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Regisseure: "Künstler sind wie Seelenärzte"
Der Regisseur David Cronenberg über seinen Freud-Film "Eine dunkle Begierde", die revolutionäre Kraft der Psychoanalyse und den Einfluss der freudschen Erkenntnisse über die menschliche Seele auf die Filme des 20. Jahrhunderts.
http://www.spiegel.de/0,1518,796050,00.html
- #1 09.11.2011 21:14 von
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Cronenberg ist einer der letzten "großen" Filmemacher im positiven Sinne. Die nüchterne Präzision seiner Werke kann streckenweise durchaus mit der Genialität eines Kubrick verglichen werden.
Leider steht eines seiner eindruckvollsten Frühwerke, Videodrome, nach wie vor auf dem Index der BPJM und unterliegt somit weitgehenden Vertriebs- und Aufführungsverboten. Von Kunstfreiheit kann in unserem Land (leider) keine Rede sein. - #2 09.11.2011 21:43 von
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Freud würde ich eher mit den Kreationisten vergleichen. Wenn schon solche Vergleiche nötig sind, dann würde ich eher Emil Kraepelin mit Darwin auf eine Stufe stellen.Zitat von Cronenberg - #3 09.11.2011 22:06 von
Die Psychoanalyse
wird nur von denen gefeiert, die zu dieser realitäsabgewandten und eben auch faschistischen Sekte gehören und von denen, die nicht wissen worüber sie reden. Oder: meistens beides.
Die Grundlagen der Hypothesen des Cocainisten Freud, angefangen von der Strukturtheorie und seiner aus Unkenntnis völlig überbewerteten Traumtheorie sind entweder längst widerlegt oder aber nicht beweisbar. Sie haben damit die gleiche Relevanz wie die Wunder Christi und andere nur auf Annahmen, und durch keinen Gegenbeweis zu korrigierenden Überzeugungen und nichts mit einer wissenschaftlich aus überprüfbaren Fakten hergeleiteten Theorie wie der Charles Darwins zu tun. Die Hypothesen Freuds sind in der Realität, in der Abertausende Psychoanlytiker auf Kosten der Allgemeinheit ihre "Patienten" manchmal jahrzehntelang auf Couches und in Therapiegruppen quälen, ohne selbst eine echte eigene Idee vom Leben oder wenigstens eine nachprüfbare Heilmethode zu haben, reiner Hokuspokus.
Ein Film über Hysterie, der an der Theorie, dass es die Wirkung des Unterleibs auf die "Seele" sei, der die Frauen schreien ließ und nicht ihre psychischen Qualen, die wohl sehr oft ihren Grund in schwereren Störungen als der von Freud erdachten "Neurose" hatten, ist selbst nicht mehr als hysterisch und .. dumm.
Cronenberg outet sich mit Interview und Film als Analysant und Einfaltspinsel, der sich offenbar den Luxus leisten kann, in kitschigen Luftschlössern zu leben. - #4 09.11.2011 22:20 von
Freud vs Wissenschaft
Nein. Das Hauptproblem bei Freud ist, dass seine Theorien nicht darauf angelegt sind, dass man sie falsifizieren oder bestätigen kann, deswegen ist es keine Wissenschaft.Zitat von Cronenberg
Es ist so wie wenn jemand sagt 'Es gibt Gott'. Das mag stimmen oder auch nicht, aber man kann daraus nie ein Experiment ableiten um das zu beweisen oder zu falsifizieren. Deshalb ist es aus wissenschaftlicher Sicht uninteressant ob es Gott oder z.B. einen Todestrieb gibt.
Aber:
Man kann z.B. die psychoanalytische Therapie empirisch untersuchen! Meines Wissens ist das Ergebnis, dass sie nicht besser abschneidet als andere Therapieformen wie z.B. Verhaltenstherapie. Das läßt vermuten, dass der Erfolg der analytischen Therapie nicht auf dem Theorie-Gebäude der Psychoanalyse, sondern auf anderen Effekten (Placebo, Regression-zur-Mitte, Störvariablen usw.) basiert. - #5 09.11.2011 22:52 von
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David Cronenberg ist ein sehr angenehmer Zeitgenosse, der gerade bei der Arbeit nicht die Nerven verliert wenn Probleme auftreten. Seine ruhige aber höchst konzentrierte Art die Dinge anzugehen zeigt sich in der hohen Motivation seines Teams.
Davon konnte ich mich letztes Jahr bei den Dreharbeiten zum Film selbst überzeugen, es war wahrhaft faszinierend. Auf das Endergebnis bin ich sehr gespannt. - #6 09.11.2011 22:58 von Antje Technau
Seelenärzte
der Begriff "Seelenärzte" ist irreführend.
Denn Psychiater beschäftigen sich mit Fehlfunktionen des Gehirns und nicht der "Seele". Es gibt kein vom Gehirn unabhängiges Bewusstsein.
das sehe ich anders.sie wollen herausfinden, was es mit der menschlichen Natur auf sich hat, und die verborgenen Antriebe erkunden, die im tiefsten Inneren wirken.
Künstler erforschen nichts - sie stellen etwas dar. Und zwar ihre eigene Vorstellung von den Dingen oder von Sachverhalten. Der Maler bildlich, der Bildhauer formerisch und der Regisseur, indem er Schauspieler seine Ideen lebendig werden lässt.
Ein guter Künstler regt durch seine Werke, seine Interpretation der Dinge natürlich zum Nachdenken an.
Und sicher hat Cronenberg Recht, wenn er zeigt, wie ungewöhnlich Freuds und Jungs Ideen für die damalige Zeit waren. Aber diese Idee vom Tier im Menschen ist auch heute noch manchen unangenehm. Insbesondere denen, die an eine "Seele" glauben, die den Menschen irgendwie vom Tier unterscheidet. Auf diese Menschen trifft dann zu, was Cronenberg sagt:
Andere Menschen, die sich wirklich für die Funktionsweise des menschlichen Gehirns interessieren, finden neue Erkenntnisse darüber dagegen faszinierend.Und viele Menschen, die keine Künstler und keine Seelenärzte sind, finden das unangenehm.
Übrigens - so funktioniert der Link besser:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,796050,00.html - #7 09.11.2011 23:24 von inkorekt
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ja, die psycho-analyse freuds (die jungs weniger) enthält schon einiges rettenswertes. am ehesten wohl die symbol- und sprachtheoretischen einsichten.
leider hat der retro-hype um den techno-idealismus der 'hirnforschung' und der 'neuropsychologie' diese strömung der aufklärung um gut 100 jahre zurückgeworfen (nicht die hirnforschung selbst, denn die gälte es erstmal vernünftig einzuordnen).
aber dieses fetischhafte 'zurück zur natur' grassiert ja momentan in allen bereichen der gesellschaftlichen selbstverständigung. - #8 09.11.2011 23:27 von
Freud vs Wissenschaft
Nein. Das Hauptproblem bei Freud ist, dass seine Theorien nicht darauf angelegt sind, dass man sie falsifizieren oder bestätigen kann, deswegen ist es keine Wissenschaft.Zitat von Cronenberg
Es ist so wie wenn jemand sagt 'Es gibt Gott'. Das mag stimmen oder auch nicht, aber man kann daraus nie ein Experiment ableiten um das zu beweisen oder zu falsifizieren. Deshalb ist es aus wissenschaftlicher Sicht uninteressant ob es Gott oder z.B. einen Todestrieb gibt.
Aber:
Man kann z.B. die psychoanalytische Therapie empirisch untersuchen! Meines Wissens ist das Ergebnis, dass sie nicht besser abschneidet als andere Therapieformen wie z.B. Verhaltenstherapie. Das läßt vermuten, dass der Erfolg der analytischen Therapie nicht auf dem Theorie-Gebäude der Psychoanalyse, sondern auf anderen Effekten (Placebo, Regression-zur-Mitte, Störvariablen usw.) basiert. - #9 10.11.2011 06:04 von
Horizont erweitern
[QUOTE=Antje Technau;9101203]der Begriff "Seelenärzte" ist irreführend.
Denn Psychiater beschäftigen sich mit Fehlfunktionen des Gehirns und nicht der "Seele". Es gibt kein vom Gehirn unabhängiges Bewusstsein.
Abgesehen davon, dass Psychiater und Psychoanalytiker nicht unbedingt dasselbe sind:
Die materialistisch-reduktionistische Position ("Bewusstsein ohne Hirn gibts nicht") bezüglich des Bewusstseins ist nur eine von ca. 7 möglichen Positionen und wahrscheinlich die unzutreffendste.
"Seele" im psychoanalytischen Kontext ist vor allem Emotionen. Die sind ein Zusammenspiel von Neurohormonen, Neurologie, Wahrnehmungen, Körper-Sensationen. Das ist ganzkörperlich, nicht nur Hirn.
Künstler stellen etwas dar, was sie zuvor erforscht haben.
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