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S.P.O.N. - Der Kritiker: Die Falle der Vernunft

Der Mensch ist tot, seine eigene Vernunft hat ihn erledigt. Auf der inspierierenden Documenta geht es um die menschliche Krise - aber auch um den Aufbruch. Ganz entspannt stellen sie in Kassel die einfachen und doch schwierigen Fragen: Wir haben genug analysiert, was sollen wir tun?

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...837716,00.html
  1. #10

    Vernünftiger Verstand ist gut. Vernünftiger Unverstand ganz schlecht!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Vernunft kann sich nur durch Vernunft selbst abschaffen, der Verstand kann sich nur mit Hilfe des Verstands selbst misstrauen.
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    Vernunft ist letztlich nur gut, wenn sie dem Verstand dient. Vernunft ohne verstand ist ziellos.

    Verstand ist die Fähigkeit, Ziele zu setzen.

    Vernunft die Fähigkeit Ziele zu erreichen.

    Wenn das Ziel und die Richtung unverständig sind, führt Vernunft zu einer stärkeren Zielverfehlung als Unvernunft. Das ist wogl auch eine These der Diez-Kolumne.

    Am besten ist also, vernünftig verständig zu sein, also schnell wie möglich in die richtige Richtung zu fahren,

    am schlechtesten ist es, vernünftig unverständig zu sein, weil man dann um so schneller in die falsche Richtung fährt.

    http://thomasweber.blog.de/2011/10/20/effizienz-gut-effektiv-ziellose-effizienz-schlecht-12042023/
  2. #11

    Kunst meets Spleen

    Zitat: „Der Mensch ist tot, seine eigene Vernunft hat ihn erledigt. Auf der inspirierenden Documenta geht es um die menschliche Krise - aber auch um den Aufbruch.“
    Meint Herr Diez, und man kann ihm nicht widersprechen, wenn er im ersten Absatz beschreibt, wie leblos Vernunft machen kann – auch die nachfolgenden Absätze sind interessant, zumal stilistisch und von der Fabulierkunst her, inhaltlich verstärkt sich mit weiterem Vordringen in den Text allerdings ein Gefühl von Verwirrung, natürlich von produktiver, was gut zur dOCUMENTA (13) passt – sieht sie nicht verwirrend aus?

    Die Postmoderne ist kein Zustand, der hinter uns liegt, das wird immer nur behauptet – sie ist ein noch andauernder Prozess mit offenem Ausgang, beziehungsweise mit dem fatalen Verdacht, dass sich die Moderne tatsächlich posthumanistisch darstellt und dass wir jetzt den Rückweg zu uns selbst einschlagen müssen. Zitat: „Es geht um Angst auf dieser Documenta.“ Vielleicht – eine Frage des persönlichen Gefühls. Man kann aus der verstiegenen Widmung für die diesjährige Documenta das Motiv Angst herauslesen, doch für mein Gefühl viel mehr Flucht und die Suche nach diffusen Urzuständen, die Suche nach einem fast rousseauschen Primitivismus. Wenn der Mensch laut Herrn Diez tot ist –„let’s also face it“ – dann jedenfalls nicht so tot, dass man ihn nicht wieder lebendig machen könnte. Mir scheint sogar, dass diese Documenta dem Menschen wiederbegegnen will. Kann man sich wirklich bei der DNA-Performance von Alexander Tarakhovsky „beim Denken zusehen?“ Für mich ist es eher ein Kunstwerk, das mich das Gruseln lehrt.

    Deshalb muss heute alles noch einmal durchgespielt werden – es ist menschlich, nur menschlich. Mein Vater hat zuletzt auch immer das gleiche erzählt, es gibt nichts Neues unter der Sonne, es sind bloß Belichtungsvariationen – es gibt auch angesichts kühner künstlerischer Konzeptionen nichts wirklich Neues in Kassel, die Provokationen bleiben provokativ, es sind wieder ebenso rätselhaft anwehende wie augenfällige Werke. Die Faszination der Documenta liegt nicht im Betreten von Neuland, sondern im Besetzen von geistigem Brachland mit verrückten Mobiles, mit Visualisierungen und Phantasmagorien nach Gusto. Kunst meets Spleen ist keine Abwertung, denn so erschafft sie sich neu, sehr eindrücklich in dieser sonst lähmenden Sanatoriumsatmosphäre von Kassel, immer mit dem Anspruch auf das avantgardistische Momentum, dem Herzblut moderner Künstler.

    Zitat: „Diese Documenta führt die Überlegenheit der Kunst vor, weil Kunst eben eine Methode ist und keine Form...“
    Nicht erst diese Documenta, das Postulat ist bekannt. Warum ließ Walter de Maria 1977 den Erdkilometer vertikal und nicht horizontal verlaufen? – weil er zum Punkt kommen wollte, weil er den imaginären Punkt konkretisieren und zu Länge ausdehnen wollte, genau zu einem Kilometer, wie lächerlich, wie beschämend kleinmütig, ein Punkt hat die Ausdehnung null – und weil er durchstechen wollte nach unten, weil er die Gedanken spitz ins Erdreich treiben wollte, ein schmerzhafter Prozess – weil er diesen Kilometer nicht im Tangentialen und Asymptotischen aufreiben wollte: Das ist unwirkliche Kunst im Wirklichen, sie stellt ihre Vermittlung, ihre Rästselhaftigkeit vor sich selbst stellt, sie wird zu einer Fiktion, die sich der Form, dem konturierenden, dem ästhetisierenden Gestaltungsbehelf verweigert – eine Kunst, die von der Form abstrahiert, die sich aus der Gegenständlichkeit zu einer Idee emanzipiert.
  3. #12

    "Die vollends aufgeklärte Erde erstrahlt im Zeichen triumphalen Unheils"

    Wer hat's gesagt? Adorno (und Georg Schramm hat es zitiert). Wie wahr. Ob er wußte, wie nah die Welt durch menschliches, aufgeklärtes Handeln am Abgrund steht? Wenn man sieht, wie sehr die große Gier mittlerweile z.B. auch wieder Afrika in den Griff nimmt, dort zu ungeheuerer Zerstörung führt, da sollte es uns um unsere Gottähnlichkeit bange werden, wird es aber nicht.
    "Er nennt's Vernunft und gebraucht sie nur, um tierischer als jedes Tier zu sein" (Mephisto). Und gerade die, die emotional den Tieren am nächsten stehen, pochen am entschiedensten auf ihre Rationalität.
  4. #13

    Echter Posthumanist

    Zitat von Newspeak Beitrag anzeigen
    Die Vernunft hat sich also selber besiegt...schön wärs...ihr wisst es nicht, weil ihr euch der Naturwissenschaft gegenüber ignorant zeigt, weil ihr diese Weiterentwicklung der Philosophie nicht ernst nehmt, nie ernst genommen habt...es gibt zwei Kulturen und die Geisteswissenschaften sind die Verlierer, die Überholten...ihr wisst es also nicht, daß längst schon Entwicklungen ihren Anfang genommen haben, in den Naturwissenschaften, der Physik, der Chemie, der Biologie und den Neurowissenschaften, die in absehbarer Zeit alles auf den Kopf stellen werden. So wie die ganze Zeit über stille Revolutionen stattfinden, die es vielleicht mal ins Feuilleton schaffen, aber nicht in die allgemeine Wahrnehmung.

    Die documenta gibt sich wichtigtuerisch, so als ob dort die Welt verändert würde. Dabei ist das nur ein Ort wo sich die selbsternannte Bildungselite in vermeintlicher Bildung suhlt. Die Welt wird am CERN verändert, mit jeder Teilchenkollision. Die Welt wird an Universitäten verändert, in schlecht ausgestatteten Labors voller Plunder, wo irgendein ausgenutzter Doktorand an seiner Apparatur schraubt. DAS sind Kunstwerke. Dort wird öfter über existentielle Fragen nachgegrübelt, als auf einer Kunstausstellung. Und übrigens auch auf höherem Niveau. Die meisten Künstler wärmen doch nur Dinge auf. Wer von den Künstlern verstünde genug von Etwas außerhalb der Kunst, daß er seine Kunst damit bereichern könnte?
    Da spricht ein echter Posthumanist. Ob wichtigtuerisch, bildungselitär oder nicht – die Welt wird sich durch Ausstellungen wie die Documenta eher zum Guten verändern, mit Sicherheit nicht durch die zwar komplizierten, aber weitgehend sinnfreien Sudoku-Spielereien am CERN, wo hochspezialisierte Wissenschaftler mit der Erkenntnis umzugehen versuchen, dass sich das Atom als Übergang materialisiert, da korpuskeln wieder mal die Wellen zum Chaos. Die Wissenschaft ist am Ende, und niemand will es wahrhaben, sie hat die Erde auf eine Billardkugel reduziert, die sie kopflos auf der unendlichen Bespannung des Kosmos herumstößt, bis sie kaputt ist – das soll Fortschritt sein? Nein, um Gottes Willen nicht. Man verschone mich Steven Hawking und seinem Formelwust, ich behaupte, dass einen Knall hat, wer an den Urknall glaubt, die Physik ist ein Hamsterrad, und nur weil ich von Quantenkosmologie wenig verstehe, stelle ich mein Menschsein nicht in die Disposition abgehobener Theoretiker, die nur in ihrem Teilchenzirkus performen können und dabei die Welt vergessen.
  5. #14

    Zur Documenta ist noch deren treffende Charakterisierung von Michael Klonovsky zu nennen: "Bastelnachmittag im Irrenhaus".

    Eine Übersicht der Weltkunst bietet die Documenta längst nicht mehr. Sie zeigt höchstens einen Haufen Gaga aus dem Hirn einer Kuratorin.
    Privatgeschmack also nur, mehr nicht.

    Als eine Kostprobe dieses Mists sei an dieser Stelle die "Nägelkau Performance" einer jungen Britin empfohlen ...

    Documenta veröffentlicht Teilnehmerliste: Es mag Kunst sein oder nicht - Documenta 13 - FAZ
  6. #15

    das sommerloch

    Zitat von Milmo Beitrag anzeigen
    ... Herr Diez, Sie haben mal wieder ein Thema aufgegriffen, das die Massen echt begeistern wird. Treten Sie nun mit Frau Berg in den edlen Wettstreit, wer von Ihnen beiden die irrelevantesten Beiträge liefert?
    Sehe ich auch so! Das sommerloch hat uns voll erwischt! Wirre Interpretationen, aufgebauschte Banalitäten, Spekulationen, Nichtigkeiten, unsachliche Beiträge, Verschwörungstheorien.

    In China fällt soeben ein sack Reis um, das ist glaube ich inetressanter!
  7. #16

    Überleben durch Demut

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    der Mensch ist tot. Jedenfalls in seiner Eigenschaft als Herrscher, Gott und Strahlefürst, als Bestimmer über sich selbst und alle anderen Wesen (...)
    Und es war kein Kometeneinschlag, der ihn umgebracht hat, es waren keine Außerirdischen, keine Tiere, Vampire oder ähnlich böse Feinde
    - er hat es ganz allein besorgt, der Mensch mit seiner Vernunft. (...)
    Die Vernunft kann sich nur durch Vernunft selbst abschaffen, der Verstand kann sich nur mit Hilfe des Verstands selbst misstrauen.
    SPON
    Sehe ich auch so!
    Der Mensch hat sich selbst erledigt.

    Und dass er ein "Vernunftswesen" sei,
    dagegen spricht die Menschheitsgeschichte.

    Was bleibt ist:
    Der Mensch besinnt sich auf sein Unvermögen
    und die Restvernunft über die er noch verfügt,
    zeige ihm den Weg ins eigene Überleben
    - im Einvernehmen mit dem Planeten,
    den er bewohnt.
    Den Weg dahin nenne er Demut!
  8. #17

    Zitat von Spiegelkritikus Beitrag anzeigen
    Machen wir den Sprung in die Sozialwelt. Die wissenschaftliche Norm der Kategorisierung wird auch hier umgesetzt: Im letzten Jahrhundert waren es zum Beispiel "die Juden", heute sind es "die Hartz4-Empfänger" oder "die Ausländer".
    In beiden Fällen wird von den konkreten Menschen abstrahiert, alles Individuelle, Besondere, Qualitative wird unter einen allgemeinen Begriff subsumiert und damit ausgeblendet.
    Stimmt, und noch nie wurde von einer jungen Generation so oft von "Respekt" gesprochen und eingefordert aber gleichzeitig auch missachtet. Und in unserm politisch sehr geschützen Wirtschaftsystem, sind die Menschen nichts weiter als eine Verfügungsmasse für die Wirtschaft. Man sollte schon Unterscheiden können zwischen echter Vernunft und Verbrecher-Intelligenz.
  9. #18

    Das Gute an dem Bericht ist, dass man sich die Documenta nun wirklich sparen kann ...

    Sie ist in der üblichen Erweiterung des Kunstbegriffs wieder einmal hochbedeutsam, hochsymbolisch und hochpolitisch. Es gibt dort offenbar nichts was, was sich in großen Worten nicht ebenso gut darstellen oder predigen ließe. Insofern war der Bericht hilfreich, soweit man sich den Weg gerne sparen möchte. Im Übrigen, vielen Dank, hier noch einmal erfahren zu dürfen, dass der Mensch in der Krise ist, er ein Problem mit seiner Vernunft, den Grenzen seiner Erkenntnismöglichkeiten, seinen verlorenen Utopien und seiner Lebenskunst hat. Irgendwie ist es ja auch recht praktisch, dass der Autor uns die ganze Documenta in drei oder vier Sätzen so kompakt darstellen kann und es jenseits dieser Sätze und ihren Symbolisierungen in Kassel auch nichts Besonderes zu sehen gibt.
    Naja, den Hund mit rosa Bein, den klickt sich nun der Eine oder Andere bei „Google Bilder“ an ...
  10. #19

    Vernunft und Verstand

    Zitat von Thomas Weber Beitrag anzeigen
    Vernunft ist letztlich nur gut, wenn sie dem Verstand dient. Vernunft ohne verstand ist ziellos.

    Verstand ist die Fähigkeit, Ziele zu setzen.

    Vernunft die Fähigkeit Ziele zu erreichen.
    .......
    Nicht schlecht. Wenn Sie nun die Begriffe Verstand und Vernunft jeweils vertauschen, stimmt das in etwa!


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