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S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Aufstand der Selbsternannten

Die digitale Welt stellt bestehende Hierarchien in Frage - und das ist schmerzhaft für alle, die von diesen Hierarchien profitieren. Die Internetdebatte ist deshalb aggressiv aber ermüdend. Jede großer Veränderung bringt diesen Konflikt mit sich: den Kampf um die Macht.

Sascha Lobos Kolumne zum Niedergang der Blogs in Deutschland - SPIEGEL ONLINE
  1. #1

    respekt

    gut geschrieben
  2. #2

    gut geschrieben?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die digitale Welt stellt bestehende Hierarchien in Frage - und das ist schmerzhaft für alle, die von diesen Hierarchien profitieren. Die Internetdebatte ist deshalb aggressiv aber ermüdend. Jede großer Veränderung bringt diesen Konflikt mit sich: den Kampf um die Macht S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Aufstand der Selbsternannten - SPIEGEL ONLINE
    Das sehe ich diesmal anders. Es ist vermutlich nicht ohne, sich jede Woche was aus den Fingern saugen zu müssen um die Community mit Frischem zu bedienen. Alle zwei Wochen täte es wohl auch.
  3. #3

    Sascha Lobo schreibt: "Wenn man die Selbsternennung als etwas Schlechtes ansieht - ist man dann nicht dazu verdammt, auf die Ernennung durch den Vorgesetzten, hierarchisch Berechtigten zu warten oder auch gleich auf Godot? "

    Nicht ganz, man kann auch versuchen eine demokratische Legitimation von "unten" zu bekommen.

    Ansonsten einen der intelligentesten Kommentare, die ich hier seit langem gelesen habe.
  4. #4

    Gut geschrieben ist der Artikel wirklich, aber inhaltlich hat er wenig Neues zu bieten: Die Auflösung bestehender Hierarchien? Das ist jetzt nicht besonders originell. Und überhaupt vermischt Lobo zwei verschiedene Hierarchien, die sich gegenseitig ergänzen oder ausschließen, jedenfalls aber nicht die selben sind: Die eine Hierarchie ist diejenige, welche in einer bestehenden Gesellschaftsordnung festlegt, wer kreative Produkte hervorbringen darf und wer nicht, was als kreativ wertvoll gilt und was schrottig genannt wird - einen wesentlichen Umschwung in der Entwicklung zum allgemeinen Dilettantentum hat die Punkbewegung dabei nach vorne gebracht, eben das "Ich kann das auch". Im Gegensatz dazu steht aber die Hierarchie derjenigen, die darüber entscheiden, wie diese Produkte verteilt werden, sagen wir bei der Musik die Plattenfirmen. Das eine betrifft eine kulturelle Entwicklung, das andere eine ökonomische Struktur. Was die Kämpfe ums Urheberrecht angeht, so sind sie wohl wesentlich ökonomisch orientiert, richten sich also gegen die Unterwanderung bestehender ökonomischer Strukturen. Die kulturelle Veränderung bestehender Verständnisse von kreativen Erzeugnissen hingegen hat sich schon lange vor Entstehen der digitalen Welt entfaltet, und die gegenwärtigen technischen Möglichkeiten beschleunigen nur diese Entwicklung - das ist aber kein Spezifikum der Vernetzung, sondern findet in der flachen Hierarchie der Vernetzung nur seine konsequente Fortführung durch fortgeschrittene Produktionsmittel, also fortgeschrittene Möglichkeiten das „Ich kann das auch“ auszuleben.
  5. #5

    Der nervende Urheber

    "Selbsternannte" ist m.E. ein Killerwort und eingepackt in eine Killerphrase wird dadurch versucht, jede vernünftige Debatte zu diskretitieren. Das kennen wir von der herrschenden Politik. Ich bin Urhber und beteilige mich derzeit am "Aufstand der Betroffenen". Würde man abhängig Beschäftigten die gewerkschaftlich erkämpfte Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle klauen wollen - einst wollte das der Herr Kohl aus Oggersheim -, wir hätten einen Aufstand. So ist das jetzt auch bei uns Kreativen. Ein Teil der Netzgemeinde, die Piraten und die Medienindustrie sowieso wollen uns etwas wegnehmen. Deshalb sind wir sauer.
    Machtstrukturen interessieren in diesem Zusammenhang offensichtlich niemanden. Ich kann das Gelabbere vom hierachiefreien und überhaupt freien Internet nicht mehr ören.
    Das Internet es m. E. ganau so wenig Frei wie unsere Medien ganz allgemein frei sind. "Eine Presse kann nicht frei sein, wenn sie zu ihrer Existenzsicherung mehr als siebzig Prozent ihres Einkommens aus Werbung erzielen muss." Zitat von Jörg Becker, Hochschullehrer für Politikwissenschaftler an den Unis Marburg/Lahn und Bozen/Tirol. Weiteres Zitat: "Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein." Und das ist von Karl Marx (1818 - 1883, Philosoph und Ökonom).
    Ein Teil des Internets wird von gigantischen Medienkonzernen beherrscht. Geld verdienen diese Konzerne u.a. damit, indem Dritte die Produkte von Urhebern klauen und an diese Konzerne verschenken (oder sonstwie kosenfrei zur Verfügung stellen). Der so generierte Inhalt generiert dann Werbung. Das macht das Internet - siehe oben - unfrei. Der Wert und der Gewinn der Konzerne macht sie übermächtig und übermütig. Die Besitzer der Konzerne sind so frei, sehr reich zu sein. Das macht mich nicht neidisch. Die Doppelmoral der Konzerne macht mich zornig! Und ein Teil der Netzgemeinde geht diesen Konzernen auf den Leim und bekämpft uns Urheber. Das finde ich merkwürdig.
    Wir Kreativen üben in der Regel unseren Beruf gerne aus. Wir haben uns damit abgefunden, dass die Einkommensschere in unserem Gewerbe von knapp am Existenzminimun bis zu vielfachen Millionen auseinander geht. Das liegt in der Natur der Sache. Nicht jeder ist ein Gerhard Richter, Wim Wenders oder Günter Grass.
    Es kann aber nicht angehen, dass wir ersten vom Medienkapital und zweitens von der Netzgemeinde samt den Sofademokraten der Piratenpartei enteignet werden. Wir tun das unsere, um den Kreativstandort Deutschland am laufen zu halten. Kreativitat hat ihren Preis und wir wollen lediglich eine angemessene Entlohnung für unsere Produkte. Uns im Namen einer nicht vorhandenen Freiheit an den Pranger zu stellen, ist sofabequem. Wer uns einen Teil unserer Einkünfte wegnehmen will, setzt unsere Würde herab. Dagegen wehren wir uns. Der Kuchen ist groß genung - wir wollen keine Krümmel, sondern ein vollwertiges Stück davon.
    Und: wer Machtstrukturen erkennt, kämpft nicht gegen seinesgleichen. Um Machtsstrukturen zu bekmpfen, muss mensch runter vom Sofa.
  6. #6

    Ich bin ein selbsternannter Weltverbesserer ...

    ... und habe schon Tausende Stunden investiert (arbeitslos seit 2009-01-01) und Zehntausende Beiträge geschrieben ... und wißt ihr was: ich rechne damit, Erfolg zu haben, ich gehe davon aus, dass meine Vorstellungen (in den nächsten 1-2 Jahrzehnten) realisiert werden.
  7. #7

    Zitat von ArnoNuem Beitrag anzeigen
    ... Wir tun das unsere, um den Kreativstandort Deutschland am laufen zu halten. ..
    musik kann man(n) nicht essen/trinken/atmen ... sagt ihnen eigentlich das wort MONSANTO irgendwas?
    Wer uns einen Teil unserer Einkünfte wegnehmen will, setzt unsere Würde herab. Dagegen wehren wir uns.
    leider zielen sie dabei auf die falschen ...
    Der Kuchen ist groß genung - wir wollen keine Krümmel, sondern ein vollwertiges Stück davon...[/QUOTE]als urheber sind sie privilegiert, wissen sie das eigentlich? von meiner arbeit können meine kinder und enkel nur dann noch nach meinem tod profitieren, wenn ich das geld so fest anlege, dass sie 70 Jahre lang nicht rankommen.
    Es kann aber nicht angehen, dass wir ersten vom Medienkapital und zweitens von der Netzgemeinde samt den Sofademokraten der Piratenpartei enteignet werden...
    bitte realisieren sie, dass ihr erstens selbstgewähltes elend ist und ihr zweitens so einfach nicht stimmt. das zweitens ist nur ihr eindruck, sich nicht gegen die globalisierung wehren zu können. diese globalisierung ist in anderen berufen schon seit 20Jahren realität.
    ... ein Teil der Netzgemeinde geht diesen Konzernen auf den Leim und bekämpft uns Urheber.
    welchen teil meinen sie? den teil, der sachen nach geltendem recht illegal hochlädt .... oder ten teil, der konsumiert? WIE werden sie den bekämpft?
  8. #8

    Zitat von lablab Beitrag anzeigen
    ...... Die kulturelle Veränderung bestehender Verständnisse von kreativen Erzeugnissen hingegen hat sich schon lange vor Entstehen der digitalen Welt entfaltet, und die gegenwärtigen technischen Möglichkeiten beschleunigen nur diese Entwicklung - das ist aber kein Spezifikum der Vernetzung, sondern findet in der flachen Hierarchie der Vernetzung nur seine konsequente Fortführung durch fortgeschrittene Produktionsmittel, also fortgeschrittene Möglichkeiten das „Ich kann das auch“ auszuleben.
    Ich kann nicht anders als Ihnen für die Worte bis zum ersten Komma zu gratulieren. Wenn ich könnte würde ich erahnen was Sie damit ausschließen möchten.

    Nehme ich einfach mal die vage Richtigkeit an, so ist mit der weiteren beschleunigen sowas wie die schnellere Verbreitung gemeint.

    Fakt ist aber doch, was Sie schreiben, dieses "Spezifikum" ist nicht irgendwas neues. Es wurde penetrant wie fälschlich propagiert.

    Ich verstehe auch beim besten Willen die Diskussion insgesamt nicht. Dafür hatte ich mir neulich mal die Entwicklung durchgedacht und angefangen von der Vernetzung in Industrie und Verwaltung, waren die technischen Neuerungen gegen Ende der 80er von der Entlassungswelle der Drucker begleitet. Zuvor und parallel war BTX propagiert.

    Nun hatte diese Technik die Verlage quasi als letztes erreicht, aber da eben mit den Konsequenzen der deutlichen Gewinnzunahme und Einflußsteuerung, weil eben mit deutlich weniger Leuten genau so viel, wenn nicht mehr, verbreitet werden konnte.
    Nun sitzen diese Leute vor der ominösen Gesellschaft wie die Drucker seinerzeit vor ihren Arbeitgebern. Die Gesellschaft wird aber in "Communitys" verklärt, was es außer im selbsternannten "Lesezirkel" für Arztpraxen, so noch nie gab, und da waren auch höchstens Schreiber von Leserbriefen ein bisschen Teil der Community.

    Also, Ihren zitierten ersten Halbsatz verstehe ich immer noch nicht, aber eine Veränderung des bestehenden Verstännisses zu so einigen ganz und gar nicht neuen technischen Sachen, die verfolge ich auch, und zwar eher staunend. Konnte vor 20 Jahren eigentlich jemand was "ins Telefonnetz stellen" ?
  9. #9

    Anders herum: Die Machtfrage ist imo der Nebenkriegsschauplatz. Die zentrale Veränderung des Netzes ist Transparenz. Zum ersten Mal sehen wir in Echtzeit, wie strukturell Macht herbeigeführt, konsolidiert und schließlich mit Zähnen und Klauen verteidigt wird. Das Schockierende daran ist die Durchschaubarkeit der Argumentation, die Banalität des Normalen - ich will mehr als du... und egal wie ich mir einen ablügen muss um dies zu erreichen, ich mach es trotzdem. Trivialer Egoismus, bestenfalls sozialer Tribalismus.
    Als Achtjährige haben wir das Spiel "wem gehört der Hügel" gespielt. Heute tragen wir schicke Anzüge, fahren in Genitalien aus Blech herum und entscheiden über ach so wichtige Dinge... ja? Nein. It's all the same.

    Aber wir könnten das ändern und uns komplett neu erfinden. Das Werkzeug dazu haben wir gerade erfunden (vermutlich aus Langeweile). Darum geht es wirklich.








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