S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Das Nerd-Dilemma

Die Piratenpartei klettert in den Umfragen immer höher. Dieser Erfolg ist auch ein Zeichen für den Aufstieg der Internet-Nerds. Um ihre digitale Heimat zu verteidigen, müssen sie sich mit Politik, Konzernen und Kulturschaffenden anlegen - ein Dilemma.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...826515,00.html
  1. #20

    Internet-Stammtisch

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Piratenpartei klettert in den Umfragen immer höher. Dieser Erfolg ist auch ein Zeichen für den Aufstieg der Internet-Nerds. Um ihre digitale Heimat zu verteidigen, müssen sie sich mit Politik, Konzernen und Kulturschaffenden anlegen - ein Dilemma.

    S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Das Nerd-Dilemma - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt
    Nichts für ungut, aber die Piraten sind doch nicht mehr als ein Internet-Stammtisch! Wenn die zum Beispiel begreifen würden, daß ihre Demo gegen Tanzen an christlichen Feiertagen eine Demo eben gegen diesen Feiertag (arbeitsfrei) ist, dann möchte ich bei Erfolg die Umfragestimmen hören. Nix für ungut, das erinnert doch sehr an Kindergarten.
  2. #21

    Wären

    Zitat von asteinx Beitrag anzeigen
    Aus diesem Grund Basisdemokratie und nie wieder Repräsentanten!
    die Piraten für Basisdemokratie in allen Bereichen ( z.B. Rettungsschirm, Steuergesetzgebung, Energiepolitik, Sozialpolitik u.s.w. ) würden sie meine Stimme nicht erhalten.
    Wenn die Basisdemokratie sich auf Kirchengeläut, Bahnhöfe etc. beschränkt, ist das in Ordnung.
    Die uneingeschränkte Basisdemokratie würde m.E. in einer Mediendiktatur enden, wer die populistischten "Schlagzeilen" produziert gewinnt.

    Springer, Murdoch, SPIEGEL, als Abstimmungsmacher, nein Danke.

    Wir sind mit unserer repräsentativen Demokratie seit Kriegsende gut gefahren, Ausnahmen bestätigen nur die Regel.
    Unsere gewählten Abgeordneten verfügen über einen ausserparlamentarischen Thinktank, man sollte ihnen Vertrauen, dass sie ihn zu nutzen verstehen.Auch hier, Ausnahmen...
    Eine Opposition kann öffentlich auf vermeintliche "Fehler" hinweisen.
    Meinungsbildung ist dadurch gewährleistet.
    Btw., Nerds als Netzelite gibt es in ca. 20 Jahren nicht mehr, da sind 90 % 100101 - affin.
    PS: Guter Lobo - Artikel.
  3. #22

    Das Nerd-Werkzeug

    Zitat von twellb Beitrag anzeigen
    Weder haben Nerds den Rechner erfunden noch sind sie technohistorisch eine Besonderheit- die Erfindung des Automobils brachte Analoges hervor. Ihr Empathiedefizit ist dabei genauso gewöhnlich wie ihr eindimensionales Denken.
    Ich erinnere mich noch an die Psychoanalysewelle Anfang der 70er - es gab da Leute, die alles, wirklich alles in dieses Weltbild integrierten - irgendwann war die Einseitigkeit unbestreitbar.
    Wer das Netz als Heimat begreift, überhöht ein simples, aber mächtiges Werkzeug - und er verrät etwas über seine reduzierte emotionale Ausstattung.
    Das Netz ist Werkzeug, das eventuell wegen seiner strukturellen Robustheit, gegründet auf infrastrukturelle Redundanz, Freiheiten schafft und garantiert - Grund genug, das Netz zu schätzen.
    Wie sagt Gustav Heinemann: =Ob ich Deutschland liebe? Ich liebe meine Frau.=
    Oh, Mist, sie hatten das mit dem 'Spielkind' zuerst - das hab ich dann wohl unterbewusst mitgeschleppt ;-)

    Aber ihr Vergleich mit der Psychoanalyse-Welle scheint mir nicht sehr treffend. Vielmehr lässt sich das Netz wohl mit Gutenbergs-Buchdruck-Revolution vergleichen. Was er gebaut hat, war auch nur ein relativ simples Werkzeug, aber es hat für Jahrhunderte die Welt verändert.
    Niemand liebt die Druckerpresse oder bringt ihr eine besondere Verehrung entgegen - aber Millionen lieben, was mit ihr gemacht werden kann.

    Was das angebliche Empathiedefizit der Nerds betrifft: mir scheint oft genau das Gegenteil der Fall zu sein. Gerade *weil* sie zu empathisch und nachfühlend sind, müssen sie Wege suchen, sich abzublocken.

    Nerds sind zu intelligent, um den Stumpfsinn dieser Welt einfach so über sich ergehen lassen zu können - und so schaffen sie sich, wie z.B. auch der Berg-Nerd Reinhold Messner 'einen Sinn in einer sinnlosen Welt.'

    Statt den Nerd in unsere Gesellschaft einzunorden, würde ich lieber die Gesellschaft etwas mehr einnerden. Mehr Freude daran, Sachen/Projekte statt Menschen fertig zu machen, täte der Gesellschaft ganz gut.
  4. #23

    Tanzen auch auf Gräbern

    Zitat von gruenerfg Beitrag anzeigen
    Nichts für ungut, aber die Piraten sind doch nicht mehr als ein Internet-Stammtisch! Wenn die zum Beispiel begreifen würden, daß ihre Demo gegen Tanzen an christlichen Feiertagen eine Demo eben gegen diesen Feiertag (arbeitsfrei) ist, dann möchte ich bei Erfolg die Umfragestimmen hören. Nix für ungut, das erinnert doch sehr an Kindergarten.
    Ähm, sie demonstrieren nicht *gegen* das Tanzen an christlichen Feiertagen, sondern dafür - zumindest wenn man's denn will.

    Warum sollte der Karfreitag seine Existenzberechtigung verlieren, wenn man an diesem (insbesondere als Nicht-Christ) - wie an anderen christlichen Feiertagen auch - tanzen uns Spaß haben darf?

    Ihre Argumentation erinnert mich an meine Mutter, die auch die unsinnige Meinung vertritt, dass der, der nicht christlichen Glaubens ist, seine christlichen Feiertage abgeben müsste.
  5. #24

    titel

    Zitat von vulfolik Beitrag anzeigen
    Ähm, sie demonstrieren nicht *gegen* das Tanzen an christlichen Feiertagen, sondern dafür - zumindest wenn man's denn will.

    Warum sollte der Karfreitag seine Existenzberechtigung verlieren, wenn man an diesem (insbesondere als Nicht-Christ) - wie an anderen christlichen Feiertagen auch - tanzen uns Spaß haben darf?

    Ihre Argumentation erinnert mich an meine Mutter, die auch die unsinnige Meinung vertritt, dass der, der nicht christlichen Glaubens ist, seine christlichen Feiertage abgeben müsste.
    Thema ist zwar Off-Topic, dennoch könnte man überlegen, ob man an 1-2 Tagen im Jahr in der Lage wäre, auf eine doch recht große religiöse Gemeinschaft Rücksicht zu nehmen, wenn man an den restlichen 363 Tagen im Jahr Saufen und Rumgrölen kann wie man will.

    Dahinter verbirgt sich die Frage, ob die neuen Formen der Mehrheitsfindung, die die Piraten diskutieren, zu einer Diktatur der Mehrheit führen sollen, in der kein Platz für Rücksicht auf Minderheiten mehr ist.

    Diese Diskussion ist wichtig und absolut gerechtfertigt.
  6. #25

    Was fehlt dem Nerd?

    Zitat von VRI Beitrag anzeigen
    Lieber Sascha Lobo,
    das Wort Nerd in allen Variationen in diesem Artikel liest sich extrem merkwürdig.
    […]
    Dem gemeinen NERD fehlt das ILPF. Deshalb treibt es sich heimatlos in der digitalen Welt herum und schafft sich einen politischen Arm: Die Piraten. Hätte es sein ilpf noch, ginge es in den Flussauen schwimmen und grasen. Das wäre doch auch schön ...
  7. #26

    Abgesehen davon ist die Überschrift falsch. Es ist kein Nerd-Dilemma, es ist ein Normalo-Dilemma.

    So ziemlich jede Errungenschaft stammt aus dem schrulligen Kopf eines Nerds. Nerd ist zwar ein moderner Begriff, aber seine Bedeutung lässt sich auf jeden bedeutenden Kopf in der Geschichte der Menschheit anwenden. Von Archimedes über Mozart (war z.B. auch ein Nerd, dessen Nerdtum aka Talent für Musik/Akkustik von seinem Vater erkannt und unterstützt wurde) und Einstein zu den "wahren" Nerds von heute.

    Leider ist es heute "hip" sich als Nerd zu bezeichnen, was es schwieriger macht die wirklichen Nerds von den Möchtegern Nerds zu unterscheiden ...

    Insofern sollte es der Menschheit gut tun, wenn die Nerds anfangen mitzureden in der Politik, nachdem man sie in ihrem Spieltrieb einschränken wollte.
  8. #27

    Ehrlich gesagt, hat die Piraten Partei...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Piratenpartei klettert in den Umfragen immer höher. Dieser Erfolg ist auch ein Zeichen für den Aufstieg der Internet-Nerds. Um ihre digitale Heimat zu verteidigen, müssen sie sich mit Politik, Konzernen und Kulturschaffenden anlegen - ein Dilemma.

    S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Das Nerd-Dilemma - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt
    ..eher was mit der "Wutbürger" Welle zu tun, die vor ein paar Jahren begonnen hat, die auf die schlechte Politik der etablierten Parteien reagiert hat. Das viele Mitglieder aus der IT Branche stammen und das dies der Trend des 21. Jahrhunderts ist, viel mit dem Internet zu tun zu haben, hat mittlerweile wenig damit zu tun.

    Ist übrigens eine Ironie, wie die etablierte Rechte Presse und manche Rechte Politiker mit C im Namen versuchen, diese noch relativ kleine Partei nieder zu machen. Statt mal selbst daran zu arbeiten die Politik besser zu machen (was man leider mit C und F Parteien sowieso NIE erwarten sollte) konzentrieren sie sich darauf die Neulinge kaputt zu machen. Kommt mir irgendwie vor wie ein paar beleidigte Alte Herren, die merken das ihre Zeit abgelaufen ist.

    P.S: Ich bin übrigens selbst kein Piratenmitglied, aber ich finde es gut das es diese Partei gibt, die den großen mal kräftig in den Hintern tritt !
  9. #28

    Grundschule

    Zitat von vulfolik Beitrag anzeigen
    Ähm, sie demonstrieren nicht *gegen* das Tanzen an christlichen Feiertagen, sondern dafür - zumindest wenn man's denn will.

    Warum sollte der Karfreitag seine Existenzberechtigung verlieren, wenn man an diesem (insbesondere als Nicht-Christ) - wie an anderen christlichen Feiertagen auch - tanzen uns Spaß haben darf?

    Ihre Argumentation erinnert mich an meine Mutter, die auch die unsinnige Meinung vertritt, dass der, der nicht christlichen Glaubens ist, seine christlichen Feiertage abgeben müsste.
    Stimmt, sie demonstrieren für das Tanzen, Schreibfehler von mir. Der Rest bleibt aber Grundschul-Niveau. Wahrscheinlich sind Sie bei den Piraten, bei Ihrer Argumentation. Wer gegen das Tanzverbot stimmt, stimmt gegen den Feiertag Karfreitag, weil der seine Funktion verliert. Und dann tönen doch die Piraten für die Trennung von Staat und Religion, ergo gegen christliche Feiertage.
  10. #29

    Politiker müssen mit Menschen umgehen können.

    Zitat von Sique Beitrag anzeigen
    Natürlich haben Nerds den Rechner erfunden! Charles Babbage, Alan Turing, John von Neumann, Kurt Gödel - sie alle waren exemplarische Nerds: intellektuell brilliant und sozial gewöhnungsbedürftig.

    Nein, sie sind keine technohistorische Besonderheit. Ende des 19. Jahrhunderts spielten die Ingenieure die gleiche Rolle wie seit den 1960er Jahren die Nerds - nur genossen Ingenieure eine deutlich höhere Achtung als die Nerds heute. Nicht die Nerds haben sich geändert, nur die Welt drumherum glaubte lange, sie könne verachtend auf sie herabsehen - Welch Irrtum!
    Falsch!
    Gerade in der Serie "big-bang-theory", die der Autor anspricht, sehen wir doch ganz deutlich, wie weltfremd und soziopathologisch diese Nerds sind.
    Zum Beispiel: Der „Piraten-Kapitän“, der letztens bei Illner Herrn Ministerpräsiden Beck ein ums andere Mal höhnisch beleidigte, nur weil dieser sich bis an den Rand der Erschöpfung für die Schlecker-Frauen eingesetzt hatte, erinnert fatal an Sheldon: Er hat sich als ADSler geoutet (steht ständig unter Ritalin, das hat er zugegeben) – Genauso wie Sheldon an einer Vielzahl von Zwangsneurosen leidet.

    Die Nerds haben keine Empathiefähigkeit, sie sind schwingungsunfähig, sie sind nicht menschen-, sondern sachbezogen. Wir sehen das exemplarisch daran, wie vernagelt die Piraten in Bezug auf Frauenpolitik sind. Ich halte sie nicht für "bösartig" - Sie kapieren es einfach nicht - Weil sie es nicht kapieren KÖNNEN!

    Politiker müssen mit Menschen umgehen können. Sachverstand ist für Politiker zweitrangig.