Das Internet ist Medium, Kaufhauskatalog und Bankschalter, für Sascha Lobo ist es mehr - ein Treffpunkt, eine Heimat. Hier kommen Menschen zusammen, die sich etwas zu sagen haben. Wenn sie sich richtig entscheiden.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...792647,00.html
Bei weitem das am meisten autentische, das ich vom Kolumnisten gelesen habe. Endlich einmal der Verzicht auf rationale Verbrämung, endlich das Bekenntnis zu liberalen Grundeinstellungen einem neuen Medium gegenüber. Als wesentlich älterer habe ich zum ersten Mal das Gefühl, mit ihm analoge(?) Entwicklungen durchgemacht habe, auch wenn bei mir die anarchische Zuversicht, das Netz sei öffentlich-rechtlich nicht kontrollierber, schon aus den frühen 80ern kommt. Hätten wir es vorausgesehen, wir hätten damals die wesentlichen Protokolle modifiziert, diese waren und sind naiv einfach und dämlich illusionsbefrachtet, siehe auch den BundesTrojaner.
Zu dieser Zeit hielten wir das Netz noch für eine Kommunikations-Redefinition, nicht, wie geschehen, für einen kakophonischen Tsunami. Allein die Vorstellung, das Netz könnte ein riesiges Schaufenster in Händen von Geschäftsleuten werden - damals undenkbar.
Aber ich empfehle doch auch eine Anpassung bei Methode und Sichtweise: der Autor sieht die Effekte, weniger die gesellschaftlichen Grundlagen: im Methodenkanon der IT findet er MVC, was, nicht nur als Programmier-Paradigma verstanden, die Möglichkeit eröffnet, die Strukturen von WEB2 und WEB3 mit denen früherer Zeiten zu vergleichen, und da findet er seine Heimat im Web, aber auch im Versuch, einer Macht, die man nicht besiegen kann, zumindest auszuweichen - und das war das Netz der 70er und 80er.