Forum


 

Rezession, Schulden, Inkompetenz: Italien steht am Abgrund

APEin Land verliert den Lebensmut: Wirtschaftsflaute und Sparkurs setzen den Italienern zu, das Land wird in diesem Jahr wohl noch tiefer in die Rezession rutschen. Die Politik ignoriert die drängendsten Probleme.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...829130,00.html
  1. #60

    Mhhh,

    Zitat von HaPeGe Beitrag anzeigen
    Wenn man sich die Exporthandelspartner aus 2011 ansieht, dann sind die fünf ersten Länder wie folgt:

    1. Frankreich gehört zum €-Raum
    2. USA gehört nicht zm €-Raum
    3. Niederlande gehörtzum €-Raum
    4. Vereinigtes Königreich gehört nicht zum €-Raum
    5. China gehört nicht zum €-Raum

    Der Export geht also überwiegend in den nicht Euro-Raum. Der Fehler war bei der Einführung des Euro, dass man ihn politisch unbedingt wollte und die Warnungen etlicher Ökonomen einfach politisch nicht "gebrauchen" konnte.
    da habe ich andere Infos:
    60% der Exporte gehen in die EU. Datenbasis hier:
    Deutschland exportiert im März mehr als je zuvor | tagesschau.de

    Ist glaubwürdig, oder?
    Ich kenne die Zahlen für 2011 nicht. Kann schon sein, dass der Export zurück gegangen ist - welch ein Wunder, oder?
  2. #61

    In der Tat ein dunkles 2012

    Ich bin überzeugt, dass das Land in eine ziemlich schlimme Rezession schlittern wird und gleichzeitig die Sanierungsbemühungen eher scheitern werden. Ganz einfach, selbst wenn vielleicht die Staatsverschuldung etwas sinken könnte, das BIP (im Nenner des Verhältnisses mit zZ 122%) jedoch auch sinken wird. Man geht von circa -1,5% aus.

    Und dann könnte es bitter werden für das Land, wenn man merkt, dass die Steuerbelastung und Opfer immer grösser werden, das Resultat jedoch dürftig.

    Italien hat leider viele Haushaltsprobleme schon seit den 70ern und 80ern vor sich hergeschoben, aber der Euro hat der kleinen/mittleren Industrie (bedacht auf Export) und dem Tourismus das Genick gebrochen. Die Familienbetriebe werden zunehmend zerbröselt von der Krise.
    Die grosse Industrie war eigentlich seit jeher nie der grosse Leistungsträger des Landes, wie zB in Deutschland.
  3. #62

    Zitat von HaPeGe Beitrag anzeigen
    Wenn man sich die Exporthandelspartner aus 2011 ansieht, dann sind die fünf ersten Länder wie folgt:

    1. Frankreich gehört zum €-Raum
    2. USA gehört nicht zm €-Raum
    3. Niederlande gehörtzum €-Raum
    4. Vereinigtes Königreich gehört nicht zum €-Raum
    5. China gehört nicht zum €-Raum

    Der Export geht also überwiegend in den nicht Euro-Raum. Der Fehler war bei der Einführung des Euro, dass man ihn politisch unbedingt wollte und die Warnungen etlicher Ökonomen einfach politisch nicht "gebrauchen" konnte.
    Es spielt aber nicht wirklich eine Rolle, welcher Anteil der deutschen Exporte in den Euroraum geht. Der Euro hält Deutschland auch gegenüber Staaten die den Euro nicht haben künstlich wettbewerbsfähig, ähnlich wie die Chinesen ihre Währung zwar nur an den Dollar koppeln, aber so auch die Aufwertung gegenüber allen anderen Währungen verhindern. Und auf die Qualität der Forderungen, die wir außerhalb des Euroraums anhäufen, hatte Ihr Vorredner schon richtig hingewiesen. Einen Vorgeschmack gab es da schon 2008.

    Was mich immer wieder sprachlos macht, ist allerdings wie nahtlos man in Deutschland von der vehementen Leugnung der Probleme durch die Exportweltmeisterei trotz ausländischer Kritik dazu übergegangen ist, diese als ausländische Intrige darzustellen. Das mutet wirklich ausnahmsweise mal fast Orwellsch an.
  4. #63

    Reformen und Italien...

    Zitat von celino Beitrag anzeigen
    In Italien, überhaupt in Südeuropa sieht es ziemlich aussichtslos aus. Auf der einen Seite führt weiteres Sparen nur weiter in den Abgrund von schrumpfender Wirtschaft, sinkenden Einnahmen, steigenden Schulden.

    Weitere Sparmaßnahmen sind nur noch kontraproduktiv.

    Aber hier einfach einen Merkel'sches Spardiktat als Schuldigen auszumachen und weitere, erneut schuldenfinanzierte Ausgabeprogramme zur Belebung der Wirtschaft zu fordern, führt letztlich auch in die Irre. Jedes Konjunkturprogramm trifft zwangsläufig auf die alten, schon mehrfach benannten und kritisierten Strukturen von Korruption, Überbürokratisierung, Qualifikationsmängeln. Es wäre - wie so oft - ein wirtschaftliches Strohfeuer.

    Gerade in Bezug auf Italien ist es bitter, weil das Land im Gegensatz zu seinen Mittelmeernachbarn volkswirtschaftlich reich ist, eine zumindest im Norden zwar reformbedürftige, aber grundsätzlich leistungsfähige, vielfältige Wirtschaft hat, die m.E. besser aufgestellt als die z.B. die Großbritanniens. Meines Wissens erwirtschaftet Italien sogar einen Primärüberschuss. Italien muss daher von seiner Zinsbelastung herunter...
    Sie haben viele wichtige Punkte angesprochen. Es ist wahr daß eine reine Sparpolitik zu einer Rolltreppe abwärts aus sinkender Kaufkraft, sinkenden Steuereinnahmen und höheren Schulden führt. Letztendlich spart die Volkswirtschaft den sinkenden Steuereinnahmen hinterher. Und reine Ausgabenprogamme lösen das Problem nicht. Sie führen bestenfalls zu Betonkathedralen in der Wüste. Was Italien hingegen braucht sind dringende Reformen. Alleine eine tiefgreifende Reform der Verwaltung und er Justiz könnten zu einer Erhöhung des BIP von 1-2%Prozent führen. Es ist für die heutige Zeit leider langsam und träge. Italien ist eigentlich ein schizophrenes Land in dem eine unfähige und teilweise leider korrupte Politkaste mit einer ineffizienten und teilweise leider ebenfalls korrupten Verwaltung einer funktionierenden Wirtschaft und einer im wesentlichen funktionierenden Gesellschaft vorsteht. Italien ist ein an sich reiches Land mit einem armen Staat.
    Eine technische Regierung wäre eigentlich die beste Gelegenheit Abhilfe zu schaffen. Regieren wieder die Parteien kommt es wieder zu tendenziellen Besetzung von Stellen mit Parteifreunden, was zu einer aufgeblähten, ineffizienten Verwaltung führt. Bis jetzt ist die Regierung leider nur durch Steuererhöhungen und neuen Steuern aufgefallen. Um die Treibstoffsteuern zu erhöhen und neue Steuern auf Immobilien einzuführen bedarf es wirklich keines Professortitels. Monti kann sich an den Reformen beweisen. Die sind aber ungleich schwieriger weil man dort Zuvielen auf die Füße tritt. Steuerhinterziehung und die mafie sind weitere Problemfelder.
    Ausgabenprogramme sollte es nur für R&D und für Bildung geben...
    Ein Lastenausgleich sollte derweil noch das letzte der Mittel sein. Das müßte man auf gesamteuropäischer Ebene einführen, zumal es ansonsten zur Kapitalflucht bzw. zu 'wilden Verkäufen' am Immobilienmarkt kommt. Und vor allem: Italien braucht eine moderne Elite. Zuviele sind heute nur am Erhalt ihrer Pfründe interessiert. 'Nachbars Garten' interessiert da nicht...

    Schian Gruaß...
  5. #64

    immerhin hat er Berlusconi überzeugend und überzeugt unterterstütz .
    Das Problem Italiens sind auch leute wie ihn , und davon gibt es leider viele ,, sie meinen gut für das Land zu tun , nur leider unterstutzen die falsche Leute , und das wollen sie bis zum Schluss nicht erkennen , um aus der Sache dann elegant mit einem Weisen Satz herauszukommen .
    Italien wurde durch viel zu lange berlusconieren ins Abgrund gebracht , 1994 war das Jahr wo die Zukunft des Landes für die nächsten 20 Jahren entschieden wurde , danach gings nur um mit Berlusconi oder gegen ihm , das Land hat sich festgefahren .
    Auch als Berlusconi im Jahr 1996 zurücktreten müsste und in die Opposition ging , hat sich die Lage kaum beruhigt , seine Presenz in den Medien war sehr einflussreich , das kann eine Demokratie nicht spurlos verkraften .
    Wäre das Land im Jahr 1994 nicht nach Rechts sondern hätte sich mit dem gleichen Mehrheit die Berlusconi gestützt hatte , einer Mittelinks Regierung anvertraut wäre das Land heute in einer ganz andere Situation , auf keinen Fall so tief wie heute ist , aber damals haben sich die italiener für Berlusconi entschieden , und nun muss man die Suppe auslöffeln .
  6. #65

    die Armut ist in Italien zumindest offensichtlicher als bei uns. Wo der Zug in Europa hingeht ist klar: Richtung Armut. Müsste allerdings nicht sein wenn die Umverteilung von unten nach oben nicht ganz so rassant wäre.
  7. #66

    Zugegeben,

    ich kann es nicht europawirtschaftlich beurteilen, aber bella Italia gehört zu uns, wie Spanien, Griechenland u.s.w.
    Jedes Land wieder seine eigene Währung, in einer globalisierten Welt, gegenüber immer stärkeren Konkurrenten ?
    Das macht Europa noch schwächer, als es ohnehin werden wird.
    Resourcenarm, technisch aufge - bzw. -überholt, da hilft nur Zusammenhalt.
    Ohne Euro kein Europa.Europa soll das grosse Ziel sein, wenn es auch manchmal kostet,
  8. #67

    Zitat von laudato Beitrag anzeigen
    immerhin hat er Berlusconi überzeugend und überzeugt unterterstütz .
    Das Problem Italiens sind auch leute wie ihn , und davon gibt es leider viele ,, sie meinen gut für das Land zu tun , nur leider unterstutzen die falsche Leute , und das wollen sie bis zum Schluss nicht erkennen , ......
    Vielleicht sind derartige politische Gründe und Berlusconi auch Faktoren, aber es gab bereits vor Berlusconi schlimmere Budgetprobleme (siehe Ciampi 1993) und selbst nach 1994 hatte Mitte-Links diverse Male Regierungsverantwortung.

    Die Probleme liegen viel in den Kreisen der Politik, Verwaltung und Justiz selbst (die Italiener nennen ihren Apparatschik "casta"... welches 60 Mio-Ew- Land wird von 1000 Parlamentariern verwaltet ? wo dauert ein Ziviilprozess 15-18 Jahre ?) und einer ReformUNwilligkeit a priori. Es wird nur so viel geändert, dass sich fundamental nichts ändert.
    Daher gibt es noch Residuale eines mittelalterlichen Ständestaates und diverse bizarre Privilegien, die seit jeher die produktiven und innovativen Schichten ausgebremst oder demotiviert haben.
    Die Wirtschafstpolitik war zu lange auf die nicht unbedingt konkurrenzfähige grosse Industrie ausgerichtet, die kleine Industrie wurde -mehr durch die Bürokratie als die Steuerpolitik- geschröpft.
    Schlussendlich manch' ein Problem liegt aber auch inhärent im südländischen Charakter bzw. Wesen (und ich hoffe, damit komme ich keinem Leser zu nahe). Da ich -arbeitsbedingt- Menschen aus der ganzen Welt kennenlerne, wage ich zu behaupten, 50 Deutsche oder Österreicher, schon gar nicht 50 Chinesen oder Skandinavier sind so "fordernd, impulsiv und laut" wie 50 Italiener ... gewiss nicht negativ gemeint.
  9. #68

    Schlecht recherchiert, tendenziös berichtet - einfach peinlich

    Nicht das ich behaupten möchte dass in Italien alles sutje ist - aber der Artikel ist natürlich eine Frechheit. Alleine dieser Satz: "Die Politik ignoriert die drängendsten Probleme." bringt mich derart auf die Palme - ich könnte in den Schreibtisch beissen. Wir haben hier den ersten it. Ministerpräsidenten seit langem der ernsthaft reformiert, der sich und den Italienern etwas zumutet (in beiderlei Sinne) - das sollte man einfach mal anerkennen. Und der Satz: "Von vielen scheinbar nichtökonomischen Strukturproblemen ist gar nicht die Rede" beweisst, dass der Verfasser sich nicht besonders eingehend mit M.Monti, seinen Reformen und seinen Gedankengängen befasst. Die Themenfelder Bildung, Bürokratie, effiziente Verwaltung, Kampf gegen Gier und Korruption sind soweit oben auf der Agenda wie bei keiner Vorgängerregierung - der Mann meint es ernst. Im Gegensatz zum Autor dieses Artikels, der sich kaum für weitere journalistische Tätigkeiten empfohlen hat.
  10. #69

    Bewußte Irreführung

    Ja, hab' ich auch mit Verwunderung gelesen. Monti, der Wundertäter. Alles Tinnef, oder präziser: systemstabilisierende Propaganda.

    Ferdinand Schörner, der alte Haudegen, hat die Russen in der "Wochenschau" auch mindestens fünfzig Mal entscheidend zurückgeschlagen - bis sie dann plötzlich in Berlin waren.

    So läuft das auch mit Herrn Monti.








TOP



TOP