Forum


 

S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Normalität gibt es nur in der Werbung

Zu dick, zu dünn, zu dumm oder zu klug: Gibt es etwas Furchtbareres als Außenseiter zu sein? Das wirkliche Grauen allerdings sind die, die so tun, als seien sie normal. Sie werden irgendwann explodieren und Amok laufen.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...837493,00.html
  1. #1

    optional

    Liebe Frau Berg -- Sie haben den Gedanken wieder so exakt gezeichnet, dass es mir unheimlich ist. Ich erwische mich selbst, wie ich Ihre Gedanken lese und erst danach erkenne, dass ich ihn auch für mich selbst nicht besser hätte formulieren können. Ich schätze Ihre Fähigkeit -- und bin manchmal etwas neidisch -- und manchmal zerrissen, ob ich Sie dafür mag oder unsympathisch finde.
  2. #2

    Stimmt nicht (mehr) ganz

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Zu dick, zu dünn, zu dumm oder zu klug: Gibt es etwas Furchtbareres als Außenseiter zu sein? Das wirkliche Grauen allerdings sind die, die so tun, als seien sie normal. Sie werden irgendwann explodieren und Amok laufen.

    Sibylle Berg über das Leben als Außenseiter - SPIEGEL ONLINE
    Hervorragender kleiner Essay. Aber man darf nicht übersehen, dass "Individualität" oder "Anderssein" inzwischen massiv glorifiziert wird (auch von der Werbung). Zum Beispiel: Bezahlfernsehen, Automobile und sogar Versicherungen ("Wir wollen Sie so, wie Sie sind"). Dauernd wird einem eingeredet, man solle bloß nicht so sein, wie die anderen. Dabei ist es absolut vernünftig, sich zu 98% so zu benehmen und auszustatten wie andere auch. Alles andere wäre Wahnsinn.
  3. #3

    Vernunft

    Zitat von Europa! Beitrag anzeigen
    Dabei ist es absolut vernünftig, sich zu 98% so zu benehmen und auszustatten wie andere auch. Alles andere wäre Wahnsinn.
    Ich würd sagen, dass es ist vernünftig sich der Dinge bewusst zu werden, um im Zweifel selbst entscheiden zu können wann man sich anpassen will und wann es vernünftiger ist den kulturellen Überbau lieber zu verlassen. Im Wahnsinn kann beides enden, weil kein Mensch/Führer die Vernunft gepachtet hat - insofern bleibt einem nur die Eigenverantwortung, sofern man dazu in der Lage ist, was wiederum ein Minimalkriterium für individuelle Vernunft darstellen müsste.
  4. #4

    Egal?

    Sich fremdfühlen, kann krank machen. Aber es ist wahr: Die Normalopathen sind die Ausnahme, wer die Augen aufmacht sieht überall das Andere und den Unterschied.
  5. #5

    normal

    Es war noch nie so leicht, Individualist zu sein. Ich halte es für normal (!), sich angesichts seiner Zeitgenossen am eigenen Anderssein zu ergötzen.
  6. #6

    So ziemliche jede(r)...

    ...der sich seines verzichtbaren Gedankengutes an öffentlicher Stelle entledigt, will geliked werden - wenn auch nur vom abnehmenden Redakteur. Das ist nicht mal Frau Berg egal, sonst würde sie ihre Zeilen ("außer uns selber müssen wir keinem gefallen") wie zu den beklagten Backfisch-Zeiten in ihr geheimes Tagebuch weinen.
  7. #7

    Zitat von Europa! Beitrag anzeigen
    Hervorragender kleiner Essay. Aber man darf nicht übersehen, dass "Individualität" oder "Anderssein" inzwischen massiv glorifiziert wird (auch von der Werbung). Zum Beispiel: Bezahlfernsehen, Automobile und sogar Versicherungen ("Wir wollen Sie so, wie Sie sind"). Dauernd wird einem eingeredet, man solle bloß nicht so sein, wie die anderen. Dabei ist es absolut vernünftig, sich zu 98% so zu benehmen und auszustatten wie andere auch. Alles andere wäre Wahnsinn.
    Individuell ja, aber doch bitte nur ein bisschen. Solange man nicht bestehende Konventionen bricht, ist Individualität super...sobald man es aber tut, geht das gar nicht.
    Moslem? Polygam? Grüngefleckt? Wird das wirklich akzeptiert?
    Sicher ergeben gewisse Konventionen Sinn, aber solange gewisse Dinge außer einen selbst niemanden betreffen...was geht andere das dann an?
    Übrigens...Werbung glorifiziert Individualität nicht, man hat nur festgestellt, dass eine solche Ansprache persönlicher wirkt und vom potentiellen Kunden eher angenommen wird.

    Letztlich ist doch jeder so etwas wie eine einzigartige Schneeflocke. Genauso wie alle anderen auch...
  8. #8

    Anrechnen

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    (...) Ich war immer anders! Ein Satz, der, gesagt von einem Menschen ab 30, einen Klaps verdient, denn da zählt nichts mehr. Kindheit und Jugend, das Dorf, die Eltern, die schreckliche Jugend, nichts wird angerechnet.
    Sibylle Berg über das Leben als Außenseiter - SPIEGEL ONLINE
    Ich will nichts 'angerechnet' bekommen - nur verstanden werden. Aber mit ihrer Ansicht ist hier Frau Sibylle ganz auf Linie der Normalos.
    Mich ärgern nur manchmal die Krokodilstränen, vergossen über geschundene Kinder, denen man nur wenige Jahre später nichts mehr anzurechnen bereit ist, und die man dann am liebsten wegsperren möchte - und zwar für immer.

    " ... außer uns selber müssen wir keinem gefallen ..." aber liebe Frau Sibylle, nichts ist schwieriger nachträglich zu erlernen, als das.
  9. #9

    Neuer Fan

    Schon der Artikel über das Sterben kam mir, zu meinen momentanen Gedanken, ins Herz. Auch heute war es mir eine Freude dieses wichtige Thema, so klug erfasst, zu lesen.


TOP



TOP