Sarkozys Internet-Gipfel: Zivilisiert die Welt, nicht das Netz

Nicolas Sarkozy musste scheitern. In Paris sprach er mit Internet-Größen über seine Vorstellung von einem "zivilisierten" Internet. Dabei tappte Sarkozy in die gleiche Falle wie so viele Politiker vor ihm: Er versteht das Netz nicht.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzp...765065,00.html
  1. #30

    Titel

    Zitat von furanku Beitrag anzeigen
    Ja, wirklich? Verwechseln Sie da nicht das Überfliegen eines Wikipedia-Artikels und das Lesen eines Blogs, das seinerseits nur Medienberichte ohne weitere eigene Recherche der eigenen Meinung genehm kommentiert, mit Medientransparenz oder gar Medienkompetenz? Viele *glauben* heute besser informiert zu sein ... [...]
    Nein, ich würde sagen wir sind durch das Internet in der Summe heute wirklich besser informiert.
    Uns liegen beispielsweise viel öfter die Informationen aus einer Primärquelle vor. Die Aufarbeitung von professionellen Medien hat durchaus ihren Sinn und Reiz, aber ist letztendlich immer ein manipulativer Eingriff.

    Medienkompetenz muss man sich halt aneignen, um Informationen aus dem Internet adäquat zu beurteilen ist Medienkompetenz notwendig. Aber es ist eine prima Sache, dass die Menschen nicht mehr nur vorgekaute Informationen erhalten.
    In Blogs kann m an sich ein Bild darüber machen, welche Ansichten zu einem Thema in einer kleinen Gruppe von Interessierten vertreten sind, welche Pro- und Contras zu einem Theme denkbar sind. Auch enthalten Wikipediaartikel meistens die korrekte Info zu einem Thema. man muss sich lediglich klar machen, dass es da auch Fehler gibt, mal aus Gründen der Schlampigkeit, mal wegen absichtlicher Manipulation. Wenn ich mich beispielsweise über Nahostkonflikte informieren will, dann eher nicht bei Wiki, da der Drang zur Manipulation hier recht groß ist, wenn ich nur wissen will, was genau ein Opal ist, dann sehe ich hier weniger Probleme.

    Wenn zu einem Ereignis in verschiedenen Blogs von mutmaßlich 1000 verschiedenen Personen übereinstimmend berichtet wird, dann ist diese Information sehr glaubhaft. In so einem Fall ist mein Vertrauen gar größer, als wenn ein Reporter für mich dazu recherchiert hätte.

    Also ich behaupte mit aller berechtigter Überheblichkeit: Ja wir sind durch das Internet explizit besser informiert als frühere Generationen.
  2. #31

    Auf Thema antworten

    Zitat von RosaHasi Beitrag anzeigen
    ob sie den dreck nun sehen wollen oder nicht. irgendwann wird sogar noch durchgesetzt das mehrere stunden gehirnwäsche am tag pflicht wird.
    Ja, das habe ich mir vor einigen Jahren nach dem Genuss des Films "Equilibrium" und den Plänen zur GEZierung des Internets gedacht. Im Film gibt es überall riesige Bildschirme, auf denen die Diktatorfigur seine gefühllosen Untergebenen zulabert. Und die Öffentlich-Rechtlichen wollten GEZ-Abgabe auf Internetgeräte, weil ihre Inhalte ja dort abrufbar sind.

    Es wäre also nur folgerichtig, dachte ich, dass die Sender nun überall ihre Bildschirme hinpflanzen und dann pauschal von jedem Einwohner Geld verlangen, da man ihr Programm ja sehen MUSS. Dass es schneller wahr werden würde als gedacht, damit konnte keiner rechnen. Auch, dass es auf diese Art passiert. Aber offenbar ist die Verbindung von Politik und Öffentlich-Rechtlichen so gut, dass die Hürden gar nicht erst entstanden.
  3. #32

    Zitat von brux Beitrag anzeigen
    Genauso schwachsinning wie Sarkos Regierungsansatz aus dem 19. Jahrhundert ist die Vergötzung des internets.

    Letzendlich ist das Netz in weiten Teilen nur eine kulturelle Müllhalde. Wenigstens im Urlaub ist das Netz für mich inexistent und es werden richtige Bücher gelesen. Das Ergebnis: Das Leben geht weiter und der Geist wird erheblich besser erfrischt als beim surfen.
    Vergötzung des Internets?!

    Sicher, wenn man es nur nutzt, um das nächste Board zu bestellen, Hotels auszusuchen oder andere banale Dinge, dann könnte ich Sie verstehen.

    Aber wie schon einige Foristen geschrieben haben, das Internet bietet den einzigen wirklichen (noch) ungefilterten Zugang zu Informationen.

    In dem Maße, in dem mehr und mehr Tages- und Onlinezeitungen politischen und/oder ökonomischen Zwängen unterliegen, wird die Rolle des Internets als Informationsmedium (abseits der "Banalitäten") wichtiger.

    Versuchen Sie doch mal in unser freien Presse, bspw. in einer der "seriösen" Onlinezeitungen einen Beitrag zum Thema "Bilderberger" zu suchen.

    Sie werden (außer einer dpa-Meldung aus dem Jahr 2010 bei Spiegel Online) nichts finden! 120 der einflussreichsten Menschen aus Politik, Wirtschaft und Medien treffen sich einmal im Jahr und bereden... ja was eigentlich?

    Es dringt nichts nach außen. Bis ins Jahr 2009 hinein, wurden diese Treffen noch als Hirngespinnste von Verschwörungstheoretikern angetan. Nur dank des Internets ist der Druck so groß geworden, dass nun die Flucht nach vorn angetreten wurde. Nun allerdings wird das Treffen verharmlost.

    Ich frage Sie, wie sehr funktioniernen unsere Medien, wenn jeder unwichtige Mist hier tagelang abgehandelt wird, ein Treffen, welches an Prominenz einem G8-Gipfel in nichts nachsteht, aber totgeschwiegen wird?

    Ohne das Internet, würde und müßte ich ausnahmslos das glauben, was ich in den Zeitungen lese. Mein Weltbild wäre doch arg beengt.

    Eine fuktionierende Demokratie braucht freien Zugang zu ungefilterten Informationen.

    Daher ist es für viele Menschen so wichtig und wird "vergötzt".
  4. #33

    Soso

    Zitat von RosaHasi Beitrag anzeigen
    was reden sie denn für einen unsinn... natürlich haben wir staatliches fernsehen in deutschland.
    Nein, haben wir nicht.

    aber das wir in deutschland parteisender mit steuern finanzieren ist eine situation die nurnoch zu bedauern ist.
    Es gibt keine Steuerfinanzierung für das Fernsehen, wo haben Sie das denn her?

    bedenken sie - ab 2013 ist die abgabe sogar pflicht.
    Das ist aber keine Steuer.

    ob sie den dreck nun sehen wollen oder nicht.
    Ja, und? Die Privatrundfunkgebühr müssen Sie auch zahlen ob Sie wollen oder nicht. So ist das halt.
  5. #34

    ...

    "Dazu aber muss man gar nicht "das Netz zivilisieren", auf technischem Wege in den Informationsfluss eingreifen. Es reicht, auf politischem Wege die Welt ein bisschen weiter zu zivilisieren, zu der das Netz nun mal gehört."

    Wäre schön, aber glauben Sie daran? Es verdienen doch viel zu viele Menschen ihr Geld mit der Aufrechterhaltung der Unzivilisiertheit. Gerade der Kapitalismus als System braucht die Gegensätze im Recht, im Sozialen, weil er sonst die Antriebskraft verliert, nämlich aus dem bestehenden Gradienten (z.B. einem Arbeitslohngefälle) das Seinige für sich abzuzweigen.

    vielleicht zeigt das Internet, daß es für die Menschheit insgesamt besser sein könnte, von Technikern regiert zu werden? Ich weiß, das ist eine kühne These und sofort fallen einem mögliche Zustände ein, die man nur mit Abscheu zurückweisen kann (eine technokratisch-langweilige Welt der Nerds wäre noch vergleichsweise harmlos). Trotzdem gibt es einen Vorteil. Unter Naturwissenschaftlern zählt in der Regel das Argument. Es gibt zwar auch hier persönliche Feindschaften und Denkschulen, aber die Masse ist selbst bei völlig konträrer Meinung friedlich, weil es klare Regeln des Miteinanders gibt, die nicht jedesmal neu verhandelt werden müssen. Insofern macht das Internet vielleicht einen chaotischen-anarchischen Eindruck, ist aber vermutlich zivilisierter, als der normale Staatsbetrieb selbst in einer Demokratie.
  6. #35

    .

    Zitat von hman2 Beitrag anzeigen
    Nein, haben wir nicht.



    Es gibt keine Steuerfinanzierung für das Fernsehen, wo haben Sie das denn her?



    Das ist aber keine Steuer.



    Ja, und? Die Privatrundfunkgebühr müssen Sie auch zahlen ob Sie wollen oder nicht. So ist das halt.
    zwangsabgaben ala GEZ sind das selbe wie steuern. man kann es nun drehen wie man will. der vorteil, die GEZ ist nicht pflicht. genauso wenig ist es pflicht fernseher und radio zu besitzen. ich habe mich vor langer zeit entschlossen auf diese beiden gehirnwaschinstrumente zu verzichten.

    eigentlich drehen sie sich mit ihrer kritik nur um das wort steuer im kreis. wenn ich es nun politisch erzwungene abgabe nenne wird das auch nicht besser. und warum habe ich überhaupt steuer gesagt? tja weil die GEZ nicht irgendein privatunternehmen ist, dass inhalte gegen bezahlung bereitstellt. nein es ist eine institution die staatliche legitimation erhielt weil sich massenhaft ausgediente politiker einen job gewünscht haben. vermutlich haben diese stümper in ihrer amtszeit nicht genug den lobbyisten gelauscht und sonst nichts lukratives mehr erwischt
  7. #36

    Soso

    Zitat von RosaHasi Beitrag anzeigen
    zwangsabgaben ala GEZ sind das selbe wie steuern. man kann es nun drehen wie man will.
    Nein, das ist vollkommen falsch. Steuern sind Zahlungen die grundsätzlich nicht zweckgebunden sind. Die Zahlungen an die GEZ sind aber zweckgebunden.

    weil die GEZ nicht irgendein privatunternehmen ist, dass inhalte gegen bezahlung bereitstellt.
    Die GEZ ist kein Privatunternehmen, und sie stellt überhaupt keine Inhalte bereit. Ihre Argumentation wird immer konfuser...

    nein es ist eine institution die staatliche legitimation erhielt weil sich massenhaft ausgediente politiker einen job gewünscht haben.
    Ach ja. Sie können diese "Massen" sicherlich beziffern, oder?
  8. #37

    Zitat von ssommerf Beitrag anzeigen
    Genau, und der Stahlarbeiter soll mal gleich Aufklärung darüber verlangen was mit dem hergestellten Material passiert (könnten ja Waffen sein). Der Milchbauer bekommt eine Vorlage der kompletten, nachgelagerten Vertriebskette (evtl. ißt Gaddafi ja Käse)...usw.
    Schöne kleine Legowelt...
    ja genau auf den Post habe ich gewartet.
    "und was ist mit der Waffenindustrie etc etc pp"
    ja sicher kann ich alles umdrehen und ins lächerliche ziehen.
    Aber gerade die ITler wollen doch immer so ein aufgeschlossenes und weltoffenes Völkchen sein.

    Das hat mit Legowelt nix zu tun.
    und ja vielleicht könnte MITTAL sich ja auch dazu durchringen
    keinen Stahl an Kraus Maffei zu verkaufen
    mal weiter gedacht.

    Ihr wollt immer alles haben
    aber wenn jemand mit einer ungewöhnlichen Idee kommt wird
    er ausgelacht.
    Also was beschwert ihr euch.
  9. #38

    "Die Lage" goes public

    Angeblich besteht die hauptsächliche Kärrnerarbeit der Geheimdienste darin, alltägliche und frei verfügbare Quellen auszuwerten: Presse, Vorträge, Stellungnahmen, etc.. Normalsterblichen gelang das vor dem Internet nicht, Zeit und Aufwand sprachen dagegen. Wer abonniert schon Dutzende Blätter der unterschiedlichsten Provenienz, es sei denn aus beruflichen Gründen?

    Heute kann jeder weltweit zahllose Zeitungen, Dokumente, etc. (s.o.) abrufen, sichten, speichern, weitergeben und zwischen Nord- und Südpol diskutieren. Die Information ist bei den Menschen angekommen™. Und zwar aktivierend. Das macht natürlich Angst. Aber Angst muss doch nur der haben, der etwas zu verbergen hat....?
  10. #39

    Da bin ich mir eben nicht sicher

    Zitat von BartSimpson Beitrag anzeigen
    Uns liegen beispielsweise viel öfter die Informationen aus einer Primärquelle vor.
    Mit dieser Aussage wäre ich in zweierlei Hinsicht vorsichtig:

    1) Das Internet tendiert oft zur mehrfachen, ja manchmal sogar zur zirkulären Verlinkung. Ich habe schon oft Meldungen versucht zurückzuverfolgen und landete ldann letztendlich z.B. bei einem ominösen "nach Meldungen französischer Verbraucherschutzorganisationen". Wenn man in den entsprechenden Foren dann mal ansprach, dass es keine handfeste Quelle gäbe, wurde man je nach im Forum populärer Meinung zum Thema der Meldung entweder "niedergebrüllt" oder "man habe sich das ja schon gedacht". Das Internet führt IMHO eher zu weniger Medienkompetenz. Man liest einfach, das was man gerne liest und glaubt dass das schon richtig sein wird. Wenn es *irgendwo* hin verlinkt ist, wird es schon wahr sein, bis hin zu "Presse schreibt aus Wikipedia ab, Wikipedia beruft sich auf Presse". Wenn es für die Zielgruppe plausibel klingt, wird es schon stimmen.

    2) Primärquellen sind oft nur mit genügend Hintergrundwissen interpretierbar. Selbst wenn ein Blogger da ein Dokument oder einen eigenen Augenzeugenbericht präsentiert, ist sich daraus eine Meinung zu bilden gefährlich. Was weiß ich über diesen Blogger und dessen journalistische Reputation? Wenn ich auf dessen Blog nur durch eine Google Suche gestossen bin, sollte man da doch mit einer gesunden Vorsicht herangehen, und eben diese vermisse ich oft.

    Zitat von BartSimpson Beitrag anzeigen
    Die Aufarbeitung von professionellen Medien hat durchaus ihren Sinn und Reiz, aber ist letztendlich immer ein manipulativer Eingriff.
    Ich fürchte ohne diese wären z.B. die War Diaries von Wikileaks für viele einfach unverständlich gewesen und man hätte sich auf Hörensagen und Interpretationen von fragwürdigen Instanzen verlassen müssen.

    Zitat von BartSimpson Beitrag anzeigen
    Medienkompetenz muss man sich halt aneignen, um Informationen aus dem Internet adäquat zu beurteilen ist Medienkompetenz notwendig.
    Da ist meine Erfahrung eben, dass, wie so oft, sich traurigerweise diejenigen am meisten zutrauen, die die größten Defizite haben.

    Das ist ja mein Tenor: Das Internet führt nicht wirklich zu mehr Information oder Medienkompetenz oder Transparenz, sondern zu einer Selbstüberschätzung der eigenen Informiertheit und Medienkompetenz.

    3 Klicks und eine Googlesuche machen noch lange keine Recherche, ein Wikipedia-Artikel einen noch lange nicht zum Experten.