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S.P.O.N. - Der Kritiker: Melodien, die aus Trümmern aufsteigen

Die nuller Jahre waren das verlorene Jahrzehnt der Popmusik. Die beiden Künstler Gonzales und Cat Power haben trotzdem große, wahrhaftige Songs veröffentlicht. Nun bringen sie neue Alben heraus - und erzählen davon, wie wir wurden, was wir sind.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...854482,00.html
  1. #1

    Das verlorene Jahrzehnt?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die nuller Jahre waren das verlorene Jahrzehnt der Popmusik. Die beiden Künstler Gonzales und Cat Power haben trotzdem große, wahrhaftige Songs veröffentlicht. Nun bringen sie neue Alben heraus - und erzählen davon, wie wir wurden, was wir sind.

    Georg Diez über Gonzales Cat Power und die Zeit nach dem 11. September - SPIEGEL ONLINE
    Damit diese Kolumne von Herrn Diez nicht gänzlich verhungert, hier mein Kommentar.

    Eine nette, durchaus subjektive Rezension zur Musik zweier Künstler, die den meisten unbekannt sein dürften. Nun hätte der geneigte Leser dennoch gern erfahren, was Herr Diez denn denkt, was wir sind. A propos "wir": die Deutschen, die Europäer, die Amis, die Chinesen oder etwa alle Weltbürger?

    Der 11. September 2001 war in der Tat ein schlimmer Tag, von dem, was er auslöste, ganz zu schweigen. Aber ein verlorenes Jahrzehnt der Popmusik? Die Welt drehte sich weiter, Musik wurde produziert und verkauft in einer schnellebigen, vergesslichen Gesellschaft, während im Irak und Afghanistan die Kriege der selbsternannten Gerechten und Guten geführt wurden. Doch furchtbare Kriege gab es vor diesem Jahrzeht und wird es wohl leider auch in Zukunft geben.
    Die gesamte bisherige Menschheitsgeschichte ist eine Blutspur, die ab und an von weißen Flecken unterbrochen wird.

    Übrigens passt der Vergleich mit dem Sternenhimmel weniger zu Satie, sondern zur 12-Ton- und Clustermusik eines Stockhausen.
  2. #2

    Zitat von Spiegelkritikus Beitrag anzeigen
    Eine nette, durchaus subjektive Rezension zur Musik zweier Künstler, die den meisten unbekannt sein dürften. Nun hätte der geneigte Leser dennoch gern erfahren, was Herr Diez denn denkt, was wir sind. A propos "wir": die Deutschen, die Europäer, die Amis, die Chinesen oder etwa alle Weltbürger?
    Wie mein Vorredner verstehe ich nicht ganz, ob Herr Diez ein Kulturkritiker mit einer politischen Meinung sein will oder ein politisch denkender Mensch mit einem Hang zur Kultur?

    Wie dem auch sei: es gibt genügend Musiker, die sich von 9/11 nicht im Geringsten haben beeindrucken lassen, Beispiele aus der neueren Zeit wären: Dream Theater, die Dave Matthews Band oder (mein Geheimtip) Alberta Cross.
  3. #3

    Milieustudie

    Herr Diez "weiß aber auch um das Problem, in einem Milieu und in einer Zeit gefangen zu sein".
    Ich kenne zwar dieses Milieu, das ein wenig verkrampft in allen großen oder mittelgroßen Städten der westlichen Hemisphäre (mit seinem Epizentrum Berlin) doch so gerne die Avantgarde abgeben würde, poststrukturalistische Theorie liest, die Beatniks wiederentdeckt, dabei Arcade Fire hört und vor lauter Melancholie und Ironie nicht ein oder aus weiß. Doch ich schaue mir diesen Mikrokosmos lieber aus der Ferne an und amüsiere mich immer wieder über die Nabelschauen des Herrn Diez. Wie dieser Kontrast zwischen empfundener Virtualität im eigenen Leben und bezeugter Rohheit in den Werken der Moderne (und ja: da schließe ich die Beatniks mit ein) einen wahnsinnig machen muss. Liebe postmodernen Melancholiker: Geht raus in das Leben, gebt eure von Mama und Papa subvensionierten Kulturstudien auf und schaut euch um!
    Gefangen im Milieu, ja, besser kann man es nicht ausdrücken. Und auch der Hinweis, dass der einzige Ausweg für die meisten dieses Milieus die Karriere zu sein scheint, sagt vieles über die Menschen dieses Milieus aus. Danke für diese bestätigenden Einsichten, Herr Diez.


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