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Revolutionäres Arbeitsmodell: IBM schafft den Miet-Jobber

Der massive Stellenabbau beim IT-Konzern IBM ist offenbar Teil eines radikal neuen Job-Konzepts. Nach Informationen des SPIEGEL soll das Unternehmen künftig nur noch eine kleine Kernbelegschaft haben - die meisten Aufgaben würden dann externe Kräfte erledigen, die von Fall zu Fall eingekauft werden.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...813388,00.html
  1. #70

    So revolutionär nicht,...

    Zitat von goox Beitrag anzeigen
    So revolutionär ist das aber nicht. Immerhin gibts das in Deutschland schon lange, den Miet-Politiker ;)
    Im Ernst, es wird es irgenwann ein Problem geben, wenn die Miet-Jobber so wenig verdienen ( Mieten = Lohnspar-Konzept ), dass ein normales Auskommen in einem TEuro-Land nichtmehr möglich ist.
    Ohne soziale Verplichtung/Gesetzen des Arbeitgebers gegenüber der Gesellschaft, geht das langsam aber sicher wieder in Richtung Ausbeutung. Hier werden wohl schon langsam weltweite soziale Brandherde langsam angeheizt.
    ... aber vielleicht löst es eine Revolution aus. Hoffentlich. Inzwischen können outgesourcte IBM-Mitarbeiter den Wanderarbeitern in China die Hand reichen. IBM wird am Ende sowieso alles nach China verlagern.
    Die dortigen Wander-IT-Experten können sich dann um Werkverträge via Internet bewerben.
  2. #71

    Zitat von zaphod1965 Beitrag anzeigen
    Das ist das gute alte Tagelöhner-Modell.

    Mit Arbeitnehmern kann man in Deutschland mittlerweile ungestraft alles machen. Schönen Dank, Herr Schröder, für die tollen Arbeitsmarktreformen!
    Die Ursache alleine auf die letzte SPD-Bundesregierung zu reduzieren ist zu kurz gedacht. IBM will das ja - wie es auch im Artikel steht - nicht nur in Deutschland so machen, sondern weltweit. Ich glaube, soweit reichte der Einfluss der Schröder-Regierung dann doch nicht.
  3. #72

    Ruhig Blut

    Zitat von UluKay Beitrag anzeigen
    Bald ist es dann so weit. Die Konzerne regieren die Welt, und es gibt nur noch moderne Sklaven. Ein Heer von Arbeitern ohne festen Wohnsitz.
    Da nur noch als Freelancer beschäftigt, keine Chance auf Arbeitslosengeld. Aber jeder ist ja seines Glückes Schmied. Immer die Sorge, habe ich nächsten Monat noch einen Job?
    Schöne neue Welt.
    Ich hab das 15 Jahre lang gemacht und nehme auch derzeit noch gerne ab und zu einen Auftrag an. Wenn Sie auf einem IT-Spezialgebiet richtig gut sind, dann brauchen Sie sich um Folgeaufträge nicht zu sorgen und die Einkommensaussichten sind prima.

    Mit dem "ohne festen Wohnsitz" haben Sie aber recht, Familie ist da nicht mehr drin.
  4. #73

    Solange die Menschen in der Mehrheit noch einen gewissen Lebensstandard haben, ist alles "gut" und man kann sie ausbeuten. Sollte dieser Standard aber unterschritten werden, dann werden sich Extremisten ihren Weg bahnen und dankbar angenommen. Da reichen dann ein paar marikge Sprüche und eine rosige Zukunftsaussicht. Man muss sie nur machen lassen. Alles schon mal da gewesen.

    In einer Welt, die sich durch Wachstum definiert, das aber - das kann nun nicht neu sein - nicht unendlich stattfinden kann, muss eben irgendwann neuer Boden für neues Wachstum geschaffen werden. Mit anderen Worten: Kriege.

    Ich will damit nicht andeuten, dass die Unternehmen quasi in Geheimzirkeln zusammenhocken und diese Kriege schon planen. Da man aber davon ausgehen kann, dass die Führungsriegen nicht gänzlich verblödet sind, muss man annehmen, dass dieses Szenario zumindest billigend in Kauf genommen wird.

    Die Unternehmensspitzen in ihren mit Samt und Edelholz ausgestatteten dekadenten Bürosälen sind das Geschwür dieser Welt. Der moralische Bodensatz.

    Irgendwann werden die Menschen aufwachen und sie aus ihren Elfenbeitürmen herausholen. Spätestens dann, wenn es eben diesen Menschen egal ist, was aus ihnen wird.
  5. #74

    Neuer IBM Trend

    Da ist IBM mal wieder Schöpfer eines Trends, der auf den ersten Blick durchaus Charme hat, aber im Alltag lediglich für Frustration sorgen wird.

    Den Trend, auf den ich anspiele, ist der des dynamischen Arbeitsplatzes. Hört sich erst einmal gut an, ist in der Praxis zutiefst frustrierend, weil man entweder ganz zeitig in der Firma sein muss, um (s)einen Arbeitsplatz zu ergattern oder ständig den Arbeitsplatz wechselt. Wenn noch Plätze frei sind. Da der Mensch nun mal ein Herdentier ist, halte ich die Integration in seiner Gruppe wichtig.

    Nun das. Zum einen verlagert man das Unternehmensrisiko auf den Arbeitnehmer. Zum anderen ist nun mal nicht jeder Arbeitnehmer als Freiberufler geeignet. Genauso wenig, wie jeder Vertriebler werden kann.

    Es ist wie mit der Leiharbeit. An sich nicht schlecht, um Spitzen abzufangen. Als Massenmodell allerdings die denkbar schlechteste Wahl. Man braucht ja nur mal schauen, wohin das bei vielen Firmen führt: man sieht seinen eigenen Arbeitgeber und seine Kollegen höchst selten, was zu einer Söldnermentalität führt, da keine ausprägte Bindung existiert und nächste "Krauter" mit mehr Geld lockt. Die Firmen, die massiv auf Leiharbeit setzen, verlieren Kernkompetenzen, da deren Mitarbeiter die externen Kräfte nur noch verwalten. Und zum dritten kann man die externen Mitarbeiter zwar schnell loswerden. Jedoch ist die Kehrseite der Medaillie, dass diese dann vielleicht von der Konkurrenz "eingekauft" wurden und einem nun selbst die Spezialisten fehlen. So bleibt in letzter Konsequenz dann in Krisenzeiten nichts anderes übrig, als die Externen durchzufüttern, will man auf deren Pool beim Aufschwung wieder zugreifen. Da kann man auch gleich selbst einstellen.

    Zum Schluss bleibt dann noch der Stundensatz, der ja gern unendlich nach unten gedrückt wird. Das fördert auch nicht zwingend die Loyalität und zerstört zudem das Vertrauensverhältnis zwischen Auftraggeber und -nehmer. Zumal Stundensätze gern an die gerade so rentable Grenze gedrückt werden, so dass häufig kein Geld für Fortbildungen übrig bleibt. Ob das langfristig wirklich im Sinne des Auftraggebers ist?
  6. #75

    Zitat von #42# Beitrag anzeigen
    Das ist nichts Neues. Einfach ein Rückfall in die Zeiten vor jeglichem Arbeitnehmerschutz. Keine Beteiligung an Sozialversicherungen, keine Kündigungsfrist, usw.
    Kurz gesagt Tagelöhner. Sklaven, für deren Unterhalt noch nicht mal gesorgt werden muss.
    Die entsprechenden IT-Freiberufler sind i.d.R. alles andere als Sklavenarbeiter, sondern verdienen sehr gut. Tagessätze so ab 800 € sind da eher die Regel.
  7. #76

    Revolutionäres Arbeitsmodell: IBM schafft den Miet-Jobber

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der massive Stellenabbau beim IT-Konzern IBM ist offenbar Teil eines radikal neuen Job-Konzepts. Nach Informationen des SPIEGEL soll das Unternehmen künftig nur noch eine kleine Kernbelegschaft haben - die meisten Aufgaben würden dann externe Kräfte erledigen, die von Fall zu Fall eingekauft werden.

    Revolutionäres Arbeitsmodell: IBM schafft den Miet-Jobber - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
    Ich habe mal eine wissenschaftliche Frage (Fachgebiet Soziologie, Arbeitswissenschaft)

    Wie passen ddas Arbeitsmodell "Tagelöhner" und Technologieunternehmen zusammen!?
  8. #77

    ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der massive Stellenabbau beim IT-Konzern IBM ist offenbar Teil eines radikal neuen Job-Konzepts. Nach Informationen des SPIEGEL soll das Unternehmen künftig nur noch eine kleine Kernbelegschaft haben - die meisten Aufgaben würden dann externe Kräfte erledigen, die von Fall zu Fall eingekauft werden.

    Revolutionäres Arbeitsmodell: IBM schafft den Miet-Jobber - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
    Naja, neu ist das nicht. In der Medien- und Kulturbranche wird das seit gut 10 Jahren mehr und mehr so gemacht. Sie wollen Grafiker, Kameramann oder Bühnenbildner sein? Gerne, aber nur als Freelancer für die Dauer eines Projektes oder mit 100-Tage-Vertrag. Das ZDF muß sparen und hat natürlich als erstes genau jene Mietsklaven rausgehauen (sorry, ihre Freelancer von den Verträgen entbunden). Verträge, selbst nur zeitlich begrenzte, geschweige denn Festverträge, gibt es so gut wie garnicht mehr. Nur scheint das niemanden zu interessieren, denn die Medienbranche ist ja so "erfolgreich" und "hip" und was weiß ich. Man hört ja auch meist nur von dem 1% der Leute, die ganz oben stehen. Von dem Heer der kleinen Macher und Umsetzer, die sich von Vertrag zu Vertrag hangeln, hört man nichts. Wie bei Modelabeln... Hauptsache der große Name steht dran, ob es dann in Bangladesh von Kindern genäht wird, ist egal.
    Selbstausbeutung und völliges Abgeben jeglicher Verantwortung bei gleichzeitiger Preisdrückerei ist für Freischaffende längst Realität.
  9. #78

    IBM hat sich ja..

    Zitat von Gerdd Beitrag anzeigen
    Zur Zeit existieren noch massenhaft Unterlagen, worin IBM die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter als wichtigstes Kapital bezeichnet und Mitarbeiter-Förderung sowie -Motivierung groß geschrieben werden.

    Das wäre bei dieser neuen Politik wohl totale Makulatur. Man wird also beobachten müssen, inwieweit sich das auf die Qualität von IBM's Arbeit und auf die Kundenzufriedenheit auswirkt. Schon heute läßt man ja gerne gewisse Arbeiten durch Partnerfirmen erledigen. Von Zeit zu Zeit ergibt es sich dann schon einmal, daß die Kunden diese Partnerfirmen an IBM vorbei engagieren. IBM wird also das Problem haben, den Kunden gegenüber den Mehrwert eines Projektes zu erklären, das gegen einen saftigen Aufpreis unter IBM-Briefpapier von freien Mitarbeitern und/oder Fremdfirmen abgewickelt wird.

    Möglicherweise werden aber solche Projekte weniger teuer als heute, weil ja die Personalkosten deutlich geringer ausfallen würden, wenn es denn so käme, wie geplant.

    Der kritische Punkt wird aber sein, ob es gelingt, die hinreichend qualifizierten Mitarbeiter für die wichtigen Projekte zu bekommen. Es ist offensichtlich vorgesehen, daß sich die externen Arbeitskräfte auf eigene Rechnung qualifizieren - hier rechnet IBM offensichtlich mit einem Anstieg der Gewinne aus ihren Training-Programmen.

    In einer Übergangszeit werden qualifizierte Ex-IBMer sicherlich den Markt neu definieren. Danach werden Spezialisten für IBM-Systeme womöglich knapper werden, was Kunden zur Konkurrenz treiben könnte.

    Warten wir's ab. Auch bei IBM ist noch lange nicht jede fatale Entwicklung bis zu ihrem logischen Ende durchgezogen worden.

    In dem Jahr ihres 100-jährigen Gründungsjubiläums fühlt das IBM-Management sich sicher unsterblich. Man sollte aber nicht vergessen, daß auch lange im Markt etablierte Firmen Probleme bekommen können, wenn sie die falsche Richtung einschlagen - Kodak hat uns das gerade gezeigt - und die gab es noch ein paar Jahrzehnte länger ...
    .. schon das erste Mal richtig verpeilt, als sie keine Software für ihre PC's hatten und dem Bill Gates das lummelige DOS abkaufen mußten.
    Damit war Microsoft geboren. Alles andere ist bekannt.
  10. #79

    Tschüss IBM !!
    Nach amerikanischen Maßstäben mag das vielleicht vertretbar sein und auch bei den dortigen Kunden ankommen.
    Aber in europäischen Ländern wird das nicht funktionieren. Jegliche Kundenbindungen und vor allen Dingen das KnowHow gehen hierbei verloren und werden Kunden davor abschrecken.

    Hoffentlich rennen die anderen jetzt nicht wieder hinterher und kopieren das System, welches vielleicht kurzfristig zu mehr Gewinn führt. Mittelfristig wird das "Big Blue" das Genick brechen.

    Das ist Kapitalismus im Endstadium, wo der Mitarbeiter nur noch eine Nummer ist, der für x Monate sein Gehalt bekommt. Aber die Unternehmen müssen ja alle immer noch mehr Gewinn machen, so funktioniert das System halt. Ich empfehle hierzu einen Besuch bei Volker Pispers.








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