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S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Strampeln gegen das Sterben

Wir wollen nicht sterben - schon gar nicht in Würde. Wir krallen uns an das Dasein, weil wir wissen, dass danach nichts kommt. Leben und Tod sind wie eine schlechte Internetverbindung: Wer abtritt, reißt ein Loch in die Realität.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...835773,00.html
  1. #10

    Fan

    Wäre ich nicht schon ein kleiner Fan ihrer Artikel, Frau Sibylle, ich würde es spätestens heute werden. Schön geschrieben. Und sich des Problems aller Probleme angenommen. Ich bin sicher, die Welt wäre ganz anders, wenn den Menschen jederzeit bewusst wäre, dass sie sterben werden. Aber das geht nicht in den Kopf hinein. Sie leben in den Tag, als wären sie unsterblich. Lächerlich. Dumm.

    Niemand hat besser über dieses Thema geschrieben als Albert Camus in der "Mensch in der Revolte" oder konzentrierter in der "Mythos vom Sysiphus". oder anschaulich in "der Fremde". Es ist wahr - und vielleicht die einzige Wahrheit die es gibt: wir werden sterben und wir werden allein sterben, während alle anderen und alles andere bleibt. Solange das nicht anders ist, bin ich mir selbst am nächsten und nichts und niemand hat das Recht, mir in mein Leben hinein zu pfuschen oder mir Vorschriften zu machen.
  2. #11

    @ Newspeak

    Kennen Sie SENS, vorgeschlagen von Aubrey de Grey? Mich als angehender Biophysiker hat er durchaus überzeugt dass sein vorgeschlagenes Konzept umsetzbar wäre in den nächsten 20-40 Jahren.
    Infos: http://de.wikipedia.org/wiki/Aubrey_de_Grey
  3. #12

    Rudimentäre Quantenphysik

    Gibt es das Danach?
    Natürlich gibt es das.
    Es ist das Gleiche, wie davor -
    Ist aber das Davor,
    das Gleiche,
    wie das Danach,
    Gedankenstrich,
    War es das Selbe,
    davor und danach -
    nämlich.
    Punkt
  4. #13

    Zitat von aragorn2012 Beitrag anzeigen
    Endlich mal ein Artikel, in dem einen nicht irgendeine religiöse Vorstellung von einem sogenannten "Leben nach dem Tod" aufgezwungen wird.
    Es gibt nichts nach diesem Leben. Deswegen ist es wirklich bitter, dass wir so viel Zeit mit nutzlosen Dingen verschwenden.

    Endlich, Frau Sybille, Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Und Ihnen, werter Herr, kann ich nur zustimmen.
    Vielleicht wären wir alle ohne diese Fiktion mit dem Leben danach besser dran.
  5. #14

    Ein bißchen Empathie reicht aus …

    Zitat von Newspeak Beitrag anzeigen
    Für eDas Endziel der Medizin ist die Überwindung des Todes. Wer etwas anderes behauptet, hat das Grundkonzept nicht verstanden.
    Allein die Entropie behauptet etwas anderes ...
    Aber egal. Stellen Sie sich doch nur mal für einen einzigen Moment vor, man würde wieder geboren werden – aber ohne jegliches Erinnern an ein früheres Leben. Dann wäre es völlig belanglos, ob ich das bin, der gerade (wieder) geboren wird, oder ein ganz anderer, der (ganz neu) diese Welt betritt.
    Jetzt stellen Sie sich – ganz in diesem Sinne - vor, man würde 200 Jahre alt werden. Spätestens im Alter von 150 Jahren könnten Sie mit sich selbst und Ihren Erinnerungen aus der Zeit, als Sie 50 waren, kaum mehr etwas anfangen. Man ändert sich ganz sicher auch ohne die Erfahrung des Alterns und dem wachsenden Abstand zur eigenen Jugend.
    Und deshalb ist es mir auch völlig egal, ob ich das war, der vor 100 Jahren den Untergang der Titanic überlebt hat, oder eben ein ganz anderer; es dürfte - trotz dieses einschneidenden Erlebnisses - nahezu alles auf das selbe hinauslaufen… :-)
  6. #15

    .

    Zitat von Newspeak Beitrag anzeigen
    Für ewiges Leben wär ich bereit zu sterben :-).

    Ansonsten ist mir das zu pathetisch. Leben wird nicht erst durch den Tod schön. Das sind alles Beschönigungen. Das gehört zu der Sorte einlullender Botschaft, die noch nie etwas verändert hat. Wären alle Menschen immer schon vernünftig gewesen, dann säßen wir heute noch in Höhlen. Man kann es akzeptieren, daß man sterben muß, es bleibt einem ja auch wirklich nicht viel anderes übrig, aber man muß es sich nicht schönreden. Und die Menschheit muß es nicht für alle Zeiten akzeptieren. Sonst könnte man sich direkt fragen, warum man überhaupt sowas wie Medizin entwickelt hat. Das Endziel der Medizin ist die Überwindung des Todes. Wer etwas anderes behauptet, hat das Grundkonzept nicht verstanden.
    Warum nur sind alle so scharf auf ewiges Leben? Wenn ich daran denke wird mir schlecht. Oder gehen die Menschen mit dem Begriff Ewigkeit zu locker um?
    Ich würde nur für mich sterben und zwar genau dann, wenn die äußeren Umstände mit das Leben nicht mehr lebenswert erscheinen lassen.
  7. #16

    Die Realität...

    ...wunderschön auf den Punkt gebracht. Ich lese diese Kolumne meistens nicht, aber dieses Stück hat mich sehr beeindruckt, tja, und sogar gerührt. Danke!
  8. #17

    optional

    Die Arroganz der Menschen. Ich kann nur sagen, dass ich letzendlich nichts weiß! Und seien Sie sich sicher, dass nicht alles einfach weitergeht, der Tod ist doch letzendlich ein unausweichliches Muß und wird von vielen dann doch als das wahrgenommen, was es ist, eine Erlösung. Das leben ist Leid.
  9. #18

    an alle die behaupten jede Lebenserwartung über 80 eine qualvolle Verlängerung des Leidens und alles unter 80 eine grausame Verkürzung einer gerechten Lebensspanne ist:
    Stellen sie sich einen Planeten Erde vor, auf dem die Leute mit 30 Sterben, sie kennen kein anderes Leben und haben sich viele Argumente überlegt warum genau 30 Jahre optimal ist. Dies reicht von gerechte Zuteilung durch Gott/Natur über dass eine längere Lebenserwartung die Ressourcen des Planeten überfordern bis hin zu der Aussage dass durch die 30 Jahre ein schneller Lebensstil auferlegt wird der das Leben erst lebenswert macht. Dann kommt jemand daher und verkündet dass sie bis 80 leben könnten, was verlacht und mit Schrecken aufgenommen wird, wie kann er nur auf so eine Idee kommen, die Gesellschaft würde zusammenbrechen, Ressourcen ausgehen und eine Machtelite würde ganze Generationen versklaven da sie nicht so schnell stirbt.
    Kommt ihnen bekannt vor?
    Nur weil wir mit 80 sterben heißt nicht dass das optimal ist. Wir Menschen sind durchaus unterschiedlich genug um jedem die Entscheidung wie lange er leben will zu einem größeren Maß selbst in die Hand zu geben.
  10. #19

    Bescheidenheit und Humor

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wir wollen nicht sterben - schon gar nicht in Würde. Wir krallen uns an das Dasein, weil wir wissen, dass danach nichts kommt. Leben und Tod sind wie eine schlechte Internetverbindung: Wer abtritt, reißt ein Loch in die Realität.

    Sibylle Berg über das Sterben - SPIEGEL ONLINE
    Keiner, der stirbt, reisst ein Loch in die Realität, so wenig, wie ein Baby ein Loch schliesst: Geburt und Sterben SIND die Realität des Lebens.
    Wenn es ans Sterben geht, erkennt so Mancher, dass dieses Leben wie eine Hühnerleiter ist: Kurz und beschissen. Dann werden wir über den oberen Rand gestossen - Widerstand ist zwecklos - und fallen ins Bodenlose, Leere, ins Nichts. Schiffbrüchig und entmastet zerschellen wir am letzten Riff und lösen uns auf. So zumindest sieht es der Atheist und der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod erscheint ihm als substanzlose Hybris.

    Und schon sind wir beim zentralen Problem vieler Menschen: Sie nehmen sich viel zu wichtig. Statt sich gelassen ins Unvermeidliche zu fügen, streben sie nach Reichtum und Macht, als ob sie ein ewiges irdisches Leben vorbereiten müssten. Ein solches Verhalten kann mit Fug und Recht als Wahn bezeichnet werden, der aus der Verdrängung der Lebenswirklichkeit, also auch des Todes, resultiert. Das ist um so schlimmer, als sie damit anderen Menschen materielle Ressourcen und Lebenschancen entziehen - ein dummes, egoistisches Verhalten.

    Der berühmte griechische Philosoph Sokrates hingegen sah das Leben als Vorbereitung auf den Tod. Er forderte, das eigene Ende ins Leben aufzunehmen und sich damit auseinanderzusetzen. Dieses Postulat zeugt von einer grossen Weisheit, denn es zwingt die Menschen zu einer pragmatischen Bescheidenheit, die ein wichtiges humanes Potential freisetzt: Sich selbst zugunsten anderer Menschen zurücknehmen, kurz Nächstenliebe.

    Davon ist unsere heutige Welt weit entfernt, der eigene Vorteil zu Lasten Anderer ist in den kapitalistischen Gesellschaften oberste Triebfeder. Der rücksichtslose Egoismus, das unbedingte Haben-Wollen, die Gier nach Geld und Macht ist übermächtig und droht die Menschheit zu zerstören.

    Die Endlichkeit des Menschen und aller anderen Lebewesen ist unabdingbare Voraussetzung für neues Leben, ein Gesetz der Natur.
    Schon eine Verlängerung der Lebensspanne durch die Wissenschaft würde zu enormen Problemen führen und die Lebenschancen Anderer reduzieren oder gar zunichte machen.

    Fazit: Nehmen wir uns nicht zu wichtig und akzeptieren wir den Tod als sinnvollen, notwendigen Abschluss unseres Daseins! Erhalten wir uns bis zuletzt das Lachen und den Humor, das ärgert etwaige Götter!


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