S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Das Kuckucksei des Boulevards

Ein Gesetz nicht nur gegen das Internet, sondern gegen den digitalen Wandel: Was das Leistungsschutzrecht mit dem Facebook-Austritt von Verbraucherministerin Ilse Aigner zu tun hat und warum es ein fatales Signal an die Wirtschaft ist.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzp...839695,00.html
  1. #1

    Für große Konzerne ist es billiger ein paar Politiker zu kaufen,

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ein Gesetz nicht nur gegen das Internet, sondern gegen den digitalen Wandel
    als in erfolgversprechende Produkte zu investieren.
    Dem Mittelstand und dem kleinen Mann steht diese Option nicht zur Verfügung; sie waren nur so blöd diese Politiker zu wählen.
  2. #2

    Irgendwas hast Du nicht verstanden...

    Was hat das Leistungsschutzrecht für deutsche Verlage mit der Datenschutzpolitik von Facebook und der Kritik daran zu tun...? Wirkt etwas sehr bemüht, dieser Zusammenhang.
  3. #3

    Was noch fehlt ist, ein Aufruf aus dem Bundestag " Wir sind alle Assange und nur hinter der chinesischen Firewall sicher"

    So bliebe dann nur der Konsument als kapitalistscher Faschist übrig.
    Passt dann auch ganz gut zum Krupps Witz. Denn wer nichts hat, der hat am meisten ! (alter Homöopathen Witz, nein, gerade ausgedacht).

    Man muß nur die Logik der unlogischen Nicht-Logik auch nicht ganz ignorieren, und schon versteht man das nicht mehr wie vermeintlich.;)

    Aber das das alles ziemlich viel mit grundsätzlich gesellschaftlicher Ausrichtung zu tun hat scheinen manche in Vorfreude eines Kontrollwahns der Reichtum zu sichern verspricht, völlig zu vergessen.

    Was ich mich manchmal schon anfangen müsste zu fragen, das wäre, wieso haben sich hinter dem eisernen Vorhang eigentlich keine "Reichenoasen" gebildet ?
    Ich denke, bald setzt die PR und Verklärung zu Antworten auf solche Fragen ein, die sich kein Radio Eriwan oder ernsthafte Propagandisten während 70 Jahren Kommunismus jemals hätten vorstellen können.

    Wahnsinn ??
    Es geht um ein allgemeines und öffentliches Telekommunikationssystem.
  4. #4

    Guter Artikel zm Entwurf des LexKeese

    Wenn der Entwurf Wirklichkeit würde, würde es den Niedergang der Zeitungen (nach belgischem Modell) rasant beschleunigen. Keese wird zum Totengräber der deutschen Zeitungen mit seinem Versuch der deutschnationalen Sonderbehandlung der Bürger.
    Wenn die Regierung so ein unsinniges Gesetz macht, wird sie 2013 schwer dafür büßen: Schon der Unsinn mit dem Zugangserschwerungsgesetz und ACTA sind nicht vergessen. SLS ist dagegen nun endgültig verbrannt. Armer Jimmy Schulz.
    Guter Artikel!
  5. #5

    Das wuerde heissen das ...

    Zitat von jan.dark Beitrag anzeigen
    Wenn der Entwurf Wirklichkeit würde, würde es den Niedergang der Zeitungen (nach belgischem Modell) rasant beschleunigen. Keese wird zum Totengräber der deutschen Zeitungen mit seinem Versuch der deutschnationalen Sonderbehandlung der Bürger.
    Wenn die Regierung so ein unsinniges Gesetz macht, wird sie 2013 schwer dafür büßen: Schon der Unsinn mit dem Zugangserschwerungsgesetz und ACTA sind nicht vergessen. SLS ist dagegen nun endgültig verbrannt. Armer Jimmy Schulz.
    Guter Artikel!
    ... die meisten Waehler aufgeklaerte Netzbuerger sind. Was leider nicht der Realitaet entspricht.

    Sicher wird man den Piraten aber ein paar Waehler zutreiben. Was ggf. ein Teile und Herrsche wider die linksorientierten Parteien sein koennte. Ausser die raufen sich mal zusammen.
  6. #6

    Die Textschnippsel-Debatte geht doch am Thema vorbei ...

    Ich würde mal einfach, lieber Sascha, davon ausgehen, dass mit dem Gesetz mitnichten beabsichtigt ist, sich ins eigene Fleisch zu schneiden. Das Eigentor soll nicht und würde daher auch nicht geschossen werden. Es geht doch weit weniger um Google, als die Internetschützer meinen. In erster Linie geht es um die gewerbliche Kundschaft von A wie Allianz bis hin zu allen Freiberuflern, die sich letztlich zu Zwecken der Eigenwerbung im Netz herumtreiben und dafür auf vielerlei Weise Vorprodukte des Journalismus ausnutzen. In der klassischen Werbung ist das selbstverständlich nicht möglich - würde dich eine Anzeige von Vodaphone zitieren, würdest du sofort die Hand aufhalten oder das untersagen wollen. Kaum bloggt Vodaphone, um sich per Netz-Interaktivität Freunde zu verschaffen, hat das Unternehmen plötzlich Carde Blanche und macht mit dir, was es will. Das ist der Ansatzpunkt, wo sich die Verleger sagen: Die können das gerne machen - gegen eine gewisse Unkostenbeteiligung an unseren Produktionskosten. Ich weiß nicht, ob das völlig illegitim ist. Mir wäre das eigentlich auch egal. Interessant sind nur 2 Fragen: Wollen wir künftig einen professionellen Journalismus erleben, der sich nur noch über Werbung finanziert, weil für die inhaltliche Nutzung niemand mehr was zahlen möchte? Könnte das LSR ein Ansatzpunkt darstellen, um den gesellschaftlich auf ganz breiter Basis gratis genutzten Journalismus doch in einem gewissen Umfang gesellschaftlich zu finanzieren, und zwar in der Weise, dass wenigstens alle diejenigen, die sich beruflich damit ihre geistige Existenz ausschmücken oder damit sogar direkt Einkünfte erzielen, einen Beitrag abdrücken?
    Diese ganze Horrordiskussion über das angebliche Schnipselverbot bis zum letzten Blog geht völlig am Thema vorbei. Das Thema ist eher die Struktur der neuen Öffentlichkeit, wobei Leser, Blogger und professionelle Journalisten offenkundig im gleichen Bus sitzen. Vermutlich wäre das klarer, wenn Herr Keese nicht gerade beim Springer Verlag arbeiten würde, sondern bei Spiegel oder Süddeutscher.
  7. #7

    @Kevin_Meltwater zu

    Mit dem "Schrotgewehr" das "Schnipselvermarktungsgesetz" "von hinten durch die Brust ins eigene Knie" schießen.

    Treffendes Bild, Herr Lobo!

    Als Deutschland-Geschäftsführer des weltweit führenden Anbieters für online Medienbeobachtung, Meltwater Group, kann ich auch nur den Kopf schütteln. Wenn das #LSR so kommt wie angekündigt, werden wir natürlich keinen müden Heller an Axel Springer & Co zahlen. Warum denn? Weil wir (um jenen Verlagen kostenlosen Traffic zu bescheren) unbedingt den Titel und Einleitungssatz des Originaltextes brauchen?

    Unsinn. Brauchen wir überhaupt nicht. Das ist uns keinen Cent wert. Und unseren Kunden natürlich auch nicht. Wir werden einfach die Darstellung der Ergebnisse den neuen Bedingungen anpassen. Siehe hier für eine Vorschau: http://goo.gl/Yrs8W

    Die Maßnahme wird ebensowenig bringen, wie die Subventionierung der Hochöfen im Ruhrgebiet, wie Sascha Lobo richtig konstatiert. Sie wird völlig ins Leere laufen. Bei uns, bei Google und bei allen anderen, die sich gewerblich mit dem Auffinden und Verweisen auf Inhalte im vor Datenanhäufung explodierenden Netz befassen. Und alle User, die auch nur in der kühnsten Auslegung als gewerblich eingestuft werden könnten, werden sich daran gewöhnen auf Links zu verweisen ohne Titel, ohne Snippet. Um auf der sicheren Seite zu sein.

    Was ist jetzt gewonnen? Nichts. Absolut nichts. Wenn zu erwarten wäre, dass tatsächlich Geld fließt, könnte ich diese Realitätsbekämpfungsmaßnahmen einiger Verlage ja immerhin noch rational nachvollziehen. Aber wie gesagt: Es wird nichts passieren.

    Ein großer Medienkonzern dikiert von ihrer nur 3 km vom Kanzleramt entfernten Zentrale der Regierung ein wirkungsloses Schutzgebilde in die Feder.
    Das beschmutzt die Würde unser ansonsten recht vernünftigen Nation einerseits dadurch, dass wir uns so ein übeles politisches Schmierenstück ansehen müssen und andererseits, dass so stümperhaft versucht wird Partikularinteressen in ein Gesetz zu giessen, das wirkungslos bleiben wird und obendrein wahrscheinlich eh vom BGH kassiert wird.

    Man nehme den Auszug von Seite 6 des Paperboy-Urteils von 2003 http://goo.gl/wXf6n
    Hier wird als Beispiel ein zulässiger Verweis auf einen Artikel widergegeben:
    "[K. Express]: Express Online - News

    Donnerstag, 25. Februar 1999, 02.39 Uhr News
    Bundestag: Es krachte gewaltig
    Kanzler kontra CSU-Chef exp Bonn - Die Redeschlacht war hart, die Wortwahl markig. Regierung und Opposition schenkten sich am zweiten Investoren Vorgängerregierung Schieflage Union FDP Kampf
    759 Wörter, 5550 Bytes".

    Wenn das BHG einmal so geurteilt hat, stehen die Chancen nicht schlecht, dass es das wieder tun wird. Titel und Snippet sind als "Kurzinformation" erlaubt.
    Wir werden sehen, was die parlamentarische Debatte zu dem Thema zunächst zutage beförden wird und wieviele Abgeordnete sich in mittelalterlichen Gedankengängen verheddern werden.

    Für mehr Info zu dem Thema einfach Hashtag #LSR auf Twitter nutzen oder bei www.leistungsschutzrecht.info reinschauen.
    Für hanebüchenen Lobbyismus bzw. "reaktionären Keese" empfiehlt sich www.presseschauder.de

    Gruß,

    Kevin Lorenz (@Kevin_Meltwater)
  8. #8

    Lobo trommelt für die Internetwirtschaft

    Einer der digital denkt und fühlt, der kürzlich aber einen digitalen Gott in Abrede gestellt hat (niemand soll andere Götter haben neben mir!), erfindet nun kurzerhand die "digitale Hilfsosigkeit", weil es Frau Aigner gewagt hat, ihr Facebook-Profil zu löschen. Es ist wirklich unglaublich, dass SPON dem Hochritter der Internetwirtschaft eine eigene Kolumne zur Verfügung stellt, ohne diesem gesellschaftlichen Widersinn einen Riegel vorzuschieben.
  9. #9

    Unfähigkeit verurteilt zum Tode

    lautete der Titel eines von mir vor Jahren verfassten Gedichtes. In diesem Fall ist es die Unfähigkeit mancher Industrien im Zusammenspiel mit unseren derzeitigen Politikern sich den veränderten Realitäten der neuen Möglichkeiten zu stellen, die über kurz oder kürzer zum Sterben eben dieser Industrien führen wird. Wir erleben eine Periode der Abwehrschlachten, die historisch immer stattfindet wenn sich tiefgreifende gesellschaftliche Änderungen ergeben. Kein wirklicher, tiefer Wandel ohne eben dieses Aufbegehren von Personen, Institutionen oder Industrien die sich nicht ändern wollen oder können. Die Musikindustrie macht es vor, die Filmindustrie zieht mit und nun eben die Verlage.
    Man möchte ihnen zurufen: Wacht auf und entwickelt endlich tragfähige Geschäftsmodell für die Zeit nach dem Wandel. Viele machen das und ihre Rufe verhallen ungehört. So lässt es sich nur noch trefflich ihnen beim sterben zuschauen. Noch ist genug Geld da um diese Abwehrschlachten zu finanzieren. Fragt sich nur, wie lange noch?
    Wenn wir nicht mehr verlinken, zitieren und verweisen, wer wird euch dann noch zur Kenntnis nehmen in einer immer digitaler werdenden Welt und wo sollen bei jemanden den das Netz später nicht mehr kennt, dann noch die Einnahmen herkommen?
    Viel Spaß beim Untergang, ihr seit in guter, alt-ehrwürdiger Gesellschaft