Rettungsmilliarden: Gesellschaft mit unbeschränkter Haftung

Noch ziert sich die Kanzlerin, aber klar ist: Die nächste Aufstockung des europäischen Rettungsfonds wird kommen. Doch die Risiken sind gigantisch: Würden die vielen Bürgschaften tatsächlich fällig, wäre es mit dem sozialen Frieden in Deutschland vorbei.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,818301,00.html
  1. #190

    Naja..

    Zitat von AndreasC Beitrag anzeigen
    Das Giralgeldsystem ist ideal in einer Welt in der grosses wirtschaftliches Wachstum möglich ist. (...)
    Daher ist unser Wohlstand da wo er jetzt ist. Die Wirtschaft konnte exponentiell wachsen.
    (1) Naja, dem kann ich nur teilweise zustimmen.
    (a) Es ist schon die Frage, ob die "private Geldschöpfung" durch Kreditvergabe überhaupt wirklich Geldschöpfung ist (s.o.). Immerhin ist der Anspruch gegen die Bank kein gesetzliches Zahlungsmittel und nicht einmal "Zentralbankgeld". Er wird eben nur bei der Geldmengendefinition (ab M1) berücksichtigt.
    (b) Die Wirtschaft ist in letzter Zeit - global - beständig gewachsen, aber nicht exponentiell.
    Zitat von AndreasC Beitrag anzeigen
    Nehmen wir jetzt mal ihr eigenes Rechenbeispiel und rechnen es auf zwei verschiedene Arten aus:
    Variante 1
    Ihre Rechnung:
    Annahme meinerseites: Geldmenge total 105
    Kredit 100 / Zins 5 / Geldschöpfung durch Kredit 100
    Jahr 1: Das Unternehmen wirtschaftet gut. Zahlt die 5 Zins. Die 5 Zins gehen an die Bank. Die Bank zahlt die 5 wieder als Gehalt an die Angestellten aus. Diese zahlen damit ihre Wohnung, Essen usw.
    Geldmenge total 105.
    Jahr 2: Das Unternehmen wirtschaftet gut. Zahlt die 5 Zins. Die 5 Zins gehen an die Bank. Die Bank zahlt die 5 wieder als Gehalt an die Angestellten aus. Diese zahlen damit ihre Wohnung, Essen usw.
    Geldmenge total 105.
    (2) Grundsätzlich stimmt das. Aber m.E. hat das Beispiel einen entscheidenden Fehler: Die Geldschöpfung beschränkt sich auf die 100. Die 5 ZIns entstehen nicht durch die Giralgeldschöpfung, sondern sind eine Forderung des Kreditnehmers gegen die Bank. Die Einbuchung der 5 als Zinsforderung stellt aber keine Giralgeldschöpfung dar.
    Vereinfacht: 5 Zins ist der Ertrag der Bank, die 100 sind in der Bankbilanz neutral, nur in diesem Umfang findet aber die "Giralgeldschöpfung" statt.

    Das "geschöpfte" Giralgeld in dem obigen Vorgang ist 100, es sind keine 105.
    Zitat von AndreasC Beitrag anzeigen
    Variante 2:
    Ihre Rechnung:
    Annahme meinerseites: Geldmenge total 105
    Kredit 100 / Zins 5 / Geldschöpfung durch Kredit 100
    Jahr 1: Das Unternehmen wirtschaftet gut. (...) Diese geben das Geld aber nicht mehr aus, da sie schon genug haben. Das Geld geht nicht mehr in die Realwirtschaft. Geldmenge total 105. / Geldmenge in der Realwirtschaft 100 / Finanzwirtschaft total 5
    (3) Nein. Die Unterscheidung zwischen "Realwirtschaft" und "Finanzwirtschaft" ist Unsinn. Angenommen, die Bank zahlt die 5 an Angestellte und diese geben das GEld nicht aus, was passiert dann mit den 5?
    (a) Es bleibt auf einem KOnto/Sparbuch. Dann sind es Einlagen bei einer Bank. Die Bank kann daher neue Kredite vergeben, die unmittelbar auf die "Realwirtschaft" wirken.
    (b) Der Angestellte kauft Aktien: Das Geld kommt als Eigenkapital Unternehmen zugute und wirkt auf die "REalwirtschaft".
    (c) Der Angestellte kauft Rentenpapiere: Er gibt Kredite an Unternehmen, die mit diesem Geld wirtschaften.
    etc....
    Wenn der Angestellte das Geld nicht gerade bar unter dem Kopfkissen hat (wie viele Bankangestellte haben das wohl?), kommt es in irgendeiner Form der "Realwirtschaft" zugute.
    Zitat von AndreasC Beitrag anzeigen
    Jahr 2: (...). Geldmenge total 105. / Geldmenge in der Realwirtschaft 95 / Finanzwirtschaft total 10.
    Wenn man das weiterspielt, hat die Realwirtschaft immer weniger Geld die Finanzwirtschaft immer mehr. (...)
    (4) Nein. Die Schlüsse in diesem Abschnitt beruhen auf falschen Prämissen (s.o.).
  2. #191

    Fehler..

    Zitat von tw1974 Beitrag anzeigen
    Die 5 ZIns entstehen nicht durch die Giralgeldschöpfung, sondern sind eine Forderung des Kreditnehmers gegen die Bank.
    Es sollte selbstverständlich heißen: "Sind eine Forderung der Bank an den Kreditnehmer".
  3. #192

    Ok

    Zitat von tw1974 Beitrag anzeigen
    (1) Naja, dem kann ich nur teilweise zustimmen.
    (a) Es ist schon die Frage, ob die "private Geldschöpfung" durch Kreditvergabe überhaupt wirklich Geldschöpfung ist (s.o.). Immerhin ist der Anspruch gegen die Bank kein gesetzliches Zahlungsmittel und nicht einmal "Zentralbankgeld". Er wird eben nur bei der Geldmengendefinition (ab M1) berücksichtigt.
    Zumindest gemäss der Deutschen Bundesbank ist dies schon eine Geldschöpfung Seite 67-69
    http://www.bundesbank.de/download/bi...ld2_gesamt.pdf

    Zitat von tw1974 Beitrag anzeigen
    (b) Die Wirtschaft ist in letzter Zeit - global - beständig gewachsen, aber nicht exponentiell.
    Genau da liegt das Problem: Die Geldmenge aber schon. Auf die schnelle habe ich nur ein Beispiel aus Japan gefunden, aber das Prinzip ist im Euro-Raum das Gleiche.

    Auswirkungen der Japan-Krise auf Gold & Silber – degere

    Zitat von tw1974 Beitrag anzeigen
    (2) Grundsätzlich stimmt das. Aber m.E. hat das Beispiel einen entscheidenden Fehler: Die Geldschöpfung beschränkt sich auf die 100. Die 5 ZIns entstehen nicht durch die Giralgeldschöpfung, sondern sind eine Forderung des Kreditnehmers gegen die Bank. Die Einbuchung der 5 als Zinsforderung stellt aber keine Giralgeldschöpfung dar.
    Vereinfacht: 5 Zins ist der Ertrag der Bank, die 100 sind in der Bankbilanz neutral, nur in diesem Umfang findet aber die "Giralgeldschöpfung" statt.

    Das "geschöpfte" Giralgeld in dem obigen Vorgang ist 100, es sind keine 105.
    100% Einverstanden, so habe ich es auch gemeint.

    Zitat von tw1974 Beitrag anzeigen
    (3) Nein. Die Unterscheidung zwischen "Realwirtschaft" und "Finanzwirtschaft" ist Unsinn. Angenommen, die Bank zahlt die 5 an Angestellte und diese geben das GEld nicht aus, was passiert dann mit den 5?
    (a) Es bleibt auf einem KOnto/Sparbuch. Dann sind es Einlagen bei einer Bank. Die Bank kann daher neue Kredite vergeben, die unmittelbar auf die "Realwirtschaft" wirken.
    (b) Der Angestellte kauft Aktien: Das Geld kommt als Eigenkapital Unternehmen zugute und wirkt auf die "REalwirtschaft".
    (c) Der Angestellte kauft Rentenpapiere: Er gibt Kredite an Unternehmen, die mit diesem Geld wirtschaften.
    etc....
    Wenn der Angestellte das Geld nicht gerade bar unter dem Kopfkissen hat (wie viele Bankangestellte haben das wohl?), kommt es in irgendeiner Form der "Realwirtschaft" zugute.
    Ich denke dies ist genau der Punkt den sie noch nicht ganz sehen.
    Wenn es so wäre, dass alles Geld in irgendeiner Form der Realwirtschaft zugute käme, gäbe es kein Problem. Das Problem ist aber da.
    Ich denke sie sind grundsätzlich damit einverstanden, dass Geld durch Kredite geschöpft wird. Das heisst abgekürzt: Die Geldmenge entspricht der Schuldenmenge:
    Am Beispiel USA: U.S. National Debt Clock : Real Time
    hat die USA ein BIP von 15 Bill und Schulden von 56 Bill.
    Wenn alles Geld der Realwirtschaft irgendwie zugute käme, wäre das BIP gleichgross. Die Differenz von Schulden und BIP (40 Bill) ist grob gesagt, die Finanzwirtschaft.
    Nebenbei muss die Realwirtschaft die Zinszahlungen für die 56 Bill. erarbeiten, also bei einem Durschnittszins von angenommenen 5% sind das knapp 3 Bill. oder ca. 20% des BIP geht an Zinszahlungen drauf.
    Die Wirtschaft kann gar nicht mehr so stark wachsen um dies auszugleichen. Der Effekt ist: Die Reichen werden reicher, der Rest ärmer. Absolut zwingend und immer schneller. Die Realität zeigt es: USA, Griechenland, Spanien usw. sind nur die extremsten Beispiele.
  4. #193

    Kurze Ergänzung

    Beim Teil:
    Genau da liegt das Problem: Die Geldmenge aber schon. Auf die schnelle habe ich nur ein Beispiel aus Japan gefunden, aber das Prinzip ist im Euro-Raum das Gleiche.

    Auswirkungen der Japan-Krise auf Gold & Silber – degere

    ist es die 2 Grafig. Der Rest hat nichts mit dem Thema zu tun.
  5. #194

    Der Krieg der Banken

    Zitat von tw1974 Beitrag anzeigen
    (1) Das müssen Sie die einzelnen Banken fragen. Ich gehe jedoch davon aus, das die Banken Geld verdienen wollen. Das ist vollkommen legitim und in einer sozialen Marktwirtschaft die AUfgabe eines Unternehmens. Warum Griechenland viel Geld geliehen wurde? Weil aufgrund der Basel II-Regeln für Ausleihungen an Griechenland wenig Eigenkapital vorzuhalen war.

    (2)(a) In den meisten klassischen Indurstriestaaten nimmt die Bedeutung der Industrie zugunsten des Dienstleistungssektors ab.

    (2)(d) Die USA, die EU und China haben ein sehr ähnliches Geldsystem. Die chinesische Zentralbank wurde nach dem Vorbild der US-Fed geschaffen. Wie soll das Geldsystem, das in allen 3 Wirtschaftsräumen sehr ähnlich ist, der Grund für die Handelsbilanzdifferenzen sein?

    (2)(e) Was ist das für eine merkwürdige Trennung von "Realwirtschaft" zu anderer Wirtschaft?

    (2)(f) Interessante Verschwörungstheorie. Gibt es dazu ein Argument oder eine Quelle oder meinen Sie das einfach nur so.
    Zu (1): Richtig, das ist ein legitimer Betrug am Steuerzahler und allen künftigen Generationen. Die Banken und die Finanzoligarchie haben ganz legal Unsummer mit den Staatsanleihen verdient, die jetzt von den Fleißigen zurückgezahlt werden müssen. Ich zitiere den Wirtschaftsprofessor Michael Hudson, aus der FAZ, nicht bekannt als linkes Propagandablatt:
    Banken wollen nicht die Verantwortung für faule Kredite übernehmen. Das führt zu der Frage, was Politiker tun sollen, wenn Banken auf so unverantwortliche Weise Kredite zur Verfügung gestellt haben. Aber jemand muss Verluste akzeptieren – die Gesellschaft oder die Banken? [url=http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/die-herrschaft-der-finanzoligarchie-der-krieg-der-banken-gegen-das-volk-11549829.html]
    (2) In den USA ist aber extrem dramatisch, da die entstandenen Jobs im Dienstleistungssektor nicht adäquat den durch Abbau der Industrielandschaft verlorenen sind. Grundsätzlich ist es doch für die Mittelschicht schlecht, wenn weniger hochqualifizierte Arbeitsplätze vorhanden sind.

    (2b) Da habe ich als Nachweis nur die (private) Aussage einer Professorin aus Cambridge: „Die Studenten wollen alle in den Finanzsektor.“
    Außerdem schreibt der Professor der Wirtschaftswissenschaftler Michael Hudson: Die Vorstellungen des Finanzsektors laufen auf eine Deindustrialisierung hinaus. „Schuldenrückzahlung“ bedeutet praktisch Schuldendeflation und eine allgemein schrumpfende Wirtschaft.
    Die Herrschaft der Finanzoligarchie: Der Krieg der Banken gegen das Volk - Feuilleton - FAZ (Stand: 03.12.11)

    2 (d) Die chinesische „Fed“ in der Hand von ein paar Privatleuten? Bitte klären Sie mich auf!

    2(e): Selbstverständlich hat sich die Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft abgekoppelt. Die imaginären Summen, die in den Bankcomputern um den Globus schwirren, haben mit irgendwelchen realen Gegenwerten nicht mehr viel gemein. Die großen Unternehmen haben eigene Banken (VW, Daimler, usw…) gegründet.

    2(f): Was Sie „Verschwörungstheorie“ nennen, ist im Wesentlichen ein Zitat von dem Wirtschaftswissenschaftler Michel Hudson, geschrieben in der FAZ, wie beschrieben nicht bekannt als linkes Propagandablatt:
    Politik und Finanz: Was sind Schulden? - Feuilleton - FAZ
  6. #195

    Krieg der Banken (2)

    Zitat von tw1974 Beitrag anzeigen
    (3)(a) Nein. Wie ich bereits mehrfach erklärt habe, geht es um den Mechanismus der sog. "Giralgeldschöpfung" durch Banken. Für diese Giralgeldschöpfung ist es VOLLKOMMEN IRRELEVANT, ob ein Zins erhoben wird, oder nicht.

    (3)(b) Wenn eine Bank einem Unternehmen 100 leiht und dafür 5 Zinsen verlangt, wird das Unternehmen für die 100 Investitionen tätigen und Produkte oder DIenstleistungen am Markt anbieten. Wenn das Unternehmen erfolgreich ist, erwirtschaftet es die 100, die es zurückzahlen muss plus die 5 Zinsen plus die eigene Rendite.
    (3)(c) Nein. S.o.

    (3)(d) Naja, im Grundsatz ist das nicht einmal verkehrt. Einer Schuld/Verbindlichkeit eines Marktteilnehmers steht selbstverständlich immer eine Forderung eines anderen Marktteilnehmers gegenüber (korrespondierende Bilanzposten, sozusagen). Wenn der Staat sich Geld leiht, muss das von irgendjemandem kommen. Das kann eine Bank sein oder eine andere Person, die z.B. Staatsanleihen zeichnet.

    (3)(e) "exponentielles System" impliziert ein Naturgesetz, nach dem die staatliche Verschuldung exponentiell ansteigen muss. Das ist Unsinn. Viele Staaten haben ihre Verschuldung im Griff oder führen sie sogar zurück.

    (4)(a) ?? Sie haben doch die entsprechenden links zu den Vollgeld-Apologeten gepostet.

    (4)(b) DAnn lassen Sie es.

    (4)(c) Man kann/sollte immer nach Alternativen suchen. Aber bevor man ein komplexes und funktionierendes Konzept ablöst, sollte man sich sicher sein, dass das neue Konzept besser funktioniert. Dafür habe ich bisher beim Vollgeld-System keinen einzigen Anhaltspunkt, im Gegenteil. .
    3 a,b,c,d siehe Mitforist AndreasC, Vielen Dank!

    3 (e) Inzwischen empfehlen die Banken verschuldeten Regierungen den Verkauf von Staatseigentum. Die Idee gründet auf dem Mythos, dass Privatisierung effizienter sei. Dabei fallen hier Zinsen, höhere Managergehälter, Aktienoptionen und andere Kosten an. Einsparungen werden vor allem durch die Beschäftigung von Billigarbeitern erzielt. Davon profitieren Privatisierer, Banken und Anleiheninhaber, nicht aber die Öffentlichkeit. Und Banken fördern Deregulierung, in deren Folge die Preise steigen. Der Standort wird also teurer und weniger konkurrenzfähig - genau das Gegenteil dessen, was versprochen wurde. Die verschuldeten Staaten, so wird behauptet, könnten durch Kreditaufnahme zu Wachstum zurückkehren. Es ist aber rechnerisch unmöglich, bestehende Schulden ohne Sparmaßnahmen zu tragen, ohne Schuldendeflation und Depression.
    Welche Staaten haben denn ihre Schulden zurückgezahlt? In Griechenland sehen Sie die Konsequenzen doch selber. Adam Smith hat darauf hingewiesen, dass noch nie ein Staat seine Schulden zurückgezahlt hat. Aber kein Gläubiger gesteht sich gern ein, dass ein Schuldner zahlungsunfähig ist. Von wem kann der Staat sich denn die anfallenden Zahlungen holen? Doch nur von den Steuerzahlern, oder durch massive Kürzungen der Leistungen.

    4 (a) Wie geschrieben, bei Gelegenheit werde ich mich mit dem Vollgeldsystem beschäftigen.

    4 (b) Jetzt bin ich neugierig. Was habe ich denn zu Vollgeldsystem geschrieben?

    4 (c) Das System funktioniert hervorragend für die Banker und die Vermögenden. Aber nicht für die Masse der Bevölkerung und auch nicht für die Ökologie – weil es systemimmanent ein immer größeres Wachstum einfordert!
  7. #196

    Hmm... (1)

    Zitat von AndreasC Beitrag anzeigen
    Zumindest gemäss der Deutschen Bundesbank ist dies schon eine Geldschöpfung Seite 67-69.
    (1) Klar. Mir geht es nur darum, einigen weitverbreiteten Missverständnissen vorzubeugen: (i) "Giralgeld" ist kein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern nur eine Forderung gegen eine andere Person (BAnk); (ii) Es wird eben "Giralgeld" geschöpft, kein Zentralbankgeld, insbesondere kein körperliches Geld (Scheine, Münzen).
    Zitat von AndreasC Beitrag anzeigen
    Genau da liegt das Problem: Die Geldmenge aber schon. Auf die schnelle habe ich nur ein Beispiel aus Japan gefunden, aber das Prinzip ist im Euro-Raum das Gleiche.
    (2) Das überproportionale Wachstum der Geldmenge entspricht auch meinem Kenntnisstand. Das eigentliche Problem dabei ist m.E., dass dies langfristig eine Inflationsgefahr birgt.
    Zitat von AndreasC Beitrag anzeigen
    100% Einverstanden, so habe ich es auch gemeint.
    (3) OK; dann habe ich Sie missverstanden.
    Zitat von AndreasC Beitrag anzeigen
    Ich denke dies ist genau der Punkt den sie noch nicht ganz sehen.
    Wenn es so wäre, dass alles Geld in irgendeiner Form der Realwirtschaft zugute käme, gäbe es kein Problem. Das Problem ist aber da.
    Ich denke sie sind grundsätzlich damit einverstanden, dass Geld durch Kredite geschöpft wird. Das heisst abgekürzt: Die Geldmenge entspricht der Schuldenmenge:
    (4) Nein, das ist in meinen Augen nicht zu 100% korrekt. Korrekt ist, dass die "private Geldschöpfung" durch Kreditvergabe der Geschäftsbanken stattfindet. Die Geldmenge kann aber auch anderes entstehen. Das durch Giralgeldschöpfung "entstandene" Geld entspricht den Sichteinlagen, die Bestandteil der Geldmenge M1 sind. Die Sichteinlagen kann man aber nicht mit Schulden gleichsetzen. Wenn Sie 100 zur Bank bringen und auf ihr Konto einzahlen, bleibt die Geldmenge M1 m.E. gleich (Das Bargeld liegt bei der Bank, ist damit kein "Umlaufbargeld" mehr), obwohl die Bank "Schulden" Ihnen gegenüber hat. Wenn die Zentralbank BArgeld schöpft, sind das keine Schulden, trotzdem erhöht sich die Geldmenge.
  8. #197

    ´Hmm... (2)

    Zitat von AndreasC Beitrag anzeigen
    hat die USA ein BIP von 15 Bill und Schulden von 56 Bill.
    Wenn alles Geld der Realwirtschaft irgendwie zugute käme, wäre das BIP gleichgross.
    (5) Nein, das würde ich anders sehen. Geld kommt der "Realwirtschaft" zugute, aber nicht notwendig im Faktor 1:1. BIP ist ja der Wert aller Güter und Dienstleistungen, die eine Volkswirtschaft erwirtschaftet. Wenn ich 100 als Kredit aufnehme, ist das keine Dienstleistung (der Bank) von 100, sondern allenfalls in HÖhe der Zinsen. Wenn die Bank 100 einem Unternehmen zur Verfügung stellt, erwirtschaftet das Unternehmen damit (im selben Jahr) nicht zwangsläufig Güter und Dienstleistungen von 100, sondern vielleicht nur von 10, was immerhin - bei einem Zinssatz von 5 - eine Rendite von 5% bedeuten würde.
    Zitat von AndreasC Beitrag anzeigen
    Die Differenz von Schulden und BIP (40 Bill) ist grob gesagt, die Finanzwirtschaft.
    (6) Interessante These. Aus den oben genannten Gründen bin ich nicht überzeugt, ob sie richtig ist. Außerdem: was heißt "die Finanzwirtschaft"? Meinen Sie das Volumen der ausgereichten Kredite? Hier würde ich um weitere Erläuterungen bitten.
    Zitat von AndreasC Beitrag anzeigen
    Nebenbei muss die Realwirtschaft die Zinszahlungen für die 56 Bill. erarbeiten, also bei einem Durschnittszins von angenommenen 5% sind das knapp 3 Bill. oder ca. 20% des BIP geht an Zinszahlungen drauf.
    Die Wirtschaft kann gar nicht mehr so stark wachsen um dies auszugleichen.
    (7) Ich habe den Eindruck, dass hier betriebswirtschaftliche Parameter auf volkswirtschaftliche Vorgänge angewendet werden. Ich bin nicht sicher, ob das so möglich ist.
    Zu dem Gedanken nur (auf Grundlage betriebswirtschaftlicher Parameter) soviel: Die Zinslast von 20& bezieht sich ja auf den Ertrag der Volkswirtschaft. Da gibt es viele Unternehmen, die eine höhere ZInslast haben. Maßgeblich ist doch die Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Dazu gehören Eigen- und Fremdkapital, also auch die Schulden. Von daher sind 5% von 56 Bill. eben 5% Kapitalrendite, die durch die Zinszahlung abgehen, oder?
    Zitat von AndreasC Beitrag anzeigen
    Der Effekt ist: Die Reichen werden reicher, der Rest ärmer. Absolut zwingend und immer schneller. Die Realität zeigt es: USA, Griechenland, Spanien usw. sind nur die extremsten Beispiele.
    (8) Naja, abgesehen von den oben dargestellten PUnkten werden nicht notwendig die "REichen reicher". Die Personen, die Geld gegen Zins verleihen (das kann auch der Kleinsparer sein, der Rentenpapiere oder Staatsanleihen kauft), werden reicher. Das liegt im Wesen der Verzinsung.
    Personen, die Geld leihen (die müssen nicht notwendig arm sein, viele große Unternehmen sind hoch verschuldet), werden nur dann ärmer, wenn Sie mit dem geliehenen Geld nicht eine entsprechend hohe Rendite erwirtschaften. Das ist in meinen Augen kein Problem.
  9. #198

    Etwas spät... Teil 1

    Zitat von tw1974 Beitrag anzeigen
    (1) Klar. Mir geht es nur darum, einigen weitverbreiteten Missverständnissen vorzubeugen: (i) "Giralgeld" ist kein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern nur eine Forderung gegen eine andere Person (BAnk); (ii) Es wird eben "Giralgeld" geschöpft, kein Zentralbankgeld, insbesondere kein körperliches Geld (Scheine, Münzen).
    Da habe recht, aber der Anteil an *körperlichem Geld" beträgt ca. 5% der Rest ist Giralgeld. Desshalb kann man es praktisch vernachlässigen. Aus dem Grund haben ja alle so Angst vor einem Bankrun. Die Bank hat das Geld nicht. Die Leute glauben aber, wenn auf dem Kontoauszug steht: Guthaben 100'000 Euro, dass sie dieses Geld auch haben. Die Bank hat aber nur 5'000 davon. (lassen wir die staatliche Sicherung von 100'000 mal weg)

    Zitat von tw1974 Beitrag anzeigen
    (2) Das überproportionale Wachstum der Geldmenge entspricht auch meinem Kenntnisstand. Das eigentliche Problem dabei ist m.E., dass dies langfristig eine Inflationsgefahr birgt.
    Nicht nur, auf fast die ganze Geldmenge (abzüglich Bargeld) müssen Zinsen gezahlt werden. Diese Zinsen müssen im viel kleineren BIP erarbeitet werden. Dies ist das Hauptproblem

    Zitat von tw1974 Beitrag anzeigen
    (4) Nein, das ist in meinen Augen nicht zu 100% korrekt. Korrekt ist, dass die "private Geldschöpfung" durch Kreditvergabe der Geschäftsbanken stattfindet. Die Geldmenge kann aber auch anderes entstehen. Das durch Giralgeldschöpfung "entstandene" Geld entspricht den Sichteinlagen, die Bestandteil der Geldmenge M1 sind. Die Sichteinlagen kann man aber nicht mit Schulden gleichsetzen. Wenn Sie 100 zur Bank bringen und auf ihr Konto einzahlen, bleibt die Geldmenge M1 m.E. gleich (Das Bargeld liegt bei der Bank, ist damit kein "Umlaufbargeld" mehr), obwohl die Bank "Schulden" Ihnen gegenüber hat. Wenn die Zentralbank BArgeld schöpft, sind das keine Schulden, trotzdem erhöht sich die Geldmenge.
    siehe oben mit den 5%...
  10. #199

    Teil 2

    Zitat von tw1974 Beitrag anzeigen
    (5) ...Wenn ich 100 als Kredit aufnehme, ist das keine Dienstleistung (der Bank) von 100, sondern allenfalls in HÖhe der Zinsen. Wenn die Bank 100 einem Unternehmen zur Verfügung stellt, erwirtschaftet das Unternehmen damit (im selben Jahr) nicht zwangsläufig Güter und Dienstleistungen von 100, sondern vielleicht nur von 10, was immerhin - bei einem Zinssatz von 5 - eine Rendite von 5% bedeuten würde.
    (6) Interessante These. Aus den oben genannten Gründen bin ich nicht überzeugt, ob sie richtig ist. Außerdem: was heißt "die Finanzwirtschaft"? Meinen Sie das Volumen der ausgereichten Kredite? Hier würde ich um weitere Erläuterungen bitten.
    Nochmals am Beispiel USA: BIP 15 Bill, Schulden 56 Billionen. Um das BIP am laufen zu halten würden theoretisch 15 Billionen reichen. Auf der Grafik in einem vorherigen Posting (Japan-Grafik) sehen sie, dass die Kurve der Geldmenge und des BIP lange relativ paralell verlaufen ist. Ich habe die gleiche Grafik für die USA auch schon gesehen. Wenn Sie auf diese Jahre zurückschauen, war das die Zeit in der der Wohlstand kräftig gewachsen ist (American Dream usw). Je weiter diese zwei Kurven auseinander gehen, desto schwieriger wird die Lage für die Mehrheit der Leute. Ich bin sicher, dass die Geld bzw. Schuldenmenge höher sein soll als das BIP, sonst wäre sparen nicht möglich. Was ich aber sicher bin, dass die Differenz jetzt viel zu gross ist. Also gibt es zuviel Geld auf der Welt, nicht zuwenig.

    Zitat von tw1974 Beitrag anzeigen
    (7) Ich habe den Eindruck, dass hier betriebswirtschaftliche Parameter auf volkswirtschaftliche Vorgänge angewendet werden. Ich bin nicht sicher, ob das so möglich ist.
    Zu dem Gedanken nur (auf Grundlage betriebswirtschaftlicher Parameter) soviel: Die Zinslast von 20& bezieht sich ja auf den Ertrag der Volkswirtschaft. Da gibt es viele Unternehmen, die eine höhere ZInslast haben. Maßgeblich ist doch die Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Dazu gehören Eigen- und Fremdkapital, also auch die Schulden. Von daher sind 5% von 56 Bill. eben 5% Kapitalrendite, die durch die Zinszahlung abgehen, oder?
    Stimmt, nur müssen diese 5% von 56 Bill eben in einem BIP von 15 Bill erarbeitet werden. Nur innerhalb des BIP werden Werte geschaffen. Es gibt dazu auch eine Ausage der österreichischen Bundesbank:
    direktzurnationalbank.at - Woher kommt das Geld für die Zinsen?
    Und je höher die Differenz, desto höher der Zinsanteil. Wenn dieser nicht in die Realwirtschaft reinvestiert wird, fängt das Problem an. Offensichtlich ist dies der Fall, denn sonst wäre das BIP gleich gross, wie die Schuldenmenge.

    Zitat von tw1974 Beitrag anzeigen
    (8) Naja, abgesehen von den oben dargestellten PUnkten werden nicht notwendig die "REichen reicher". Die Personen, die Geld gegen Zins verleihen (das kann auch der Kleinsparer sein, der Rentenpapiere oder Staatsanleihen kauft), werden reicher. Das liegt im Wesen der Verzinsung.
    Personen, die Geld leihen (die müssen nicht notwendig arm sein, viele große Unternehmen sind hoch verschuldet), werden nur dann ärmer, wenn Sie mit dem geliehenen Geld nicht eine entsprechend hohe Rendite erwirtschaften. Das ist in meinen Augen kein Problem.
    Grundsätzlich stimmt das auch, aber nur solange die wirtschaft kräftig wächst. Sobald das Wirtschaftswachstum kleiner ist als der Durchschnittszins, geht die Schere auseinander. Da das System exponentiell ist, immer schneller. An diesem Punkt befinden wir uns. Leider.