Der Mensch ist tot, seine eigene Vernunft hat ihn erledigt. Auf der inspierierenden Documenta geht es um die menschliche Krise - aber auch um den Aufbruch. Ganz entspannt stellen sie in Kassel die einfachen und doch schwierigen Fragen: Wir haben genug analysiert, was sollen wir tun?
http://www.spiegel.de/kultur/gesells...837716,00.html
wir Vernunft und Verstand nicht auseinanderhalten können, solange wird das mit uns auch nichts mehr. Der Verstand muss endlich zu Vernunft kommen, das ist der Punkt.
Wer glaubt, es sei der "Posthumanismus" oder das "Ende des Anthropozentrismus" angebrochen, kann genauso gut 16h am Tag kiffenderweise World of Warcraft spielen. Lala-Land hier wie dort.
Herr Diez greift in seiner Kolumne ein schwieriges Thema auf, ist ihm aber leider weder begrifflich noch inhaltlich so recht gewachsen.
Der emanzipatorische Vernunftbegriff der Aufklärung wurde durch den Siegeszug der rein instrumentellen Vernunft diskreditiert. Das Berechenbare, Quantitave, Abstrakte und Allgemeine der Naturwissenschaften hat das Besondere, Einzelne, Qualitative und Konkrete verdrängt. Die Auswirkungen des instumentellen Weltverständnisses hat sich in der Moderne im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert und die furchtbaren Geschehnisse im 20. Jahrhundert vorbereitet.
Der Gegenentwurf einer auf Emazipation zielenden Vernunft ist deswegen nicht beseitigt, allerdings lässt sie sich nicht mehr wie noch bei Kant in einem autonomen Subjekt verorten, sondern muss gesellschaftlich-diskursiv angestrebt werden.
Das Ende des anthropozentrischen Prinzips menschlichen Handeln und Weltverständnisses ist zwar theoretisch einsichtig, praktisch jedoch noch kaum umgesetzt, solange kruder, nicht selten blinder, Egoismus von Menschen und Staaten das Weltgeschehen massgeblich beherrschen. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Verhalten überwunden werden kann, man darf es mit Fug bezweifeln.
Haben wir tatsächlich schon genug analysiert? Ich würde sagen: nein. Die Komplexität dieser Welt und die Auswirkungen menschlichen Handelns müssen ständig analysiert und kritisiert werden, will die Menschheit eine Chance zum Überleben haben.
Was sollen wir tun? Wir sollten diese Welt in ihrer Mannigfaltigkeit bei Mensch und Natur anerkennen und achten. Das bedeutet einerseits Schutz der Natur, andererseits kritische Toleranz im sozialen Bereich.
Mit dem Ende des teologischen Denkens steht der Mensch mehr denn je im Mittelpunkt der Welt und - ganz wichtig - hat die gesamte Verantwortung für sein Tun und Lassen zu tragen. Daran gemessen erscheinen natürlich viele Kulturen, die stark religiös geprägt sind, als antiquiert. Damit muss der säkularisierte Teil der Menschheit verständnisvoll und mit angemessener Toleranz begegnen, sofern diese umgekehrt ebenfalls praktiziert wird.
Kurzum: Die Menschen müssen vernünftiger werden!
Hallo,
Heizsalomon hat sehr recht. Der im Artikel verwendete Begriff Vernunft wird dort in einer altertümlichen Bedeutung verwendet. Zu der Zeit ermöglichte die "Vernunft" dem Menschen, die Herrschaft über die Erde anzutreten. Heute würde man besser Verstand sagen.
Dieser ermöglicht es, Atomraketen zu bauen, die Vernunft gebietet es, sie nicht einzusetzen.
Ich als Homo technicus vermag nicht zu beurteilen, ob diese Nichtbeachtung der Verschiebung von Bedeutungen nachlässig oder gewollt ist, um den Kommentar etwas bedeutungsschwanger zu gestalten.
Wie zitierte Heinz Erhard Goethe "Bei einem Dichter meines Formats sind verständlicherweise nur unverständliche Sätze selbstverständlich"
mfg Kioto
Das Grundproblem einer wissenschaftlichen Weltsicht ist die Abstaktion vom Konkreten.
Ich möchte folgendes, einfaches Beispiel anführen:
Jemand hat zwei Bäume in seinem Garten stehen. Beide tragen im Herbst Äpfel, aber die Bäume sind für den Besitzer ganz unterschiedlich, weil er ihre konkrete, sehr unterschiedliche Struktur kennt. Nur einer der beiden Bäume spendet ihm im Sommer zu einer bestimmten Tageszeit Schatten, während der andere besonders viele Früchte trägt.
Für den Biologen und Botaniker sind beides schlicht Apfelbäume, die sich durch typische Merkmale auszeichnen und damit als Apfelbäume definiert sind. Aus wissenschaftlicher Sicht sind die Bäume gleich, alles wird der begrifflichen Abstaktion "Apfelbaum" untergeordnet, obwohl die konkreten Bäume sehr unterschiedlich sind.
Machen wir den Sprung in die Sozialwelt. Die wissenschaftliche Norm der Kategorisierung wird auch hier umgesetzt: Im letzten Jahrhundert waren es zum Beispiel "die Juden", heute sind es "die Hartz4-Empfänger" oder "die Ausländer".
In beiden Fällen wird von den konkreten Menschen abstrahiert, alles Individuelle, Besondere, Qualitative wird unter einen allgemeinen Begriff subsumiert und damit ausgeblendet.
Das Problem dabei sind nicht die sprachlichen Definitionen, sondern die Fahrlässigkeit und Ignoranz, Konkretes, Individuelles in solche allgemeine sprachlichen Kategorien zu zwingen und damit das mannigfaltige, reale Leben zu vergewaltigen.
Es gejt dabei um Macht, Gewalt und Herrschaft.
Davon müss sich die Menschheit nach allen Lehren der Geschichte vollständig befreien und das Leben in seiner unglaublichen Vielfalt akzeptieren und wertschätzen!
Wer mit Begrifflichkeiten wie Post-xyz und Neo-xyz um sich wirft, der zeigt vor allem, daß er weder ein Wissen über die Vergangenheit besitzt, noch Visionen für die Zukunft und nichts von der Kreativität, die es bräuchte, sich mal was Neues auszudenken. In dieser Rolle versagen die Geisteswissenschaften und Künste nämlich durch die Bank seit 200 Jahren.
Die Vernunft hat sich also selber besiegt...schön wärs...ihr wisst es nicht, weil ihr euch der Naturwissenschaft gegenüber ignorant zeigt, weil ihr diese Weiterentwicklung der Philosophie nicht ernst nehmt, nie ernst genommen habt...es gibt zwei Kulturen und die Geisteswissenschaften sind die Verlierer, die Überholten...ihr wisst es also nicht, daß längst schon Entwicklungen ihren Anfang genommen haben, in den Naturwissenschaften, der Physik, der Chemie, der Biologie und den Neurowissenschaften, die in absehbarer Zeit alles auf den Kopf stellen werden. So wie die ganze Zeit über stille Revolutionen stattfinden, die es vielleicht mal ins Feuilleton schaffen, aber nicht in die allgemeine Wahrnehmung.
Die documenta gibt sich wichtigtuerisch, so als ob dort die Welt verändert würde. Dabei ist das nur ein Ort wo sich die selbsternannte Bildungselite in vermeintlicher Bildung suhlt. Die Welt wird am CERN verändert, mit jeder Teilchenkollision. Die Welt wird an Universitäten verändert, in schlecht ausgestatteten Labors voller Plunder, wo irgendein ausgenutzter Doktorand an seiner Apparatur schraubt. DAS sind Kunstwerke. Dort wird öfter über existentielle Fragen nachgegrübelt, als auf einer Kunstausstellung. Und übrigens auch auf höherem Niveau. Die meisten Künstler wärmen doch nur Dinge auf. Wer von den Künstlern verstünde genug von Etwas außerhalb der Kunst, daß er seine Kunst damit bereichern könnte?
Unsere Evolution muss weiter voranschreiten.
Hierbei nicht der Fortschritt, Ausbildung, das Menschsein gelernt bekommen in unserer Welt, sondern die Reele Anpassung an unsere Welt mit ihren uns nicht immer genehmen herausforderungen sondern insbesondere eine Änderung der schulischen Laufbahn, in der der Mensch seine Werte lernt. Und die möglichkeiten, in der sich der menschliche Sinn entwickelt.
Vielleicht ist es wirklich so, das wir nicht nur das duale denken lernen müssen sondern auch das mehrschichtige, so das wir mehrere Gehirnzentren gleichzeitig benutzen/vernetzen um sowohl das gesamte als auch die Einzelheiten zu vereinigen.
Interessant wird es, wenn man Gegensätze vereinigt und Zirkel, Polarisation und Schwingungen versteht.
Z.b. die Gegensatzbehauptung: 1.) Ich sage immer die Wahrheit. 2.) Ich bin ein Lügner. , macht sehr viel Sinn, wenn man beide Aussagen in Einklang miteinander bringt.
Oder warum 100% Egoismus das gleiche wie Selbstlosigkeit ist.
Aber das sind für viele 'psychologische' Dinge, mit denen man sich normal nicht beschäftigt. :-)