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S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Gotteskrieger im Tweedjacket

Was hat den Mann nur geritten? Martin Mosebach glaubt, dass Blasphemie die staatliche Ordnung gefährde. Wie so mancher Konservative träumt Deutschlands prominentester katholischer Schriftsteller von einer Welt, in der es ein klare Trennung in Gut und Böse gibt. Beängstigend.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...840384,00.html
  1. #1

    Kein Gottvertrauen ist Blasphemie

    Fuer was braucht man ein irdisches Gericht zur Anklage und Verurteilung wegen Gotteslaesterung ?
    Der Glauben an die himmliche - und irdische Gerechtigkeit des allgegenwaertigen und unfehlbaren Gott schliesst jeden Zweifel ER koennte solche Kleinigkeiten nicht selbst erledigen aus.
    Die Zweifler an Gottes Gerechtigkeit sind logischerweise die wahren Gotteslaeserer.
    Diese Erkenntnis gehoert allerdings in die Rubrik Wissen und nicht zum Glauben.

    OB
  2. #2

    Tja...

    Aber er hat doch eben einen dreiteiligen Anzug und wurde wohl deshalb ausgezeichnet. Aus-gezeichnet...
  3. #3

    Sie verharnlosen etwas, geschätzte Frau Berg

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was hat den Mann nur geritten? Martin Mosebach glaubt, dass Blasphemie die staatliche Ordnung gefährde. Wie so mancher Konservative träumt Deutschlands prominentester katholischer Schriftsteller von einer Welt, in der es ein klare Trennung in Gut und Böse gibt. Beängstigend.

    Sibylle Berg über den Schriftsteller Martin Mosebach - SPIEGEL ONLINE
    Mosebach ist mit seinem Verständnis für Blasphemieverfolger seinen iranischen und ägyptischen Schriftstellerkolleg(inn)en, die durch Fatwa und Schlägerbanden mit dem Tod bedroht werden, mit lächelndem Zynismus in den Rücken gefallen. Er hat ja schon bei der Verleihung des Büchnerpreises klar zu verstehen gegeben, dass er mit den demokratischen Werten der Aufklärung nichts anfangen kann, jetzt hat er sich endgültig ins Abseits gestellt.
  4. #4

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was hat den Mann nur geritten? Martin Mosebach glaubt, dass Blasphemie die staatliche Ordnung gefährde. Wie so mancher Konservative träumt Deutschlands prominentester katholischer Schriftsteller von einer Welt, in der es ein klare Trennung in Gut und Böse gibt. Beängstigend.

    Sibylle Berg über den Schriftsteller Martin Mosebach - SPIEGEL ONLINE
    "Leider Gottes" gibt es eben immer noch genügend Menschen, die den aktuellen Angriff auf unseres Grundgesetz durch religiöse Fanatiker auch noch meinen als Gelegenheit zu nutzen, um mit ihrer eigenen autoritären Verbohrtheit hervor zu treten.
    Na denn. Die Salafisten erinnern uns daran, das doch nochmal gesagt werden dürfe....
    Da solche Leute wahrscheinlich selbst Zweifel an ihren Glaubensvorstellungen haben, meinen sie zur Selbstvergewisserung die Hölle bereits auf Erden schaffen zu müssen.
    Ich bin eigentlich religiös, wenn auch nicht im Sinne irgendwelcher Amtskirchen welcher Coleur auch immer.
    Aber wenn es einen Wert gibt, der wirklich über allen anderen steht, dann ist es das Recht auf Meinungsfreiheit, bzw. das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit. Wenn man diese allerdings dazu nutzt um genau diese Rechte für Andersdenkende zu beschränken, dann kommt es zu einem Problem.
    Wenn diese Leute, die so denken, bei uns die Macht bekommen, dann: Gottseibeiuns. ;-)
  5. #5

    Ironiedetektoren kaputt?

    Also, mir sagte der Name "Mosebach" ja bisher nichts …*ein Glück! Aber kann man wirklich annehmen, der Mann meine ernst, was er von sich gibt? Also, schon der Künstlername (?) ist ja ein Peinlichkeit kaum zu überbieten in seiner offensichtlichen Anlehnung ans "Moosbuckel" oder "Möse" … Aber wenn man sich den lustigen Verriss von Herrn Dierlich zu Gemüte führt, merkt man doch, dass der Herr "Mosebach" versucht, das großkopferte Nobel-Feuilleton an der Nase herum zu führen und sich über die Leser und Rezensenten lustig zu machen, indem er ihnen sprachlich Unverdauliches und Unverdautes vorsetzt …*oder etwa nicht? Ihm dafür den Büchnerpreis zu verleihen, ist eine genial-schlagfertige Reaktion der Jury auf gleicher Augenhöhe. Denn natürlich hätte es – gerade bei einem scheinbar bekennend Konservativen wie Mosbach –*nie und nimmer Büchner sein dürfen, in dessen Namen man ihn auszeichnet, ihn, der angeblich/vermutlich lieber die Paläste künstlich am Leben erhält und die Hütten verachtet. Aber eine Simplizissimus- oder Eulenspiegel-Preis hat die deutsche Literaturkritik ja wohl nicht zu vergeben. Da zeugt es doch von unnachahmlicher und dem Gewürdigten ebenbürtiger Ironie, ihn ihm Namen Büchners zu ehren …*oder etwa nicht?

    Und vor diesem Hintergrund ist sein Plädoyer für die Bestrafung der Blasphemie doch nur als Steigerung seiner Nasführung der Öffentlichkeit zu verstehen: Wer ernsthaft sowas forderte, wäre doch so bekloppt, so bekloppt sind nicht mal die ernsthaft Konservativen. Nur bekloppt agieren nur die, die sie parodieren und durch masslos überzogene Pardodie der Lächerlichkeit preisgeben – wie der verdiente Herr Fleischhauer z.B. (anbei: NOCH so ein lächerlicher, realitätsferner Name).

    Also: alles nur Ironie und Sarkasmus, und sogar recht gut gemacht.

    Oder? …*oder …*sollte ich mich irren und die Konservativen (als Dichter und Feuilleton-Schreiberlinge) sind tatsächlich SOOO dermaßen bescheuert? Dann hätte man ja gar keine satisfaktionsfähigen Gegner mehr!! Nein, das kann nicht sein …*ich muss mich irren!
  6. #6

    Warum kein Link zum Sujet?

    Es geht hier wohl um diesen Artikel Mosebachs. Den könnte man doch mal kurz verlinken, oder?
    Ich hatte mich, als ich die ersten zwei Sätze las, gefreut, von Ihnen, Frau Berg, eine passende Kommentierung zu Mosebachs unsäglicher Hervorbringung zu lesen zu bekommen. Aber dann bleiben Sie so sanft und ironisch, daß Ihr Einlassung eher desinteressiert wirkt. Kann man einem, der sich Künstler nennt, und der sich schärfere Zensur gegenüber anderen Künstlern wünscht, nicht mal deutlich ins Gesicht sagen oder schreiben, was er für ein *zensiert, zensiert, zensiert* ist? Da höhnt er, und das muß man wohl ausführlich zitieren, damit's geglaubt wird:
    "In diesem Zusammenhang will ich nicht verhehlen, dass ich unfähig bin, mich zu empören, wenn in ihrem Glauben beleidigte Muslime blasphemischen Künstlern – wenn wir sie einmal so nennen wollen – einen gewaltigen Schrecken einjagen."
    Ja, ist klar, ein gewaltiger Schrecken ist das, wenn Filmemacher auf offener Straße ermordet werden, wenn Zeitungsmitarbeiter, Buchübersetzer oder Verlagsangestellt mit Todesdrohungen und Angriffen auf ihr Leben zurechtkommen müssen... Es verlangt vielleicht niemand von Herrn Mosebach, daß er sich empört. Aber die mangelnde Solidarität mit seinen Kollegen (die er freilich nur mit Gänsefüßchen beschränkt als Künstler gelten läßt) jetzt in der Öffentlichkeit herzuzeigen wie einen Pfauenschwanz - bin ich der einzige, den sowas ekelt?
    Frau Berg, sie schreiben sonst, in (für mich) wesentlich uninteressanteren Zusammenhängen, oft so schön spitz und pointiert und, wo es sein muß, auch mit Wut und kalter Verachtung... Und haben in diesem Fall außer vornehmer Ironie nicht mehr vorzubringen? Wenn da offen einer Zensur fordert für alle, die seine religiösen Wahnvorstellungen zu verspotten wagen? Wenn einer diejenigen Muslime bewundert, die ihrer Religionsgemeinschaft am meisten zur Schande gereichen, weil sie auf Kritik oder Spott nur mit Gewalt zu reagieren vermögen? Wenn einer sich auf die Seite der Haßprediger stellt und dies auch noch damit begründet, daß es gut für die Kunst (natürlich nur die der anderen "Künstler") sei, wenn man nicht mehr frei reden dürfe? Für einen, der für solche Zynismen auch noch Kurt Kraus als Kronzeugen bemüht, weil der sich leider schlecht mehr wehren kann?

    Frau Berg, sie können mehr als das hier. Lassen Sie's uns dann aber auch bitteschön lesen!
  7. #7

    Vermarktbare Signifikanz

    Es gibt eben auch Dichter-Darsteller. Daran ist nichts ungewöhnlich. Sie gehören zu unserer Gesellschaft wie die Leistungsdarsteller aus Politik, Wirtschaft und Porno. Sie wissen es doch selbst, liebe Kolumnistin, wie wichtig vermartktbare Signifikanz ist. Nun sägen Sie bloß nicht an dem Ast, auf welchem Sie so medienwirksam sitzen. Sonst wirkt das noch neidisch. Und das hatten wir doch erst mit dieser Musikantin letzte Woche.
  8. #8

    Hm ...

    Ich bin so frei, hier etwas zu schreiben, das eigentlich schon nicht erlaubt ist. Von wem nicht erlaubt? Jaja, das möchte ich manchmal auch gern wissen, wer (sich) was genau verbieten will. ...
    Stellen Sie sich folgende Situation vor. Da ist einer kurz vor dem Selbstmord, erstmals im Leben, alles sinnlos. Dann fragt er sich aber doch: Warum eigentlich? War ich das selber, der alles verkehrt gemacht hat? Nein. Dann sollte also ICH mich selber umbringen wegen EUCH? Nein!
    Und dieser Mensch, da er nicht weiß, wen er überhaupt noch fragen kann, kommt nun auf die Idee, sich an Gott zu wenden. ...
    Etwas passiert, das einfach angenommen wird.
    Und es verändert das gesamte Leben.
    So ein Mensch liebt Gott, und er wird sich sein ganzes Leben an diesen Moment erinnern.

    Und dann erwacht das Interesse für Religionen und woher sie eigentlich kamen.
    Was glauben Sie, wie viele Götter so ein Mensch jetzt wahrnimmt?
    Ja, wie wird so einer, der nun natürlich eine Frau sein kann, all die Phantasien, Kämpfe, Lehren betrachten? Welches Geschlecht kann sie Gott zuordnen?
    Wie über all die Denk- und sonstigen Verbote, über all das zuvor Gelernte von Gelehrten, die nicht mehr wissen konnten als das Kind, dem vorgeschrieben wurde, diese Lehren für absolut wahr zu halten?
    Und wie über Männer denken, die, wohin man schaut, nur Väter und Söhne wahrnehmen? (Beispiel von heute: Nach Tod seines Vaters und Ermordung seiner Witwe -> SEINER MUTTER! ...)

    Ja, es ist nachvollziehbar, dass Gläubige sich auch persönlich beleidigt fühlen können, wenn Gott beleidigt oder mit Dingen belastet wird, für die Menschen zuständig sind.

    Aber es ist ebenso zu erwarten, dass auch das wieder im Sinne von Machtkämpfen wie seit Urzeiten missbraucht wird.

    Vielleicht hilft es, zunächst über Menschenbilder und menschliche Schwächen nachzudenken.
  9. #9

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Für den weltanschaulich strikt neutralen Staat könnte sich die Notwendigkeit einer Bekämpfung der Blasphemie ergeben, wenn die staatliche Ordnung durch sie gefährdet wird", sagte der Katholik der "Frankfurter Rundschau" und "Berliner Zeitung" (Dienstagsausgabe). Dies sei etwa der Fall, wenn eine durch Verletzung religiöser Gefühle ausgelöste Empörung zum öffentlichen Problem werde.
    Ich glaube an den Werwolf, die Schlümpfe und das fliegende Spaghettimonster. Ich fordere die Todesstrafe für jeden, der sich irgendwie darüber lustig macht...

    Ganz ehrlich, langfristig wäre es stressfreier, Religion an sich zu verbieten... oder zumindest jede massenfähige Form davon.


    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Gerade die in Deutschland lebenden Muslime hätten wieder in Erinnerung gerufen, dass Religion eine schützenswerte Errungenschaft sei.
    Geschützt vor Leuten wie Theo van Gogh, Saloma Rushdie oder den gefürchteten, blutsaufenden dänischen Karikaturisten? Wenn so Jemandens Feinde aussehen, ist er vor allem mal ein ziemlich bemitleidenswertes Würstchen.








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