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Rettungsmilliarden: Gesellschaft mit unbeschränkter Haftung
Noch ziert sich die Kanzlerin, aber klar ist: Die nächste Aufstockung des europäischen Rettungsfonds wird kommen. Doch die Risiken sind gigantisch: Würden die vielen Bürgschaften tatsächlich fällig, wäre es mit dem sozialen Frieden in Deutschland vorbei.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,818301,00.html
- #190 05.03.2012 10:56 von
Naja..
(1) Naja, dem kann ich nur teilweise zustimmen.
(a) Es ist schon die Frage, ob die "private Geldschöpfung" durch Kreditvergabe überhaupt wirklich Geldschöpfung ist (s.o.). Immerhin ist der Anspruch gegen die Bank kein gesetzliches Zahlungsmittel und nicht einmal "Zentralbankgeld". Er wird eben nur bei der Geldmengendefinition (ab M1) berücksichtigt.
(b) Die Wirtschaft ist in letzter Zeit - global - beständig gewachsen, aber nicht exponentiell.
(2) Grundsätzlich stimmt das. Aber m.E. hat das Beispiel einen entscheidenden Fehler: Die Geldschöpfung beschränkt sich auf die 100. Die 5 ZIns entstehen nicht durch die Giralgeldschöpfung, sondern sind eine Forderung des Kreditnehmers gegen die Bank. Die Einbuchung der 5 als Zinsforderung stellt aber keine Giralgeldschöpfung dar.
Vereinfacht: 5 Zins ist der Ertrag der Bank, die 100 sind in der Bankbilanz neutral, nur in diesem Umfang findet aber die "Giralgeldschöpfung" statt.
Das "geschöpfte" Giralgeld in dem obigen Vorgang ist 100, es sind keine 105.
(3) Nein. Die Unterscheidung zwischen "Realwirtschaft" und "Finanzwirtschaft" ist Unsinn. Angenommen, die Bank zahlt die 5 an Angestellte und diese geben das GEld nicht aus, was passiert dann mit den 5?
(a) Es bleibt auf einem KOnto/Sparbuch. Dann sind es Einlagen bei einer Bank. Die Bank kann daher neue Kredite vergeben, die unmittelbar auf die "Realwirtschaft" wirken.
(b) Der Angestellte kauft Aktien: Das Geld kommt als Eigenkapital Unternehmen zugute und wirkt auf die "REalwirtschaft".
(c) Der Angestellte kauft Rentenpapiere: Er gibt Kredite an Unternehmen, die mit diesem Geld wirtschaften.
etc....
Wenn der Angestellte das Geld nicht gerade bar unter dem Kopfkissen hat (wie viele Bankangestellte haben das wohl?), kommt es in irgendeiner Form der "Realwirtschaft" zugute.
(4) Nein. Die Schlüsse in diesem Abschnitt beruhen auf falschen Prämissen (s.o.). - #191 05.03.2012 11:12 von
- #192 05.03.2012 13:00 von
Ok
Zumindest gemäss der Deutschen Bundesbank ist dies schon eine Geldschöpfung Seite 67-69
http://www.bundesbank.de/download/bi...ld2_gesamt.pdf
Genau da liegt das Problem: Die Geldmenge aber schon. Auf die schnelle habe ich nur ein Beispiel aus Japan gefunden, aber das Prinzip ist im Euro-Raum das Gleiche.
Auswirkungen der Japan-Krise auf Gold & Silber – degere
100% Einverstanden, so habe ich es auch gemeint.
Ich denke dies ist genau der Punkt den sie noch nicht ganz sehen.
Wenn es so wäre, dass alles Geld in irgendeiner Form der Realwirtschaft zugute käme, gäbe es kein Problem. Das Problem ist aber da.
Ich denke sie sind grundsätzlich damit einverstanden, dass Geld durch Kredite geschöpft wird. Das heisst abgekürzt: Die Geldmenge entspricht der Schuldenmenge:
Am Beispiel USA: U.S. National Debt Clock : Real Time
hat die USA ein BIP von 15 Bill und Schulden von 56 Bill.
Wenn alles Geld der Realwirtschaft irgendwie zugute käme, wäre das BIP gleichgross. Die Differenz von Schulden und BIP (40 Bill) ist grob gesagt, die Finanzwirtschaft.
Nebenbei muss die Realwirtschaft die Zinszahlungen für die 56 Bill. erarbeiten, also bei einem Durschnittszins von angenommenen 5% sind das knapp 3 Bill. oder ca. 20% des BIP geht an Zinszahlungen drauf.
Die Wirtschaft kann gar nicht mehr so stark wachsen um dies auszugleichen. Der Effekt ist: Die Reichen werden reicher, der Rest ärmer. Absolut zwingend und immer schneller. Die Realität zeigt es: USA, Griechenland, Spanien usw. sind nur die extremsten Beispiele. - #193 05.03.2012 13:11 von
Kurze Ergänzung
Beim Teil:
Genau da liegt das Problem: Die Geldmenge aber schon. Auf die schnelle habe ich nur ein Beispiel aus Japan gefunden, aber das Prinzip ist im Euro-Raum das Gleiche.
Auswirkungen der Japan-Krise auf Gold & Silber – degere
ist es die 2 Grafig. Der Rest hat nichts mit dem Thema zu tun. - #194 05.03.2012 17:09 von
Der Krieg der Banken
Zu (1): Richtig, das ist ein legitimer Betrug am Steuerzahler und allen künftigen Generationen. Die Banken und die Finanzoligarchie haben ganz legal Unsummer mit den Staatsanleihen verdient, die jetzt von den Fleißigen zurückgezahlt werden müssen. Ich zitiere den Wirtschaftsprofessor Michael Hudson, aus der FAZ, nicht bekannt als linkes Propagandablatt:
Banken wollen nicht die Verantwortung für faule Kredite übernehmen. Das führt zu der Frage, was Politiker tun sollen, wenn Banken auf so unverantwortliche Weise Kredite zur Verfügung gestellt haben. Aber jemand muss Verluste akzeptieren – die Gesellschaft oder die Banken? [url=http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/die-herrschaft-der-finanzoligarchie-der-krieg-der-banken-gegen-das-volk-11549829.html]
(2) In den USA ist aber extrem dramatisch, da die entstandenen Jobs im Dienstleistungssektor nicht adäquat den durch Abbau der Industrielandschaft verlorenen sind. Grundsätzlich ist es doch für die Mittelschicht schlecht, wenn weniger hochqualifizierte Arbeitsplätze vorhanden sind.
(2b) Da habe ich als Nachweis nur die (private) Aussage einer Professorin aus Cambridge: „Die Studenten wollen alle in den Finanzsektor.“
Außerdem schreibt der Professor der Wirtschaftswissenschaftler Michael Hudson: Die Vorstellungen des Finanzsektors laufen auf eine Deindustrialisierung hinaus. „Schuldenrückzahlung“ bedeutet praktisch Schuldendeflation und eine allgemein schrumpfende Wirtschaft.
Die Herrschaft der Finanzoligarchie: Der Krieg der Banken gegen das Volk - Feuilleton - FAZ (Stand: 03.12.11)
2 (d) Die chinesische „Fed“ in der Hand von ein paar Privatleuten? Bitte klären Sie mich auf!
2(e): Selbstverständlich hat sich die Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft abgekoppelt. Die imaginären Summen, die in den Bankcomputern um den Globus schwirren, haben mit irgendwelchen realen Gegenwerten nicht mehr viel gemein. Die großen Unternehmen haben eigene Banken (VW, Daimler, usw…) gegründet.
2(f): Was Sie „Verschwörungstheorie“ nennen, ist im Wesentlichen ein Zitat von dem Wirtschaftswissenschaftler Michel Hudson, geschrieben in der FAZ, wie beschrieben nicht bekannt als linkes Propagandablatt:
Politik und Finanz: Was sind Schulden? - Feuilleton - FAZ - #195 05.03.2012 18:21 von
Krieg der Banken (2)
3 a,b,c,d siehe Mitforist AndreasC, Vielen Dank!
3 (e) Inzwischen empfehlen die Banken verschuldeten Regierungen den Verkauf von Staatseigentum. Die Idee gründet auf dem Mythos, dass Privatisierung effizienter sei. Dabei fallen hier Zinsen, höhere Managergehälter, Aktienoptionen und andere Kosten an. Einsparungen werden vor allem durch die Beschäftigung von Billigarbeitern erzielt. Davon profitieren Privatisierer, Banken und Anleiheninhaber, nicht aber die Öffentlichkeit. Und Banken fördern Deregulierung, in deren Folge die Preise steigen. Der Standort wird also teurer und weniger konkurrenzfähig - genau das Gegenteil dessen, was versprochen wurde. Die verschuldeten Staaten, so wird behauptet, könnten durch Kreditaufnahme zu Wachstum zurückkehren. Es ist aber rechnerisch unmöglich, bestehende Schulden ohne Sparmaßnahmen zu tragen, ohne Schuldendeflation und Depression.
Welche Staaten haben denn ihre Schulden zurückgezahlt? In Griechenland sehen Sie die Konsequenzen doch selber. Adam Smith hat darauf hingewiesen, dass noch nie ein Staat seine Schulden zurückgezahlt hat. Aber kein Gläubiger gesteht sich gern ein, dass ein Schuldner zahlungsunfähig ist. Von wem kann der Staat sich denn die anfallenden Zahlungen holen? Doch nur von den Steuerzahlern, oder durch massive Kürzungen der Leistungen.
4 (a) Wie geschrieben, bei Gelegenheit werde ich mich mit dem Vollgeldsystem beschäftigen.
4 (b) Jetzt bin ich neugierig. Was habe ich denn zu Vollgeldsystem geschrieben?
4 (c) Das System funktioniert hervorragend für die Banker und die Vermögenden. Aber nicht für die Masse der Bevölkerung und auch nicht für die Ökologie – weil es systemimmanent ein immer größeres Wachstum einfordert! - #196 06.03.2012 09:20 von
Hmm... (1)
(1) Klar. Mir geht es nur darum, einigen weitverbreiteten Missverständnissen vorzubeugen: (i) "Giralgeld" ist kein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern nur eine Forderung gegen eine andere Person (BAnk); (ii) Es wird eben "Giralgeld" geschöpft, kein Zentralbankgeld, insbesondere kein körperliches Geld (Scheine, Münzen).
(2) Das überproportionale Wachstum der Geldmenge entspricht auch meinem Kenntnisstand. Das eigentliche Problem dabei ist m.E., dass dies langfristig eine Inflationsgefahr birgt.
(3) OK; dann habe ich Sie missverstanden.
(4) Nein, das ist in meinen Augen nicht zu 100% korrekt. Korrekt ist, dass die "private Geldschöpfung" durch Kreditvergabe der Geschäftsbanken stattfindet. Die Geldmenge kann aber auch anderes entstehen. Das durch Giralgeldschöpfung "entstandene" Geld entspricht den Sichteinlagen, die Bestandteil der Geldmenge M1 sind. Die Sichteinlagen kann man aber nicht mit Schulden gleichsetzen. Wenn Sie 100 zur Bank bringen und auf ihr Konto einzahlen, bleibt die Geldmenge M1 m.E. gleich (Das Bargeld liegt bei der Bank, ist damit kein "Umlaufbargeld" mehr), obwohl die Bank "Schulden" Ihnen gegenüber hat. Wenn die Zentralbank BArgeld schöpft, sind das keine Schulden, trotzdem erhöht sich die Geldmenge. - #197 06.03.2012 09:21 von
´Hmm... (2)
(5) Nein, das würde ich anders sehen. Geld kommt der "Realwirtschaft" zugute, aber nicht notwendig im Faktor 1:1. BIP ist ja der Wert aller Güter und Dienstleistungen, die eine Volkswirtschaft erwirtschaftet. Wenn ich 100 als Kredit aufnehme, ist das keine Dienstleistung (der Bank) von 100, sondern allenfalls in HÖhe der Zinsen. Wenn die Bank 100 einem Unternehmen zur Verfügung stellt, erwirtschaftet das Unternehmen damit (im selben Jahr) nicht zwangsläufig Güter und Dienstleistungen von 100, sondern vielleicht nur von 10, was immerhin - bei einem Zinssatz von 5 - eine Rendite von 5% bedeuten würde.
(6) Interessante These. Aus den oben genannten Gründen bin ich nicht überzeugt, ob sie richtig ist. Außerdem: was heißt "die Finanzwirtschaft"? Meinen Sie das Volumen der ausgereichten Kredite? Hier würde ich um weitere Erläuterungen bitten.
(7) Ich habe den Eindruck, dass hier betriebswirtschaftliche Parameter auf volkswirtschaftliche Vorgänge angewendet werden. Ich bin nicht sicher, ob das so möglich ist.
Zu dem Gedanken nur (auf Grundlage betriebswirtschaftlicher Parameter) soviel: Die Zinslast von 20& bezieht sich ja auf den Ertrag der Volkswirtschaft. Da gibt es viele Unternehmen, die eine höhere ZInslast haben. Maßgeblich ist doch die Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Dazu gehören Eigen- und Fremdkapital, also auch die Schulden. Von daher sind 5% von 56 Bill. eben 5% Kapitalrendite, die durch die Zinszahlung abgehen, oder?
(8) Naja, abgesehen von den oben dargestellten PUnkten werden nicht notwendig die "REichen reicher". Die Personen, die Geld gegen Zins verleihen (das kann auch der Kleinsparer sein, der Rentenpapiere oder Staatsanleihen kauft), werden reicher. Das liegt im Wesen der Verzinsung.
Personen, die Geld leihen (die müssen nicht notwendig arm sein, viele große Unternehmen sind hoch verschuldet), werden nur dann ärmer, wenn Sie mit dem geliehenen Geld nicht eine entsprechend hohe Rendite erwirtschaften. Das ist in meinen Augen kein Problem. - #198 07.03.2012 09:47 von
Etwas spät... Teil 1
Da habe recht, aber der Anteil an *körperlichem Geld" beträgt ca. 5% der Rest ist Giralgeld. Desshalb kann man es praktisch vernachlässigen. Aus dem Grund haben ja alle so Angst vor einem Bankrun. Die Bank hat das Geld nicht. Die Leute glauben aber, wenn auf dem Kontoauszug steht: Guthaben 100'000 Euro, dass sie dieses Geld auch haben. Die Bank hat aber nur 5'000 davon. (lassen wir die staatliche Sicherung von 100'000 mal weg)
Nicht nur, auf fast die ganze Geldmenge (abzüglich Bargeld) müssen Zinsen gezahlt werden. Diese Zinsen müssen im viel kleineren BIP erarbeitet werden. Dies ist das Hauptproblem
siehe oben mit den 5%... - #199 07.03.2012 10:12 von
Teil 2
Nochmals am Beispiel USA: BIP 15 Bill, Schulden 56 Billionen. Um das BIP am laufen zu halten würden theoretisch 15 Billionen reichen. Auf der Grafik in einem vorherigen Posting (Japan-Grafik) sehen sie, dass die Kurve der Geldmenge und des BIP lange relativ paralell verlaufen ist. Ich habe die gleiche Grafik für die USA auch schon gesehen. Wenn Sie auf diese Jahre zurückschauen, war das die Zeit in der der Wohlstand kräftig gewachsen ist (American Dream usw). Je weiter diese zwei Kurven auseinander gehen, desto schwieriger wird die Lage für die Mehrheit der Leute. Ich bin sicher, dass die Geld bzw. Schuldenmenge höher sein soll als das BIP, sonst wäre sparen nicht möglich. Was ich aber sicher bin, dass die Differenz jetzt viel zu gross ist. Also gibt es zuviel Geld auf der Welt, nicht zuwenig.
Stimmt, nur müssen diese 5% von 56 Bill eben in einem BIP von 15 Bill erarbeitet werden. Nur innerhalb des BIP werden Werte geschaffen. Es gibt dazu auch eine Ausage der österreichischen Bundesbank:
direktzurnationalbank.at - Woher kommt das Geld für die Zinsen?
Und je höher die Differenz, desto höher der Zinsanteil. Wenn dieser nicht in die Realwirtschaft reinvestiert wird, fängt das Problem an. Offensichtlich ist dies der Fall, denn sonst wäre das BIP gleich gross, wie die Schuldenmenge.
Grundsätzlich stimmt das auch, aber nur solange die wirtschaft kräftig wächst. Sobald das Wirtschaftswachstum kleiner ist als der Durchschnittszins, geht die Schere auseinander. Da das System exponentiell ist, immer schneller. An diesem Punkt befinden wir uns. Leider.
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