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S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Gewissen in Mülltüten

Die Wälder brennen, die Stürme werden stärker und wir? Trennen Abfall. Nur kurz dringt der Niedergang der Welt in unser Bewusstsein, dann wenden wir uns wichtigeren Dingen zu. Dem Chef. Der Türklingel. Dem Klimawandel?

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...-a-851526.html
  1. #1

    Der

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Wälder brennen, die Stürme werden stärker und wir? Trennen Abfall. Nur kurz dringt der Niedergang der Welt in unser Bewusstsein, dann wenden wir uns wichtigeren Dingen zu. Dem Chef. Der Türklingel. Dem Klimawandel?

    Kolumne von Sibylle Berg über Unbehagen und Engagement - SPIEGEL ONLINE
    Weltschmerz ist der kleine Bruder der Langeweile. Wenn Sie sich erst einmal damit abgefunden haben, dass Sie den Weltuntergang durch Ihre Exixtenz höchstens um 1/10 Sekunde beschleunigen können, relativieren sich die trüben Gedankendoch recht schnell und Sie können sich einer Tätigkeit zuwenden, die Ihnen Spass macht.
  2. #2

    Konkrete Lösungsmöglichkeiten fehlen

    Als Weltschmerz würde ich den Artikel von Frau Berg nicht gerade bezeichnen, da er sehr akut die aktuellen Problematiken offenlegt, ebenso jedoch auch die Art, wie Menschen mit Problemen umgehen: Sie ignorieren sie, es sei denn, sie passieren anderen, dann wird darüber geredet. Dieser Artikel ist recht provokant verfasst und darin liegt auch der Fehler (ich war auch mal so :P). Menschen möchten sich keine Vorwürfe anhören, nur das, was sie alles richtig und toll machen. Und kein Umweltsünder wird sich den Text zuende lesen. Das ist ähnlich sinnvoll wie die Beschriftungen auf den Zigarettenschachteln (habe ich nicht irgendwo gelesen, die sollen bald entfernt werden?).
    Wenn man Menschen etwas nahe bringen will, fängt man mit Lob an. Dann kommt der Teil, indem über akute Probleme gesprochen wird. Am Ende werden Lösungsmöglichkeiten aufgezählt. Egal, wie wütend man ist, wenn man solch einen Text verfasst und wie sehr man im Recht damit ist, die Menschen wollen das nicht. Sie klicken es weg "Das betrifft mich nicht. Die anderen vielleicht." Mit so etwas muss man clever vorgehen. Man muss die Menschen sachlich überzeugen und trotzdem emotional sein, ohne sie zu kritisieren. Das Ziel ist, sie zum Nachdenken anzuregen. Auch, wenn das in vielen Fällen das einzige ist, so gibt es (noch) keine andere Möglichkeit.
    Viel Erfolg auch weiterhin, Frau Berg, ich bin auf Ihrer Seite. Es ist durchaus möglich, etwas für die Welt zu tun und sich hin und wieder dennoch mal auszuruhen.

    Grüße
  3. #3

    Danke für den Link!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Wälder brennen, die Stürme werden stärker und wir? Trennen Abfall. Nur kurz dringt der Niedergang der Welt in unser Bewusstsein, dann wenden wir uns wichtigeren Dingen zu. Dem Chef. Der Türklingel. Dem Klimawandel?

    Kolumne von Sibylle Berg über Unbehagen und Engagement - SPIEGEL ONLINE
    Liebe Frau Sibylle, abgesehen von der etwas verquasten Überschrift (haben Sie womöglich gar nicht zu verantworten) ein sehr guter Kommentar, der seinen Wert vor allem durch den Link zum ROLLING STONE erhält. Es gibt so viel, worauf Deutschland stolz sein kann (z.B. Photovoltaik), warum klammern wir uns bloß an die dämlichen Autos mit immer dickeren Motoren?
  4. #4

    Abgang Berg auf den Balkon

    Sibylle Berg hat ja recht. Nicht nur sie weiss es auch viele viele andere. Aber ist es eine Lösung wenn Frau Berg nichts mehr sagt und auf dem Balkon bleibt?
    Wenns hilft: Bleiben Sie liebe Frau Berg auf dem Balkon bis es Ihnen zu kalt wird aber kommen Sie bitte wieder zurück - weil wir Sie brauchen.
  5. #5

    Tenor in Moll

    Grundgedanken heute: entscheidungsbewußtes Leben ist kompliziert, man erkennt Probleme ohne darauf Einfluß zu haben, man kompensiert durch Riten des Korrekten, man wird gleichgültig.

    Eigentlich ist nichts davon speziell für die aktuelle Zeit. Auch im 16. Jh. gab es eine Informationsüberflutung durch ein neues Massenmedium, auch damals entstand Unruhe. Der Betrieb lief weiter mit den Leuten engeren Horizonts aber konkreter Aufgabe.

    Auch in einer Umbruchzeit ist nicht jede Hysterie Quell der Wahrheit. Die gemessenen Klimadaten sind kaum strittig, sofern sie nicht an der Universität of East Anglia oder bei der UNO frisiert wurden mit Hoffnungen auf Forschungsgelder. Der fragwürdige Punkt ist nur die Deutung. Wer behauptet, eine (allerdings normale) Trendentwicklung der Meßwerte sei direkt und unzweifelhaft von Menschen verursacht, hat bis heute keine gültigen Beweise, aber viel Glauben an die Macht des Menschen.

    Übrigens ist dieses Jahr El Nino. Das war letztes Jahr nicht so und wird nächstes Jahr auch nicht sein. Dann wird es andere Naturkraft-Schäden geben. Was bleibt ist die Einsicht, daß man heute zu hohe Ansprüche an Normalität hat in Dekadenzgesellschaften.
  6. #6

    nach uns die sintflut

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Wälder brennen, die Stürme werden stärker und wir? Trennen Abfall. Nur kurz dringt der Niedergang der Welt in unser Bewusstsein, dann wenden wir uns wichtigeren Dingen zu. Dem Chef. Der Türklingel. Dem Klimawandel?

    Kolumne von Sibylle Berg über Unbehagen und Engagement - SPIEGEL ONLINE
    was denn sonst!?
    am montag kämpfen wir (fast) alle wieder ums überleben am arbeitsplatz.
    die absatz- und umsatzzahlen müssen stimmen, das budget um gottes willen erreicht, besser noch übertroffen werden - sonst sitzt der/die "suboptimale" mann/frau schnell auf der abschußliste oder gar auf dem gang im job-center.

    ob autos mit absurden benzinverbräuchen, haushaltsgeräte mit programmiertem verfallsdatum, otc-pharmazeutika mit lächerlichen heilsversprechen, mode der saison, die produktzyklen werden immer kürzer, alles verbraucht "unnütz" (!?) ressourcen.

    und am wochenende verbrauchen wir brav all die "überflüssigen"(!?) und "nicht-nachhaltigen"(!?) produkte - wenn nicht, hätten wir doch schon längst wieder eine schlimme rezession und in der folge viele arbeitslose mehr, oder?!
    wer kann das schon wollen?
    also weiter so, mit aller kraft - vorwärts immer, rückwärts nimmer!
    der kleine trost: wir leben nicht für immer - nach uns die sintflut!
  7. #7

    Menschen und Vulkanier

    Ich lese Frau Bergs Kolumnen immer wieder mit einigem Kopfschütteln, mit ihrem üblichen moralischen Entsetzen, stets gepaart mit abgrundtiefem Pessimismus wegen der unzulänglichen und unmoralischen Menschheit. Heute fällt auf, dass die Autorin nicht zwischen solchen Feinheiten wie Wetter und Klima unterscheidet, dass sie auch die ziemlich exzessiven und z. T. fehlgeleiteten Anstrengungen in Deutschland, den Verbrauch fossiler Energieträger zu reduzieren, mit keinem Wort erwähnt. Ob nun die Wärmedämmung in Gebäuden so weit getrieben wird, dass Pilzbefall und mangelhafte Feuersicherheit droht, ob nun Maiswüsten und Rapsfelder bis zum Horizont subventioniert werden, um daraus "Ökoenergie" zu gewinnen, was dann natürlich auch zu Lasten der Nahrungsmittelproduktion geht oder ob jeder Stromverbraucher die Gewinnung von Solarenergie bezahlen muss. Nicht alles bei diesen Anstrengungen ist falsch. Nur wird selbst damit niemand von uns verhindern können, dass fossile Energieträger erst dann nicht mehr verheizt werden, wenn das unwirtschaftlich geworden ist. Wer aber rechtzeitig Wärmedämmung, Gewinnung von Wind- und Solarenergie fördert, hohe Mineralölsteuern bezahlen muss, der wird hinterher wirtschaftlich besser dastehen, wenn die Preise für fossile Brennstoffe anziehen. Gegen die Klimaveränderung nutzt das alles leider wenig; ob und wo diese aber zur Katastrophe wird, ist sehr schwer vorherzusagen. Ja, wir Umweltferkel neigen zu gelegentlich unsinnigen ökologischen Ersatzhandlungen und fahren womöglich trotzdem dicke Autos, heizen mit Öl oder verreisen mit dem Flugzeug. Na und? Wir sind nun mal keine Vulkanier, immer logisch, wenngleich nur im Fernsehen, und gottlob auch keine Automaten. Und ja, wir übertreiben manchmal, auch Frau Sybille. Das Waldsterben ist übrigens ein durchaus reales Problem von gestern, das aber manchmal maßlos und in unlogischer Weise übertrieben wurde. Ich fand es schon witzig, als mir das Verkahlen der (größtenteils aus Kalkgestein bestehenden) Schwäbischen Alb durch sauren Regen angekündigt wurde, während überall die Magerrasen mit Gebüsch und Wald zuwuchsen.
  8. #8

    Ganz abgesehen

    von Frau Sibylles immer wieder klugen und amuesanten Stueckchen : Habe dieses und die ueberwiegend und ungewoehnlich ausgezeichneten Kommentare dazu gerade rechtzeitig entdeckt und bin somit dem SPON erhalten geblieben, nachdem ich die meist peinlichen Blaehungen zu dem Assange-Artikel durchlitten und mich beinahe fuer immer zu der Al Jazeera website exiliert haette. (Anm. d. Verf.: Meine Tastatur hier im feindlichen Ausland erlaubt keine Umlaute.)
  9. #9

    Ausruhen und Weltrettung sind keine Gegensätze

    Zitat von Daemion Beitrag anzeigen
    Viel Erfolg auch weiterhin, Frau Berg, ich bin auf Ihrer Seite. Es ist durchaus möglich, etwas für die Welt zu tun und sich hin und wieder dennoch mal auszuruhen.
    Grüße


    Sich auszuruhen scheint mir eher der beste Weg zu sein, etwas für die Welt zu tun. Aber leider ist das nirgendwo schwieriger als in Deutschland. Kaum etwas ist hier schlimmer, als den Eindruck zu erwecken, zu wenig fürs Bruttosozialprodukt zu leisten. Deshalb trennen wir auch lieber fleissig den Müll, statt ihn einfach zu vermeiden.


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