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Rezept für Kürbislasagne: Köstlicher Plattenbau

Vorhang auf zum zweiten Akt unseres Kürbis-Lustspiels: Diesmal mit dem sonst oft weggeworfenen Fruchtfleisch des Halloween-Laternenkürbis, der uns herrlich leichtbekömmliche Nudelblätter für eine Lasagneartige "Falsche Prinzregententorte" liefert.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...794380,00.html
  1. #1

    Klingt prima

    Macht Lust aufs nachkochen, klingt prima.
  2. #2

    Kulinarische Geisterbahnfahrt

    Herr Wagner macht seine Drohung gnadenlos wahr, tatsächlich die nächste Kürbis-Attacke, und dieses Mal geht sie voll in die Magengrube. Im Grunde hatte ich mir fest vorgenommen, die Kochbuch-Funktion des SPIEGEL bis Weihnachten zu ignorieren... doch als ich den Titel „Köstlicher Plattenbau“ entdeckte, da konnte ich nicht anders.

    Was die moderne Küche so abenteuerlich macht, ist die Unmenge heute verfügbarer Zutaten, eine Reichhaltigkeit, die so manchen in wilde Exzesse treibt. Herr Wagner hatte die Stirn, für seinen kösterlichen Kürbis-Quader unter anderem diese Zutaten auszulosen: Pastinaken, Fenchel, Ziegenkäse, Cashewkerne, Oregano, Thai-Spargel, Babymais – und alles das mit Kürbnis, eine kulinarische Geisterbahnfahrt, richtig gruselig. Zu diesem Gericht passt als Getränk eigentlich nur Absinth.

    Zitat: „...dem krönenden tournierten Champignon (der bei Otto Koch wie ein Sahnehäubchen aussieht)...“
    Aha, Otto Koch, der berühmt-berüchtigte Champignon-Tournierer, hat mal wieder zugeschlagen – das Zitat dient mir zugegebenermaßen nur als Behelf, um zeitgenössischen Kürbis-Kreationisten und anderen Koch-Kanonen einen Tipp zu geben: Vergessen Sie die Zuchtchampignons, ob weiß, ob blond, ob braun, sie schmecken nach Nichts im Vergleich zu einem echten Wiesenchampignon, den ich im Übrigen dem Steinpilz glatt vorziehe, weil dieser oft geschmacklich überbewertet wird, vorzugsweise von sogenannten Profis. Der Natur-Champignon wirkt neben dem Zucht-Champignon wie ein Diamant neben Strass – er ist in seinem einzigartigen Aroma ein wirklicher Edelpilz, wahrscheinlich haben ihn die meisten Leser noch nie in ihrem Leben probiert. Man kann Champignons sogar jetzt noch finden, Mühe vorausgesetzt. Suchen Sie nach mehrjährigen abgelegenen Pferdeweiden, die möglichst an Wald grenzen. Achtung, junge Champignons kann man leicht mit dem weißen Knollenplätterpilz verwechseln, der dort auch zu finden ist – als Unerfahrener alle, aber besonders die kleinen Pilze unbedingt längs durchschneiden: Wenn sie innen rosa sind, in den Korb, aber wenn innen nur Weiß zu sehen ist, dann besteht akute Lebensgefahr, sofort wegschmeißen.
  3. #3

    Zitat von Ylex Beitrag anzeigen
    Herr Wagner macht seine Drohung gnadenlos wahr, tatsächlich die nächste Kürbis-Attacke, und dieses Mal geht sie voll in die Magengrube. Im Grunde hatte ich mir fest vorgenommen, die Kochbuch-Funktion des SPIEGEL bis Weihnachten zu ignorieren... doch als ich den Titel „Köstlicher Plattenbau“ entdeckte, da konnte ich nicht anders.

    Was die moderne Küche so abenteuerlich macht, ist die Unmenge heute verfügbarer Zutaten, eine Reichhaltigkeit, die so manchen in wilde Exzesse treibt. Herr Wagner hatte die Stirn, für seinen kösterlichen Kürbis-Quader unter anderem diese Zutaten auszulosen: Pastinaken, Fenchel, Ziegenkäse, Cashewkerne, Oregano, Thai-Spargel, Babymais – und alles das mit Kürbnis, eine kulinarische Geisterbahnfahrt, richtig gruselig. Zu diesem Gericht passt als Getränk eigentlich nur Absinth.

    Zitat: „...dem krönenden tournierten Champignon (der bei Otto Koch wie ein Sahnehäubchen aussieht)...“
    Aha, Otto Koch, der berühmt-berüchtigte Champignon-Tournierer, hat mal wieder zugeschlagen – das Zitat dient mir zugegebenermaßen nur als Behelf, um zeitgenössischen Kürbis-Kreationisten und anderen Koch-Kanonen einen Tipp zu geben: Vergessen Sie die Zuchtchampignons, ob weiß, ob blond, ob braun, sie schmecken nach Nichts im Vergleich zu einem echten Wiesenchampignon, den ich im Übrigen dem Steinpilz glatt vorziehe, weil dieser oft geschmacklich überbewertet wird, vorzugsweise von sogenannten Profis. Der Natur-Champignon wirkt neben dem Zucht-Champignon wie ein Diamant neben Strass – er ist in seinem einzigartigen Aroma ein wirklicher Edelpilz, wahrscheinlich haben ihn die meisten Leser noch nie in ihrem Leben probiert. Man kann Champignons sogar jetzt noch finden, Mühe vorausgesetzt. Suchen Sie nach mehrjährigen abgelegenen Pferdeweiden, die möglichst an Wald grenzen. Achtung, junge Champignons kann man leicht mit dem weißen Knollenplätterpilz verwechseln, der dort auch zu finden ist – als Unerfahrener alle, aber besonders die kleinen Pilze unbedingt längs durchschneiden: Wenn sie innen rosa sind, in den Korb, aber wenn innen nur Weiß zu sehen ist, dann besteht akute Lebensgefahr, sofort wegschmeißen.
    und Sie essen weiterhin Ihren mittelalterlichen Grützebrei.

    Warum müssen hier Leute immer den von mir geschätzten Herrn Wagner anpöbeln? Sonntagsfrust? Kann hier irgendwer sonst überhaupt kochen? Id*ot, mannohmann
  4. #4

    schönes Rezept, etwas viele Zutaten

    Ja, die "Unmenge heute verfügbarer Zutaten" bringt viele dazu, ihre Rezepte gern etwas komplizierter zu gestalten.
    Trotzdem finde ich das Rezept schön und werde mich an einer vereinfachten Version versuchen.
    Schließlich wurde diesmal a) auf Zusatzstoffe aka "Texturas" und Sosa-Firlefanz verzichtet und b) ist auch das Foto kein Appetitverderber.
    Herrn Wagners Bilder werden ja hier oft heiß diskutiert. Aber: So sieht Essen aus, wenn der Stylist nicht mit einem Koffer Wundermittelchen neben dem Fotografen steht und die stundenlange Photoshop-Session entfällt. Versuchen sie es ruhig mal zu Hause, sie werden staunen, wir ihr Mittagsmahl auf einem Foto wirkt.
  5. #5

    Koch-Seuche

    Sie hätten sich das Sternchen ersparen können, ich bin nicht so empfindlich. Es freut mich, dass Sie Herrn Wagner wertschätzen – Sie werden es nicht glauben, aber bei mir verhält es sich so ähnlich, auch wenn er mir persönlich unbekannt ist, denn Kochkünste kann man nicht auf den Charakter hochrechnen. Viele Menschen erliegen der medialen Koch-Seuche, wo alles Mögliche zusammengeworfen wird und zu neuen Gerichten kreiert wird, die wenig überzeugend sind. Nun kann in einer freien Gesellschaft jeder machen, was er will, dazu gehört allerdings auch, dass man die Tendenz zu zwanghaft exotischen Menüs kritisch beurteilt. Koch ist ein anspruchsvoller Lehrberuf, nicht von ungefähr. Ich kann einige bewährte Rezepte sicher kochen, viele nicht – es ist mir wichtiger, 10 Soßenzubereitungen zu beherrschen als 20 Tütensoßen im Schrank zu haben.
  6. #6

    Sonntagsfrust

    Zitat von Layer_8 Beitrag anzeigen
    und Sie essen weiterhin Ihren mittelalterlichen Grützebrei.

    Warum müssen hier Leute immer den von mir geschätzten Herrn Wagner anpöbeln? Sonntagsfrust? Kann hier irgendwer sonst überhaupt kochen? Id*ot, mannohmann
    Weniger Sonntagsfrust, als vielmehr unappetitliche, unnötig komplizierte oder per Chemiecocktail verschandelte "Gerichte", die ihr geschätzter Herr Wagner hier immer zu präsentieren pflegt.

    Kochkunst besteht eben nicht darin möglichst viele, teure oder seltene Zutaten zu einem Aroma-Armageddon durch möglichst aufwändige Kochmethoden ohne Sinn und Zweck zu legieren, um sie danach in Kindergartenmanier auf dem Teller zu verschmieren und mit einem Streifchen Soße zu garnieren.

    Kochkunst sollte darin bestehen, mit einfachen aber effektiven Methoden aus guten (vielleicht sogar mal: regionalen) natürlichen Zutaten etwas geschmacklich, wie optisch ansprechendes zu zaubern, wobei natürlich auch im Prinzip auch gerne mal über den Tellerrand geschaut werden darf, solange man nicht über die Tischkante fällt.

    Das Wagnersche Rezept dieser Woche - das muss natürlich einmal lobend erwähnt werden - sticht da eher positiv hervor, auch wenn die Garnitur aus Mais und Schoten albern aussehend in keinem Bezug zur Lasagne steht und die Soße schon wieder mit der Lupe gesucht werden muss (Wenn sie nicht zum Essen ist, dann kann man sie nämlich gleich ganz weglassen)

    Sonntägliche - frustfreie - Grüße

    Saïph

    (auch "Hobbykoch")
  7. #7

    Zitat von Saïph Beitrag anzeigen
    Weniger Sonntagsfrust, als vielmehr unappetitliche, unnötig komplizierte oder per Chemiecocktail verschandelte "Gerichte", die ihr geschätzter Herr Wagner hier immer zu präsentieren pflegt.

    Kochkunst besteht eben nicht darin möglichst viele, teure oder seltene Zutaten zu einem Aroma-Armageddon durch möglichst aufwändige Kochmethoden ohne Sinn und Zweck zu legieren, um sie danach in Kindergartenmanier auf dem Teller zu verschmieren und mit einem Streifchen Soße zu garnieren.

    Kochkunst sollte darin bestehen, mit einfachen aber effektiven Methoden aus guten (vielleicht sogar mal: regionalen) natürlichen Zutaten etwas geschmacklich, wie optisch ansprechendes zu zaubern, wobei natürlich auch im Prinzip auch gerne mal über den Tellerrand geschaut werden darf, solange man nicht über die Tischkante fällt.

    Das Wagnersche Rezept dieser Woche - das muss natürlich einmal lobend erwähnt werden - sticht da eher positiv hervor, auch wenn die Garnitur aus Mais und Schoten albern aussehend in keinem Bezug zur Lasagne steht und die Soße schon wieder mit der Lupe gesucht werden muss (Wenn sie nicht zum Essen ist, dann kann man sie nämlich gleich ganz weglassen)

    Sonntägliche - frustfreie - Grüße

    Saïph

    (auch "Hobbykoch")
    Als Exilbadener, jetzt in Berlin lebend, hab ich mir wieder angewöhnt Omis Küche zu replizieren. Eigenhändig. Die preußische Küche hier ist mir wirklich suspekt, man denke an das berüchtigte Eisbein. Dadurch ist mir seit 12 Jahren das kochen auch zum Hobby geworden. Und der Herr Wagner inspiriert mich dann immer wieder zu neuen Ideen, wenngleich ich so manche Zutat auch nicht nachvollziehen kann, aber lustige Ideen hat er immer
  8. #8

    Diddl in Heidelberg verloren

    Zitat von Marmitako Beitrag anzeigen
    Herrn Wagners Bilder werden ja hier oft heiß diskutiert. Aber: So sieht Essen aus, wenn der Stylist nicht mit einem Koffer Wundermittelchen neben dem Fotografen steht und die stundenlange Photoshop-Session entfällt. Versuchen sie es ruhig mal zu Hause, sie werden staunen, wir ihr Mittagsmahl auf einem Foto wirkt.
    Ja, und ich finde, sie werden _zu Recht_ ebenso heiß diskutiert, wie das _hoffnungslos überkandidelte_ Rezept- Geschreibsel dieses Herrn.

    "Siebeck auf Crack" ist noch das "Schmeichelhafteste", was mir zu Wagner einfällt.

    Aber Gut, um nach dem sonntäglichen Mittagessen den Blutdruck wieder zu heben, ist seine Kolummne allemal tauglich. :)

    Und für das heutige Einleitungsfoto hätt' ich sogar 'n Titel zu vergeben: "Knäckebrot mit Gemüseballett".
    Demnächst im Guggenheim Ihrer Wahl ausgestellt.








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