Zitat von
Gerdd
Zur Zeit existieren noch massenhaft Unterlagen, worin IBM die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter als wichtigstes Kapital bezeichnet und Mitarbeiter-Förderung sowie -Motivierung groß geschrieben werden.
Das wäre bei dieser neuen Politik wohl totale Makulatur. Man wird also beobachten müssen, inwieweit sich das auf die Qualität von IBM's Arbeit und auf die Kundenzufriedenheit auswirkt. Schon heute läßt man ja gerne gewisse Arbeiten durch Partnerfirmen erledigen. Von Zeit zu Zeit ergibt es sich dann schon einmal, daß die Kunden diese Partnerfirmen an IBM vorbei engagieren. IBM wird also das Problem haben, den Kunden gegenüber den Mehrwert eines Projektes zu erklären, das gegen einen saftigen Aufpreis unter IBM-Briefpapier von freien Mitarbeitern und/oder Fremdfirmen abgewickelt wird.
Möglicherweise werden aber solche Projekte weniger teuer als heute, weil ja die Personalkosten deutlich geringer ausfallen würden, wenn es denn so käme, wie geplant.
Der kritische Punkt wird aber sein, ob es gelingt, die hinreichend qualifizierten Mitarbeiter für die wichtigen Projekte zu bekommen. Es ist offensichtlich vorgesehen, daß sich die externen Arbeitskräfte auf eigene Rechnung qualifizieren - hier rechnet IBM offensichtlich mit einem Anstieg der Gewinne aus ihren Training-Programmen.
In einer Übergangszeit werden qualifizierte Ex-IBMer sicherlich den Markt neu definieren. Danach werden Spezialisten für IBM-Systeme womöglich knapper werden, was Kunden zur Konkurrenz treiben könnte.
Warten wir's ab. Auch bei IBM ist noch lange nicht jede fatale Entwicklung bis zu ihrem logischen Ende durchgezogen worden.
In dem Jahr ihres 100-jährigen Gründungsjubiläums fühlt das IBM-Management sich sicher unsterblich. Man sollte aber nicht vergessen, daß auch lange im Markt etablierte Firmen Probleme bekommen können, wenn sie die falsche Richtung einschlagen - Kodak hat uns das gerade gezeigt - und die gab es noch ein paar Jahrzehnte länger ...