...das Verständnis ist allerdings bereits bei einem immer größer werdenden Teil der publizierenden Bevölkerung bereits abgeschafft.
Keine Inszenierung, alles direkt und roh: Boris Becker verkörpert auf Twitter den alten Traum von Authentizität in den Medien. Seine Äußerungen sind mindestens so "echt" wie Paris Hilton - nämlich gar nicht. Es wird Zeit, dass wir uns von der Echtheit verabschieden.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...852453,00.html
...das Verständnis ist allerdings bereits bei einem immer größer werdenden Teil der publizierenden Bevölkerung bereits abgeschafft.
Sascha Lobo ist selbst alles andere als authentisch, da ist es gewissermassen für ihn naheliegend, gegen Authentizität zu bashen.
... wollen wir jetzt alle Begriffe abschaffen, deren Verständnis sich ändert ? "Authentisch sein" klingt schon länger auch nach RTL2, aber wenn er in einem sinnvollen Kontext erscheint, würde ich den Begriff gerne weiter verwenden ...
Die Authenzität einer Person macht doch nur Sinn, wenn eine gewisse Individualität vorhanden ist. Aber seien wir doch ehrlich. Die Jahrtausende währende Manipualtion der Massen, die im Internet nunmehr Ihren Gipfel gefunden hat - alle sind in einem Augenblick erreichbar - haben unsere Phsyche in eine handvoll Schablonen gedrückt. Das körperliche wird gleichwohl von der Industrie gleichgeschaltet: Gleiches Essen, Kleidung, Iphone, Flachbild, H&M, Dior u. a. Das Übrige hat die Vermehrung der Menschen getan: Jeden gibt es Millionen mal.
Die Indiviualtitä ist tot. Es gibt nur noch Zugehörigkeiten. Der Beweis ist das Netz: Da stehen doch immer nur die gleichen Weisheiten.
Ergo ist Authenzität/Echheit langweilig: Lügt lieber was das Zeug hält; ich will gar nicht wissen, wie Ihr wirklich seid - da kann ich ja gleich in den Spiegel gucken.
"Image ist out, (vermeintliche, aufgesetzte) Echtheit in." Aber das wäre ja nur eine Überschrift... Abgesehen davon: Alles egal. Die Menschen WOLLEN betrogen werden. Wir ticken nunmal so. #hausgemachter senf als beilage
... ist es, ausgerechnet FB und twitter immer noch als "social" media zu bezeichnen. Beide dienen ausschließlich der eigenen Inszenierung, was man schon daran merkt, dass 99% der Benutzer nicht lesen, sondern nur (noch) posten. Kein Wunder - wie soll man in dieser digitalen, angeblich sozialen Welt noch überhaupt etwas wahrnehmen, speziell auf 140 Zeichen beschränkt? Deshalb würde ich schon *allein* die Tatsache, dass überhaupt ein account bei einem der Selbstdarstellungsdienste besteht, als Zeichen für Inszenierungswahn nehmen und echte Authentizität nur noch demjenigen zugestehen, der GAR KEINEN twitter- und/oder FB-account hat.
Dem künstlich überladenen, vor allem auf Selbstinszenierung zielenden, wenig authentischen Schreibstil (Ähnlichkeiten zur Wirkung seines Iros sind rein zu zufällig) von Sascha Lobo würde eine gute alte Schreibmaschine gut tun. Dann müsste er im Fluß schreiben, ohne später an den Sätzen zwecks Verquastisierung nochmal rumzuschnitzen und würde das Fremdwort-Googeln einschränken.
Gibt es nicht authentische Inszenierungen? Bum-Bum-Boris und Digi-Tal-Lobo haben, was das angeht, mehr gemeinsam, als sie vielleicht wünschen und wissen wollen. Wer sich übrigens knackiger über Authentizität, Realismus und Inszenierung informieren will, lese bitte nicht Lobo, sondern z.B. "Mythen des Alltags" von Roland Barthes. Ich weiß, dafür muss man wieder in die Bibliothek rennen und so, aber fetzt!