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Sarrazin-Auftritt in der ARD: Jauch zeigt Mut zur Lücke

DPAEine gute Talkshow zum Thema Eurokrise? Gab's noch nie - bis Sonntagabend. Günther Jauch pfiff auf Proporz und Political Correctness, ließ Thilo Sarrazin reden, und siehe da: Es wurde richtig interessant.

http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,834092,00.html
  1. #280

    Zitat von mm-1245533925032 Beitrag anzeigen
    ...und das Traurige ist, dass Herr Sarrazin bei vielen Punkten richtig lag, was auch von Herrn Steinbrück bestätigt wurde. Griechenland sollte endlich aus dem Euro austreten, sparen wollen sie offensichtlich ohnehin nicht. Und mit der Haltung "Schuld sind immer die Anderen", hier die Deutschen, werden die Probleme nicht gelöst werden! Wieviel Geld wollen wir noch versenken und unseren Kindern als LAST aufbürden? Jeder Staat ist für sich selbst verantwortlich!
    Da liegen sie aber falsch. Steinbrück hatte lediglich bestätigt, dass man damals Griechenland hätte geordnet pleite gehen lassen können. Es war eine Alternative. Aber er hat auch betont, dass dieser Zug jetzt abgefahren sei und dass dies jetzt nicht mehr möglich ist.
    Und es ist eben nicht jeder Staat für sich selbst verantwortlich. Wir sind wirtschaftlich globalisiert. Es sind auch deutsche Banken, bei denen Griechenland Geld geliehen hat. Würde Griechenland pleite gehen, hätten die deutschen Banken einen massiven Verlust zu verkraften. Und dass ist ja das Komplexe an unserem globalen Wirtschaftssystem. Jede Bank, oder jedes Land ist mit aneinander verknüpft. Es wird oft mit "virtuellem" Geld gehandelt. Und wenn jetzt dieses viele Geld wegfiele könnte alles in sich zusammenbrechen, wie ein Kartenhaus.

    Diese Rettungspakete haben auch einen psychologischen Hintergrund, um wieder Vertrauen zu wecken.
    Es gibt das klassische Bankenbeispiel. Sie als Kunde einer Bank geben der Bank ihr Geld. Diese nimmt dieses Geld und macht Geschäfte damit. Wenn sie jetzt ihr Geld wieder haben wollen, gibt die Bank ihnen das von ihnen geforderte Geld. Wenn aber jetzt eine Finanzkrise ausbricht, bekommen die Menschen Panik und Worst-Case-Szenario sie rennen zur Bank und wollen ihr Geld wieder. Und die Bank hat halt ihre Summe nur virtuell und wenn alle ihr Geld wieder haben wollten, dann würde die Bank einbrechen.
  2. #281

    Es wird behauptet, Sarrazin sei gefährlich.

    Ist er das wirklich?
    Ich denke nicht, wie jeder weiß, kann man Fakten nicht diskutieren, man muss sie einfach hinnehmen, wie das Wetter.
    Das so viel Konsenz in der Diskussion herrschte, hat mich eigentlich überrascht, war aber wohl auf die Faktenlage zurück zu führen.
    Sein "Bullshit" hätte Steinbrück sich sparen können, ich fand das nicht angebracht.
    Sarazin hielt sich jedenfalls an Fakten, wie ein Ökonom das tun sollte.

    Steinbrück zeichnete aber stellenweise ein idealisiertes Bild von Europa.
    Das kann man natürlich machen.
    Aber Idealisten richten meist mehr Schaden an, denn das sie ihrem Ziel näher kommen. Sie wissen schon, die Kraft, die Gutes will und Böses schafft.
    Aber das ist es, was ich bei all der Eurorettung vermisse, den Realisten, der weiß was er will und vor allem der weiß, wie er es hinbekommt.
    Der letzte, der unter Berücksichtung der vorhandenen und der zu noch zu schaffenden, erforderlichen Fakten wusste, wie man ein solches Vereinigungswerk erfolgreich generiert war Bismarck!

    Haben wir in Europa einen Bismarck? Nein, haben wir nicht!
    Wir haben bestenfalls gleich mehrere, was viel schlimmer ist, als gar keinen.
    Steinbrück hat eingeräumt, das die Einführung des Euro ohne das notwendige Fundament gemeinsamer Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik ein Fehler war.
    Sehr nobel von ihm, aber wie er dieses fatale Manko beseitigen will, blieb er schuldig.
    Die Lösung des Problems Euro blieb aber auch Sarrazin schlußendlich schuldig. Seine These "Europa braucht den Euro nicht", hat er zum Schluß relativiert, er votierte ja für den Verbleib Deutschlands im Euro.
    Aber da sind die unangenehmen Fakten und die drängen zu einer Lösung, es wird nämlich langsam eng.
    Die eurokritischen Ökonomen haben rein ökonomische Lösungen auf den Tisch gelegt, die die Euroidealisten aus der Politik jedoch als solche nicht akzeptieren.
    Und da sind wir wieder beim ungelösten, drängenden Problem, wie soll es weiter gehen?

    Leider hilft Idealismus bei der Lösung von handfesten finanziellen und wirtschaftlichen Fakten kein Deut weiter und eine Transferunion wird das Siechtum des Euro nur verlängern, nicht aufhalten, ganz im Gegenteil, er wird nationalistische Strömungen, Neiddebatten bis hin zu Hassgefühlen und jede Menge anderen Mist, der längst als überwunden galt, an die Oberfläche spülen.
    Und genau diese Fakten werden den Euro zerreissen, da hilft nun mal keine romantische Betrachtung.
    Welches dies Fakten sind, setze ich hier als bekannt voraus, aber ein Beispiel zur Veranschaulichung will ich hier schon darstellen:
    Euroschuldner: Reformwille in Athen? Fehlanzeige! - Nachrichten Wirtschaft - WELT ONLINE
  3. #282

    Zitat von OlGa Beitrag anzeigen
    Es ist großer Unsinn, zu behaupten, dass man Sarrazins Bücher erst einmal lesen muss, um diesen Menschen, der eine wirklcih breite Medienpräsenz hat, einschätzen zu können. Und es ist noch viel größerer Unsinn, ihn auch noch damit zu belohnen, dass man seine Bücher kauft.
    Sie sollen ja schliesslich auch nicht den Menschen, sondern seine Thesen bewerten.
    Nur schlechte Demokraten und Demagogen tun das erstere.
  4. #283

    Werde ich ab sofort vom Vf-Schutz überwacht ?

    Denn ich bekenne: Die Argumentation von Sarazin hat mich wegen ihrer Präzision und Pragmatik erheblich stärker beeindruckt als die zwar grandiose, aber von zuviel idealistischer Sichtweise beherrschte Rhetorik Steinbrücks.
  5. #284

    Obwohl m.M.

    Zitat von mauimeyer Beitrag anzeigen
    Ich schätze ein Berufspolitiker will und bekommt mehr. Sarrazin verdient genug über seine Bücher und Pensionen. ich schätze, er hat eine Mission, die ihn das machen läßt.
    kauri
    Sarrazin mehr verdient hätte.
    Obwohl ich auch für den Euro und der Solidarität mit den Problemstaaten bin, hat mich Sarrazins Argumentation zum Nachdenken gebracht.Steinbrück hat mit seiner schwachen Argumentation eher das Prädikat "bullshit" verdient.
    " Er kann es" scheint immer zweifelhafter.
  6. #285

    Zitat von rastar Beitrag anzeigen
    Diese Sendung war ein weiterer Tiefpunkt in der medialen Berichterstattung zur Eurokrise. Ich saß mit 2 Freunden aus Frankreich vor dem Fernseher, die überhaupt nicht glauben konnten, über was die beiden Protagonisten da diskutierten: Der Euro als 'Opfer' Deutschlands für seine Vergangenheit?? Wieso denn Opfer - fragte Jean-Hugues ungläubig - wenn es doch offensichtlich Deutschland gelungen ist, mit Hilfe des Euros ganz Europa an die Wand zu wirtschaften. Mit größerer Berechtigung könnte man vom Euro als Rache Deutschlands für den 2.Weltkrieg reden. Ansonsten fiel während des ganzen Gesprächs kein Wort zu den wahren Ursachen und volkswirtschaftlichen Aspekten der Krise.
    Ich meine, dass in Deutschland noch immer viele wirtschaftspolitische Fehler gemacht, angefangen bei einem Mindestlohn, der noch immer zu niedrig ist, wenn er überhaupt durchgesetzt wird, sowie bei fehlenden Steuerprüfern, die dem Staat mehr Geld und Gerechtigkeit einbringen würden, als sie kosten und der Frage, wie man die Binnennachfrage steigern kann.

    Ansonsten haben alle europäischen Staaten den gleichen Euro als wirtschaftliche Startbedingung gehabt. Wenn die nichts draus machen, oder sogar dreist lügen wie Griechenland, dann sind sie selbst schuld an ihrem Desaster. Sie sollten sich mal an Deutschland ein Beispiel nehmen, anstatt dem Zahlmeister Europas Vorwürfe zu machen.
    Sarrazin ist - wie auch sonst immer - mit vielen falschen oder falsch interpretierten Zahlen und Fakten glatt durchmarschiert. Jauch spielte dabei den eifrigen Sekundanten und Steinbrück zeigte sich dem 'Ernst der Lage' in keiner Weise gewachsen. Er verwies auf Geschichte, Verantwortung, Zivilisation und andere wolkigen Begriffe und überließ auf diese Weise Sarrazin die begehrte Rolle, mit 'harten Fakten' aufzuwarten - es war zum Schreien... All das ganz abgesehen von der Überlegung, warum öffentlich-rechtliches Fernsehen zur besten Sendezeit am Sonntag abend 70 Minuten Werbung für ein vermutlich grottenschlechtes, ressentimentschwangeres Buch machen darf. Und SPON fällt dazu nichts anderes ein als von einem 'richtig interessanten Gespräch' zu schwallen. AUA![/QUOTE]
  7. #286

    Zitat von sichersurfen Beitrag anzeigen
    Sie haben die Hoffnung, daß in GR vernünftig gewählt wird, also ND und Pasok. Das ist eine deutsche Sicht. Wählt die alten korrupten Parteien wieder. Warten wir ab, ob dies die Griechen auch als vernünftig ansehen.

    Die griechischen Bürger hoffen, daß wir spätestens im nächsten vernünftig wählen, also SPD. Das wäre aus griechischer Sicht die Rettung.
    Irgendwann ist der Punkt erreicht da geht es einfach weder vor- noch zurück.
    1. Die Griechen wählen rechts oder links >
    Griechenland bedient seine Schulden nicht mehr, sofern die Wahlversprechungen stimmen. Griechenland bekommt keinen Cent mehr am Geldmarkt. Die EU muss Wort brechen und zahlen oder man lässt sie absaufen. In beiden Fällen hat das unabsehbare Folgen.
    2.Alternativ bekommt Gr auf längere Sicht keine handlungsfähige
    Regierung mehr zusammen, was dann ? Einmaschieren und unter UN Verwaltung stellen? Auch in der EU fällen (noch) die Wähler der jeweiligen Länder die Entscheidung wer sie vertritt.

    3.Die Griechen wählen die alten korrupten Parteien.
    Sparkurs wird fortgesetzt, auf der Einnahmenseite kommt hier aber nicht wesentlich mehr rüber. Griechenland spart sich "gesund",
    Dauer mindestens 10 Jahre.
    Zudem ist es ja nicht so das Griechenland das einzige Schuldenproblem in der EU hat, aktuell lodern nur dort die Flammen am höchsten.
  8. #287

    .

    Zitat von Dio_genes Beitrag anzeigen
    ....

    Es geht 10 Jahre natürlich halbwegs gut weil die Fehler überdeckt werden. Und dann kracht das "schöne" Gebilde zusammen. Und die dummen Politiker, die alles besser wussten, sind völlig überrascht und hilflos.

    Wenn man dagegen ein echtes Europa geschaffen hätte (nach und nach) - also mit politischer, fiskalistischer und wirtschaftlicher Union - dann wäre eine gemeinsame Währung (wie eine gemeinsame Sprache) natürlich notwendig.

    ... Nebenkriegsschauplätzen (Afghanistan) ....
    post scriptum zu Afghanistan:
    Auch hier zeigt sich, dass das Volk mal wieder klüger war als die Berufspolitiker die immer behaupten, dass nur sie entscheiden können weil alles so komplex ist und sie die Zusammenhänge besser erkennen.
    Allerdings entscheiden Politiker grundsätzlich nur zu ihrem eigenen Vorteil - zahlen kann dann ja der Bürger. Ob die Projekte mittel- oder langfristig scheitern ist den Poltikern egal, hauptsache man hat kurzfristig Erfolg und kann Macht sichern oder ausbauen. Weitere Motive für politisches Handeln: Proporz, gegenseitige Bereicherung, parteipolitische Spielchen. Ob es für das Land gut ist, ist nebensächlich.
  9. #288

    Sarrazin und Steinbrück

    Zitat von paxXmataxX Beitrag anzeigen
    Bei mir steht aber das: Aber weil der gerade andere Promo-Termine für seine neue Platte hat, dann eben Harald Glööckler
    ----wie dem auch sei...steinbrück sollte kanzler werden...
    Auch nur eine Marionette, dieser Steinbrück. Genau wie Sarrazin.
    Die Nummer vom nächstenliebenden Weltbürger in Europa nehme ich beiden nicht ab.
    Den Mut eines Mannes erkennt man an den Taten, nicht an den Worten.
  10. #289

    Zitat von chico 76 Beitrag anzeigen
    Sarrazin mehr verdient hätte.
    Obwohl ich auch für den Euro und der Solidarität mit den Problemstaaten bin, hat mich Sarrazins Argumentation zum Nachdenken gebracht.
    Das ist genau der Punkt: Wir müssen natürlich solidarisch sein, aber Solidarität darf nicht ausgenutzt werden. Das bedeutet: Wir unterstützen bei der Korrektur früherer Fehler, aber nur unter der Prämisse, dass ab sofort besser gehandelt wird. Und da liegt der Knackpunkt: Griechenland bekommt es ja derzeit nicht hin, besser zu handeln. Immer noch überbordende Korruption, immer noch ein völlig versagender Staat. Das zu ändern, braucht Zeit, das ist klar. Und solange geht alles nur Schritt für Schritt in der Hoffnung, dass nicht irgendeiner dieser Schritte einmal ausfällt und das ganze Bemühen umsonst war.








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