S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal: Ruf nach der Mama

Das Schicksal des Euro entscheidet sich in Italien. Leider reden sich viele Italiener ein, allein die Bundeskanzlerin könne ihr Land retten. Dabei müssten sie endlich die Macht der Gewerkschaften brechen, um ihre Wirtschaft in Schwung zu bringen.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...840136,00.html
  1. #130

    na klar

    Andere als dumm beschimpfen ("Gleichung für Dumme"), aber selbst manches vielleicht auch ein wenig zu naiv betrachten.
    Der deutschen Wirtschaft mag es seit Schröder relativ gut gehen, aber kommt davon etwas bei den Menschen in Deutschland an? Vielen geht es seit Schröder schlechter. Ein Staat, der nur für die Wirtschaft gut ist, kann kein guter Staat sein.
    Außerdem hat Deutschland natürlich sehr davon profitiert, dass die sozialen Standards und Löhne im europäischen Vergleich plötzlich gar nicht mehr so hoch waren. Deutschland hat die deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (vor allem die am unteren Ende der sozialen Leiter) gegen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in anderen europäischen Staaten ausgespielt. Am Ende hat keiner etwas davon gehabt, außer einigen wenigen, denen es sowieso schon immer gut ging.
    Der Neoliberalismus ist einfach - aber das ist auch schon alles, was er zu bieten hat. Das Gegenteil von "dumm" ist er bestimmt nicht.
  2. #131

    Zitat von DF2000 Beitrag anzeigen
    Jetzt wird es wirklich mal spannend!
    Wo bitte ist das Problem, wenn wir aus dem Euro austreten?

    Dann bricht zwar das ganze Schneeballsystem der Transferleistung in der EU zusammen, da Deutschland den Löwenanteil der EU-Transferleistungen bezahlt. Aber so what... das Leben geht weiter.
    Mit viel weniger Verschuldung für uns und die nachfolgenden Generationen.

    Der Euro ist Aufgrund der unterschiedlichen Wirtschaftskraft der EU-Länder von Anfang an eine Totgeburt gewesen, da die notwendigen Wechselkursanpassungen der EU-Länder durch die Einheitswährung nicht mehr möglich sind.
    Ja ja ja. Die Sache mit den Wechselkursen. Eigentlich hat eine politische Union mit einer unantastbaren no-bailout Klausel gefehlt. Das hätte das Problem lösen können. Die EU-Leistungen sind recht gering, aber gucken wir mal, was beim Austritt passiert: Die EU zerbricht, mit ihr der Binnenmarkt, in der Folge bricht der Export ein. Zusätzlich wertet Südeuropa ab (dort kommt in der Folge der totale Kollaps) und die D-Mark wertet auf. Das lässt erst mal die Staats-und Bankverschuldung sinken. Und wir bekommen viel Geld aus aller Welt, weil alle die D-Mark für den neuen Franken halten. Ausländische Produkte/Importe/Sprit etc. und Urlaub werden auch viel billiger. Aber da endet der Spar auch schon. Erst werden die Target-2 Verpflichtungen fällig (rund 700 Milliarden Euro), durch die Aufwertung werden schnell Arbeitsplätze ins spott billige Ausland verlegt. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Steuereinnahmen fallen, die Sozialausgaben erhöhen sich, in der Folge auch die Zinsen für das Schulden machen. Das Geld, das an Portugal, Griechenland und Irland ging, ist auch weg (ca. 50 Milliarden Euro), dann sinken wegen der harten Mark die Exporte (bei einer Aufwertung von 20 Prozent rund 130 Milliarden Euro bei 40% schon doppelt so viel). Außerdem kollabiert der Finanzsektor in Südeuropa, wodurch der Steuerzahler mal wieder die heimische Finanzindustrie retten muss. Das sind die Aufwertung eingerechnet in den ersten beiden Jahren ca. Kosten in Höhe von 800 Milliarden Euro. Und das mit dem Exporteinbruch und der Deflation ist dann noch nicht vorüber. Ach ja, und sie wissen ja: Die Schulden von heute sind die Steuern von morgen. Die ganzen Schulden werden wir alles irgendwann wieder herbei sparen müssen. Das bedeutet wiederum Rezession. Sollten Deutschland das Geld nicht auftreiben können, geht es pleite, mit ihm der Finanzsektor und viele Unternehmen. Die Kosten lägen dann weit über 100% des BIP.
  3. #132

    Die Italiener könnten ihre Staatsschulden aus der Westentasche bezahlen

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das Schicksal des Euro entscheidet sich in Italien. Leider reden sich viele Italiener ein, allein die Bundeskanzlerin könne ihr Land retten. Dabei müssten sie endlich die Macht der Gewerkschaften brechen, um ihre Wirtschaft in Schwung zu bringen.
    Eurokrise in Italien: Jan Fleischhauer über Monti und die Gewerkschaften - SPIEGEL ONLINE
    Machen wir mal etwas ungewöhnliches: Rechnen wir doch einfach mal nach.

    In Italien liegt das Problem in der Politik: Natürlich ist nichts Gutes zu erwarten, wenn ein Land von einem US-Investmentbank-Berater gemissmanagt wird. Aber realwirtschaftlich steht Italien gar nicht so schlecht da:
    Handelsbilanz:
    2009: Überschuss 3 Mrd. US-Dollar
    2010: Defizit 25 Mrd. USD
    2011: Defizit 34 Mrd. USD
    Die italienische Leistungsbilanz, also inkl. Dienstleistungen, ist zwar stärker im Minus, aber eine stabile realwirtschaftliche Basis ist zumindest da.

    Und das Sparvermögen der Italiener beträgt 175 % des BIP. In Deutschland sind es gerade mal 127. Die Italiener könnten ihre Staatsschulden also mit ihren Ersparnissen aus der Westentasche bezahlen.

    Man kann natürlich auch versuchen, die Ersparnisse des nördlichen Nachbarn anzuzapfen, wenn der zufällig ein politischer Zwerg ist.

    Mit Gewerkschaften hat das leider gar nichts zu tun.
  4. #133

    Exportübnerschüsse und Früchte der Schröder'schen "Reformen"

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das Schicksal des Euro entscheidet sich in Italien. Leider reden sich viele Italiener ein, allein die Bundeskanzlerin könne ihr Land retten. Dabei müssten sie endlich die Macht der Gewerkschaften brechen, um ihre Wirtschaft in Schwung zu bringen.
    Eurokrise in Italien: Jan Fleischhauer über Monti und die Gewerkschaften - SPIEGEL ONLINE
    Die Früchte der Schröder'schen Reformpolitik und der deutschen Exporterfolge WÜRDEN wir ernten.
    Wenn wir die Exportüberschüsse behalten dürften.

    Die Realität sieht auch hier anders aus:

    Oder warum hat der Exportvizeweltmeister Deutschland schon jetzt fast keine Reserven mehr?
    Gute Frage, was?

    Weltmeister China wie Vize Deutschland erwirtschaften riesige Handelsüberschüsse, jeweils ca. 200 Mrd. USD im letzten Jahr.
    Aber nur die unabhängige Weltmacht China darf ihre Überschüsse behalten: Devisenreserven: ca. 3.200 Mrd. USD.

    Die deutschen Reserven: ca. 50 Mrd. USD, noch nicht einmal ein Jahresertrag.
    (Die deutschen Goldreserven im Wert von ca. 135 Mrd. USD können hier nicht mitgerechnet werden, weil sie zwar deutsches Eigentum sind, sich aber nicht in deutschem Besitz befinden. Denn sie lagern fast komplett in USA, GB, FR.)

    M.a.W., Exportvizeweltmeister Deutschland hat schon jetzt fast keine Reserven mehr.

    Die Verlustquellen sind folgende:
    1. „Freiwillige“ Verluste in US-amerikanischen und englischen Schrottpapieren und „Finanzinnovationen“. Nicht umsonst war es in den USA verboten, im Grunde wertlose zweitrangige (Subprime) Hypotheken an US-Bürger weiterzuverkaufen.
    2. Zahlungen an EU und Eurosystem: Exportüberschüsse in wertlose Target-2-Konten umgewandelt.
    3. Erzwungene „Rettungspakete“ und jetzt „unwiderrufliche und uneingeschränkte" Zahlungen über den ESM (Eurobonds u.ä. sind nur ein anderer Name dafür).
  5. #134

    Zitat von nick2011 Beitrag anzeigen
    ....
    Der deutschen Wirtschaft mag es seit Schröder relativ gut gehen, aber kommt davon etwas bei den Menschen in Deutschland an? Vielen geht es seit Schröder schlechter. Ein Staat, der nur für die Wirtschaft gut ist, kann kein guter Staat sein..
    Die uralte Leier, nur der Wirtschaft gehe es gut. Wie ist das denn mit den aktuellen Lohnabschlüssen?
    Einfach zu dämlich, um es noch glauben zu sollen.
  6. #135

    Zitat von Gerhard_Rohlfs Beitrag anzeigen
    Machen wir mal etwas ungewöhnliches: Rechnen wir doch einfach mal nach....
    Und das Sparvermögen der Italiener beträgt 175 % des BIP. In Deutschland sind es gerade mal 127. Die Italiener könnten ihre Staatsschulden also mit ihren Ersparnissen aus der Westentasche bezahlen.
    Na bitte ! Nichts dagegen, wenn sie es denn tätetn tuten.
  7. #136

    Zitat von garfield Beitrag anzeigen
    Kleiner Denkanstoß: Wie würde sich wohl der Wert der "neuen" D-Mark einpendeln im Vergleich zu den Währungen der anderen Länder und was würde das für unseren Export bedeuten, für den sich einige hier immer so stolz auf die Schultern klopfen? Und weil wir ja so eine "tolle" Binnennachfrage haben....
    Was würde es wohl bedeuten, wenn die target2-Salden noch weiter ansteigen? Will er noch weiter anschreiben lassen?
  8. #137

    Ist das Satiere?

    .. dieser "schwarze Kanal"?
  9. #138

    @Stefan Wenzel

    Zitat von Stefan Wenzel Beitrag anzeigen
    Wo ist das Problem? Dass Vermögen aus zuvor schon bereits versteuerten Einkünften (bspw. Arbeitslöhnen) resultiert, haben Sie sich aber schon überlegt.
    Die 25 % beziehen sich nicht auf(!) das Vermögen sondern auf Einkünften aus(!) dem Vermögen. Und da ist vorher noch gar nichts versteuert worden.

    Wäre ja auch nicht einzusehen, warum ausgerechnet leistungslose Einkommen nicht besteuert werden sollten.
  10. #139

    Zitat von glücklicher südtiroler Beitrag anzeigen
    Ein Mitforist hat das sehr gut beschrieben...

    Ihren Arbeitsplatz bzw. Ihre Rente könnte es nachher schlicht nicht mehr geben; ihre private Altersvorsorge wahrscheinlich auch nicht. Die möglichen Lösungen die weder ein Schrecken ohne Ende noch ein Ende mit Schrecken sind, wurden bereits beschrieben. Ein Mix aus mehreren Maßnahmen könnte für die nötigen Reformen sorgen ohne einer Selbstbedienungsmentalität Vorschub zu leisten. Es ist weder schön anzuschauen, noch leicht erklärbar und zudem in einzelnen Punkten angreifbar. Weil es auch eine Situation ist für die es keine Präzedenzfälle gibt. Aber der Versuch lohnt sich; und nochmals; Fleischhauer und Konsorten haben keine Lösungen außer den Stecker zu ziehen. Wollen Sie das...?
    Wir sind eben gezwungen die Systemfehler des Euro selbst und zudem die Systemfehler in den Staaten zu korrigieren. Italien hat keine Alternative zu Reformen; Deutschland keine außerhalb seiner heutigen Handelspartner in der EU. Fleischhauer übersieht geflissentlich daß in D die Konjunktur abschmiert. Der €Raum macht mehr als die Hälfte der deutschen Exporte aus. Schmiert dieser ab werden die Schwellenländer sowie USA und China kaum den Verlust auffangen können; und auch wollen...
    Zurecht verweist man im Ausland Europa auf sich selbst; 'werdet erwachsen und löst eure Probleme'...
    Machen wir uns nix vor; einzelne Länder sind zu klein um in Zukunft mitmischen zu können; andere Staaten schließen sich wie die EU zu Gemeinschaften wie Asean, Nafta, Mercosur zusammen. Es gibt kein Zurück; ein Zurück ohne Desaster sowieso nicht...
    Fleischhauers Bashing dient nur dazu seine Argumentelosigkeit zuzudecken...

    Schian Gruaß...
    Das wird auch mit dem € passieren. Exporte gegen Target2-Salden sind ohndies der dümmstmögliche Selbstbetrug. Größe ist keine Erfolgsgarantie, die kleinen, schnellen Staaten sind erfolgreicher als die großen sklerotischen Gebilde. Imperien helfen nur den Poltikern ihre kostspieligen Großmachtspiele durchziehen zu können. Es spricht viel dafür mit möglichst vielen Ländern einen freien Handel (ohne irgendwelche Institutionen) zu treiben. Freihandel muß man nur zulassen, hierzu wird kein Gatt oder dessen Nachfolgeorganisation benötigt. Ich heirate auch nicht jede Frau, nit der ich je geschlafen habe. Und Italien will ich nur f...... Heiraten kommt hier nicht in Frage.

    Einen noch schöneren Gruß in die Niederungen Südistans.