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S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Die Verstreamung der Welt

James Joyce hat es vorgemacht - und jetzt machen es alle nach: Der niedergeschriebene Bewusstseinsstrom findet erst im Facebook-Zeitalter zu seiner Alltags-Vollendung, findet Sascha Lobo. Das macht das Leben anstrengend - aber gegen Informationsüberschuss gibt es ein einfaches Mittel.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...755260,00.html
  1. #10

    Herrn Lobos Stream of Daftness

    "Eine der meisterwähnten und wenigstgelesenen Passagen der Literatur ist das letzte Kapitel des Romans "Ulysses"" ...
    Das gilt wohl auch für Herrn Lobo, der mal wieder seine simplizitistischen Gedankenausscheidungen als quasi Live-Stream (ungefiltert und von verbesserungsbedürftiger Qualität) ins Netz stellt, die allenfalls als Beitrag für den Ethikunterricht der 9. Klasse taugen. Erinnert immer wieder an die albernen philosophischen Diskurse in "Matrix reloaded".
    Ausgrechnet "Ulysses" heranzuziehen um Facebook zu huldigen zeugt von beneidenswerter Ahnungslosigkeit. Muss sehr beruhigend sein, wenn man so dumpf vor sich hin leben kann.
    Und wenn schon ein Vergleich mit Joyce, dann bitte mit der Komplettvernetzung von Gedanken- und Sprachwelt in "Finnegangs Wake", das uns zugleich auch deutlich erkennen lässt, dass wir von der Komplexität ziemlich wenig verstehen.
  2. #11

    War Joyce eigentlich halbwegs gesund?

    Zitat von dr.épernay-boiler Beitrag anzeigen
    Man könnte mal einen Psychiater und Literaturwissenschaftler hier fragen, ob Joyce eigentlich halbwegs gesund war - oder wie er auf die Form von Ulysses kam. Keine Filter, keine Template, wichtiges von Unwichtigem nicht mehr getrennt: Dauerstream.
    War Joyce halbwegs gesund? Weiß nicht. Da er lange tot ist, interessiert dies nur noch peripher. Interssanter wäre es hingegen, weil heute noch von Belang, mal hier einen Literaturwisschaftler-Wissenschaftler zu fragen, wieso Literaturwissenschaftler ein Werk, ohne Filter, ohne Template, welches Wichtiges nicht von Unwichtigen mehr trennt, derart hochjubeln, dass dieses Werk zur Standardlektüre an Hochschulen (auch schon Deutsch-LK-Schullelktüre?) wird. Und dies nicht zum Thema "Irrtümer der literarischen Rezeptionsgeschichte".
  3. #12

    Globalen Bienenstock

    Zitat: „Das vorläufige Krönchen des digitalen Informationsflusses tragen weibliche Teenager in den USA, die im Monat über 4000 SMS senden und bekommen - im Durchschnitt.“

    Kaum vorstellbar, denn das wären ja ungefähr 130 SMS pro Tag und etwa 9 SMS pro Stunde, wenn man davon ausgeht, dass ein Teenager 15 Stunden am Tag wach ist – na ja, ob solche Kalkulationen sinnvoll sind, bleibt dahingestellt. Nach dem Lesen des Artikels war ich so verunsichert, dass ich mich erst einmal schlau machen musste, was Streaming so richtig bedeutet, jedenfalls eine Art allgegenwärtiger Kommunikationschwall, Herr Lobo spricht unter anderem von einem „sozialen Hintergrundrauschen“. Es wird beschrieben, wie sehr die Informationsinhalte in der Informationsflut untergehen, ein bekanntes Phänomen, aber es weitet sich immer mehr aus. Wenn die Informationen sich selbst über ihre Massenhaftigkeit entwerten, was bleibt dann? Eine trotz ihrer Überfülle entleerte Kommunikation, und nun stelle ich mir die Frage, was daran so attraktiv ist, besonders für die jungen Leute.

    Ein neues Lebensgefühl entsteht, das sich in einer spezifischen Kombination von Abwesenheit und gleichzeitiger Einbezogenheit ausdrückt. Dieses Lebensgefühl abstrahiert das Körperliche von der Interaktion, es entledigt sich des direkten Gegenübers, man ist unbeteiligt an allem beteiligt, man erlebt, doch kann sich mit einem Klick aus dem Gesumme im globalen Bienenstock ausklinken. Wahrscheinlich fällt es vielen Erwachsenen schwer, sich diesem Feeling anzunähern, denn es dopt sie nicht, im Gegensatz zu den Youngsters, die in der digitalen Achterbahn auf den Trip kommen – da wird die Realität in ihrer schnöden Konsequenz schnell zum Frust, in der Realität schiebt man dann den Affen.

    Vielleicht haben die virtuellen Ersatzwelten Effekte, die wir noch gar nicht erkennen – zum Beispiel könnten sie bewusstseinserweiternd wirken, sie könnten zumindest ein Gefühl für die Teilhabe an einem Kollektivbewusstsein etablieren, mit der man sich aus eigenen Beschränkungen zum Teil emanzipieren kann. Das was Herr Lobo Hintergrundrauschen nennt, wird möglicherweise zu einer anonymen Instanz, nicht unbedingt zu einer moralischen, doch zu einer existenzformenden. Diese Instanz im digitalen Äther kreiert sich selbst und immer wieder neu, ein Schwarm, der sich überraschend mal hier, mal dort hinwendet. Ich glaube nicht, dass wir uns heute vorstellen können, wie dominierend die Parallelwelt des Internet in Zukunft werden kann.
  4. #13

    Konservative beherrschen simples Denken nicht !

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    James Joyce hat es vorgemacht - und jetzt machen es alle nach: Der niedergeschriebene Bewusstseinsstrom findet erst im Facebook-Zeitalter zu seiner Alltags-Vollendung, findet Sascha Lobo. Das macht das Leben anstrengend - aber gegen Informationsüberschuss gibt es ein einfaches Mittel.

    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...755260,00.html
    Wenn Ich die Reaktionen auf diesen Artikel hier so lese zeigt es mir wieder mal das die Konservativen simples Denken nicht beherrschen und den Autor sogar anscheinend nur nach seiner Frisur bewerten (und die stößt auf da sie ja nicht politically correct ist !)..statt wirklich zu kapieren um was es hier geht.
    Oder haben die Mitforisten vielleicht ein Problem damit das der Herr Lobo nicht so jemand ist wie Herr Fleischhauer, der mit seinen Tiraden eine politische Meinung vertritt und mal kräftig draufhaut ? Besonders auf die Parteien ihres Alptraums (Linke/Rot/Grün)...

    ..oder es könnte sein das unsere Schwarzen sich lieber nicht mit so einem 'Linken' Thema befassen wollen. Lobo ist zu anders, zu Alternativ...so ein 'Denken' wollen wir nicht ! Jedenfalls ist es immer wieder interessant zu sehen wie bestimmte Autoren, die eigentlich gar nichts sagen (Herr Fleischhauer z.B) angehimmelt werden von unsere Schwarzen aber Leute wie Lobo oder Augstein andauernd beleidigt oder für dumm dargestellt werden. Simples oder 'Anderes' Denken- kein Thema für unsere Schwarzen Mitforisten...
  5. #14

    Wer's braucht.

    Leben, ein reißerisch digitaler Fluss?
    Über kurz oder lang wird damit Geld verdient abgesoffene kontemplative Fähigkeiten wiederzubeleben.
  6. #15

    Lobotomie?

    Zitat von thepunisher75 Beitrag anzeigen
    Wenn Ich die Reaktionen auf diesen Artikel hier so lese zeigt es mir wieder mal das die Konservativen simples Denken nicht beherrschen ...
    Mein lieber Punisher, Sie haben aber mal rein gar nix verstanden. Ihre Behauptung, dass die Kritiker des Lobo gleich schwarze Gesellen à la Fleischhauer sind ist leider symptomatisch für die - ich wiederhole mich ungern - "simplizitistischen Gedankenausscheidungen" nicht nur des Lobo sondern offensichtlich auch seiner Nachläufer. Und dieses Lobotomieren (vielleicht gar kein sooo schlechter Ausdruck für diese spezifische Formulierungsweise einseitig beschränkter Weltsichten) auch noch mit Beiträgen von Herrn Augstein zu gleichzusetzen, ist dann schon ziemlich daneben.
  7. #16

    Wieder mal

    ein sehr guter Text. Deutlich über dem Niveau der sonstigen Texte auf SPON.

    Meine eigene Lösung, um der digitalen Flut Herr zu werden ist ganz einfach und funktioniert:

    Ich habe immer noch ein 56k-Modem. Da hat die Datenflut keine Chance... ;-)
  8. #17

    .

    Der Stream ist schon keine schlechte Sache, weil er einem vieles Suchen abnimmt. Man stelle sich mal vor, dass man das alles immer noch selbst aufsuchen muß, was einem so ständig per RSS-Readern, Twitter, Facebook u.ä. automatisch auf den PC trudelt. Insofern handelt es sich bei möglichen Klagen über die Verstreamung der Welt eher um Luxusleiden mit Medien, deren Annehmlichkeiten man gerne nutzt. Wie bei fast allem macht auch beim Stream die Dosierung die Verträglichkeit der Nutzung aus - also Menge der gestreamten Quellen und Umfang und Genauigkeit ihrer Nutzung. Das neuerdings aufkommende Wehklagen über die vielen Newsticker und eine daraus gefolgerte "Vertickerung" der Medien kann ich auch nicht ganz teilen. Es gibt ja nun weitaus mehr Journalismus in sämtlichen Medien als nur Tickerjournalismus.
    Ich fände es gut, wenn Medienanbieter wie Onlinemedien, Fernsehen, Radio, Videoanbieter verstärkt Facebook für den "Strom" ihrer Medien wie Videos und Audios, u.U. sogar Texte nutzen würden - weil ich Facebook noch etwas anschaulicher finde als die recht spartanischen RSS-Feeds oder Twitter.
  9. #18

    Der Stream der Verblödung.

    Allerdings ist in der westlichen Welt, in der es nur augenscheinlich keine politischen Defizite gibt, das Bewusstsein größtenteils darüber verloren gegangen, was öffentliche Kommunikation für ein Potential besitzt. Der innere Monolog der westlichen Welt, lässt eher auf eine regressive selbstzufriedene Verblödung schließen, die sich in Redundanz auflöst. Nicht James Joyce kommt hier zur Alltagsvollendung sondern Baudrillards "Transparenz des Bösen".
  10. #19

    Drück's weg,..

    .. so viel hübsch gesputztes Verbalissimo nachzulesen - und am Ende des Streamigen zu erkennen - datt is ne elektron'sche Sause!
    Drück's weg... - schreibwüt'ger Schischiputz!


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