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S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Wie wär's mit einem eigenen Leben?

Unauffällig kommt man besser durch diese Welt, glauben Sie? Gegen Leute, die sich unpassend kleiden, zu laut sind und am Straßenrand sitzen, haben Sie eine Abneigung entwickelt? Warum? Ist es wichtig, sich endlich mal erwachsen zu verhalten?

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...762863,00.html
  1. #50

    breakfast of champions

    Zitat von Kurt Vonnegut 'breakfast of champions'
    As I approached my fiftieth birthday, I had become more and more enraged and mystified by the idiot decisions made by my countrymen. And then I had come suddenly to pity them, for I understood how innocent and natural it was for them to behave so abominably, and with such abominable results: They were doing their best to live like people invented in story books. This was the reason Americans shot each other so often: It was a convenient literary device for ending short stories and books.
    ... schöne Variation, aber als Thema nicht neu.

    Heute leben die Menschen nicht mehr nach Romanen sondern versuchen Fernsehserien oder Castingshows nach zu spielen - das ist aber nur ein marginaler Unterschied.
    ... Binder, Fliege oder iDings macht da wohl eher keinen Unterschied.
  2. #51

    Irgendwie sehe ich das anders...

    Eine funktionierende Gesellschaft basiert nunmal auf der Tatsache, dass sich ihre Teilnehmer in bestimmten Dingen ähnlich verhalten (nicht individuell).So bilden sich Standards, Regeln, Gesetze.
    Und wo Freiheit ist da ist auch Pflicht. (letzteres traut man sich in Deutschland nie zu sagen). Bspw. habe ich die Pflicht auf der rechten Straßenseite zu fahren, was
    mir aber die Freiheit gibt, entspannt Auto zu fahren ohne dass mir dauernd einer frontal rein fährt.
    Standards geben Orientierung. Viele Menschen sehnen sich doch nach Vorgaben. Warum gibt es modische Trends? Der Shopping-Queen steht doch folgendes ins Gesicht geschrieben: "Bitte sagt mir was modern ist dann kauf ich es mir
    und ziehe an. Ich will doch nicht selbst entscheiden müssen was mir gefällt." Gerade was die Klamotte betrifft darf in der heutigen Arbeitswelt doch jeder Arbeitnehmer alles anziehen. Der Abteilungsleiter im Hawaiihemd, die Assistentin im Pipi-Langstrumpf-Look. Die armen Anzugträger binden sich doch gerne den Strick (Krawatte)um den Hals, wie in den vielen Filmen, die Ihnen Orientierung gegeben haben.
    Wer keinen Bock auf Gesellschaft hat und sich nicht an die Standards halten möchte, muss es sich auch leisten können. Viele arbeiten wie die Verrückten um dann mit 50 ein Leben als Aussteiger führen zu können. Noch lieber sind mir diese Moralapostel die sich mit 1000 EUR pro Jahr in der
    dritten Welt rumschlagen weil sie das Leben in Deutschland ja so schrecklich finden. Was nicht gesagt wird, ist die Tatsache, dass sie alle paar Jahre wieder zurück kommen
    ihre Konto auffüllen (möglich dank der fiesen uniformen Gesellschaft) und dann wieder in die dritte Welt jetten. Dann doch lieber individuell komplett aussteigen, auf das
    fiese System ganz verzichten.
    Zusammenfassend lässt sich sagen. Ähnliches Verhalten ist nichts Schlechtes und für viele auch nichts Unerwünschtes.
    Wer richtig individuell sein möchte muss es sich entweder leisten können oder sich mit dem existentiellen Minimum zufrieden geben.
  3. #52

    Und nochmal zur Erinnerung

    Zitat von lomexx Beitrag anzeigen
    ... Krawatten, Esstische, Kalbsbries - ein Artikel, wie frisch aus den späten 60ern in den SPIEGEL gehievt. Gedacht für Leute, an denen die Literatur- und Filmgeschichte der letzten 50 Jahre ....
    Weil es so schön formuliert und richtig war! grins
  4. #53

    Gegen Titelzwang

    Stimmt soweit alles und ist häufig zu beobachten. Nur das der heutige Spießer, um den es ja geht, Jeans trägt, leicht ungepflegt aussieht, bspw. ungekämmt oder unrasiert, Grün wählt, mit Ikea wohnt, kein Kind oder max. ein Kind hat usw. Er hat nichts gegen Ausländer, wohnt aber in einem überwiegend deutschen Viertel und hält sich für einen Gutmenschen, ist natürlich gegen Rechts, fährt aber Auto, fliegt in den Urlaub und hält sich permanent für überarbeitet.

    Wer sitzt zu Hause noch in leichter Casual-Kleidung ?
  5. #54

    ...

    Zitat von ozymandiaz Beitrag anzeigen
    Eine funktionierende Gesellschaft basiert nunmal auf der Tatsache, dass sich ihre Teilnehmer in bestimmten Dingen ähnlich verhalten (nicht individuell).So bilden sich Standards, Regeln, Gesetze.
    Und wo Freiheit ist da ist auch.....
    ich glaube sie haben es nicht verstanden oder?
    es geht nicht darum mit aller gewalt anders sein zu müssen... sondern darum nicht mit aller gewalt wie die anderen sein zu müssen, weil es von den anderen verlangt wird... modischen trends werden nicht gefolgt weil sie orientierung geben sondern aus angst ausgestoßen zu werden wenn man nicht dem letzten schrei entsprechend auftritt... was ja auch völlig unabhängig von krawatte oder nicht ist... aber z.b. bwl studieren weil es etwa die familie erwartet oder von der vermeintlichen gesellschaft als sinnvoll erachtet wird statt aus tatsächlichem interesse oder begeisterung dafür (ersetzbar durch nahezu jedes beliebiges "mainstream" studienfach) führt früher oder später zu einer großen unzufriedenheit und leere...
    darum geht es hier... nicht um zwanghaftes anders sein...
  6. #55

    So oder so

    Zitat von Asirdahan Beitrag anzeigen
    Ich denke, ich weiß, was Sie meinen. Aber es kommt auf die Definition an. Ich verstehe unter Individualität nicht, dass ich etwas tue, was kein anderer je getan hat. Individualität ist für mich der Luxus, das tun zu können, worauf ich Lust habe, und der Mut, es wirklich umzusetzen. Wenn ich grüne Hüte liebe und sie auch trage, bin ich individuell, selbst wenn tausend andere auch grüne Hüte lieben. Wenn ich aus Angst, blöd aufzufallen, einen blauen kaufe, bin ich Masse.
    Das ist ja das Problem. Woher wollen Sie bzw. die Kolumnenschreiberin wissen, ob derjenige, der sich den blauen Hut gekauft hat nicht DOCH blau mag und damit seinen Individualismus befriedigt. Individuell ist man immer nur selber. Alle anderen sind Mitläufer. – Natürlich krass ausgedrückt.
    Woran man das ganz schnell merkt? Beim Autofahren. Die Deppen sind irgendwie immer außerhalb des eigenen Fahrzeugs.
    Ich bleibe daher bei meiner Aussage: Individualismus ist eine Illusion.
  7. #56

    Der Gedanke ist, was zählt

    Zitat von Robert Baratheon Beitrag anzeigen
    Das ist ja das Problem. Woher wollen Sie bzw. die Kolumnenschreiberin wissen, ob derjenige, der sich den blauen Hut gekauft hat nicht DOCH blau mag und damit seinen Individualismus befriedigt. Individuell ist man immer nur selber. Alle anderen sind Mitläufer. – Natürlich krass ausgedrückt.
    Woran man das ganz schnell merkt? Beim Autofahren. Die Deppen sind irgendwie immer außerhalb des eigenen Fahrzeugs.
    Ich bleibe daher bei meiner Aussage: Individualismus ist eine Illusion.
    Es kritisiert ja niemand, dass alle gleich rumlaufen. Es wird ja nur kritisiert, dass gewisse Leute anderen Leuten ihre Erwartungshaltung aufoktroyieren. Das dies nun mal tendentiell eher die Leute sind, die an sich selbst unglaublich hohe Erwartungen stellen, die sie sich, wie die Autorin schreibt, wiederum von anderen aufoktroyieren lassen haben, OHNE sie kritisch zu hinterfragen. Das ist der Punkt. Die Ursache, nicht die Wirkung. Es ist nicht im Sinn des Individualismus, dass alle Leute sich voneinander abgrenzen wollen müssen.
  8. #57

    Daumen hoch

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Unauffällig kommt man besser durch diese Welt, glauben Sie? Gegen Leute, die sich unpassend kleiden, zu laut sind und am Straßenrand sitzen, haben Sie eine Abneigung entwickelt? Warum? Ist es wichtig, sich endlich mal erwachsen zu verhalten?

    http://www.spiegel.de/kultur/gesells...762863,00.html
    Sehr gute Kolummne, hat mir diesmal gefallen!
  9. #58

    Guter Artikel

    Trifft es auf den Punkt. Es geht doch gar nicht darum, wie man angezogen ist oder das man zwanghaft anders sein muss. Ich bins auch nicht, schließlich will ich meine Brötchen verdienen und den Mut, mich total auszuklinken, hätte ich auch nicht.
    Aber ich habe keine Angst oder Abneigung vor Leuten, die andere vielleicht als "verrückt" empfinden, nur weil sie anders sind. Die sind jedenfalls viel interessanter als krampfhaft angepasste, wobei ich von denen ehrlich gesagt kaum welche kenne.
    Ich liebe Individualität und man sollte sie ausleben, so gut es geht. Dazu muss man nicht krampfhaft anders sein, sondern einfach nur man selbst.

    Nur die Sache mit dem Esstisch... Ich finde Esstische toll, weil da so viel Platz dran ist für Gäste. Und essen ist jetzt wirklich nicht spießig :-)
  10. #59

    Hier outen sich sehr viele Beitragsschreiber

    In vielen Beiträgen ist zu lesen, wie andere sich verhalten und wie sie sich als Spießer entpuppen. Und genau da liegt doch das Knackpunkt. Nicht was die Anderen für ein Lifestyle führen ist entscheidend, sondern die eigene innere Motivation, sein Leben zu gestalten.
    Es ist vollkommen irrelevant, was andere für Antriebe und Vorstellungen mich sich herumtragen. Das ist deren Sache.

    Das Bezeichnende ist doch, das jeder, der etwas über andere aussagt, viel mehr über sich selbst aussagt. Alle Aussagen in diesem Blog, die andere Lebensweisen beschreiben, muss man konsequenterweise mit dem Zusatz ergänzen: "Es erscheint..." oder "Ich habe den Eindruck, dass..." Auch ohne dass das geschrieben wurde, ist es auch so Bestandteil der getroffenen Aussagen. Wer so über andere denkt, geht davon aus, dass andere auch so über einen selbst denken. Dementsprechend wird häufig gehandelt und schon ist man nicht individuell.

    Und wisst ihr was? Es geht mir da nicht anders. Mist!


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