Zitat von
kallistos
Die meisten Religionen sind dadurch entstanden, dass ein erleuchteter spiritueller Meister (z.B. Buddha oder Jesus) seine Erfahrung an seine Schüler weitergeben wollte. Eine solche Erleuchtungserfahrung ist aber jenseits von Worten, sie kann nicht hinlänglich mit Worten beschrieben werden. Manche Meister (z.B. Buddha) haben versucht, möglichst treffende Worte zu benutzen (Nirvana, Leere etc.), andere wiederum drückten sich sehr bildhaft aus, wie z.B. Jesus, der sich z.B. als Gottes Sohn bezeichnete. Eine solche Aussage muss einem aufgeklärten Menschen natürlich als völlig inakzeptabel erscheinen, und doch besitzt sie Wahrheit, eben weil sie nur ein Bild ist. Und vor allem aus dieser bildhaften Sprache entstehen dann religiöse Traditionen, die die unaussprechliche innere Erfahrung ihrer Begründer nach außen projizieren und versuchen, das Beschriebene mit dem Verstand zu erfassen, und das notwendigerweise Missverstandene mit Überzeugung zu verbreiten. Es lässt sich aber nur im Innern erfahren (Jesus: "Das Reich Gottes ist inwendig in euch").
Allen echten spirituellen Wegen ist eines gemeinsam: Das Ego muss vollständig verschwinden. Das ist z.B. die Bedeutung des Gleichnisses mit der anderen Wange, die man hinhalten soll, wenn man auf die eine geschlagen wird. Das Ziel eines echten spirituellen Weges ist nicht seine eigene Erhaltung und Verbreitung, sondern ausschließlich das Auslöschen des Egos des spirituell Strebenden, mit dem Ziel, die begrenzte Existenz und somit das Leiden zu überwinden.