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S.P.O.N. - Der Kritiker: Das Scheißleben der Feuilletonisten

Unter deutschen Literaturkritikern macht sich der Ich-Hass breit: Wer über sich und sein Leben schreibt, gilt plötzlich als egozentrischer Wirrkopf. Dabei wollen die Feuilletonisten nur ihre eigene Mittelmäßigkeit über die Welt stülpen und radikale Positionen am liebsten gleichschalten.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...791694,00.html
  1. #1

    "dass das Ich wieder stärker in seine Schranken gewiesen" werden müsse

    ...das hat doch der Papst in weiser Voraussicht des kommenden deutschen Feuilletonherbstes und winterlicher sozialer Kälte vorgebetet, wenn auch in etwas anderen Worten!

    Wie schrieb Papst Benedikt XVI. aka Ratzinger uns ins kollektive wie auch (noch) individuelle Gewissen? "Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst." Mit anderen Worten: er bedarf der Grenzzeihung und der Anleitung. Gern durch die Kirche, aber auch gern durch Geistesverwandte, die Führung bieten...

    Das war die zu erfüllende Parole, und wie leicht sich auch der deutsche Feuilleton offenbar durchgängig und widerspruchslos von dieser offenen Verachtung und Herabsetzung von Individualität und Selbstbestimmung - und damit von der Aufklärung, der wir Grundrechte (!) und Demokratie ja erst verdanken, auch freie Feuilletons übrigens - hat anstecken und anstiften lassen: das ist schon erschreckend.

    Mene mene tekel, kein Schelm, wer da böse (Vor-)Zeichen an der Wand erkennt...

    Gleichschaltung scheint übertrieben, aber bemerkenswerter Gleichklang der Stimmen, der Eindruck ist schon nicht von der Hand zu weisen... das hat etwas von Kirchenchorgesang.
  2. #2

    hhmm...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Unter deutschen Literaturkritikern macht sich der Ich-Hass breit: Wer über sich und sein Leben schreibt, gilt plötzlich als egozentrischer Wirrkopf. Dabei wollen die Feuilletonisten nur ihre eigene Mittelmäßigkeit über die Welt stülpen und radikale Positionen am liebsten gleichschalten.

    http://www.spiegel.de/kultur/literat...791694,00.html
    Habe nur verstanden, dass Herr Diez auf irgendwas stinkesauer ist. Auf was, erschließt sich mir aus seinem Text nicht so recht. Ich glaube, verstehen sollen wir den auch gar nicht.
  3. #3

    Hoppla

    Nanu, da will man etwas wegdiskutieren, was meines Wissens nach schon lange keinen Bestand mehr hat? Sind wir nicht alle öhm... zumindest Es-Ich-ÜberIch? Oder tot? Bzw. reiner Diskurs? Und was würde Antoine Roquentin dazu sagen? Fragen über Fragen...
    Achso, ich - ne, wir! er! - finde(n/t), dass der Absatz

    "Das alles vor dem Hintergrund einer sich tatsächlich radikal verändernden Welt, in der aber, wenn es um das Internet oder den Kapitalmarkt oder auch um Bücher geht, Genauigkeit und Kenntnis gefragt sind und nicht bequeme Pauschalurteile. In der die Wirklichkeit so komplex geworden ist, dass die Wut, die Besessenheit, die Verletztheit, die Welterfahrung des Einzelnen von umso größerer Bedeutung ist."
    eingerahmt gehört.
  4. #4

    Glauben oder Denken

    Zitat von FREEDOM OF SPEECH Beitrag anzeigen
    ...
    Gleichschaltung scheint übertrieben, aber bemerkenswerter Gleichklang der Stimmen, der Eindruck ist schon nicht von der Hand zu weisen... das hat etwas von Kirchenchorgesang.
    Davon leben doch die Religionen und andere Ideologien: Dass sich der Anhänger aufgibt, auf eigenes Denken verzichtet - dann kann er ja in der Gruppe keine Fehler begehen.
    Dafür wird Geborgenheit und Unterstützung geboten.
  5. #5

    Ich und Gesellschaft

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Unter deutschen Literaturkritikern macht sich der Ich-Hass breit: Wer über sich und sein Leben schreibt, gilt plötzlich als egozentrischer Wirrkopf. Dabei wollen die Feuilletonisten nur ihre eigene Mittelmäßigkeit über die Welt stülpen und radikale Positionen am liebsten gleichschalten.

    http://www.spiegel.de/kultur/literat...791694,00.html
    Die Erklärung, die Diez für den diagnostizierten "Ich-Hass" bei deutschen Litaraturkritikern anführt, erscheint abwegig oder zumindest sehr subjektiv. Weder leiden diese Kritiker mehrheitlich an einem Gefühl der eigenen Mittelmässigkeit, noch an dem Zwang, "radikale Positionen" gleichzuschalten. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

    In einer sich rasch und fundamental verändernden Welt, die neue Chancen, vor allem aber auch Risiken und Gefahren eröffnet, ist mit egozentrischer Nabelschau allein jedenfalls kein Staat zu machen. Wenn massive ökonomische Verwerfungen die Lebensgrundlagen und den gesellschaftlicher Zusammenhalt infrage stellen, dann sind Publizisten, Wissenschaftler und andere Kulturschaffende mit in der Verantwortung, Misstände zu kritisieren und an Problemlösungen zu arbeiten. Das gilt um so mehr, als sich eine im Interessensumpf verhedderte Politik zunehmend als unfähig erweist.

    Mit dem Sein verändert sich bekanntlich das Bewußtsein. Das gilt selbstverständlich auch für Publizisten und ihre literarischen Produkte. Der durch die realen Veränderungen gespeiste Zeitgeist verlangt offensichtlich nach verstärkter Hinwendung zu gesellschaftlichen Fragen und Problemen und lässt die "Ich-Schau" in den Hintergrund treten - zumindest für wache und verantwortungsvolle Zeitgenossen. Wenn der eine oder andere Feuilletonist diesen Bewußtseinsprozess befördern möchte, ist das nur zu begrüssen. Gerade deutsche Intellektuelle neigen traditinell dazu, sich aus gesellschaftlicher Verantwortung zu stehlen und sich in ihrem privaten kleinen "Wintermärchen" einzurichten. Es ist gewiss kein Fehler, sie ab und an etwas aufzuscheuchen!
  6. #6

    Vorschlag zur Güte

    Zitat von skell100 Beitrag anzeigen
    Habe nur verstanden, dass Herr Diez auf irgendwas stinkesauer ist. Auf was, erschließt sich mir aus seinem Text nicht so recht. Ich glaube, verstehen sollen wir den auch gar nicht.
    Ach ja, die Feuilletonisten. Skurril wird es immer, wenn Feuilletonisten Feuilletonisten Feuilletonisten schimpfen. Aber es ist nicht schlimm - und es ist überhaupt nicht ernst zu nehmen. Auch Herr Diez will nur spielen. Ein Trost bleibt: Iris Radisch ist immer noch angenehmer als Frau Merkel, und Herr Diez immerhin nicht ganz so widerwärtig wie Pofalla.
    Ducasse
    (altgedienter Feuilletonist)
  7. #7

    Einstieg ins Wir

    Zitat: „Es geht um das Ich, das schon von Zeitungen und Magazinen mit einer Mischung aus Ekel und Angst behandelt wird, wenn es ein Autor verwendet, fast wie ein Virus oder wie eine Ideologie, die den Zusammenhalt der Gruppe gefährden könnte durch einen Überschuss an Individualismus.
    ...Jetzt hat die Gleichschaltungssehnsucht auch die Literatur erreicht. "Abschied vom Ich" titelte auf ihrer Buchbeilage triumphierend die "Zeit", die immer mehr zum geistigen Wadenwickel der Republik wird...“

    Die Republik mit Wadenwickeln, der Staat mit Wasser in den Beinen, entschlackt von der adstringierenden Wirkung der „Zeit“ – unsägliche Bilder, wo doch die „Zeit“ mehr wie ein nasser Lappen am Äußeren der Republik wischt. Aber abgesehen davon, was ist am Ich auszusetzen? Ich, also ich persönlich (wer denn sonst?) weiß schon: Der Gebrauch des Ich in Zeitungsartikeln wird als Fehlerhaftigkeit gebrandmarkt, als Narzissmus, als mangelnde Distanz zum Thema, die den Anspruch auf Objektivität vermeintlich beschädigt. Diese Objektivität ist ominös, tatsächlich ebenso unmöglich wie unmöglich aufzubringen, und genau deshalb wird sie im Journalismus sorgsam als Rechtfertigung einer Subjektivität durch die Hintertür gepflegt.

    Oder geht es weniger um dieses Ich als um eine Ichbezogenheit, die sich in egoistisch überzogener Individualisierung zeigt? Die „Gleichschaltungssehnsucht“ deutet darauf hin – der "Abschied vom Ich" führt zum Einstieg ins Wir. Das Feuilleton möchte ein neues Wir-Gefühl in die Welt setzen, in ihm ein alternative literarische Tendenz erkennen. Am Horizont konturiert sich die Beglückung durch eine Idee von Kollektivität, die sich aus der sozialistischen Konnotation befreit hat, das Füreinander-Einstehen als gesellschaftliches Movens und als schriftstellerische Herausforderung. Vielleicht ist das eine Fehldeutung – wenn nicht, würde es die Literatur sowieso überfrachten.
  8. #8

    Vorsicht!

    Zitat von Spiegelkritikus Beitrag anzeigen
    Die Erklärung, die Diez für den diagnostizierten "Ich-Hass" bei deutschen Litaraturkritikern anführt, erscheint abwegig oder zumindest sehr subjektiv. Weder leiden diese Kritiker mehrheitlich an einem Gefühl der eigenen Mittelmässigkeit, noch an dem Zwang, "radikale Positionen" ......
    Ihre Anmerkungen sind bedenkenswert. Aber Vorsicht: Herr Diez ist mit der Ernsthaftigkeit Ihrer Überlegungen vollkommen überfordert. Auf den Oberflächen seines Glasperlenspiels kräuselt sich Spaß-Schweiß und allenfalls etwas Wutschaum. Mehr geht bei ihm nicht.
  9. #9

    Mit einem Strich schreib' ich

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Unter deutschen Literaturkritikern macht sich der Ich-Hass breit: Wer über sich und sein Leben schreibt, gilt plötzlich als egozentrischer Wirrkopf. Dabei wollen die Feuilletonisten nur ihre eigene Mittelmäßigkeit über die Welt stülpen und radikale Positionen am liebsten gleichschalten.

    http://www.spiegel.de/kultur/literat...791694,00.html
    Lassen Sie doch einfach die wöchentliche Kolumne weg, mit denen Sie den anderen die Illusion eines lesenden Ichs ermöglichen. Mir reicht es, wenn ich Sie diezen darf.








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