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Riskante Kreuzfahrt-Manöver: Kapitäne müssen Highlights bieten

Warum fuhr das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" so nahe an die Küste heran? Ein deutscher Experte ist der Meinung: Die Kapitäne auf solchen Luxuslinern sind einem enormen Druck ausgesetzt - die Passagiere haben große Erwartungen.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/t...809192,00.html
  1. #60

    CCosta Concordia - was mag passiert sein?

    Die Tracking-Route der CC kann man sich auch z. B. hier AIS-Schiffspositionen/-verkehr in Echtzeit ansehen.
    Demnach drehte sie von Civita Vecchia auf einem westlichen Kurs kommend um 20:37 auf einen Nordwestkurs mit 15,3 kn Fahrt. Dieser Kurs führt in Verlängerung an der Nordostecke der Insel Giglio vorbei.

    Um 20:53 ändert sie dann abbrupt ihren Kurs um etwa 50 ° auf Nord, plötzlich läuft sie nach diesem Track nur noch 2,9 kn in einem Abstand von geschätzt knapp 300 m zur Küste.
    Um 20:58 läuft sie noch etwas östlicher als Nord mit angeblichen 1,4 kn und um 21:02 endet der Plott mit angegebenen 1,1 kn, fast Stillstand.

    Nun liegt sie auf ihrer Steuerbordseite und in entgegengesetzter Richtung direkt neben der Küste und zeigt auf der Backbordseite einen großen Stein im Bauch und droht, wie eben in den Nachrichten zu hören war, auf 30 oder sogar 100 m Wassertiefe abzurutschen.

    Was ich wegen der angeblich sofortigen Steuerbordschlagseite vermute, ist folgendes: Sie könnte zunächst auf der Steuerbordseite auf Felsen gelaufen sein, dann hat man offensichtlich sofort mit Hart- Steuerbord -Ruder versucht, das Heck von den Steinen auf Steuerbord wegzudrehen und ist dabei mit der Backbordseite an die dortigen Felsen gekracht.

    Wenn ich den Schaden an Bb. richtig deute, hat es bei reichlich Speed gebumstund das Hartruder oder das Auflaufen auf die Steine hat dann die Tische abgeräumt.

    Auf der Brücke muss man dann, vielleicht weil man wegen der Steuerbordschlageite, keine Illusionen hatte den m. E. sehr vernünftigen Plan gefaßt haben, das Schiff an den Hafen heran in seichteres Wasser zu bringen. (Hat man vielleicht auch wegen der Schlagseite den Stabilisator ausgefahren?)

    Doch wie fuhr die CC von da, wo derr Plot aufhört?
    Zu meiner Seefahrtzeit vor 40 Jahren fuhr man zu einer solchen Umkehr den sog. Williamstörn, einen birnenförmigen Kurs, der bei jeder MannüberBord-Übung manövriert wurde, auch um Geschwindigkeit abzubauen. Wahrscheinlich tut man das heute auch noch.

    Soweit das Szenario. Aber es bleiben Fragen:
    1. Wenn das Plot richtig ist, müßte bei etwa 300 m Abstand von der Küste für den max. Tiefgang von 8,2 m (Wikipedia) eigentlich genug Wasser sein, wenn das Schiff, wie es jetzt liegt, "abrutschen"könnte. Auf Google-Earth sind keine Klippen zu sehen, die durchs Wasser schimmern. Ist der elektronische Kurs der wahre Kurs gewesen? Kaum zu glauben.
    2. Bei der Kursänderung auf Nord sei das Schiff nur noch 2,9 km, Schrittgeschwindigkeit schnell gewesen. Wie paßt das, einen so riesigen Pott von Rennradtempo auf Schritt abzubremsen? Oder hat das Aufbrummen auf die Steine den Pott dermaßen gestoppt?
  2. #61

    Richtig!

    Zitat von vonpreungesheim Beitrag anzeigen
    Es geht eben nicht ein paar Nummern kleiner, weil sie sonst keine marktfähigen Preise anbieten können. Die Schiffsgröße ist umgekehrt proportional zur finanziellen Ausstattung der Passagiere. Dies war beileibe kein Luxusdampfer...! Hier haben Ottonormalverbraucher Urlaub gemacht zu günstigen Preisen. ...
    Costa ist eine 4-Sterne-Kreuzfahrt-Reederei und keine Seven Seas wo kleine Kinder schon den Preis eines Erwachsenen kosten.
    Beim Frühstücksbuffet gibt es z.B. Plastikgeschirr (so etwas hatte ich noch nie auf einer Kreuzfahrt erlebt gehabt), welches auf Nachfrage mit dem auf demselben Deck befindlichen Swimmingpool erklärt wurde (Bruch des geschirrs und verletzte Passagiere).
    Auch die Qualität der Früchte ist nicht so ausgewählt, ansonsten sind Kampfpreise von 900 EUR/Woche nicht aufrechtzuerhalten.
  3. #62

    ok, ich nicke...

    Zitat von nic Beitrag anzeigen
    auf hoher See schwimmenden Felsen gerammt? Wenn das Wörtchen "wenn" nicht wär, wär ich schon längst Millionär.
    ...tut mir leid – ich schäme mich etwas, denn ich bin fälschlicherweise davon ausgegangen, dass es Felsen oder Riffe gibt, die knapp unter die Wasseroberfläche reichen.
  4. #63

    nene

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Warum fuhr das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" so nahe an die Küste heran? Ein deutscher Experte ist der Meinung: Die Kapitäne auf solchen Luxuslinern sind einem enormen Druck ausgesetzt - die Passagiere haben große Erwartungen.

    Riskante Kreuzfahrt-Manöver: Passagiere erwarten Highlights - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft
    ......

    Der Skandal fängt doch viel früher an: Mit dem Bau solcher Schiffe. Da werden, gleichsam, mehrere Hochhäuser auf einen Lastkahn gestellt, damit möglichst viel Menschen transportiert und abkassiert werden können und es ist nur eine Frage, bis da ein Unfall passiert, der dann auch noch inkontrollierbare Ausmaße haben muß.
    Das einzige Wunder beim aktuellen Unfall ist, daß verhältnismäßig wenige Menschen umgekommen sind.
    rabenkrähe
    Geändert von ( um Uhr)
    Es gibt ein Leben vor dem Tod. Der wahre Pazifist ist bereit, mit der Waffe für seine Überzeugung zu kämpfen.....
  5. #64

    ohje

    Zitat von Nathan Söderblom d. Weise Beitrag anzeigen
    Es ist leicht und gut vorstellbar, dass die Kapitäne von Seiten der Hände, die sie füttern, also den Passagieren und Arbeitgebern, mit Erwartungshaltungen konfrontiert werden, die insbesondere mit Blick auf das Entertainment recht hoch sind. Es ist genauso gut vorstellbar, dass diejenigen, die diese Erwartungen hegen und stellen, die möglichen Folgen gar nicht überblicken, die sich ergeben können, wenn den laienhaften Erwartungen entsprochen wird.

    Das ganze ist ein weiteres Beispiel dafür, wie immer mehr die reine Aussicht auf Kunden, Vergnügen und monetäre Gewinne, gegen jede Vernunft und gegen jedes Risiko das Ruder übernimmt.
    Letztlich ist es die gleiche Gier, die Finanzblasen erzeugt und platzen lässt und ganze Volkswirtschaften gefährdet. Es ist die Gier einer kapitalistisch umnachteten Gesellschaft, die sich für nichts als zeitbindende Freuden interessiert. Es ist ein Phänomen einer Gesellschaft von Sexsüchtigen, von Koksern, von Individualhedonisten.

    In einer solchen Gesellschaft zählt nicht mehr das Eigentliche und Wahrhaftige. Es zählt die Simulation, das Simulacrum. Das Trugbild wird zur bejubelten Wahrheit. Ohne Nebel und Gefahr werden Nebelhörner, die eigentlich genau bestimmten Situationen vorbehalten sind, zu einem Erlebnis. Wie es auch Kirschbonbons ohne jedes Bisschen Kirsche gibt, gibt es auch Aktienleerverkäufe, bei denen Aktien verkauft werden, die es gar nicht gibt.

    Die Tragik bei dem ganzen durchaus unterhaltsamen Spektakel ist, dass selbst die Instanzen, die Risiken einschätzen und bewerten können, von Menschen, von denen diese Profis finanziell, also leider damit auch existenziell, abhängig sind, inzwischen derart unter Druck gesetzt werden können, dass auch diese Profis, Risiken unbeachtet lassen, die zum Untergang von Schiffen oder Volkswirtschaften führen können.

    Schauen wir mal, wie es weitergeht - dann sehen wir schon.
    "Es ist ein Phänomen einer Gesellschaft von Sexsüchtigen, von Koksern, von Individualhedonisten."

    is jetzt ein bischen dicke für leute die lieber kreuzfahrten machen, anstatt mit nem rucksack allein durch die mongolei zu wandern..mal schön die kirche im dorf lassen oder hat ihnen da ihr vorstellungsvermögen einen bösen streich gespielt?
  6. #65

    Zitat von Sumerer Beitrag anzeigen
    Stimmt schon.

    ... Der Schiffsführer ist schlecht für Hindernisse verantwortlich zu machen, die in dem ihm - zwecks Navigation - überlassenen Kartenmaterial nicht verzeichnet sind; es sei denn, er weiß das aus eigener Erfahrung besser.
    Der Schiffsführer ist in jedem Fall verantwortlich. Er hat für geeignetes nautisches Material Sorge zu tragen. In einem nicht genau vermessenen Gebiet hat er mit entsprechender Vorsicht zu navigieren.
  7. #66

    Zitat von sebi Beitrag anzeigen
    ...
    Soweit das Szenario. Aber es bleiben Fragen:
    1. Wenn das Plot richtig ist, müßte bei etwa 300 m Abstand von der Küste für den max. Tiefgang von 8,2 m (Wikipedia) eigentlich genug Wasser sein, wenn das Schiff, wie es jetzt liegt, "abrutschen"könnte. Auf Google-Earth sind keine Klippen zu sehen, die durchs Wasser schimmern. Ist der elektronische Kurs der wahre Kurs gewesen? Kaum zu glauben.
    2. Bei der Kursänderung auf Nord sei das Schiff nur noch 2,9 km, Schrittgeschwindigkeit schnell gewesen. Wie paßt das, einen so riesigen Pott von Rennradtempo auf Schritt abzubremsen? Oder hat das Aufbrummen auf die Steine den Pott dermaßen gestoppt?
    Sebi dürfte mit seiner Hypothese richtig liegen. Leider sind im AIS-Plot im Internet nur unzureichend wenige Positionen dargestellt. Auf dem letzten Kursabschnitt, hin zu Giglio, bewegt sich die Concordia mit etwa 15ktn auf Kurs ca. 315. Dieser Abschnitt ist etwa 2,5sm lang. Bei mehr als 14ktn Fahrt erfolgt die AIS-Aktualisierung alle 6 Sekunden. Das entspricht bei 15ktn einer 1/4 Kabellänge. Somit müssten ca. 2,5x40=100 AIS-Einträge für diesen Kursabschnitt existieren.
  8. #67

    Kreuzfahrschiffe

    Sind diese Schiffe bei Havarien und Technikausfall überhaupt noch beherrschbar ? Die vielzitierte "Titanic" war mit 46.000 BRT 2,5 mal kleiner, hatte "nur" 8 statt 13 Passagierdecks, aber dafür über 2m mehr Tiefgang.
    Die schwersten Bauteile, nämlich Kessel- und Maschineanlagen waren an der tiefsten Stelle sorgten bis fast zum bitteren Ende für eine waagerechte Querneigung. Die "Titanic" ist immerhin nach 2 Stunden mit dem Bug voran gesunken.
    Wenn ich mir jetzt vorstelle, die Costa Concordia wäre statt der Titanic mit einem Eisberg zusammengestoßen ohne rettende Insel und ohne rettende Schiffe ? Mit sofortiger Schlagseite ?
    Was nützen Radar, Satnavigation und alle moderne Technik, wenn sie nicht beherrscht oder mißachtet wird, das Schiff topplastig ist und kentert sobald Wasser eindringt ?
  9. #68

    Ziemlich weit hergebracht

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Warum fuhr das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" so nahe an die Küste heran? Ein deutscher Experte ist der Meinung: Die Kapitäne auf solchen Luxuslinern sind einem enormen Druck ausgesetzt - die Passagiere haben große Erwartungen.

    Riskante Kreuzfahrt-Manöver: Passagiere erwarten Highlights - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft
    empfinde ich die Aussage, dass Kapitäne ernormen Druck ausgesetzt sind und die Passagiere große Erwartungen hätten. Damit kann man nicht erklären, weshalb das Schiff so nah an der Insel vorbeifuhr. Erstens war es zu dunkel um etwas zu sehen und zweitens befanden sich die Hälfte der Passagiere beim Abendessen in der 2. Sitzung oder die Gäste der 1. Sitzung im Theater oder an irgendeiner Bar.
  10. #69

    Passagiere erwarten Highlights

    - na, dann kamen sie ja diesmal voll auf ihre Kosten und können noch lange darüber erzählen. Das war es denn ja wohl wert. Zu meiner Zeit, es ist auch über ein halbes Jahrhundert her, da hieß es noch Safety First und der Kapitän gehörte auf die Brücke, musste nicht selten auch dort übernachten. Aber auf solchen Musikdampfern übernachtet er sicherlich während dem "Käpt`ns Dinner" mit Hinz, Kunz und Gemahlin Billigpauschaler im Salon. Aber früher gab es ja auch noch ausgebildete Seeleute, während heute diese aufgepeppten Sardinendosen mit dem Heimathafen Irgendwo eine bis oben auf die Brücke wild zusammengewürfelte Besatzung aus aller Herren Länder haben, bestmöglich schlecht besoldet, die dann auch für eine Seemannschaft oder gar wenn Schiff in Not kaum zu gebrauchen ist.


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