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S.P.O.N. - Helden der Gegenwart: Partei für die Anschlussverwendung!

Toll, dass die FDP im Falle Schlecker gezeigt hat, wie flott sie Dinge abzuwickeln versteht. Das kann ihr für die Zukunft nur nützlich sein: Das, was die Liberalen jetzt für die Frauen der Drogerie-Kette angedacht haben, können sie demnächst ja auch wunderbar für sich selbst umsetzen.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...824900,00.html
  1. #90

    Neiddiskussion?

    Mir kommt die Debatte um die Transfergesellschaft für die Schlecker-Frauen vor wie eine Neiddiskussion auf leider nicht höchstem Niveau:
    Die 10.000 Schlecker-Frauen dürften in eine Transfergesellschaft und Hartz IV oder neue Jobs in prekären Beschäftigungsverhältnissen hinauszögern, aber der Gekündigte vom pleite gegangenen Schreinermeister Mustermann um die Ecke darf das nicht.

    Und genau diesen kleinen Mann bedient die FDP mit ihrer Position. Ja, denn auch davon gibt es 10tausende jährlich. Bringt vielleicht soviel an Stimmen, dass die FDP nicht unter die Marke der Biertrinker-Partei rutscht.
  2. #91

    Zitat von guteronkel Beitrag anzeigen
    .....
    Es ist schlicht und ergreifend einfach unverschämt, was mit Leuten gemacht wird, die auf der schlechteren Seite dierser Gesellschaft stehen. Die FDP hat dies immer gefördert und unterstützt. Jetzt kann die ganze Partei bald sehen, wie es ist, wenn man unten ist.
    Machen sie sich keine falschen Hoffnungen: FDP-Politiker haben wie die meisten anderen ausgesorgt: Sollten sie durch die Wähler von ihren politischen Fleischtöpfen weggezerrt werden, warten bereits hochdotierte Posten bei ihren Auftraggebern: Wirtschaft und Banken. Die lassen willfährige Politiker niemals hängen, schliesslich wäscht eine Hand die andere in dieser sauberen Republik!
  3. #92

    Soziale Kälte pur

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Toll, dass die FDP im Falle Schlecker gezeigt hat, wie flott sie Dinge abzuwickeln versteht. Das kann ihr für die Zukunft nur nützlich sein: Das, was die Liberalen jetzt für die Frauen der Drogerie-Kette angedacht haben, können sie demnächst ja auch wunderbar für sich selbst umsetzen.

    S.P.O.N. - Helden der Gegenwart: Partei für die Anschlussverwendung! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    Beim Lesen der Beiträge wird einem die soziale Kälte ins Gesicht geblasen.
    Eines zur Klärung: Nicht Schlecker sollte gerettet werden, die 11.000 Frauen (viele sind übrigens Alleinverdiener ohne gut verdienenden Ernährermann) sollten in einer 6 monatigen Übergangsphase gesicherte Verhältnisse zur Arbeitssuche erhalten.
    Kein Steuercent wäre ausgegeben worden, lediglich eine Bürgschaft hätte es gebraucht.
    Und es ist ein Unterschied, ob übers Jahr und über die ganze die Republik verteilt kleinere Betriebe insolvent gehen oder ob auf einen Schlag 11.000 ihren Lebensunterhalt verlieren.
    Aber das ist der Partei der Besserverdienenden vollkommen gleich. Lieber werden ein paar Steuerhinterzieher, die den Staat mit krimineller Energie schädigen mit Samthandschuhen angefasst.
    Deutschland ist ohne diese FDP besser dran.
  4. #93

    rohe Bürgerlichkeit !!

    Zitat von qvoice Beitrag anzeigen
    Und jetzt verhungern die Kinder?
    Geht's noch ein wenig roher ?
    Ein wenig mehr Chuzpe und Arroganz vielleicht ?
    Oder könnten sie doch noch etwas mehr gegen latente Rest-Empathie und Diskursfähigkeit tun ????

    Zitat von Gerlinde66 Beitrag anzeigen
    Ja natürlich - damit bedienen Sie im Grunde zusammen mit den bürgerlichen Seriösitätsapostel nichts anderes, als die doppelte Ausbeutung der Frauen! Gehen die Geschäfte gut, ist man nicht verlegen den Frauen für ein "Taschengeld" Jobs anzubieten. Gehen die Geschäfte schlecht, wird kategorisch der Ruf laut - FRAUEN ZURÜCK AN DEN HERD - um als "Anschlussverwendung" wieder mal von dort aus den gesellschaftlich so wichtigen "sozialen Liebesdienst" an den Mann zu bringen, d.h. dem warenproduzierenden System den Rücken frei zu halten - wenn Sie wissen was ich meine.

    Das ist in Wahrheit der eigentliche Skandal der an der Schlecker-Insolvenz sichtbar wird. Aus Sicht des Verwertungssystems und seiner schwarz-gelben Hofsänger ist die Entscheidung natürlich im Sinne der "selbstheilenden marktwirtschaftlichen Kräfte" folgerichtig - doch aus sozialer frauenpolitischer Perspektive ist es wieder einmal die uralte Auflage kapitalistisch-patriarchalischer Frauendiskriminierung. Schlecker-Gesamtbetriebsrätin Christel Hoffmann brachte es auf den Punkt als sie sagte: "Der Tag hat uns gezeigt, welche Wertstellung Frauenarbeit in Deutschland hat. Das ist bitter."
    Naja - sie drücken das (mein vollstes Verständnis) etwas polemisch aus.
    Aber es ist schon auffällig: die Struktur der "typischen" Schlecker-AN ist wohl tatsächlich überdurchschnittlich weiblich, alleinstehend, kindererziehend, gering qualifiziert und auf das (wenn auch noch so geringe) Einkommen dringend angewiesen....auch wenn sich etliche Foristen diese Lebensumstände in ihren sozialen Elfenbeintürmen offensichtlich nicht mehr vorzustellen vermögen....

    Und genau diese schwache Verhandlungsposition (welche Frau unter diesen Umständen kann sich grosse Protestaktionen oder Anwaltskosten leisten etc. etc. - die müssen sich ganz einfach kümmern - auch um der Verantwortung gegenüber Ihnen Anvertrauten (zB. Kinder) halber, und sehen wie sie über die Runden kommen (oder im nonchalant-libertären fdp-jargon: Anschlussverwendungen finden...)

    honi soi qui mal y pense -
    wären diese MitarbeiterInnen überwiegend männlich oder an einem Ort konzentriert, stünde die Transfergesellschaft und die Landes-BÜ wäre kein Problem. Diese existenziell schwache Verhandlungspower der Schlecker-MitarbeiterInnen wird - ganz "Eigenverantwortung" - selbstredend von deren Gegenspielern ausgenutzt....ganz nach dem Motto "wir sitzen ja Alle in einem Boot" oder so ähnlich.

    PS: ich bin übrigens männlich und im mittleren Management tätig (bevor hier wieder die "Gutmenschen"-, "Looser"- oder "Linken"-Keule rausgeholt wird....)
  5. #94

    Gute Frage

    Zitat von -mowgli- Beitrag anzeigen
    Einige Details wurden im Gutachten genannt.
    Geschätzter Wert ~200 Millionen
    Erwarteter Erlös > 70 Millionen

    Aber meine Frage zielte darauf ab, ob der Erlös dann auch zur Tilgung des Staatskredits zur Verfügung gestanden hätte, oder ob da nicht auch die anderen Gläubigern vorrangig bedient worden wären?
    Sie schrieben ja von einer langen Schlange von Gläubigern.
    Das ist eine gute Frage.
    Ich bin kein Konkursrechtsspezialist. Üblicherweise werden m.E. steuerliche, öffentliche Forderungen und Sozialversicherungsansprüche im Ranking der Gläubigerforderungen vorrangig bedient. Zumindest solange nicht ein separat vereinbarter Rechtsanspruch der Gläubiger (Verpfändung, Abgretung etc.) besteht.
    Worunter da eine Transfergesellschaft einzuordnen ist wäre interessant zu erfahren....
  6. #95

    Banken und Ordnungspolitik

    Zitat von lonestar67 Beitrag anzeigen
    schön differenziert und argumentativ untermauert, so muss das sein. Lieber James, wenn die europäischen, insbesondere die deutschen Banken den Bach runter gegangen wären, dann wären 11000 arbeitslose Schleckerverkäuferinnen heute Ihr kleinstes Problem . Insbesondere wenn man bedenkt, dass 80% der Banken ohnehin unter staatlicher Kontrolle stehen, das heißt die Politik hängt genauso drin.
    Ihre Behauptung, dass 80% der Banken unter staatlicher Kontrolle stünden, untermauern Sie aber schon noch?

    Ich hätte durchaus verstehen können, dass man den Zusammenbruch der Banken verhindern wollte, wenn man danach das kranke System reformiert hätte.

    Der Staat hat Unternehmen (hier: Banken) vor dem Konkurs gerettet- wie in solchen Fällen üblich, hätte er Forderungen stellen müssen. Bestimmte Geschäftspraktiken hätten untersagt werden müssen. In einem Unternehmen, dass de facto eigentlich pleite wäre, kann es keine Boni geben (und dann noch für die Gruppe von Leuten, deren unverantwortliches Verhalten zu der Pleite geführt hatte).

    Insofern sehe ich hier schon eine deutlich andere Behandlung reicher Investmentbank-Mitarbeiter (und ja, viele davon waren und sind wirklich nichts anderes als Zocker) und armer Einzelhandels-Mitarbeiter.

    Auch ich glaube nicht an Transfergesellschaften als grossartige Lösung. Der Grundtenor der Kolumne allerdings stimmt: Wenn es um die Klientel der F.D.P. geht, dann hält das Führungspersonal die ordnungspolitischen Grundsätze eben nicht so hoch.

    Und ja, diese Führungsschicht wird wohl demnächst eine Anschlussverwendung brauchen. Aber keine Angst: Die werden alle einen neuen weichen Sessel finden.
  7. #96

    Kombinat Finanzoligarchie ?

    Zitat von libertarian2012 Beitrag anzeigen
    SPON war an vorderster Front mit dabei, als es darum ging, Schlecker in den Abgrund zu schreiben. Nein, die sind nicht unter einer Decke mit dem "Grosskapital", sondern wollen all diese Laeden in VEBs verwandeln. Im Zweifel Links und so...
    Mit Investment- und anderen Banken, Tradern und Hedge-Fonds aller Coleur als dazugehörige VEB's ?
    Die Finanzinvestoren & private equity als Parteisekretäre (sie wissen schon: damit keiner von der Linie abweicht und - das geht jetzt anders herum - ans Gemeinwohl denkt ...) ?
    Die Spekulanten als Stasi ?
    Und die Vertreter der Finanzoligarchie als Einheitsfront zur Entmündigung und Gleichschaltung der Parlamente ?
    Mit dem totalen Markt als wissenschaftliche Lösung für alle Fragen ?

    Gar nicht so schlecht ihre analytischen Fähigkeiten und Analogien.....

    Im Finanzsektor herrscht schliesslich sozialistische organisierte Verantwortungslosigkeit ganz wie in der seeligen ddr...
  8. #97

    Zitat von -mowgli- Beitrag anzeigen
    Ich verstehe.
    Sie wollen also damit sagen, wenn nicht alle insolventen Unternehmen einen Staatskredit für eine Transfergesellschaft erhalten, dann soll den auch ein Schlecker nicht bekommen?
    Das sehen viele so wie Sie.
    Ich habe gesagt, dass die Blockade der Schlecker-Transfergesellschaft durch die FDP nicht grundsätzlich falsch war. Aber die Art und Weise, wie die FDP selektiert, wer zu retten ist (nämlich abhängig von der Höhe der eingegangenen Parteispenden, die die betroffenen Unternehmen geleistet haben) habe ich kritisiert. Opel und Schlecker werden nicht gerettet, die Commerzbank aber schon.

    Man sollte sich festlegen: Entweder unterliegen alle Unternehmen der freien Marktwirtschaft, oder aber keins. Und nicht mal so mal so.
  9. #98

    Haben Sie mal darüber nachgedacht

    Zitat von fuenfringe Beitrag anzeigen
    Stimmt: die Frauen hätten ein halbes Jahr länger eine Chance gehabt, eine Stelle zu finden und ihre Kinder zu ernähren.

    Das zählt nicht, oder?
    dass die Mitarbeiterinnen durch Verträge mit einer "Auffanggesellschaft" alle Rechte aus dem alten Arbeitsverhältnis aufgegeben hätten. So können sie Kündigungsschutzklagen einreichen und eventuell auf eine Abfindung hoffen.

    Ich denke, dass die Bundesanstalt für Arbeit die Anlaufstelle für die Mitarbeiterinnen sein sollte. Warum mit zweierlei Maß messen, nur weil es sich in einem Fall um viele handelt. Die Mitarbeiter aus anderen Firmenpleiten, wo es mal 4, mal 5 trifft, müssen die gleichen Chancen haben wie die Schlecker Mitarbeiterinnen.

    Auch wenn ich keinee FDP Anhängerin bin - hier hat sie es richtig gemacht!
  10. #99

    Zitat von kandana Beitrag anzeigen
    Im Handel sind derzeit 25.000 Jobs nur im Verkauf offen und wer Schlecker als Arbeitgeber überstanden hat, hat aus diesem Fakt heraus schon eine Empfehlung.
    Zuletzt, man darf Schlecker als Privatunternehmen einfach nicht helfen - Mißwirtschaft ist nunmal ein Todesurteil in der Marktwirtschaft, gerade wenn man so unbelehrbar war wie Anton Schlecker und jahrzehntelang eine Schiene beibehalten hat, obwohl sich schon vor 15 Jahren gezeigt hat, dass man Marktanteile verliert.
    Bei diesen 25000, Andere sprechen von 40000, freien Stellen handelt es sich überwiegend um Billiglohnstellen, wie sie im Einzelhandel so üblich sind.

    Niemand hat übrigens die Absicht gehabt Schlecker zu retten. Die Transfergesellschaft hatte lediglich den Hauptzweck die 11000 zu Entlassenen von Kündigungsklagen abzuhalten. Durch die vorbildlich marktwirtschaftliche Haltung der hohen Priester der heiligen neoliberalen Dreifaltigkeit(Lohkostensenkung, Privatisierung, Deregulierung) der FDP wird wahrscheinlich ein Tsunami von Kündigungsschutzklagen ausgelöst. Welcher Investor verliert bei dieser Lage nicht sein Interesse? Auch das Interesse des Schlecker-Nachwuchs dürfte schnell erlahmen.


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