so true. fühle mich ertappt.
Er macht Kommunikation im Netz oft so unerquicklich, er ist brandneu und doch uralt: Der digitale Spießer benutzt das Internet primär zur Selbstbestätigung. Er weiß alles besser, auch wenn er keine Ahnung hat. Er verbindet Missgunst, Kleingeistigkeit und Größenwahn. Und er steckt in uns allen.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...834306,00.html
so true. fühle mich ertappt.
Ist schon eine Weile her, dass ich einen so guten Text gelesen habe.
Vor allem die Anonymität im Netz begünstigt den digitalen Spießer, denn er ist ja feige. Große Kritik würde er außerhalb der digitalen Welt nicht wagen. Das könnte ja unangenehme Konsequenzen haben.
mal Selbstkritik von Lobo zu lesen:
"Er weiß alles besser, auch wenn er keine Ahnung hat. Er verbindet Missgunst, Kleingeistigkeit und Größenwahn."
Lieber Sascha Lobo,
Ihr Artikel gefällt mir sehr gut, zugespitzt, plastisch und v.a. scharfsinnig beim Herausarbeiten von etwas, was ich für mich manchmal als "Selbstdarstellung" bezeichne, und damit *übertriebene* Selbstdarstellung, Augenmerk darauf, wie man "ankommt", meine.
Ebenso stimme ich völlig zu, dass es sich um etwas in jedem von uns handelt, so dass ich zwar das Reflektiere, Bemerken und Sich-Lösen davon vfür wichtig halte, denn das hat mit Selbstsicherheit und eigenständiger Persönlichkeit zu tun, aber auch - das ist vielleicht anders als bei Ihnen - auf gleichzeitige *Nachsicht* aus bin, ob bei Anderen oder einem selbst.
Ihr sehr offener, sympathischer "Bekenntnis-Satz", kleingedruckt am Ende Ihres Artikels, ist ja etwas, was man eben nicht jedesmal hinzufügen muss, auch wenn man immer wieder mal der Versuchung oder Schwäche erliegen mag, beim Schreiben von Texten etwa auf Kosten der Authentizität auf die positve Wirkung, gerade beim Selbstbild, zu achten - sitzt die Krawatte auch richtig? ;-)
Es ist ja übrigens eine Sache des alltäglichen Lebens, diese Selbstdarstellung und ihr individueller Wert, die Balance zwischen selbstbewusstem Ausdruck der eigenen Persönlchkeit (EXpressionistischer Aspekt, sozusagen) und Überlegungen, wie dies beim Anderen ankommt (IMpressionistische Frage) - wobei Letzeres für Einfühlungsvermögen ja auch notwendig ist. Die Frage ist nur, wie sehr richtet man das Augenmerk darauf, und inwieweit geht es bei der Wirkung etwa eines Textes speziell um das *Bild von mir*, das der Andere / "die Massen" gar, erhalten.
*Verschärft* (im Sinne eines gewissen Zwangs) wird die Überorientierung auf Selbstdarstellung naturgemäß in "Bewerbungssituationen" (im weiten Sinne), und *begünstigt* wird sie durch Kommunikationsweisen, die sozusagen nur "dünne Kanäle" aufweisen, die es leichter ermöglichen, jemand etwas vorzumachen, "darzustellen", als etwa bei pers. Begegnung, wo das Bild von jemandem sich gleich aus einer Vielzahl von Informationen zusammensetzt, die von dem Betr. auch weniger kontrolliert werden können. - Anders eben beim Chatten, Twittern, Fbooken - die schriftliche Eloquenz dominiert alles, und wer darin gewandt ist, kann auch in flotter Weise sich über Andere erheben, den Klugen "spielen" etc., ein Bild von sich vermitteln, das vielleicht nur im dünnen Textkanal "hält".
Doch wie gesagt, dies ist, idealistisch gesehen, zwar nicht unbedingt sehr selbstsicher oder authentisch, zugleich aber ist es eine Schwäche, deren Zulassung wiederum "echt" ist und zu uns gehört, denn der Mensch hat Fehler. Insofern finde ich das Augenmerk darauf gut - danke für den Artikel - ohne da aber etwas (was ich Ihnen jetzt auch nicht zuschreibe - "ausmerzen" zu wollen. Das gehört eben auch zu uns allen.
Was macht mich nun mehr zum Spießer, taktische Zustimmung oder spontane Ablehnung dieser These?`Ich erlaube mir besser kein Urteil über mich. Ich tu hier gar nichts zur Sache. Es geht nur um euch. Wer sich äussert hat verloren.
...und sonst gar nichts!
Ist das, so frage ich mich, was Herr Lobo das so vorzüglich beschreibt nicht eher ein digitaler Narzisst? Diese Form der egozentrischen Rechthaberei und Ignoranz ist doch ein primäres Merkmal des Narzissmus. In jedem von uns lauert auch ein Narzisst.
Oder setzt Herr Lobo das Spießertum mit Narzissmus gleich? Denn laut der alles besser wissenden Wikipedia ist ein Spießer das hier:Ansonsten "Gefällt mir"Als Spießbürger oder Spießer werden in abwertender Weise engstirnige Personen bezeichnet, die sich durch geistige Unbeweglichkeit, ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen, Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebensumgebung auszeichnen.