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S.P.O.N. - Der Kritiker: Der Dichter, der nicht auf seine Worte achtet

Günter Grass hat das Gegenteil von dem erreicht, was er wollte: Er hat die Debatte über Israel nicht geöffnet, sondern vergiftet. Was bleibt, ist die ernsthafte Frage nach der Zukunft des Landes. Die Antwort darauf gibt allerdings ein anderer Autor.

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  1. #10

    Zitat von skell100 Beitrag anzeigen
    Zitat Diez:
    "Wann sonst interessieren sich die Deutschen so sehr für Innenpolitik und Ungerechtigkeit eines anderen Landes? Wann sonst stürzen sie sich mit solcher Verve und Meinungsfreude auf Konflikte, von denen sie nicht sonderlich viel verstehen?"

    Ja, ja die Deutschen, Herr Diez! Verstehen manchmal mehr als Sie glauben wollen. Sie müssen mal wieder aus Ihrer Redaktionsstube raus und unters Volk, damit Sie das wahre Leben besser begreifen.

    Im Übrigen sind diese Sätze von Ihnen eine üble Beleidigung aller Deutschen!

    Hören Sie endlich auf mit dem Thema "Grass-Israel", das liegt Ihnen einfach nicht!

    Wenn Grass das Gegenteil bewirkt haben sollte, dann nur deshalb, weil eine orchestrierte Hasskampagne der "gleichgeschalteten" Presse gegen ihn geführt wird. Insbesondere in Deutschland.
    In Israel findet er er gewaltiges positives Echo. Gerade ist die USA dabei, einen juristische Begründung für einen Krieg zu finden. Hatten wir dieses nicht schon Mal, Herr Ditz?
  2. #11

    Aha..

    …und weiter geht’s. Sie werden wohl erst dann –natürlich still und heimlich- über die eigentliche Aussage des Grass – Textes nachdenken, wenn der Nahe Osten in Schutt und Asche liegt.
    Bis vor dieser unsäglichen Schlammschlacht war in faktisch jeder Tageszeitung etwas über die Kriegsambitionen Israels zu lesen. Benjamin Netanjahu ließ uns nach der Absage Obamas wissen
    Notfalls auch im Alleingang zu handeln.
    Nahost-Experten schätzen die Kriegsgefahr als akut ein. Und warum ? Weil ein Staat der nicht einmal
    direkter Nachbar Israels ist eventuell, womöglich, vielleicht – aber vielleicht doch nicht in 10 Jahren eine Atombombe hat.
    Israel hat sie schon seit Jahrzehnten…
    Natürlich haben die Israelis Angst wie Avi Primor gestern mehrfach erklärte und sicherlich ist Ahmadinedschad nicht der Nachbar den man sich wünscht.
    Aber rechtfertigt das einen Angriffskrieg ?
    Statt diese – und nur diese - Diskussion zu führen, schwingt man die Nazikeule, jammert über Antisemitismus, erklärt Grass für senil und ein Innenminister lässt sich zu einer Handlung hinreisen die lächerlicher nicht sein kann.
    Soviel zum Thema Kritik an Israel.
    Wacht auf und versteckt euch nicht hinter all diesem Gejammer und der falschen Empörung.
    Es geht nicht darum ob Juden, Iraner, Franzosen oder Indianer angesprochen sind sondern um die Tatsache als solche.
  3. #12

    Herr Grass, sie dürfen gern Israel kritisieren, das ...

    ... ist kein Tabu.

    Hätte man sagen können. Sagten auch viele. Stattdessen zeigt nichtsdestotrotz die Lautstärke der Reaktionen, daß er wohl doch ein Tabu berührt hat.
    Was für eine selbstentlarvende Paradoxie!

    Eine oft gestellte Frage: Warum interessieren sich Günter Grass und Konsorten nicht für Pakistan oder Nordkorea und seine Atombomben, oder den Konflikt zwischen Pakistan und Indien oder die diversen Massaker, Bürgerkriege, Hungersnöte usw. in Afrika?

    Antwort: Weil das Sprechen über irgendeinen Gegenstand das gleichzeitige Schweigen über jeden anderen Gegenstand zwangsläufig mit sich bringt.

    Die Auslöschung des iranischen Volkes? Siehe "Jüdische Zeitung",
    Ben-Elieser ließ verlauten, dass «die Übung, die Israel in diesen Tagen simuliert, nicht aus der Luft gegriffen oder reine Fiktion ist». Dem fügte er hinzu: «Die Iraner werden Israel so schnell nicht angreifen, da sie das Resultat kennen. Ein iranischer Angriff wird eine schwere israelische Reaktion nach sich ziehen, die zur Auslöschung der iranischen Nation führen wird. Sie sind sich unserer Kraft durchaus bewusst.»

    «Jüdische Zeitung» :: Israel übte den Notfall

    Iran hat und wird in absehbarer Zeit keine A-Waffen haben - sagen alle US-Geheimdienste und der Mossad. Daran ändert auch ein polternder Irrer mit Mörderpotential wie Herr A. nichts.
    Israel aber hat Atomwaffen. Wer Atomwaffen hat, ist durch dieses Potential der größere Gefährder als der Nicht-Besitzer - insbesondere wenn der Atomwaffenbesitzer fortwährend einen Angriff propagiert - ganz laut und offen, der Herr Netanjaju.

    Kurz und gut: Bei kritischer Betrachtung der Grass-Kritiker bleibt, bis auf die von Grass eingeräumte Ungenauigkeit "Israel - Israelische Regierung" nichts Beanstandenswertes übrig.

    Daran ändert auch der Nachschlag des Herrn Diez nichts.
  4. #13

    Weshalb

    Zitat von spiekla Beitrag anzeigen
    das würde diesen und dem Autor wohl passen - aber daraus wird nichts.
    [...]
    Gestern im TV: Friedmann konnte es sich nicht verkneifen, auf seine ermordeten Angehörigen zu verweisen und auf verschiedene subtile Arten von Antisemitismus hinzuweisen. Sogar der moderate Primor forderte Verständnis für die Gefühlslage vieler Juden.
    Kann mir mal jemand erklären, inwieweit das hilfreich für die Lösung des Nahostproblems sein soll?
    Die Empfindlichkeit der Juden erhöht ja gerade die Kriegsgefahr.

    Und dann klärt uns Friedmann auf, wie durch atomare Abschreckung der kalte Krieg kalt geblieben ist und begreift wohl nicht, dass diese Erkenntnis die atomare Aufrüstung des Iran auch begründet.
    man auch bei F. anwenden könnte "Es kommt darauf an, wer es sagt und wie er es sagt".
    Unüberseh- und -hörbar bei F. ist schon mal der aggressive Ton, mit dem er auf ihm nicht genehme Meinungen agiert.
    Und wenn er seine darüber hinaus oberlehrerhaft-rechthaberische Ansprache beendet, schaut er sich anerkennungsheischend um. Zwar bemüht er dazw. gewisse moderate Ansagen wie (sinngemäß) "Ich bin mit Netanjahu auch nicht einverstanden". Doch durch seine auffallend überhebliche, attackierende Art relativiert er dgl.

    Und ja, auch seine Behauptung vom notwendigen Abschreckungspotential mit dem vergleichenden Hinweise auf die Zeiten des Kalten Krieges trägt h.E. nicht, denn jeder (auch die iran. Mullahs) weiß, dass er bei einem Angriff auf Israel die USA, mithin den Westen in tödlicher Weise auf dem Hals hätte.
    Mithin können die Nachbarländer die atomare Bewaffnung Israels eher als Bedrohung denn als Abschreckung begreifen.

    Warum darf dieses reale Szenario nicht auch so genannt werden, ohne extreme Kritik herauszubeschwören?
    Es wird auch in DEU nicht ausschl. israel. Politik kritisiert, sondern auch die des Irans, der Hamas, der Saudis etc.

    Im Kern deutet jedoch jedwede Kritik an GRASS' Gedicht immer auf das gleiche Mantra hin: Er, der die SS-Uniform trug, hat schon mal gar kein Recht, Israel bzw. seine Politik zu kritisieren, weshalb man ihm wohl auch seine Sorge um den Weltfrieden in Abrede stellt. Dass er eitel ist wie viele andere auch, wird im kritischen Kontext genauso übertrieben ausgeschlachtet.

    Der Zorn darüber, dass GRASS Kritisches und Besorgtes schrieb, wird durch dem Bezug zu Israel für eine bestimmte Gruppe anscheinend nur noch so sehr zum einzigen Reizthema, dass deise nur noch Dreck kübeln, bar jeder differenzierenden Sachlichkeit.

    War auch GRASS' Wortwahl nicht klug (ein Diplomat war er nie) und das Stück keine literarische Meisterleistung, so sind es die diffamierenden Zerrisse auch nicht.
    So reagieren wohl nur Menschen, die mehr vom überraschenden Wahrheitskern einer solchen Schrift betroffen und in Wut darüber ihrem grundsätzlichen Widerwillen gg. den Autor unverhältnismäßig scharf Ausdruck verleihen.

    In der Tat: Die übermäßig beanspruchte Empfindsamkeit Israels und das schreckliche Verbrechen des Holocaust können letztlich nicht für alle Zeiten eine auch menschenrechtsverletzende Aggressionspolitik wie die der israel. Regierung incl. territorialem Unrecht rechtfertigen.
    Und eine Bundesregierung, die einer spannungsladenen Region und heimlichen Atommacht Israel gesetzeswidrig auch noch U-Boote liefert od. schenkt, befeuert h.E. die Präventivschlagambitionen dieser Nation.

    Dagegen klingt das "Bedrohungsvokabular" der iran. Regierung schon beinahe wie das Pfeifen im Walde.
  5. #14

    Zitat von Anthrophilus Beitrag anzeigen
    ...
    Kurz und gut: Bei kritischer Betrachtung der Grass-Kritiker bleibt, bis auf die von Grass eingeräumte Ungenauigkeit "Israel - Israelische Regierung" nichts Beanstandenswertes übrig.

    Daran ändert auch der Nachschlag des Herrn Diez nichts.
    Sehe ich nicht so.

    Achmadinedjad hatte ja vorgeschlagen, ein deutsches Bundesland als Judenstaat zur Verfügung zu stellen. Haben Sie da einen Vorschlag, welches das sein sollte? Konkret sollten Sie schon werden.

    Würden Sie sich evtl. so herumschubsen lassen??
  6. #15

    Viele Juden, Israelis und Unterstützer

    Zitat von Bondurant Beitrag anzeigen
    wollte ich schon immer mal zur Ehrenrettung von Helmut K., der nicht unbedingt mein Fall war, sagen: dieses Wort im Zusammenhang mit der Frage, ob man sich anderenfalls schuldig gemacht hätte oder nicht, war so dumm nicht. Jedem anderen hätte man einen nachdenkenswerten Ansatz bescheinigt. Nur Kohl, der konnte im intellektuellen Bereich nie etwas richtig machen. Wenn z.B. Schröder ein Holocaust Mahnmal wünschte "zu dem man gerne hingeht", dann war das nur halb so schlimm. Tja.
    wollen verhindern, dass die Nahostfrage vom Holocaust und sogenannten Antisemitismus abgekoppelt wird. Aber diese "Verbindung" ist die Ursache, dass man über Grass persönlich herfällt und die Frage "ob man in Deutschland über Israel diskutuieren kann wie über alle anderen Problemstaaten auch" weiterhin mit NEIN beantwortet werdem muss.
  7. #16

    Zitat von BettyB. Beitrag anzeigen
    Eigentlkich sollten viele der so entsetzt reagierenden Grass wenigstens aus Dankbarkeit einen Teil ihrer Honorare für die überflüssigen Kommentare dem armen Alten überweisen, der anscheinend ja nicht nur die Macht über die deutsche Sprache verloren zu haben scheint. Daraus aber überhaupt ein Thema gemacht zu haben...
    Ich glaube, Sie übersehen da etwas...

    Auch wenn das Gedicht von Günter Grass ihre Qualitätskontrolle nicht bestanden hätte, er hat mit seinen Worten mehr erreicht, als Sie möglicherweise wahrnehmen. Er hat damit sicher nicht eine allumfassende Wahrheit verkündet (wer kann das schon), aber er hat immerhin en masse diese heuchlerischen, verlogenen Reaktionen provoziert, die sehr viele friedlich und ganz sicher nicht rassistisch gestimmte Menschen erst nachdenklich gestimmt haben. Ich finde, das ist mehr als die meisten anderen "Denker" in den letzten 20 Jahren erreicht haben...
  8. #17

    Auch ich bin ein gerufener Geist, und ...

    Zitat von Waldpinguie Beitrag anzeigen
    "Günter Grass hat das Gegenteil von dem erreicht, was er wollte............"

    Ist es denn der Tage überhaupt noch gestattet sich kritischen mit den Worten des Herrn Grass auseinanderzusetzen ohne in den Verdacht zu geraten die Politik der israelischen Regierung vorbehaltlos zu unterstützen?

    Grass hat mit seinem Gedicht deutlich aufgezeigt wie tief der Antisemitismus in Deutschland auch Heute noch verwurzelt ist.
    Die Frage ist wohl, weiß Grass welche Geister er rief?
    ... ich werde Ihnen zuliebe nicht zum Antisemiten oder werde mich auch nicht antisemitisch äußern.

    Aber ich habe, Ihnen zuliebe, ein paar absolut unverdächtige Stimmen gesammelt, allesamt Pro-Grass - und jüdisch!

    Stellungnahme zum Gedicht von Günter Grass | Jüdische-Stimme

    Moshe Zuckermann: "Eine gut orchestrierte Hysterie" in:

    Was auch noch gesagt werden muss! | Zeitfragen

    Gunter Grass' poem is more pathetic than anti-Semitic - Haaretz Daily Newspaper | Israel News

    Der Israelit: Was gesagt werden muss - Solidarität mit Günter Grass

    Das schreiben Israelis - aber Herr Diez ist halt jüdischer als mancher Jude? (Ich hoffe, das wird jetzt nicht als Antisemitismus gewertet - "päpstlicher als der Papst" ist schließlich auch nicht antikatholisch.)
  9. #18

    hier gehts langsam wirklich ab...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Günter Grass hat das Gegenteil von dem erreicht, was er wollte: Er hat die Debatte über Israel nicht geöffnet, sondern vergiftet...
    Oh je - einer muss noch... etwas sagen. Als ob sich die nationalistische Rechte Israels (Moshe Zimmermann über die Regierung Israels) nicht schon deutlich genug gemacht hätte, wer sich in dieser Frage ins Unrecht gesetzt hat. Selbst Moshe Zimmermann hat festgestellt, dass der Frieden in der Region von denen torpediert wird - aber Grass darf das nicht kritisieren? Man darf ohne Probleme Nordkorea kritisieren, wenn sie nur eine Rakete ins Weltall schießen wollen - aber Israel darf man nicht kritisieren, wenn die einen Angriff auf den Iran ('nicht in Tagen ... aber auch nicht in Jahren') ankündigen? Ja gehts noch?
  10. #19

    Danke für...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Günter Grass hat das Gegenteil von dem erreicht, was er wollte: Er hat die Debatte über Israel nicht geöffnet, sondern vergiftet. Was bleibt, ist die ernsthafte Frage nach der Zukunft des Landes. Die Antwort darauf gibt allerdings ein anderer Autor.

    S.P.O.N. - Der Kritiker: Der Dichter, der nicht auf seine Worte achtet - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    Danke für diese Beitrag. Auch wenn Sie in früheren Beiträgen zu diesem Thema (vielleicht aus Unwissenheit) nicht sehr koherente Vergleiche aufgestellt haben und sehr oberflächlich (da reflex-artig nach deutschem Muster) über die Debatte beurteilt haben, fügen Sie nun doch nach ein paar Tagen der Recherche einen wertvolle Analyse zur Debatte hinzu.
    Danke auch für den Hinweis auf Beinart's exzellentes Buch.








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