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S.P.O.N. - Der Kritiker: Der Dichter, der nicht auf seine Worte achtet
Günter Grass hat das Gegenteil von dem erreicht, was er wollte: Er hat die Debatte über Israel nicht geöffnet, sondern vergiftet. Was bleibt, ist die ernsthafte Frage nach der Zukunft des Landes. Die Antwort darauf gibt allerdings ein anderer Autor.
S.P.O.N. - Der Kritiker: Der Dichter, der nicht auf seine Worte achtet - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
- #170 15.04.2012 21:03 von
Gegen Mythen und Legenden!
Mit Verlaub, da sind Sie schon lange nicht mehr a jour und hängen weiterhin unbeirrbar an den alten Mythen und Legenden, die schon einige Jahre durch neuere historische Forschungen der Quellen widerlegt sind.
Auch wenn diese Mythenbildung unbeeindruckt weiter gepflegt und gebetsmühlenhaft wiederholt wird, wird sie nicht wahrer!Auch die von der Staatsführung sorgsam gepflegte Legende, die Palästinenser seien nur aus ihren Wohnorten geflohen, weil ihre Führung sie über arabische Rundfunksender dazu aufgefordert hatte, wird von beiden Historikern widerlegt. Zum einen beweisen Mitschnitte der BBC, dass solche Sendungen reine Erfindung der israelischen Propaganda sind, zum anderen war schon seit den 1950er-Jahren bekannt, dass die israelische Führung die Palästinenser zum Exodus gezwungen hat, und zwar mittels Erpressung und Drohungen, aber auch mit Terror und Waffengewalt.
Morris und Pappe sind sich allerdings nicht einig, ob eine Strategie hinter diesen Vertreibungen stand. Benny Morris hält sie für "Kollateralschäden", die in einem Krieg unvermeidlich seien. Vor vier Jahren meinte er zudem nicht ohne Zynismus, Ben Gurion hätte damals ganze Sache machen und alle Palästinenser vertreiben sollen.(5) Während Morris also von einem Exodus ausgeht, "der durch den Krieg bewirkt wurde und nicht durch jüdische oder arabische Pläne", macht Pappe deutlich, dass diese ethnische Säuberung geplant und umgesetzt wurde, um das Staatsgebiet Israels zu erweitern und zu "judaisieren".
Dafür hatte die zionistische Führung ihre Gründe. Sie hatte zwar dem UN-Teilungsplan zugestimmt, aber nur aus taktischen Erwägungen. Dass sie diese Lösung für unannehmbar hielt, belegt Pappe mit zahlreichen Dokumenten aus den Archiven, unter anderem den Tagebucheintragungen Ben Gurions. Zwar wurde ihnen nach diesem Plan mehr als die Hälfte Palästinas zugesprochen, aber das restliche Gebiet sollte an die Araber fallen - eine autochthone Bevölkerung, die doppelt so groß war wie die jüdische. -
Le Monde diplomatique, deutsche Ausgabe - #171 15.04.2012 21:18 von
Ja, das ist ein gefährliches Spiel und es wäre gut Alternativen zu haben. Rafsandschani ist ein alter Mann und die hängen am Leben. Es sind immer alte Männer, die junge Männer in den Tod schicken.
Es läuft also auf einen kalten Krieg mit nuklearer Abschreckung im Nahen Osten hinaus. Das ist nicht schön, erzwingt aber letztlich Verhandlungen, da Kriege nicht mehr führbar sind. - #172 16.04.2012 00:22 von
Das halte ich für einen gefährlichen Irrtum. Die Kriege werden dadurch lediglich auf andere Ebenen verlagert: einerseits auf ein konventionelles Wettrüsten, und andererseits auf die Aktivitäten von den terroristischen Stellvertretern. Letzteres ist im Nahen Osten ja bereits geschehen und seit Jahrzehnten quasi fester Bestandteil des Konflikts.
In beiden Fällen gibt es für Israel lediglich zwei Möglichkeiten: entweder, zu verlieren, was letzten Endes der endgültigen Vernichtung Israels gleichkommt, oder, mit militärischer Härte vorzugehen, was Israel als friedlichen, demokratischen Rechtsstaat zerstören und es die letzten Sympathien kosten wird.
Die einzige reale Möglichkeit, diesen Konflikt friedlich zu lösen, ist es, die religiösen, nationalistischen und rassistischen Ressentiments der Araber und der iranischen Führer zu überwinden. Leider ist das, wie ich weiter oben bereits schrieb, lediglich in einer sehr langfristigen Perspektive möglich. Aber solange der ganze Konflikt daran hängt, dass die Araber keine erfolgreiche Juden neben sich dulden wollen, bleibt das der Einzige Weg (TM), der nicht auf die Vernichtung Israels hinausläuft.
Dabei sind wir Europäer gefragt. Denn die religiösen, vor allem aber die nationalistischen und rassistischen Ressentiments im arabischen Raum sind letztlich stark von den entsprechenden europäischen Bewegungen zu Anfang des letzten Jahrhunderts geprägt. Muhammed Amin Al-Husseini, der Großmufti von Jerusalem und bis heute als Vordenker panarabischer Nationalisten verehrt, war ein großer Bewunderer Adolf Hitlers -- nicht nur, weil der die verhassten Juden ermorden ließ, sondern auch wegen dessen nationalistischen und rassistischen Wahnvorstellungen. - #173 16.04.2012 01:13 von
Teil eins
Da Sie sich in diesem Thread sehr sachlich und differenziert äußern, wofür ich Ihnen danken möchte, kann ich das nicht verstehen.
Was macht die palästinensischen Araber zu "rechtmäßigen Besitzern"? In der Sache lässt sich diese Darstellung mit guten Argumenten bestreiten, hier nur einige Stichpunkte: der größte Teil des Landes war Staatsland, das vom osmanischen Reich in die britische Verwaltung und dann in den Besitz des Staates Israel überging. Einige der dort lebenden Araber sind die Nachfahren von den Eroberern der islamischen Expansion im siebten Jahrhundert, also im Prinzip quasi selbst Besatzer. Die meisten Araber sind aber ohnehin erst in das Land gekommen, nachdem eingewanderte Juden die Wüsten und Sümpfe urbar gemacht und einen ökonomischen Aufschwung in der Region erzielt hatten -- 1882, als die ersten Juden einwanderten, lebten in der Region (Israel und Jordanien!) nicht einmal 500.000 Menschen. Die meisten Teile des besiedelten Landes hat zudem der JNF gekauft, was das von ihm vertretene jüdische Volk zum völlig rechtmäßigen Eigentümer macht. Außerdem gibt es bereits seit 1946 einen Staat der palästinensischen Araber: er heißt Jordanien. Und dass Israel überhaupt in der Westbank ist, liegt nur daran, dass Israel dieses Gebiet in einem von den Arabern begonnenen Verteidigungskrieg erobern konnte. Angesichts all dessen halte ich es für grob irreführend, davon zu sprechen, dass die palästinensischen Araber die "rechtmäßigen Besitzer" dieses Landes seien.
Wie man es auch dreht und wendet: die Juden sind, von allen heute noch lebenden Völkern, mit sehr großem Abstand am Längsten dort und können daher zurecht die stärksten Eigentums- und Besitzrechte an dem Land geltend machen.
Und sich so der Vernichtung preisgeben? Das kann und wird Israel nicht wagen. Zumal angesichts des vorher Gesagten auch nicht ganz klar ist, warum Israel das tun sollte. Lesen Sie im zweiten Teil, warum dies die Probleme auch nicht lösen könnte.
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