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S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Das Internet ist eine Funzel
Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen Daten, Fakten und dem, was wir gemeinhin als Wissen bezeichnen. Das Internet als nahezu allgegenwärtiger Informationsvermittler erzeugt ein*Gefühl perfekter Informiertheit. Doch das ist eine Illusion, glaubt Sascha Lobo.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...796779,00.html
- #20 10.11.2011 09:08 von
Und zum Schluss
wenn wir nach intensivem Internetstudium festgestellt haben,
was wir eigentlich nicht wissen wollen, oder nicht wissen müssen, kommem dann die Herren Lobo u.a. und wissen alles noch besser. Es ist heutzutage schwierig, sich sein Wissen zu erarbeiten und dann noch für sich zu behalten.
Es gibt zu viele Besserwisser. - #21 10.11.2011 09:14 von
Bias durch die Filterblase
Was die Sache noch komplizierter macht, ist dass die Information auch noch auf den Benutzer zugeschnitten ist (siehe TED-talk Beware online "filter bubbles"). Das heißt, die Information wird von mir implizit selektiert, weil ich z.B. nur auf SPON gehe. Das dürfte jedem klar sein, weil man ja schon früher entweder den Merkur oder die Süddeutsche gelesen hat.
Allerdings wird man durch die automatische personalisierte Suche bei google mit Informationen versorgt die schon auf den Empfänger zugeschnitten wird. Ein konservativer Leser wird z.B. mit eher mit konservativen Nachrichten versorgt.
Um im Bild von Sascha Lobo zu bleiben: Man steht nicht nur mit einer Funzel im Daten-Dschungel, man kann sogar gar nicht richtig steuern wo die Funzel hinfunzelt. - #22 10.11.2011 09:52 von duschinabuschi
*
Wenn Sie das behaupten, wie soll ich das dann nachprüfen? Fakten sind Fakten und Lügen sind Lügen. Aber nehmen wir mal an, es wären 'überprüfbare' Fakten.
Wie wird aus verschiedenen Fakten eine 'Information'? Der Kontext setzt verschiedene Fakten in Beziehung als Grundlage für eine wie auch immer gewichtete Aussage. In Ihrem Beispiel gibt es keinen Kontext.
Das muss man nicht überprufen, das sieht man ja. Zudem reden Sie auch hier vom einzelnen Faktum - es fehlt auch hier der Kontext.
Nehmen Sie z.B. den Klimawandel. Da gibt es schrilliarden Fakten. Das hindert aber niemanden daran, verschiedene Ursachen zu konstruieren. Alle berufen sich auf irgendwelche Statistiken, sowohl die, die die Ursache bei den Menschen sehen, wie auch diejenigen, die dem Klimawandel eine natürlich Ursache unterstellen. Was Sie jetzt davon glaubwürdiger finden, können Sie sich selbst aussuchen. Es hängt von Ihrer Präferenz (ihrem Glauben) ab.
Die Bedeutung der Fakten hängt also von der Aussage ab, die Sie mit ihnen unterfüttern, bzw. der Frage, die Sie bei der Recherche nach einem Faktum stellen, aber nicht vom Faktum selbst. Das erklärt Herr Lobo doch ganz schön mit dem Beispiel der Doktoren und dem hypothetischen Medikament.
Ja, genau. Und je mehr Daten und Fakten es gibt, desto unmöglicher wird es daraus irgendetwas abzulesen. Das Faktum rauscht vorbei und die Aussage ist eine Frage des Filters und desjenigen, der den Filter anlegt. - #23 10.11.2011 09:59 von schmalhans
Glauben ist nicht Wissen, ...
...aber Wissen setzt ein Mindestmaß an Glauben und Vertrauen voraus.
Die Entfernung zum Mond z.B. können die wenigsten von uns mangels Messapparaturen wirklich selbst nachprüfen. Also sind wir in vielen, den meisten Bereichen darauf angewiesen, die Daten zu glauben, die andere dank Hirnschmalz, Ausbildung und technischem Equipment herausgefunden haben und uns in Büchern, Vorlesungen, TV oder jetzt Internet präsentieren.
Das ist aber dann Glauben und nicht Wissen, denn bei Information könnte es sich ja um Druckfehler oder bewusste Falschinformation handeln. Zudem treffen auch objektive Botschaften meist auf subjektive Adressaten.
Wir können das geglaubte zwar dem Wissen (im Sinne von Wahrheit) annähern, indem wir Informationen aus möglichst vielen Quellen und Richtungen sammeln, sie vernetzen, nach Kausalitäten und Plausibilitäten suchen.
Fatal wäre nur, wenn man das geglaubte nur deshalb zum Wissen „kürt“ weil eine Mehrheit an irgendwas glaubt es aber als Wissen deklariert, ohne das geglaubte in genannter Weise abgecheckt zu haben.
Treudoof alle Informationen als Wissen, als Faktum anzunehmen ist dabei genauso ungünstig, wie alle Informationen fast schon paranoid anzuzweifeln. Die goldene Mitte, ein gesundes Maß Urvertrauen wie auch Kritikfähigkeit ist günstiger und macht das Leben unbeschwerter.
Ungünstig ist die Neigung vieler Menschen, dem gedruckten Wort schon per se mehr Wahrheits- und Wissensgehalt zuzugestehen, als dem gesprochenen.
Redensarten wie z.B. „wer sagt das“ oder „kannst du seriöse Quellen für deine Behauptung nennen“ oder „gibt es da eine Studie ?“ weisen darauf hin.
Hier macht man sich noch nicht einmal die Mühe, neue „unerhörte“ Ideen zu würdigen, auf Plausibilität abzuklopfen, über sie zu diskutieren, weil hinter den Ideen kein bekannter Kopf steckt oder sie nicht in einem „ehrwürdigen“ Buch (tatsächlich auch nur ein Datenträger) stehen.
Dabei wird völlig verkannt, dass jegliches gedruckte Wort erst mal in Köpfen erdacht, dann ausgesprochen, dann diskutiert, verifiziert und letztlich gedruckt wurde. Wobei das mit dem verifizieren etwa philosophischer Gedanken nicht so einfach bis unmöglich ist.
Wenn wir uns ständig nur aufs gedruckte Wort berufen und mit Vorliebe berühmte Köpfe zitieren (um damit auch ein wenig zu kokettieren wie belesen man doch sei) und manche in ihrer Obrigkeitsgläubigkeit sogar das Ding namens Buch offenbar mit einbeziehen, dagegen aber neue ungesehene und „unerhörte“ Ideen nicht an uns ranlassen („wer sagt das“ , „seriöse Quellen“ usw.) kommen wir doch zum Stillstand.
Wenn wir uns nur in einer Art Wettbewerb wer mehr weiß als der andere ständig gegenseitig vorhandenes (gedrucktes) Wissen und Weisheiten vorkauen und beten, gewinnen wir schwerlich neue Erkenntnisse.
Es ist wie mit der Parkbank an der ein Zettel „frisch gestrichen“ hängt. Der obrigkeitsgläubige wird den Text als Wissen bewerten und vorbei gehen auch wenn er sich gerne auf diese Bank setzen wollte. Dagegen wird der gesund kritische sich überzeugen wollen, wird an der Bank fühlen, denn der Zettel könnte ja schon länger da hängen, wurde nur vergessen und die Farbe ist schon lange trocken.
Also kann nur eigenes Erleben zu einem unmittelbar erlangtem Wissen, im Sinne von Fakten, führen. Ansonsten kann man sich nur durch intelligentes abchecken außen zugetragenerer Informationen dem Wissen mehr oder weniger annähern. - #24 10.11.2011 10:07 von
...
Solange jeder, ohne Echtheitszertifikat, seine geistigen Synapsenwinde ins Internet blasen kann, wird es in Zukunft schwer werden mit den Werkzeugen des Verstands die Wahrheit im Internet zu finden, welches ohnehin schon eher einem Prolletenzirkus ähnelt, in dem Sex und Schwachsinn mehr Gewichtung haben als wirklich wichtige Themen...
- #25 10.11.2011 11:57 von mixolydisch
- #26 10.11.2011 12:11 von
Kommentar
ein kleiner Kommentar:
Die ach so "gleiche Datenlage" bei so unbedeutender "Formulierung einer Frage" sollte vielleicht nicht als Beispiel herangezogen werden.
Den Ärzten muss man zugute halten, dass erstere Formulierung eine implizite Sicherheit über das Ergebnis ihrer Wahl beinhaltet, während letztere Formulierung offenkundig eine risikobehaftete Entscheidung bedeutet.
Die Wahrscheinlichkeiten garantieren nicht das zu erwartende Ergebnis (gerade bei einer so geringen Anzahl an Patienten) und es ist sicherlich rational und nicht töricht, risikoavers zu sein - eher verantwortungsvoll und der eigenen Grenze der Möglichkeiten bewusst.
Natürlich muss man zugeben, dass die erste Formulierung in der Realität unsinnig erscheint. Mediziner müssten sich wahrscheinlich niemals zwischen solchen Formulierungen in so dummer Weise entscheiden (was Ihnen ja Herr Lobo unterstellt). - #27 10.11.2011 12:18 von
Zum Sehen: der lichtelektrische Effekt
Am häufigsten besteht diese Illusion im Bereich der Etik und der Moral. Es gibt gefühlte 6 Milliarden Experten, die dir den ganzen Tag einzubloggen versuchen, daß der wirtschaftliche Erfolg die Mittel heiligt und demzufolge unter Marktgutmenschen jede Lüge erlaubt ist, wenn Sie nur zum Fakt der Umsatzsteigerung einerseits und zum möglichst großen Nichtwissen des fiskalischen Unbewussten andererseits führt. Die übriggebliebene eine Milliarde, die vom Internet zwar schon einmal etwas gehört hat, aber ansonsten wenig zu Hysterie neigt, weil sie weiß, daß der Shutdown der eigenen Existenz eine auch bei Dunkelheit absehbare und zudem höchst formlose Sache ist, will Daten sehen. In diesem Punkt trennt sich die virtuelle Streuung von der Realität der Lichtquelle "Wahrheit".
Man kann lange Zeit Menschen aus Marketinggründen über virtuelle Zugdächer treiben oder ihnen wuschelige Haare wachsen lassen. An der realen Geschwindigkeit unserer Welt ändert das aber nur relativ etwas. Wer länger lebt, ist später tot. Wer schneller lebt, wird öfter blau. Wer nicht mitkommt, der bleibt ins Rote verschroben. Wir Menschen sind der Wirtschaft größte Eselei. Und unser Verstand nur eine Blackbox für die neuesten Konsumklimadaten. - #28 10.11.2011 12:28 von
Das Internet ist das Eldorado der geistigen Holzhacker
Wenn du heimlich in den Spiegel schaust und erschrocken bist, daß die Tatenbank im Hintergrund wieder einen Mitesser mehr enthält, dann drück dich halt mal anders aus. Die Internetgesellschaft braucht kleine Pickelgesichter, die sich im Verborgenen mit der Axt einen Beitrag nach dem anderen runterholen...
- #29 10.11.2011 12:29 von
Es braucht mehr System und Strukturen im Internet
Gut gebrüllt, Löwe. Darüber red ich mir auch schon länger den Mund fusslig, dass das Internet stärkerer systematischer Schneisen bedarf. Man hat zwar ein riesengroßes Internet, aber fast ohne größere qualifiziertere systematische Leitplanken, von einer der wenigen löblichen Ausnahmen wie den SPON-Themenseiten im Newsbereich mal abgesehen. Sondern nur eine Art Briefschlitz, mit dem sich das Wissen im Internet quasi jeder selbst erschließen muß. Kann auf Dauer m.M. nicht gut gehen. Die Informationsgesellschaft wird m.M. auch umfangreiche allgemeine, allgemeinverbindlichere systematische Kataloge und Verzeichnisse zur strukturierten thematischen Ordnung und Erschließung des Internetwissens und seiner wichtigsten Quellen brauchen.
Wo gibt es solche Systematiken? Kennt jemand welche? Könnt man die vielleicht mal sammeln? Und quasi selbst ein bißchen System in womöglich schon vorhandende Systematiken reinbringen?
PS. Falls jetzt jemand mit dmoz kommt, den finde ich auch relativ dürftig und ungepflegt.
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