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Ritterturnier in Sankt Wendel: Schauen und Stechen

david crabbeDie besten Neuzeit-Ritter der Welt treten im saarländischen Sankt Wendel beim Tjost-Turnier gegeneinander an - und das ist einzigartig, denn nichts ist gespielt. Die Pferde sind hochspezialisierte Kampfmaschinen, die Rüstungen das Ergebnis jahrelanger Forschung - und die Lanzen sind echt.

http://www.spiegel.de/reise/deutschl...852601,00.html
  1. #1

    Warum immer Tiere?

    Ich steh ja total auf Mittelalterfeste, aber warum müssen immer wieder Tiere benutzt werden, um das ein oder andere Event steigen zu lassen? Hier mal Pferde die durch enge Feuerringe springen, da Pferde, die sich beim Jousting alle Knochen brechen können. Im Übrigen finde ich es perfide, hier von "Kampfmaschinen" zu sprechen. Pferde sind weder Maschinen noch sind ihre Körper für solche Kämpfe ausgelegt.

    Jetzt werden einige sagen: aber so wars halt im Mittelalter. Ja, mag sein - aber früher gabs auch Sklaven und kein normaler Mensch würde heute noch auf die Idee kommen, welche zu halten.
  2. #2

    also

    Werdet endlich erwachsen!
  3. #3

    optional

    Sehr beeidruckend. Leider werde ich zu der Zeit nicht in Dt. sein. Weiß jemand, ob es im nächsten Jahr etwa im gleichen Rahmen stattfinden wird?
  4. #4

    Die Behauptung: "billige Blechrüstungen für Wochenend-Rollenspieler" ist nicht nur hochnäsig (wie es für die Reenactment-Szene typisch ist), sondern auch zu Unrecht pauschal abwertend.
    Welche Sorte Wochenend-Rollenspieler ist denn überhaupt gemeint?

    P&Pler verkleiden sich gar nicht. Sie sind aber der Urtypus des Rollenspiels - aus dem Spiel am Tisch entwickelte sich für viele der Wunsch, einen Schritt weiter zu gehen und das ganze "live" umzusetzen. Daraus entstand dann LARP (Live Action Role Play). Meines Wissens kommt das Reenactment eher aus der Geschichtsforschungs-Ecke.

    Die mit dieser Aussage wahrscheinlich gemeinten LARPer machen aber etwas völlig anderes, auch wenn es für den Laien ähnlich aussieht. Es steht beim LARP nicht der Wunsch im Vordergrund, alles exakt so nachzustellen, wie es früher war, sondern der Wunsch, in eine fremde Rolle zu schlüpfen, diese zu verkörpern und gemeinsam mit Freunden und Fremden Spaß an einer einzigartigen, fantastischen Geschichte zu haben, die man gemeinsam spielt, weiter entwickelt und schließlich zu einem Abschluss bringt. Die optische Verkleidung ist in erster Linie als Hilfsmittel gedacht, sich die Geschichte besser vorstellen zu können, bei den Reenactern ist das Kostüm eigentlich schon der ganze Zweck. Wobei die meisten nicht so weit gehen, Pferde abzurichten - dafür können sie sich die Köpfe einschlagen, wenn es um die Wahl der Zwiebelsorte geht, mit der man sein handgewebtes Leinenhemd färbt.

    Reenactment bietet - auch insbesondere geschlechtertypisch - nur eine sehr begrenzte Rollenauswahl, die nicht jedem (und vor allem nicht jedeR) gefällt. Es ist außerdem auch nicht jedermanns persönlicher Traum, tausende von Euro dafür auszugeben, dass man "echt" aussieht, nur um dann auf Mittelalterfesten dekorativ herumzusitzen und sich von den Besuchern fotografieren zu lassen. Hinzu kommt, dass ein authentisches mittelalterliches Straßenbild, um dessen Rekonstruktion man sich bemüht, eben nicht daraus besteht, dass nur Edelleute unterwegs waren, sondern größtenteils die bäuerliche Bevölkerung. In den meisten Reenactmentgruppen gibt es strenge Hierarchien. Man kann also nicht einfach hingehen und sagen "Ich würde gerne Ritter spielen". Beim LARP spielt man das, worauf man Lust hat, und wofür man sich das Kostüm leisten kann.
    Auch wer als LARPer etwas auf sich hält, verwendet keine Rüstung aus Blech (oder gar Latex), sondern solche aus Stahl. Sicher nicht von solcher Qualität wie o.g. (warum auch), aber sicher immer noch mehrere Tausend Euro wert. Auch manche LARPer lernen das Schmieden und fertigen ihre eigenen Kettenhemden. Es geht dabei aber um individuellen Stil, darum, dass man kein LARP-Kostüm von der Stange vorführt, wenn man keine Figur von der Stange spielen will.
    Die Waffen fürs LARP müssen vorschriftsmäßig aus einem Fiberglasstab bestehen, der mit Latex ummantelt ist. Andere werden aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen, und das ist auch richtig so, denn man muss keine Ausbildung absolvieren, um sich mit der Waffe in den Kampf zu stürzen. Wenn man aber gegen geübte LARPer antritt, merkt man sehr schnell, dass man keine gegen sie Chance hat, wenn man nicht regelmäßig den Schwertkampf trainiert.

    LARPer und Reenacter können kaum nachvollziehen, was die jeweils andere Gruppe an ihrer Art der Freizeitgestaltung so erfüllend findet - und das liegt einfach daran, dass es um völlig unterschiedliche Schwerpunkte geht. Das gibt aber niemandem das Recht, die Freizeitgestaltung des anderen abzuwerten. Beides gilt als Nerd-Sport, es reicht also, vom Rest der Welt für bekloppt gehalten zu werden, da kann man sich wenigstens gegenseitig tolerieren.
  5. #5

    Ritter

    Zitat von averagejoe Beitrag anzeigen
    Ich steh ja total auf Mittelalterfeste, aber warum müssen immer wieder Tiere benutzt werden, um das ein oder andere Event steigen zu lassen? Hier mal Pferde die durch enge Feuerringe springen, da Pferde, die sich beim Jousting alle Knochen brechen können. Im Übrigen finde ich es perfide, hier von "Kampfmaschinen" zu sprechen. Pferde sind weder Maschinen noch sind ihre Körper für solche Kämpfe ausgelegt
    Naja, der Begriff "Ritter" hat ja nun schon etwas mit reiten zu tun, und dafür braucht man in der Regel nunmal ein Pferd. Sie haben Recht: Man kann auch ohne Pferde ein "Event steigen" lassen. Ich mache zB Schwertkampf/Schaukampf "zu Fuß" und trete mit meiner Gruppe auf diversen Märkten auf, jeweils eingebettet in ein Schauspiel; den Reaktionen des Publikums nach ist das auch recht unterhaltsam.

    Trotzdem würde ich liebend gerne auch "hoch zu Roß" auftreten. Das Tjosten ist einfach die Königsdisziplin jedes Turniers.

    Es ist halt schlicht eine Zeit- und Kostenfrage. Pferde auszubilden, zu unterhalten und zu transportieren ist eben sehr aufwendig. Umso schöner ist es, dass es anscheinend noch etliche Leute gibt, die sich das leisten können und diese Tradition hochhalten.
  6. #6

    Wohl kaum...

    Zitat von bigbubby Beitrag anzeigen
    Sehr beeidruckend. Leider werde ich zu der Zeit nicht in Dt. sein. Weiß jemand, ob es im nächsten Jahr etwa im gleichen Rahmen stattfinden wird?
    ... nachdem es sich ja um ein 500-jähriges Jubiläum handelt.
  7. #7

    Das Larp und historische Darstellugn zwei Paar Schuhe sind, sei unbenommen. Aber unvereinbar ist das keineswegs. Ich bin begeisterter Larper trete aber auf der Veranstaltung in St. Wendel ebenfalls auf.

    In Bezug auf die Aussage zu den Rüstungen ist es nun einmal so, das die typische Rüstung im Larp eine unhistorische, aus einfachstem Baustahl oder Tiefziehblech geformte Rüstung ist, oftmals zudem in Indien billig produziert. In St. Wendel wird es aber sorgfältig rekonstruierte Rüstungen aus hochwertigen Materialien geben. In der Larpszene gibt es vielleicht drei oder vier ähnlich gute Rüstungen. Die Aussage ist also, bis auf den Wochenend-Rollenspieler durchaus korrekt, dürfte aber eigentlich auf die Marktszene gemünzt sein.
  8. #8

    Zitat von numey Beitrag anzeigen
    LARPer und Reenacter können kaum nachvollziehen, was die jeweils andere Gruppe an ihrer Art der Freizeitgestaltung so erfüllend findet - und das liegt einfach daran, dass es um völlig unterschiedliche Schwerpunkte geht. Das gibt aber niemandem das Recht, die Freizeitgestaltung des anderen abzuwerten. Beides gilt als Nerd-Sport, es reicht also, vom Rest der Welt für bekloppt gehalten zu werden, da kann man sich wenigstens gegenseitig tolerieren.
    Als "Wochenend-Ritter" zähle ich aus Ihrer Sicht zu den Reenactern. Wo ich Ihnen zustimmen möchte, ist das Thema gegenseitige Toleranz. Im Übrigen wird niemand, der auf einem Mittelalterfest auftaucht, etwa mit angeklebten Elbenohren, oder mit Fantasieharnischen aus Leder, belächelt oder ausgelacht. Auch derlei Gäste tragen zur Buntheit eines gelungenen Mittelalterwochenendes bei. Im Übrigen reicht die Zeitspanne der Darstellungen von der Römerzeit bis ins Spätmittelalter, in dem Schusswaffen bereits in Gebrauch waren. Wir haben unser Hobby, und was dieses Hobby so ansprechend macht ist die Tatsache, dass es verbindet.
  9. #9

    Glaubt er wirklich...

    jemand würde riskieren, ein Pferd draufgehen zu lassen, dass er über Jahre trainiert hat....
    Ich denke, um das beurteilen zu können, sollte man etwas mehr über die Besitzer und die Tiere selber wissen....








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