Ich kenne weder Amanda Knox noch kannte ich den Preisträger, diesen schwedischen Lyriker. Bin ich jetzt ein Ignorant oder ein ungebildeter Mensch oder entspricht das dem üblichen oder dem normalen?
Die Jury des Literaturnobelpreises hat einen merkwürdigen moralischen Anspruch: Sie geht davon aus, man könne mit Büchern die*Menschheit retten. Doch diese Ansicht ist kunstfeindlich - und lächerlich in einer Welt, die von Amanda Knox beherrscht wird.
http://www.spiegel.de/kultur/gesells...790468,00.html
Ich kenne weder Amanda Knox noch kannte ich den Preisträger, diesen schwedischen Lyriker. Bin ich jetzt ein Ignorant oder ein ungebildeter Mensch oder entspricht das dem üblichen oder dem normalen?
meine Welt wird nicht von Knox beherrscht, besondere Literatur sollte weiterhin ausgezeichnet werden - wobei das wohl auch im Auge des Lesers liegt.
Statt einen preis vielleicht mehrere Auszeichnungen?
Nur ob wir hier darüber diskutieren oder nicht, davon wird sich nichts ändern. Und ob Nobel den Preis heute auch noch so ausloben würde??
Lieber Herr Diez,
Sie schreiben
"...einen Preis, der einmal im Jahr suggeriert, Literatur habe eine Bedeutung, die sie gar nicht hat."
"...das ist doch eine kitschige Vorstellung von Literatur und ein bizarres Weltbild, semireligiös, voraufgeklärt, gegenwartsfeindlich."
"...Im 21. Jahrhundert ist der Kern dieser Idee immer noch gut und richtig, hat vielleicht sogar eine besondere Dringlichkeit - was aber nun genau die Literatur damit zu tun hat, ist höchst unklar."
Kann es sein, dass es nicht am Literaturnobelpreis liegt, dass Sie ihn als überflüssig empfinden, sondern an Ihnen slebst, weil Sie als scheinbar unaufgekärter Mensch schlichtweg eine falsche Sicht der Dinge und selber ein "bizarres Weltbild, semireligiös, voraufgeklärt, (und) gegenwartsfeindlich" haben bzw. vulgo überhaupt nicht den leistesten Schimmer von Literatur bzw. Literaturwissenschaft haben?
...würde ich mal länger drüber nachdenken...
Literatur verändert sehr wohl die Welt, allerdings indirekt und nicht breitflächig.
Also nicht 1 Buch = 100.000 geänderte Leser, die dann alles anders machen.
Aber sehr wohl bei jedem von uns Leser hier und da ein Buch das uns genau da abholt und weiterbringt wo wir gerade standen. Oder das uns einsehen läßt, dass wir den falschen Weg/Ideologie/Vorhaben/Ansatz verfolgen.
Natürlich kann man das auch durch Sachbücher, Webseiten, Filme lernen. Aber hin und wieder eben auch durch Romane oder Lyrik.
(Ganz abgesehen von den Millionen Frauen, die sich ihr Weltwissen über Romane holen statt über Sachbücher...)
hat dafür häufig eine Meinung. Leider muss man sagen. Bevor Herr Diez sich glaubt melden zu müssen, zu was auch immer, sollte er sich über das Thema, über das er glaubt referieren zu müssen, erkundigen. Alfred Nobel hat mitnichten behauptet mit Büchern die Welt verändern zu wollen oder zu können, sondern wollte den von Ihm gestifteten Preis Jemanden zukommen lassen, der auf dem Gebiet Literatur Hervoragendes mit idealistischen Anspruch
geleistet hat. Die Behauptung mit Literatur die Welt retten zu können, ist ungefähr so richtig wie die Behauptung, dass Kunst nichts mit Ethik zu tun hat. So etwas kann nur schreiben, wer von Kunst bzw Literatur nichts versteht.
Die großen Meisterwerke der Literatur haben in Ihrer überwältigenden Mehrheit stets auch einen hohen humanistischen Anspruch erhoben.
Der Gedankensatz ist schon interessant doch wenn man abwägt das Für und Wider, sollte man bedenken man wartet doch jedes Jahr gespannt darauf, wer wohl diesmal den Preis verliehen bekommt.
Wenn schon einen Nobelpreis abschaffen, dann den für den Frieden. Seit ein gewisser US-Präsident sich diesen Preis mit vielen schönen Sonntagsreden, himmelhohen Versprechungen und einer perfekt gestylten Illustrierten-Gattin erquatscht hat kann man sich diesen Preis getrost an den Hut stecken...
ZITAT DIEZ: „Wenn etwas von Tranströmer oder den anderen bleibt, dann liegt es nicht am Nobelpreis. So funktioniert Literatur nicht. Entweder die Bücher sind gut, ganz unabhängig davon, was sie diese Jury so ausdenkt, oder sie sind nicht gut.“
Wieso sollte denn die Jury nicht auch recht haben? Falls es überhaupt allgemeingültige und/oder objektive Bewertungen in der Literatur überhaupt gibt?
ZITAT DIEZ: „Und wenn es einen Unterschied gibt zwischen Amanda Knox und Tomas Tranströmer, dann geht dieser Unterschied verloren durch einen Preis, der einmal im Jahr suggeriert, Literatur habe eine Bedeutung, die sie gar nicht hat."
Wo geht denn da was genau „verloren“?
ZITAT DIEZ: „Der Nobelpreis ist deshalb überflüssig, ist lächerlich, ist kindisch, besonders in einer Welt, die von Amanda Knox beherrscht wird."
Das sind Abwertungen („überflüssig“, „lächerlich“ , „kindisch“), die wie genau verifiziert werden? Reine Bewertungswillkür. Oder ist der Schreiber selber überflüssig“, „lächerlich“ , „kindisch“? Das Argument wäre ja dann: Die Realität ist schrecklich, also verzichten wir auf Fiktion und literarische Unterhaltung. Aber wieso? Und außerdem kann Fiktion Realität widerspiegeln, verdeutlichen (durch das Mittel der sogenannten „Bedeutungs- und Strukturentsprechung“, z.B. in Parabeln, Gleichnissen)
ZITAT DIEZ: „Dieser ganze heilige, trotzige Verkündigungsirrwitz, dieses Warten, auf diesen einen Mann, auf diese eine Frau, auf die Erlösung durch ein Werk oder ein Wort - das ist doch eine kitschige Vorstellung von Literatur und ein bizarres Weltbild, semireligiös, voraufgeklärt, gegenwartsfeindlich."
Wer erwartet denn „Erlösung“? Der Schreiber?
ZITAT DIEZ: „Der Nobelpreis ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts, geboren aus dem schlechten Gewissen eines Mannes, Alfred Nobel, gekoppelt an die Vorstellung, dass die Welt ein besserer Ort sein könnte. Im 21. Jahrhundert ist der Kern dieser Idee immer noch gut und richtig, hat vielleicht sogar eine besondere Dringlichkeit - was aber nun genau die Literatur damit zu tun hat, ist höchst unklar.“
Inwiefern ist denn Nobels „schlechtes Gewissen“ evident? Kann sein oder auch nicht? Und dass die Welt ein besserer Ort sein könnte – dient dazu nicht auch die Kritik des Schreibers, durch "Richtigstellung"? Oder handelt es sich nur um Gebell?
Mit Verlaub: Lieber Tranströmer als Diez lesen.