- #6 05.01.2013 13:08 von
Bei REACH kommt es auf den "Inverkehrbringer" an.
Wird ein Produkt in Deutschland hergestellt (was immer seltener der Fall ist), trifft die Informationspflicht den (deutschen) Hersteller. Wird das Produkt dagegen aus dem Ausland importiert, muß der Importeur Auskunft geben. Die entsprechenden Informationen muß der Importeur sich von seinem "chinesischen" Lieferanten besorgen.
Und hier liegt das ungelöste Problem. Welche Behörde prüft, ob die Angaben des "chinesischen" Lieferanten zutreffen? Deutsche Behörden sind es mit Sicherheit nicht. Und chinesische Behörden, die prüfen, gibt es nicht.
Also bleibt alles beim Alten: Deutsche Hersteller müssen Auflagen erfüllen, um ihre Produkte in den Markt zu bringen. Chinaimporteure können die Auflagen leicht umgehen.
Man sollte vor dem zweiten Schritt den ersten tun: eine Deklarationspflicht für "Chinaimporte", damit der Konsument weiß, wem er sein Vertrauen schenken muß, wenn er sich für das billigste Angebot entscheidet.
Der Handel scheut diese Deklaration wie der Teufel das Weihwasser. Er kauft billig in China und verkauft teuer in Deutschland. Das geht aber nur so lange, wie er die Herkunft seiner Ware nicht nachprüfbar deklarieren muß.
Der Herkunftsnachweis wäre der erste Schritt. - #7 05.01.2013 15:27 von
Die Giftmischer
Das alles ist nicht sehr konsequent. Wenn es giftige Stoffe gibt, dann sollten diese verboten werden. Es gibt keinen Grund, warum in meiner Jacke irgendeine schädliche Substanz enthalten sein sollte. Und das sollte stichprobenartig geprüft werden von einer deutschen Behörde und bei Auffinden auch kleinster Mengen sollte die Produktlinie aus dem Verkehr gezogen werden.
Schön wäre es, wenn diese Hersteller oder Importeure die Gift unter das Volk bringen zumindest einen Teil ihres Gewinns in Krebskliniken stecken würden - das wäre dann wenigstens genau so konsequent wie ein Lebensmittelhersteller der ein Sportfest ausrichtet. - #8 05.01.2013 16:01 von
REACH ist ein schlechter Witz. Denn über extrem giftige Industrie-Chemikalien müssen
Hersteller bis heute keine Auskunft geben, sofern die produzierte Jahresmenge dieses Giftes unter 1000 Kilogramm (also unter einer Tonne) liegt. In diesem Fall wird dieses Toxin noch nicht einmal von REACH untersucht und eingestuft --- egal wie gefährlich es für Mensch und Umwelt auch sein mag.
- #9 05.01.2013 16:19 von
Sehr guter Kommentar. Danke!
Hier eine etwas detailliertere Info über die zahlreichen Giftstoffe, die in der EU bis heute eingesetzt werden dürfen: http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/chemie. Man bekommt langsam den Eindruck, dass es sich bei den sog. "Zivilisationskrankheiten" in Wirklichkeit um Vergiftungen durch Stoffe der chemischen Industrie handelt. /20061200_chemie_hg_reach_faulerkompromiss.pdf
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