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S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Angst essen Freiheit auf
Kann Kontrolle eine Gesellschaft zum Besseren verändern? Ist Vorratsdatenspeicherung nicht ungemein praktisch? Sascha Lobo warnt vor diesem Irrglauben und sieht*Parallelen zu einem Konzept aus dem 18. Jahrhundert - als ein britischer Philosoph ein Gefängnis entwarf.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...806855,00.html
- #1 03.01.2012 11:54 von
Reden Sie doch mal mit Ihrem Kolumnenkollegen!
Herr Fleischhauer scheint der Ansicht zu sein, dass es gut wäre, wenn jedes Haus einen Blockwart besäße, der grundsätzlich alle Besucher mit Uhrzeit und Autokennzeichen aufschriebe - es könnte ja sein, dass die Polizei mal Zeugen braucht, und dann hätte er alles schön in sein Besucherbuch eingetragen.
Meine Bitte an alle Internet-Dienstleister: Sollte die Vorratsdatenspeicherung 2.0 kommen, benutzen Sie keine bewährte Software und Standardprodukte, sondern lassen Sie sich eine individuelle Lösung von Studenten des 2. Semesters im Rahmen der Vorlesung "Formale Sprachen" als Übungsaufgabe schreiben! Benutzen Sie ein altes IDE-Array im RAID0 zum Speichern, schauen Sie auf dem Gebrauchtgüterportal Ihrer Wahl nach Erweiterungen! Wenn Sie unbedingt Bandlaufwerke benutzen wollen, dann verwenden Sie die Bänder mindestens 1500 mal, ehe Sie sie aussortieren! Und vor allem, überprüfen Sie nie Ihre Backups! - #2 03.01.2012 12:10 von
- #3 03.01.2012 12:11 von
Bentham
.... hat das nicht metaphorisch im Ausblick auf eine zukünftige Gesellschaftsordnung gemeint. Es ging um reale Gefängnisarchitektur:
Panopticon
Der Vergleich mit der Vorratsdatenspeicherung hinkt auch insoweit, als dass es sich bei Gefängnisinsassen um verurteilte Straftäter handelt, deren Freiheit rechtmäßig eingeschränkt ist und deren Willen, sich an die Regeln zu halten, mit guten Gründen angezweifelt werden darf.
Die Vorratsdatenschpeicherung dagegen ist eine Vorabverdächtigung unbescholtener Bürger.
Übrigens wäre ein nicht gewälttätiger Strafgefangener oder gar ein unschuldig Inhaftierer, der unter lauter Gewaltverbrechern im Knast sitzt, ganz sicher sehr damit einverstanden, dass die Schließer ständig hingucken. - #4 03.01.2012 12:38 von
Chapeau!
Einer der richtigsten und wichtigsten SPON-Gedanken seit langem.
-Das "wehret den Anfängen!" sowohl der Nazi-Unterdrückten als auch der Stasi-Verfolgten ist leider schon wieder aus dem kollektiven Gedächtnis entschwunden.
Es wäre schön, wenn dem neuerlichen totalitären Überwachungsstaat auf deutschem Boden die Puste ausgehen würde, bevor Menschen in den bewaffneten Kampf für ihre Bürgerrechte gehen müssen. - #5 03.01.2012 12:42 von
Schade, dass es auch hier wieder um Stimmungsmache geht
Das Thema Vorratsdatenspeicherung ist sehr komplex, leider wird es nirgends mehr sachlich diskutiert. Viele wichtige Aspekte werden da vernachlässigt. Technisch gesehen unterscheidet sich eine IP-Adresse nicht so stark von einer Telefonnummer, wie man denken könnte. Sachlich betrachtet nicht allzu sehr von einem Autokennzeichen. Ich kenne niemanden, der Autokennzeichen runtermontiert, nur weil man damit ein Bewegungsbild erstellen könnte. Weil man eben das Auto vor einer Kirche stehen sieht oder einer Moschee. Bei den IP-Adressen wird ein Gewese veranstaltet, das mit Vernunft nichts mehr zu tun hat.
Als ob die Strafverfolger und Geheimdienste nichts anderes zu tun hätten, als ein Profil jedes Bürgers zu erstellen. Als ob dafür die Kapazitäten da wären (wo es nicht mal dafür reicht, die eigentliche Arbeit zu machen). Da wird eine Drohkulisse aufgebaut, die mit der Realität nichts mehr zu tun hat.
Wenn sich der Gesetzgeber dazu entschließt, keine Vorratsdatenspeicherung einzuführen, dann kann man damit leben. Dann sollen sich die Verantwortlichen aber auch hinstellen und öffentlich erklären, dass man etliche Straftaten einfach nicht aufklären WILL. Und dabei rede ich nicht Kinderpornos, Terror oder ähnlichen Beispieln, die aus meiner Sicht an dieser Stelle völlig falsch sind. Mir gehts um die junge Frau, der das Leben von einem Stalker so schwer gemacht wird, dass sie an Selbstmord denkt. Mir gehts um eine andere Frau, deren Bild und Telefonnummer auf einer Sexbörse veröffentlicht wurden und die seitdem von Anrufern belästigt wird. Denen soll dann mal bitte einer erklären, warum die Aufklärung der Straftat politisch nicht gewollt ist. Oder den Ermittlern Wege aufzeigen, wie man ohne Vorratsdaten an die Täter kommt. Alternativen gibts nämlich keine echten. Zumindest in manchen Bereichen. - #6 03.01.2012 12:45 von
Wissen ist Macht
Die Leute in diesem Land leben schon so lange in Freiheit, dass sie diese als selbstverständlichen Zustand betrachten. Das ist sie nicht! Der Staat muss unter der Kontrolle des Volkes stehen, nicht andersherum.
- #7 03.01.2012 12:45 von
- #8 03.01.2012 12:47 von
Endlich mal ...
Vollkommen Ihrer Meinung Herr LOBO - nur fürchte ich, wird die Einsicht zu Ihrem Beitrag nicht nur an der Angst, sondern vor allem an der Dummheit der Menschheit scheitern. Einen "Freund der Politiker" - wie das Herr Fleischhauer zu sein scheint - wird man wohl schwer mit solchen Argumenten überzeugen können, das dürfte schon beispielhaft sein (...)
- #9 03.01.2012 12:51 von
Wenn hier schon mit Bentham und dem Panoptikum rumgeschmissen wird - die obige Aussage ist ungenau und erweckt den Eindruck, dass im 20. Jahrhundert so etwas wie ein Geheimplan aufgedeckt worden wäre. Wenn auch kaum zu bestreiten ist, dass sämtliche machthabenden Institutionen seit jeher ein Interesse hatten, Kontrolle über die ihrem Machtbereich innewohnenden Individuen auszuüben, so ist das Überstülpen des Panoptikums auf eine gesamtgesellschaftliche Dimension eher als so etwas wie Panikmache zu bewerten.
Ich bin mir nicht sicher, ob der Autor des Artikels sich auf Michel Foucaults "Überwachen und Strafen" bezieht - falls ja, hat er meiner Meinung nach überinterpretiert, falls nein, sollte er sich das Werk zu Gemüte führen. Foucault beschreibt in seinem Werk die Entwicklung vom Ancien Regime zum "Kerkersystem" unserer heutigen Gesellschaft, legt die Gründe dar und weshalb die Entwicklung in sich logisch und unaufhaltbar sind. Das hier erwähnte Panoptikum ist Teil dieser Entwicklung, nicht das Ende. Und selbst wenn man in Foucaults Ausführungen einen pessimistischen Tenor vernehmen mag, so hält er sich mit einer Wertung doch angenehm zurück.
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