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S.P.O.N. - Der Kritiker: Der Dichter, der nicht auf seine Worte achtet

Günter Grass hat das Gegenteil von dem erreicht, was er wollte: Er hat die Debatte über Israel nicht geöffnet, sondern vergiftet. Was bleibt, ist die ernsthafte Frage nach der Zukunft des Landes. Die Antwort darauf gibt allerdings ein anderer Autor.

S.P.O.N. - Der Kritiker: Der Dichter, der nicht auf seine Worte achtet - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
  1. #160

    Schirrmacher

    Zitat von Duzend Beitrag anzeigen
    [...]
    Wie sehr nämlich Herrn Grass' Wortwahl tatsächlich die Diskussion vergiftet hat, wurde mir erst durch Lektüre des FAZ-Kommentars von Frank Schirrmacher klar. [...]
    Schirrmacher gibt mit seinem Schlusssatz - „Die Debatte aber müsste darum geführt werden, ob es gerechtfertigt ist, die ganze Welt zum Opfer Israels zu machen, nur damit ein fünfundachtzigjähriger Mann seinen Frieden mit der eigenen Biographie machen kann“ - Einblick in die Zusammensetzung der Teflonbeschichtung, mit der die israelische Politik gegen Kritik aus Deutschland immunisiert werden soll.

    Ein Deutscher der Israel kritisiert, möchte sich demzufolge nur Entlastung verschaffen, möchte eine Täter-Opfer-Umkehr vornehmen. Das ist zwar eine veritable Entmündigung, von vielen Deutschen, aber natürlich besonders von Grass. Der senile Krauterer weiß ja nicht mehr, was er schreibt, da gibt es einen „Subtext“, bei dem sein Entlastungsbedürfnis die Feder geführt hat. Natürlich eine „alternativlose“ Ausdeutung.

    Es wäre interessant herauszufinden, welche unbewussten Schuldgefühle Herrn Schirrmacher umtreiben und einen Pawlow'schen Reflex bei Kritik an Israel auslösen!
  2. #161

    Zitat von Rosbaud Beitrag anzeigen
    ...Es wäre interessant herauszufinden, welche unbewussten Schuldgefühle Herrn Schirrmacher umtreiben und einen Pawlow'schen Reflex bei Kritik an Israel auslösen!
    Wenn man im Braunbuch liest, findet man auch den Namen Ulrich de Maiziere - und wenn man weiß, dass besonders in der BRD die Karrierechancen davon abhängen, aus welchem familiären Umfeld man kommt, wundert mich gar nichts mehr.
  3. #162

    Die ganze Wahrheit? Bloss nicht!

    Zitat von Rosbaud Beitrag anzeigen
    Schirrmacher gibt mit seinem Schlusssatz - „Die Debatte aber müsste darum geführt werden, ob es gerechtfertigt ist, die ganze Welt zum Opfer Israels zu machen, nur damit ein fünfundachtzigjähriger Mann seinen Frieden mit der eigenen Biographie machen kann“ - Einblick in die Zusammensetzung der Teflonbeschichtung, mit der die israelische Politik gegen Kritik aus Deutschland immunisiert werden soll.

    Ein Deutscher der Israel kritisiert, möchte sich demzufolge nur Entlastung verschaffen, ...

    Es wäre interessant herauszufinden, welche unbewussten Schuldgefühle Herrn Schirrmacher umtreiben und einen Pawlow'schen Reflex bei Kritik an Israel auslösen!
    Besten Dank für Ihre Anmerkung. Neuerdings soll man ja nicht nur vorsichtig sein, bei dem was man sagt, sondern mindestens so sehr bei all dem, was man nicht sagt.

    Und darum geht es doch bei 90 % der ausgetauschten Voten, Darstellungen und Meinungen: Mag gut sein, dass ein Günter Grass sich da an dem einen oder anderen Punkt psychisch entlasten wollte. So genau können wir das nicht wissen. Die geistreiche und scharfe Analyse, die ein Frank Schirrmacher seinem "Gedicht" stellt, legt es jedenfalls nahe und macht es hochgradig plausibel.

    Aber ob nur deshalb dieser eine Schuld- und Entlasungskomplex zum zentralen Gegenstand der geführten Hauptdebatte werden muss, das halte ich nicht für zwingend. Und ab hier mag ich Herrn Schirrmacher auch nicht mehr folgen.

    Die perfideste und zugleich mächtigste Lüge ist noch immer die gezielte Auslassung, weil in ihr selbst nie eine Falschaussage nachgewiesen werden kann. Herr Schirrmacher wie die allermeisten anderen, die das Grass'sche Gedicht für verfehlt halten, vermeidet jeden Hinweis auf die inhaltlichen Punkte, die eben tatsächlich mal Gegenstand einer breiten Debatte werden sollten. Wie zum Beispiel:

    Soll man sich weiterhin blind der Führung durch die USA anvertrauen, was aussenpolitische Positionen angeht? Kann es für den Staat Israel auch jenseits der Begin-Doktrin (dass Israel zwar sehr wohl selbst zu reinen Abschreckungszwecken Atomwaffen besitzen soll, dasselbe Ansinnen aber bei allen Nachbarn weiträumig zu unterbinden ist, auch wenn diese sich mit solchen Waffen durch Abschreckung ebenfalls nur würden absichern wollen) eine gesicherte Existenz geben? Wie sähen Sicherheiten und gegenseitige Bestandsgarantien im Nahen Osten gänzlich ohne Nuklearwaffen aus?

    Und letztlich liefern die rhetorischen Griffe in den Schritt seitens der iranischen Politdarsteller ja nicht mehr als eine willkommene Zeitungsente, über die man deshalb mit so grosser Inbrunst herfällt, weil es so viel eingängiger ist, vor einer Wiederholung des Holocaust zu warnen, der an den z. T. selbsternannt ausschliesslichen Rechtsnachfolgern der Naziopfer verübt würde, als vor der massiven Bedrängnis, in die die Palästinenser gebracht werden, je alternativloser die Einstaatenlösung sich darstellt, oder vor dem fürchterlichen Sturm des Unwillens der danach über die Juden weltweit hereinbrechen könnte, weil man sie fatalerweise für die Handlungen der israelischen Regierung in Sippenhaft nimmt. Sogesehen ist die nachgereichte Begriffstrennung von Herrn Grass eben auch mindestens so verdienstvoll wie das Gedicht selbst.
  4. #163

    Zitat von Olaf Beitrag anzeigen
    Was natürlich bedeutet, dass man dann für die Lieferung der U-Boote sein muss.

    Sie sichern die Zweitschlagskapazität und machen einen Erstschlag unmöglich. Wer als erster schießt, stirbt als zweiter.

    Das Prinzip hat Jahrzehnte im Kalten Krieg funktioniert.
    Im Kalten Krieg hatten es die beteiligten Parteien mit berechenbaren und vernünftigen Gegnern zu tun. Was, wenn die iranische Führung nicht berechenbar und nicht vernünftig sein will? Immerhin kalkulierte bereits Ex-Präsident Rafsandschani, dass eine einzige Atombombe in Israel alles zerstören, dies der islamischen Welt jedoch lediglich begrenzten Schaden zufügen würde. Er fügte hinzu, dass es "nicht unvernünftig" sei, diese Möglichkeit in Erwägung zu ziehen. Weder die USA noch die UdSSR hingen einem Erlösungsglauben an, in dem ein Messias inmitten eines Chaos herniedersteigen und die Gläubigen ins Paradies führen werde.
  5. #164

    Zitat von Cotti Beitrag anzeigen
    Ich habe nicht geschworen - aber unzweifelhat wissen jetzt mehr Menschen über dieses Thema bescheid, die sich sonst nicht dafür interessiert hätten.
    *LOL* Die Medien sind voll von dem Thema, und ausgerechnet Günni interessiert die Leute mit seinem "Gedicht" dafür?
    Zitat von Cotti Beitrag anzeigen
    Außerdem weiß man jetzt noch, dass Kritik an Israel tatsächlich den Reflex "antisemitisch" nach sich ziehen kann.
    Nö. Kritik an Israel war und ist weiterhin überhaupt kein Problem, für gar niemanden. Aber antisemitische Hetze wird als das bezeichnet, was sie ist: antisemitische Hetze eben.
  6. #165

    NO-Konflikt

    Zitat von Mononatriumglutamat Beitrag anzeigen
    ...Es tut mir leid, aber in diesem Posting lese ich von Ihnen erstmals, dass die Araber wenigstens auch nur eine Mitverantwortung tragen. Davon ab ist es nun einmal so, dass die Probleme in der Tat weitestgehend an den arabischen Nachbarn hängen, die schon seit über tausend Jahren nicht mit Juden zusammenleben wollen, schon gar nicht mit gleichberechtigten und souveränen...
    Hier machen Sie es sich denn doch etwas zu einfach.
    Die deutsche Sichtweise ist, daß es einen jüdischen Staat als Konsequenz der Vernichtung der europäischen Juden geben muß um eine Wiederholung zu verhindern. Warum sollte diese Sichtweise von anderen geteilt werden? Insbesondere von den Arabern, die im Ergebnis der Gründung des Staates Israels von ihrem Grund und Boden vertrieben wurden?

    Natürlich haben Sie recht, wenn Sie eine Kritik der Nachbarn Israels fordern, eine solche Liste ist lang. Diese vertreten selbstverständlich auch nicht die Interessen der Palästinenser.
    Es betrifft nicht nur aktive Kriegsführung gegen Israel, sondern z.B. auch der Umgang mit Flüchtlingen (Nach über 60 Jahren hätte man annehmen sollen, daß die hunderttausende palästinensische Flüchtlinge in den Nachbarländern längst dort integriert sein müssten, wie es im restlich Teil der Welt üblich ist, nur hier werden sie nach wie vor in dritter Generation als Flüchtlinge gesehen)

    Aber der Grundkonflikt besteht ja weiter - Israel sieht sich nach wie vor als jüdischer Staat und schließt damit nach wie vor die arabischen Mitbewohner aus - und verschärft sich u.a. durch den Siedlungsbau in den besetzten Gebieten unter Mißachtung einer mittlerweile illustren Liste von UN Beschlüssen und geltendes Völkerrecht.
    Aggressive Nachbarn hin oder her, hier ist Israel schon selbst gefordert. Und meine Meinung ist schon, daß Israel auch nicht automatisch das Recht hat, z.B. einen Angriffskrieg zu führen.
  7. #166

    Zitat von hdwinkel Beitrag anzeigen
    Aggressive Nachbarn hin oder her, hier ist Israel schon selbst gefordert. Und meine Meinung ist schon, daß Israel auch nicht automatisch das Recht hat, z.B. einen Angriffskrieg zu führen.
    Israel sollte also warten, bis jemand seine Vernichtung ausprobiert?
    Und ob das Land ein Recht hat, sich zu wehren, entscheiden Sie als Deutscher?

    Den "Weltfrieden" wird es nur in einem totalitären System geben.
    Und Länder, die sich unterjochen oder auslöschen lassen, "gefährden" den Frieden natürlich weniger als solche, die sich zur Wehr setzen.
  8. #167

    Nein

    Zitat von sfb Beitrag anzeigen
    Israel sollte also warten, bis jemand seine Vernichtung ausprobiert?
    Und ob das Land ein Recht hat, sich zu wehren, entscheiden Sie als Deutscher?

    Den "Weltfrieden" wird es nur in einem totalitären System geben.
    Und Länder, die sich unterjochen oder auslöschen lassen, "gefährden" den Frieden natürlich weniger als solche, die sich zur Wehr setzen.

    Weltffrieden ist eine andere Sache.Spätestens seit 1967 verhindert (planmäßig bereits eher) den Frieden im Nahem Osten.
    Sollten Sie ein Bürger des Staates Israele sein rate ich Ihnen die eigene Geschichte an Originalquellen zu erforschen, nicht nur Propagandazettel des Likud oder der Schas.
    Auch als Bürger eines anderenLandes könnte das hilfreich sein.
  9. #168

    Das Problem des „Weltfriedens“ und der „Weltkriege“!

    Zitat von sfb Beitrag anzeigen
    Den "Weltfrieden" wird es nur in einem totalitären System geben.
    „Weltfrieden“ und „Weltkriege“?
    Gingen „Weltkriege“ bisher nicht von jeweils regionalen Konflikten aus? Die beiden letzten waren als „eingehegte europäische Kriege“ begonnen worden und entwickelten sich mehr oder weniger zu Selbstläufern und gerieten peu a peu außer Kontrolle zu veritablen „Weltkriegen“?

    Wenn man das nah- und mittelöstliche Kriegstheater betrachtet, so herrscht da seit Jahrzehnten schon kein „fairer Friede“! Selbst das, was die Israelis in Palästina inszenieren, ist in Hinsicht auf Frieden alles andere als „hasenrein“ – was gerade gestern am späten Abend in einer 90-minütigen Dokumentation „Kinder der Steine - Kinder der Mauer“ bei PHOENIX einem deutschen Fernsehpublikum eindrücklich vor Augen geführt wurde. (Siehe auch: filmgazette - filmkritiken | kritik zu 'Kinder der Steine - Kinder der Mauer' - Wolfgang Nierlin: Verlorene Hoffnungen, unzerstörbare Träume )
    Zitat von sfb
    Israel sollte also warten, bis jemand seine Vernichtung ausprobiert?
    Dieses Schicksal teilt es mit der übergroßen Mehrzahl aller UN-Mitglieder, abgesehen von denen vielleicht, die im UNSR mit einem fragwürdigen Vetorecht sitzen.
    Immer wenn es zum Eklat kommt, sitzen alle anderen Länder und Völker wie die erstarrten Karnickel vor der Schlange!
    Die aktuelle Situation im Osten ist allerdings deshalb hochbrisant geworden, weil man über mehrere Jahrzehnte international nicht adäquat und konsequent reagiert hat, obwohl die heraufkommende Gefahr beizeiten erkannt und benannt worden war!
    General Lee Butler, von 1992 bis 1994 Oberkommandierender der Strategischen Kommandozentrale, bemerkte: »Es ist äußerst gefährlich, daß in diesem Hexenkessel von Feindseligkeiten, den wir Naher Osten nennen, eine Nation sich mit vielleicht hunderten von Atomwaffen eingedeckt haben soll, was andere Nationen dazu motiviert, dies ebenfalls zu tun.«
    Israels Massenvernichtungswaffen bereiten auch der zweiten führenden Nuklearmacht Sorgen. – (Hervorhebung durch a.!) VII. »Ein Hexenkessel von Feindseligkeiten« for Die Endgueltige Sicherung Der Globalen Vormachtstellung Der USA
    Rein gar nichts ist in all den Jahren seitdem geschehen. Heute haben die USA große Probleme, mit dem Schlamassel klar zu kommen, vor den sie Israel nun ständig stellt!
  10. #169

    Zitat von hdwinkel Beitrag anzeigen
    Hier machen Sie es sich denn doch etwas zu einfach.
    Das mache ich nicht. Ich halte mich nur an die historischen Fakten und bemühe mich um eine objektives, gerechtes und faires Urteil.

    Zitat von hdwinkel Beitrag anzeigen
    Die deutsche Sichtweise ist, daß es einen jüdischen Staat als Konsequenz der Vernichtung der europäischen Juden geben muß um eine Wiederholung zu verhindern.
    Die deutsche Sichtweise ist irrelevant, zumal der Traum des jüdischen Volkes von einem selbst bestimmten Leben in einem eigenen Staat viel älter als die industrielle Judenvernichtung in Europa ist. Nicht zuletzt haben die arabischen Aggressionen vor und nach der Einwanderung ab 1882 maßgeblich beigetragen, die Realisierung nötig zu machen.

    Zitat von hdwinkel Beitrag anzeigen
    Warum sollte diese Sichtweise von anderen geteilt werden? Insbesondere von den Arabern, die im Ergebnis der Gründung des Staates Israels von ihrem Grund und Boden vertrieben wurden?
    Der Staat Israel wurde vor allem gegründet, weil die Gewalt panarabischer Nationalisten und Rassisten (Al-Husseini, zB.) einen gemeinsamen Staat unmöglich gemacht hatte. Die Araber sind auch nicht vertrieben worden. Sie sind geflohen, um nach der Vernichtung Israels zurückzukehren. Das klappte aber nicht wie geplant, und seitdem "halten" die Araber (außer Jordanien) die Geflohenen als Geiseln in Elendslagern.

    Warum höre ich so wenige Forderungen von Ihnen, diesen unsäglichen, unhaltbaren, grausamen Zustand endlich zu beenden? Ihre Forderungen richten sich immer nur an Israel. Fangen Sie doch mal bei Israels Feinden an, die haben viel gravierendere Schweinereien auf dem Kerbholz, und bieten viel mehr Ansatzpunkte für eine fundierte Kritik. Aber stattdessen fordern Sie immer nur von Israel, ziehen Sie immer nur über Israel her -- ohne allerdings praktikable Handlungsalternativen anbieten zu können.

    Zitat von hdwinkel Beitrag anzeigen
    Natürlich haben Sie recht, wenn Sie eine Kritik der Nachbarn Israels fordern, eine solche Liste ist lang. Diese vertreten selbstverständlich auch nicht die Interessen der Palästinenser.
    Sogar die palästinensischen Führer selbst sperren ihre Leute bis heute in elende Flüchtlingslager. Warum kritisieren Sie das nicht?

    Zitat von hdwinkel Beitrag anzeigen
    Aggressive Nachbarn hin oder her, hier ist Israel schon selbst gefordert.
    Schon wieder? Israel hat bereits Land für Frieden gegeben und freiwillig Land und Siedlungen geräumt. Israel hat seinen Friedenswillen bewiesen. Jetzt sind die Araber an der Reihe.

    Zitat von hdwinkel Beitrag anzeigen
    Und meine Meinung ist schon, daß Israel auch nicht automatisch das Recht hat, z.B. einen Angriffskrieg zu führen.
    Das stimmt. Aber wenn es angegriffen wird -- und das wird es durch die Stellvertreter Irans am laufenden Band -- hat es das Recht, ja sogar die Pflicht, seine Bürger dagegen zu verteidigen. Wenn Iran sich nun durch Atomwaffen schützt, werden Hamas, PIJ und Hetzballa noch mehr Geld und weiter reichende Raketen bekommen, um friedliche, unbewaffnete israelische Zivilisten damit zu terrorisieren.


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