S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Die Angst vor dem Volk im Netz

Die Piraten erobern die Landtage und FDP-Generalsekretär Patrick Döring hat Angst vor der "Tyrannei der Masse". Der verunglückte Kommentar zum Wahlerfolg der Konkurrenten ist entlarvend: Die Politik muss sich daran gewöhnen, dass das Volk mitreden will - und zwar nicht nur alle vier Jahre.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...823842,00.html
  1. #110

    Oh nein

    Zitat von betty.ford Beitrag anzeigen
    ein lustiges bespiel für die selbstentmündigung und verbetriebswirtschaftlichung des 'bürgerichen subjekts' lieferten kürzlich die schweizer, als sie die gelegenheit, wenigstens zwei zusätzliche wochen im jahr auf sinnvolle, selbstbestimmte tätigkeiten verwenden zu können, zugunsten von kollektiv und vaterland ausschlugen.
    Liebe Betty,
    es ist keine "Selbstentmündigung" wenn man eine selbstbestimmte Entscheidung trifft.
    Genau das tut das Volk in der Schweiz per direkter Demokratie.

    Das von Dir erwähnte Beispiel zeigt doch gerade die Vernunft der Leute.
    Eben nicht: keine Steuern, immer Urlaub etc.
    Sondern eine vernünftige Entscheidung.
  2. #111

    Transparente Durchblicker

    Zitat von Robert_Rostock Beitrag anzeigen
    Genau! Wir, die tollen 15% Internet-Aktivisten, sind die totalen, einzigen Durchblicker, die Elite. Wenn man es genau betrachtet, sind wir, die 15% Internet-Eliten, eigentlich das Volk.
    Die anderen 85% sind bloß ewig-gestrige, vernachlässigbare Nichts-Blicker, auf die man nicht zu hören braucht.

    Bleibt nur die Frage: Worin unterscheiden sich nochmal diese 15% elitären Durchblicker von den heutigen Machthabern?
    In den 70er hatte man einen schönen Begriff hauptsächlich für die einseitig Technik-Fixierten: Man nannte sie "Fachidioten".
    Und wenn ich mir in den Foren deren Auffassungen so anschaue, hat das, was damals gegen solche Fachidiotie helfen sollte, nämlich eine gehörige Portion gesellschaftlicher/politischer Bildung neben der Technikausbildung, überhaupt nicht geholfen. Schade.
  3. #112

    Zitat von sampleman Beitrag anzeigen
    Ich denke mal, wenn sich Bürger durch Rot/Grün nicht genügend in ihrer Meinung vertreten fühlen, dann hilft eins: Bei Rot oder Grün mitmachen und die Läden von innen ändern.
    Diese Parteien werden von bestimmten Netzwerken mit internationalen Interessen geführt mit direkten Draht zu den Medien. Wie stellen Sie sich denn eine Übernahme dort vor wenn die Bestrafung finanziell und medientechnisch sofort gegengesteuert wird. Glauben Sie etwa das diese Netzwerke und die Interessen dahinter ihre Investition so einfach aufgeben ?

    Als Beispiel sollte man sich den Fall Özdemir genau anschauen, der als Asset gewisser US Eliten nach dem Bonusmeilen Rücktritt in den USA wieder neueingestellt wurde und dann über die EU wunderlicher weise als Vorsitzender der Grünen wieder in Deutschland auftauchte.

    Normalerweise wäre bei dem Lebenslauf der Politiker verbrannt worden und bei einer "nicht verfilzten" Partei einen Wiedereinstieg unmöglich machen. Dummerweise sieht die Realität ganz anders aus. Zu dem Thema der *realen* Grünen und den Hintergründen kann man genug im Internet finden. Die SPD ist für mich nur noch eine Alibiveranstaltung, damit sich keine wirkliche Opposition Mehrheiten erarbeiten kann.
  4. #113

    Zitat von sampleman Beitrag anzeigen
    Problematisch wäre es, wenn die Piraten (neben den Linken, der NPD und anderen Randparteien) eine weitere Gruppierung stellen würden, die zwar Wählerstimmen und Parlamentssitze auf sich vereinigt, mangels Koalitionsfähigkeit aber keine Chance darauf hat, parlamentarische Mehrheiten zu erringen.
    Zum Einen hat die Linkspartei sehr wohl schon in einigen Parlamenten mitregiert, zum Anderen verstehe ich nicht, warum die Piraten das nicht mittelfristig auch können sollten. In Berlin leisten sie bereits jetzt m.E. gute Oppositionsarbeit. Mit noch etwas mehr Erfahrung wird das schon werden.
  5. #114

    Zitat von SaigonWhiteChristmas Beitrag anzeigen
    Dann sollte also in Zukunft das Volk entscheiden? Dann gebe ich Ihnen mal ein Beispiel: Todesstrafe für Kinderschänder?
    Wollen SIe so etwas vom Volk entschieden wissen?
    Das Volk ist NICHT das das sie sich wünschen..
    Vergessen Sie nicht, dass die Todesstrafe immernoch Grundgesetzwidrig ist und auch durch einen Volksentscheid nicht gekippt werden kann. Das kann nur mit einer 2/3 Mehrheit des deutschen Bundestages geändert werden. Es bräuchte also etwas mehr als diese magere Horrorvorstellung um Argumente gegen mehr direkte Demokratie zu finden.
    Viel Erfolg bei Ihrer Suche.
  6. #115

    Die Piraten- Gretchenfrage lautet:

    Auch ich halte die Äußerungen von Patrick Döring für verunglückt und zu scharf formuliert.
    Sie hören sich natürlich gerade jetzt so an als könnte da jemand schlecht verlieren.
    Was er aber denke ich meinte, ist dass sich die Netzgemeinde und allen voran die Piraten
    als deren politische Vertretung gerne für ein demokratischen System halten, dass es so (noch)
    nicht gibt. Obwohl die Piratenpartei, so wie ich sie verstanden habe, sich redlich bemüht bessere demokratische
    Strukturen im Internet zu schaffen, tun sie sich gerade mit dem Punkt der Netzkontrolle also der Überprüfung
    wer da eigentlich was ins digitale Medium sendet schwer.
    Viele, vor allem aber die Medien halten einen Twitter-Shitstorm umgehend für DIE Herzens-
    angelegenheit des gesamten Volkes. Es ist aber nur die lautstark, weil meistens anonym, geäusserte
    Meinung von höchstens 1,8 Millionen hauptsächlich jungen Twitternutzern in Deutschland.
    Niemand möchte sich gegen die politische Teilnahme per Internet aussprechen, vor allem wie ich hoffe,
    die FDP nicht. Aber sie darf nun mal auch nicht mit einer Wahl oder Volksabstimmung registrierter Bürger
    mit bezifferbarer Wahlbeteiligung und vergleichbarem Ergebniss verwechselt werden.
    Solange eine "netzdemokratische" Debatte nur unter Nicknames und IP-Adressen stattfindet, taugt sie auch nur
    bedingt zur politischen Entscheidungsfindung.
    So verstehe ich auch Patrick Dörings Satz,"er habe nichts gegen intellektuelle Debatten im Netz - aber dann
    bitte unter vollem Namen".
  7. #116

    Die Totalüberwachung kommt unaufhaltsam

    Vor ein paar Jahren dachte ich noch, man müsse sich unbedingt mit allen demokratischen Mitteln dagegen wehren. Aber wozu eigentlich?

    Erstens lässt sich die bevorstehende Totalüberwachung sowieso nicht mehr abwenden - und zwar ganz einfach deswegen, weil es überall in der Welt immer mehr Menschen gibt, denen "Freiheit" und "Würde" offensichtlich nichts bedeuten.

    Zweitens wimmelt es überall in der Welt von hoffnungslos merkbefreiten Vollpfosten, die sich für derartige politische Themen überhaupt nicht interessieren. Die stecken einfach ihre Köpfe in den Sand und hoffen, dass der Kelch schon irgendwie an ihnen vorübergehen wird, lol!

    Drittens wird der internationale Druck zum Thema Überwachung immer grösser - in gewissen anderen Ländern herrschen schon Zustände, die man kaum noch artikulieren kann!

    Alleine schon aus diesen Gründen wird sich die Totalüberwachung nicht mehr aufhalten lassen. Dazu kommt noch der technische Fortschritt, der extreme Überwachungsmassnahmen überhaupt erst möglich macht und die ständig wachsende Zahl von Geheimdiensten trägt ebenfalls dazu bei, dass es schon sehr sehr bald keine Anonymität mehr geben wird...

    Die Industrie diktiert den totalitären Kurs, so einfach ist das. Versucht es doch bitte mal aufzuhalten, viel Spass, viel Glück und viel Erfolg dabei!

    Eins steht jedenfalls fest: Freiheit ist stets nur ein temporärer Zustand, für den man pausenlos kämpfen muss. Wird man auch nur eine einzige Sekunde lang unachtsam oder nachlässig, dann ist schon wieder ein zusätzliches kleines Stück Freiheit für immer im Nirvana.

    Zumindest solange, bis man sich diese verlorene Freiheit eines Tages wieder zurückerobern kann. Was jedoch alles andere als einfach oder leicht werden wird...

    Fazit: Ist ein Stück Freiheit erstmal eliminiert worden, dann ist das in 99 von 100 Fällen endgültig und natürlich überaus nachhaltig!

    Meiner Meinung nach soll die Totalüberwachung ruhig kommen. Weil erst wenn es dann tatsächlich soweit ist, werden die Menschen begreifen. Vorher leider nicht, zumindest ist das die Summe meiner persönlichen Erfahrungen.
  8. #117

    Sie argumentieren unredlich oder ungenau..

    Zitat von ceebass Beitrag anzeigen
    .. Es ist schon immer verwunderlich, welche Ansichten ueber das "Wunderland" Schweiz herrschen. Einem Land in dem es in einigen Kantonen das Frauenwahlrecht erst seit 1990 gibt (Appenzell Innerrhoden)...
    Die Schweiz sollte hier nur ein Beispiel geben das eine direkte Demokratie im Prinzip funktionsfähig ist. Kaum jemand bestreitet das auch diese Regierungsform Fehler und Dummheiten macht(Welche Regierungsform macht sie nicht?)
    Diese Fehler hängen aber auch teilweise damit zusammen, das das Volk auf der Grundlage von Plakaten, Propaganda und der Boulewardpresse entscheidet. Eben das ist bei der Netcom etwas anders: Eine Behauptung kann in Sekunden (u.a. auf Wiki!) überprüft werden, und die Beiträge unangenehmer Gäste wie Trolle und Radikalinskis werden inzwischen routinert überhört. Propaganda und Hetze auf einer Piratenseite? Versuchen Sie es, viel Spass dabei!
    Natürlich hat die Netöffentlichkeit ihre Schattenseiten: Wenn jede Stunde eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird, kommt es schon mal zu übereillten Reaktionen und Kurzschlussentscheidungen. Nur im Gegensatz zum Volksentscheid, sind Netentschlüsse genau so schnell revidierbar wie sie zustande gekommen sind. Oder anders gesagt: Man hat auch noch was zu sagen, wenn man seine Stimme abgegeben hat.
    Im Übrigen könnte man die Diskussion zu diesem Thema leicht beschleunigen, wenn man die Gründe und Befürchtungen aussen vor lässt, die damals die Monarchisten gegen eine Demokratie vorgebracht hatten. Der Rest wäre wohl ziemlich überschaubar.
  9. #118

    Zitat von Sabi Beitrag anzeigen
    Die Mehrheit des Volkes hält wenig von chats, flash, internet-quatsch,
    etc. will aber doch mehr als bisher gefragt werden.
    Mit diesen Piraten geht's aber nicht, denn die haben vornehmlich
    anderes im Sinn, die sie hinter Demokratie und Wohlbefinden für
    alle geschickt verstecken, aber naive Einfaltspinsel reinfallen, wie zuletzt in Saarland .......
    Was haben die bösen Piraten anderes im Sinn und wie wollen sie es durchsetzen, wo doch ihre Beschlußfassung ständig transparent dargestellt wird? Auf die Theorie bin ich wirklich gespannt
  10. #119

    Zitat von sampleman Beitrag anzeigen
    Problematisch wäre es, wenn die Piraten (neben den Linken, der NPD und anderen Randparteien) eine weitere Gruppierung stellen würden, die zwar Wählerstimmen und Parlamentssitze auf sich vereinigt, mangels Koalitionsfähigkeit aber keine Chance darauf hat, parlamentarische Mehrheiten zu erringen.
    Also die Linke saß und sitzt schon in Regierungen (Mecklenburg,Berlin,Brandenburg). Wieso sind die nicht Koalitionsfähig? Wegen einiger schmollender Parteiführer in der SPD? Wegen Ex-SEDler in ihren Reihen( Wo man dabei dann immer die Blockflöten aus der Ost-Cdu und anderen Parteien zu erwähnen vergißt,die genauso das "Regime" getragen haben)?
    Zitat von sampleman Beitrag anzeigen
    Ich denke mal, wenn sich Bürger durch Rot/Grün nicht genügend in ihrer Meinung vertreten fühlen, dann hilft eins: Bei Rot oder Grün mitmachen und die Läden von innen ändern.
    Der berühmte Marsch durch die (Partei)Institutionen. Nach dieser Logik hätten die Grünen auch keine neue Partei gründen dürfen ,sondern einfach in die damaligen Parteien eintreten müssen.