Forum: Blogs
S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Sie finden sich furchtbar, und das zu Recht!
Ich rate Ihnen, brechen Sie schnell jede Beschäftigung mit Esoterik ab! Fast alle Gurus, Rückführungsgruppenleiter, Heiler, Seher, Rutengänger und Feuerspringer sind die Hedgefondsmanager 2.0. Hören Sie bloß auf, sich ständig nur mit sich selbst zu beschäftigen.
http://www.spiegel.de/kultur/gesells...758594,00.html
- #80 25.04.2011 21:08 von Fosca
Rumpelstilzchen
Ich will keine Menschen unauffällig machen, ich bin nur überzeugt, dass wahrhaft spirituelle Menschen unauffällig werden und nicht zu den von Frau Berg beschriebenen Egomanen (die es leider zahlreich gibt). BTW: Rumpelstilzchen war kein unauffälliges Wesen, das konnte immerhin Stroh zu Gold spinnen - eine Kunst, die heutzutage nur noch Dieter Bohlen wirklich beherrscht.
Warum ein schlechter Selbstvermarkter anderen Menschen Hilfe verweigern sollte, erschließt sich mir nicht.
Dann haben sie ihn missverstanden ;-)
Für Frau Berg geht das Leben auch ohne diesen ganzen Quatsch hervorragend vorbei - das gilt aber nun einmal nicht für die Mehrheit der Menschen, und deshalb hat der Quatsch über Jahrtausenden so viel Erfolg.
Nee, an der Berg-Wand kleben nicht die, die anderen mit ihrer Spiritualität Leid antun, sondern die, die anderen damit gehörig auf die Nerven gehen. Gut, die tun uns auch Leid an, aber diese Art von Nerv-Leid wird uns in der Aufmerksamkeitsökonomie genügend angetan, dagegen sollten wir eigentlich längst abgehärtet sein.
Ich hab doch gar nix gegen den Text, ich habe nur auf ein paar Aspekte hingewiesen, die man anders sehen kann (und meiner Meinung nach auch anders sehen muss). Z.B. dass nunmal die blöden armen Eso-Inder in ihrer Armut glücklicher scheinen deren Leben somit ebenso im Berg'schen Sinne 'hervorragend' (und oft sogar schneller) vorbei geht - mit dem ganzen Quatsch.
Davon redet sie in dem Text überhaupt nicht. Also bitte, Hexenverbrennung, mordende Muslime, Protestanten, die auf katholische Kinder Steine werfen, darum geht's in dem Text gar nicht. Es geht um die Spezies Heiligenschein, nicht um Sadisten und Machtmenschen - das wäre ein ganz anderes Thema. Der Text handelt nicht von Eso-Tigern sondern von Eso-Kühen. Sie hängen das m.E. viel zu hoch.
Dass Sie das mit den Fukushima-Tieren aufregt, kann ich gut verstehen - aber dazu muss man räumlich ja gar nicht so weit gehen, bei uns wird ja auch gerne 'gekeult'. Tiere sind in unserer Gesellschaft nun einmal Maschinen - und dass das so ist, kann man gewiss nicht auch noch den Esoterikern in die Jesus-Latschen schieben.
Dass es Ihrer Meinung nach beim Keulen der Tiere um etwas ginge, was wir 'nicht fassen' können, verstehe ich nicht. Im Gegenteil, Materialisten geben dafür sehr rationale Gründe.
Ja, das meine ich so in etwa mit echter Spiritualität. - #81 27.04.2011 09:14 von
Scharlatane?
Nochmal zu Frau Sibylle:
Zu Esoterik zählen u.a. Fakten, die zwar wahrnehmbar, aber nicht wissenschaftlich nachgewiesen worden sind.
Zum einen zum finanziellen Vorteil des Betreibers, zum anderen zum erwarteten Nutzen des Betriebenen.
Bleibt der Erfolg beim Betriebenen aus, muss es sich bei dem Betreiber um einen Scharlatan, Trickser, Betrüger usw. handeln. Vielleicht manchmal sogar zurecht.
Es ist bekannt, dass in der Medizin und von Ärzten angewendet, Medikamente verkauft werden, deren Wirksamkeit zwar bekannt, aber wissenschaftlich nicht ergründet sind.
Der Erfolg lässt oft auf sich warten. - #82 28.04.2011 06:38 von
Bestens
Dann sind wir uns doch ziemlich einig.
Ich hätte "blind Gehetzte" schreiben müssen. Die Radioaktivität ist nicht zu fassen, also knüppelt man das nächst liegende nieder, und, mit grosser Wahrscheinlichkeit, wurde dazu noch gelächelt.
Was die Rezeption betrifft, so bin ich der Überzeugung, dass es mindestens so viele wie Leser gibt.
Ich weiss nicht, was ich schlimmer finde, die zuschlagen, oder die zuschauen, wegschauen?
Man wird im Laufe des Lebens mit so allerlei Gläubigkeiten, Hochgeistigkeiten belästigt. Man kann solche Menschen simpel verjagen: echte Hilfe anfordern, laut meiner Erfahrung.
Das scheint ihr Karma, ihre Stille zu stören. Und in diesen Erfahrungen, Beobachtungen weiss ich auch nicht, was ich erschreckender finden soll. Also, jetzt als Beispiel: Schweizer, die sich, im Sehen was in Agypten geschah, Sorgen machten, wo sie denn jetzt nur in die Ferien sollten, oder die Spirituellen, die diese Not nutzen, um mal wieder richtig ihre Leidensfähigkeit an der bösen, bösen Welt zu zelebrieren. "Die Welt können wir jetzt nicht alleine lassen", liest man von Öffentlichen, und schon hat man wieder mehr Bücher, bspw. verkauft, nicht wahr?
Es zeigt sich jedoch im Kleinen, Verborgenen, wieviel Mensch dran ist.
Es geschieht nicht nur Bestialisches, durch die, die es tun, sondern auch durch die, die wegschauen. Selbst in der schönen, reichen Schweiz.
Wissen sie, Fosca (Tosca?), ich bleibe offen, jedoch bis zum heutigen Tage, sind Buddhisten, Christen, denen ich persönlich begegnen musste, vor allem dadurch aufgefallen, dass sie ihre Lebensflucht nett eingepackt hatten. Sehr wirkunsvoll. Man fragt nie mehr nach praktischer Hilfe. Sicher nicht.
Da fände ich es einfach ehrlicher, auch mutiger, deutlich "nein" zu sagen.
Schönen Tag
merla - #83 28.04.2011 08:04 von
Schön beobachtet
Kommt ein Mann zum Psychiater und klagt, seine Familie behaupte, er habe einen Minderwertigkeitskomplex.
Der Psychiater, nach der Untersuchung: "Sie haben KEINEN Minderwertigkeitskomplex, Sie sind minderwertig". - #84 28.04.2011 22:08 von Fosca
Ja, eigentlich sind wir uns wohl weitgehend einig
Na ja, den Japanern zu unterstellen, dass sie dabei lächeln, finde ich nicht fair. Ich kann nicht verstehen, warum man diesem Fall solche Beachtung schenkt, ist es schlimmer Tiere zu töten, weil sie keinen Nutzen mehr haben, als sie zu töten um sie zu benutzen?
Puh, Sie sind ja hartnäckig und sperrig ... ;-) Zu ihren persönlichen Erfahrungen bzgl. Hilfe durch Buddhisten oder Christen kann ich ja nicht viel sagen. Von Christenseite habe ich als Kind ähnliche Erfahrungen gemacht, nicht nur, dass keine Hilfe kam, sondern auch, dass schlimme Situationen durch ein verlogenes Christentum erst gefestigt wurden. Seitdem verzichte ich auf jede Art von Hilfe (und Christentum). Aber andere werden gegenteilige Erfahrungen gemacht haben - auch mit dem Christentum.
Von Buddhistenseite habe ich da keine Erfahrungen. Aber kann man einem Buddhisten vorwerfen, wenn er genau das als Hilfe anbietet, was seine Religion ihm als Hilfe gegeben hat? Praktische Hilfe gehört da nicht dazu, wird vielleicht sogar als hinderlich angesehen, auch wenn sie akut vielleicht nötig wäre.
Im Grunde muss ich Ihnen ja bei allem zustimmen: Was uns im Westen an Esotherikern um die Nase springt, ist nun wirklich eher abscheckend.
Und trotzdem glaube ich (inzwischen), dass es Sinn machen kann, sich mit uralten spirituellen Traditionen zu beschäftigen. Auch wenn ich am Ende vielleicht festellen muss, dass das auch nur ein Mittel war, das Leben ganz hervorragend vorbeigehen zu lassen.
Na ja, was ist schon 'Lebensflucht', wer hat das Recht, das zu definieren? Dazu müsste man wissen, was das 'wahre' Leben ist, falls es so etwas überhaupt gibt.
Fosca heißt 'ne Figur in Simone de Beauvoirs 'Alle Menschen sind sterblich', 'ein Mensch von nirgendwoher, ohne Vergangenheit, ohne Zukunft und ohne Gegenwart', jemand, dem es nicht vergönnt ist, das Leben vorbeigehen zu lassen und der lernt, dass er damit echt in der Scheiße steckt.
Gleichfalls 'nen schönen Tag,
Fosca - #85 30.04.2011 08:36 von
Unfair
Ja, das war unfair, zumal ich fasziniert bin von der Kultur dieser "Insel". War auch nicht gegen Japan, sondern die Unfassbarkeit der japanischen Lebensart, die mich gespalten zurück lässt. Die Wirksamkeit kann ich zwar bestätigen, doch bleibt dieses pulsierend Blut in mir, bei den Menschen, die keine Familie haben, ausgegrenzt sind. Doch dieses Thema führte wohl zu weit.
Nicht nur, Fosca, ich kann auch noch so was von stur sein. Nein, ich lese gerade "Dreizehn ist meine Zahl" muss dem Gelesenen einerseits noch Zeit geben, andererseits ertrage ich anscheinend schwer, dass "Zuschauen" und, in diesem literarische Werk, auch der Deckmantel der Religion, bestialisches Tun zu kaschieren hat.
Ich weiss nicht mehr, von wem dieser Gedankenanstoss ist, doch kreiselt er immer wieder in meinen Gedanken, jetzt sinngemäss: wer zweifelt, glaubt. Also, will sagen, so ist es, man wird die Geister nicht los, man beschäftigt sich sogar damit! Sei es die Bibel, sei es der Schamaninsum, usw.
Ha, jetzt hab ich sie am Kragen! Lebensflucht ist die Interpretation dessen, was eigentlich sich hätte zeigen wollen? Kürzlich dachte ich über die weisse Rose nach, die, so wurde überliefert, Rilke einer Bettlerin gab, statt bspw. mit ihr Zeit zu teilen, zu spazieren, mit ihr etwas zu essen. Ich finde diese Geschichte nicht so toll, frage mich, ob sie wirklich nach einigen Tagen zurück kam, oder ob die Wohlmeinenden dies einfach so sehen wollten. Vielleicht hat die Bettlerin sich erhoben, der Rose den Kopf abgebissen, gekaut und geschluckt, sich dann verneigt vor dem edlen Spender, artig gesagt: Merci Monsieur. Das hätte mir gefallen! Das "wahre" Leben, wenn ich das wüsste, es zeigt sich bei mir nur dann, wenn ich schaue, horche, usw. und meist in der Natur, beim Tier, beim Kind. Es ist eine zuversichtliche Verlorenheit, Vergessenheit. Schwer zu erklären. Und manchmal sind es persönliche Begegnungen, meist kurz, als träfe sich etwas. Doch vor Zweifel sind auch diese Begegnungen bei mir nicht sicher, denn wir sind subjektive Wahrnehmer. Aber schön sind sie.
Oh! Beauvoirs ist mir noch nicht geschehen, danke für den Tipp, wird also auf meine Leseliste kommen.
Und weiterhin gute Tage, auch schöne
merla - #86 02.05.2011 20:34 von Fosca
Eine weiße Rose
Das würde aber jeder Skeptiker empört von sich weisen.
Ich kannte die Anekdote über Rilke nicht, danke dafür.
Erinnert mich an meine Großtante, die vielen Blumenschenkern im Krankenhaus an den Kopf warf: was soll ich mit Blumen, die kann ich nicht essen. Pralinen wären ihr lieber gewesen. Man hat ihr später nur selten Blumen zum Grab gebracht - und nie ohne daran zu denken, was da wohl aus dem Grabe schallen könnte.
Meine Großtante konnte ich verstehen, die Blumen kamen ja eh nicht von Herzen, da hätten die Notwendigkeitsbesucher auch ihr Geld für etwas Praktisches ausgeben können.
Bei der Rilke-Geschichte sehe ich das aber etwas anders. Anfangs dachte ich auch: Hm, ist vielleicht etwas kitschig. Aber würde eine solche Geste nicht jedem, der nicht vollständig am Zynismus ersoffen ist, zu Herzen gehen?
Aber Sie haben ja auf der Straße gearbeitet, da bin ich ja mit so einer Behauptung in einer miesen Position, ich habe keinerlei vergleichbare Erfahrung zu bieten.
Aber ich glaube, es würde mir gefallen, grießgrämig als alter Mann auf einer Bank zu sitzen und dann von einem jungen Mädchen eine weiße Rose geschenkt zu bekommen. Also zumindest hoffe ich, dass es mir gefallen würde.
Na, da sagen Sie's doch selbst: bei Ihnen "zeigt es sich nur dann, wenn" ... aber darf es sich dann nicht bei anderen in anderer Form zeigen?
Egal ob in Natur/Tier/Kind oder hinter Klostermauern ... Betrogene sind wir letztlich eh alle, dann doch wenigstens 'glückliche' Betrogene sein.
Ja, sich selbst verlieren, vergessen - so wie auch Mihály Csíkszentmihályi das 'Flow-Gefühl' als Geheimnis des Glücks identifiziert hat. Will heißen: glücklich sind wir in den Momenten, in denen wir möglichst wenig mit uns zu tun haben, uns selbst möglichst wenig wahrnehmen.
Nachvollziehen kann ich das, aber irgendwie komme ich da nicht weiter, da denke ich: wenn ich mich möglichst wenig wahrnehmen will, dann ist der Tod doch das Optimum des Glücks, womit ich dann wieder zurück bei Rilke wäre, der dichtete:
Ich wollt, sie hätten statt der Wiege
mir einen kleinen Sarg gemacht,
dann wär mir besser wohl, dann schwiege
die Lippe längst in feuchter Nacht.
Dann hätte nie ein wilder Wille
die bange Brust durchzittert, - dann
wärs in dem kleinen Körper stille,
so still wie's niemand denken kann.
Nur eine Kinderseele stiege
zum Himmel hoch so sacht, - ganz sacht ...
Was haben sie mir statt der Wiege
nicht einen kleinen Sarg gemacht? -
Na, jetzt aber, zu viele gute Tage sind ja nun bekanntlich auch schwer zu ertragen ;-)
Viele Grüße ...
Die aktuellen Top-Themen

Antworten / Zitieren

