Rebellen in Syrien: Der Henker von Bab Amr

DPA/ SANAIn der syrischen Protesthochburg Homs machen sich die Aufständischen ihr eigenes Gesetz. Es gibt ein Standgericht - und eine Brigade von Henkern. Einer davon ist Hussein, er schneidet gefangenen Soldaten des Regimes die Kehle durch. Geschichte einer Rebellion, die ihre Unschuld verloren hat.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...823382,00.html
  1. #100

    Zitat von tetaro Beitrag anzeigen
    Schon die Wortwahl ist entscheidend, "Revolution", "Bürgerkrieg" oder sogar "Terrorismus"? Der Begriff enthält bereits die Wertung.
    War der amerikanische Sezession z.B. eine "Revolution" gegen die Zentralregierung? Nein, weil sie nämlich gescheitert ist.
    War die französische Erstürmung der Bastille ein terroristischer Akt? Nein, weil die Handlung erfolgreich war.
    Sie vergessen eine winzige Kleinigkeit: Die historische Bewertung leitet sich aus dem Paradigmenwechsel ab.

    Im Fall der gescheiterten Sezession: Das Konzept Abschaffung der Sklaverei hat sich gegen die Sklavenwirtschaft des Südens durchgesetzt.
    Im Fall der französischen Revolution: Das Konzept Republik hat sich gegen den Feudalismus durchgesetzt.
  2. #101

    Prost Malzeit

    Zitat von Mononatriumglutamat Beitrag anzeigen
    Was wäre denn, wenn die demokratische Mehrheit der Aufständischen einen islamischen Staat will?
    Sie meinen wohl die Mehrheit derjenigen, die der Henker von Bab Amr nicht zu verrätern erklärt....


    Zitat von Mononatriumglutamat Beitrag anzeigen
    Wäre es nicht typisch westlich-arrogant und obendrein undemokratisch, den Leuten vorschreiben, dass sie Freiheit und Demokratie zu wünschen haben? Hm.
    Sie scheinen nicht mitbekommen zu haben, wer sich hier gegen die Arroganz äußerer Einmischung (vom Westen und seinen segensreichen Monarchenfreunden am Golf) erweren muss.

    Zitat von Mononatriumglutamat Beitrag anzeigen
    nur weil ein Teil dieser Aufständischen aus Islamisten besteht oder von diesen unterwandert ist -- was durchaus eine perfide Strategie des Assad-Regimes und seiner Verbündeten sein könnte ...
    Ein schöner Beitrag zum Thema Verschwörungstheorien... Im Ernst, das reicht um wie sie es schreiben: "die Verrwirrung komplett zu machen"


    Zitat von Mononatriumglutamat Beitrag anzeigen
    Das ist doch auch eine bemerkenswerte Aussage: dass die Abneigung gegen das Unterdrückerregime so stark ist, dass sie sogar Demokraten und Islamisten miteinander vereint.
    Nur leider ist bemerkenswerte Aussage reine Phantasie: Wenn es dort so etwas wie eine vereinte Opposition gäbe, die auch nur den Anschein einer Glaubwürdigkeit erwecken könnte, dann hätte sich längst eine Clinton, ein Cameron oder Sarkozy gefunden, oder ein Erdogan, wenns beliebt, und hätte durch Androhung eines Alleingangs die Streithammeln der NATO in Bewegung gesetzt.


    Zitat von Mononatriumglutamat Beitrag anzeigen
    Richtig. Deswegen verfolge ich persönlich einen gänzlich anderen Ansatz, nämlich einen humanistischen.
    Ach sind sie ein netter Mensch - humanistisches Verständnis für die Henker von Bab Amr, aber Assad als "Schlächter" zu verschmähen - leider schmeckt mir ihre Argumentation verlogen, so ähnlich eben wie Mononatriumglutamat. Prost Malzeit!
  3. #102

    verantwortung

    Zitat von chairman_meow Beitrag anzeigen
    Wo sollen sie die Gefangenen einsperren?
    wir reden hier ja nich von zig tausend gefangenen. wenn man den meldungen glauben schenken kann handelt es sich höhstens um einige hundert. ich bin sicher das man diese gefangenen über die selben routen über die der nachschub für die opposition aus der türkei kommt in eben diese überführen, dort internieren und sie davon überzeugen das sie auf der falschen seite stehen.ich bin sicher, das diese regulären soldaten diese option einer ermordung vorziehen würden ;)


    Definitiv wäre diese oder andere humanere art des umgangs ein deutliches zeichen an alle syrer. wenn die opposition denn überhaupt tatsächlich die befreiung aller syrer im herzen trägt und nicht nur die vertreibung und ermordung der shiiten, christen u anderer und die vormachtsstellung des sunnitischen islam saudischer prägung. finden sie nicht?
  4. #103
  5. #104

    Bitte um erklärung

    Zitat von Mononatriumglutamat Beitrag anzeigen
    Was wäre denn, wenn die demokratische Mehrheit der Aufständischen einen islamischen Staat will? Wäre es nicht typisch westlich-arrogant und obendrein undemokratisch, den Leuten vorschreiben, dass sie Freiheit und Demokratie zu wünschen haben? Hm.
    hab sie schon fast vermisst! jetzt mal im ernst, sie sind doch ein gebildeter und cleverer mensch und weis gott kein naivling. vergessen wir doch einfach mal die ganze ideologische schiene auf der sich der ein oder andere bewegt und fokussieren uns einfach mal aufs wesentliche. wieso um himmels willen verteidigen sie so wehement selbst die miesesten offensichtlich religiös motivierten schandtaten der syrischen revolution und zuvor der lybischen? ich mein rein aus westlicher, unserer sicht, wenn man wie gesagt mal die ideologisch gefärbte brille abnimmt, ist das regime assad, war das regime hussein, war das regime gaddafi u damals nadshibullah in afghanistan, was die stabilität und sicherheit für seine jeweiligen bürger und die welt angeht, besser als das chaos und leid was wir jetzt in diesen regionen erleben, durch unsere soldaten versuchen irgendwie herr zu werden und gleichzeitig noch versuchen terroristen, kriminelle und verrückte im zaum zu halten.nich?


    klar mögen das alles unrechtsregime sein aber meinen sie nicht man hätte diese anders in die knie zwingen oder verändern können ohne, wie jetzt mal wieder, einen völlig irrationalen gegner aufzustellen / unterstützen, der sich möglicherweise bald gegen uns selbst stellt? was glauben sie was die nächsten ziele der sunnitisch radikal islamischen gemeinschaft sein werden, wenn erstmal alle arabischen gebiete befreit sind?


    erklären sie mir doch bitte endlich warum sie, selbst das negativste szenario mit dem recht auf selbstbestimmung der völker rechtfertigen, wenn unsere jungs und mädels möglicherweise durch genau die art islamistisch verblendeten typen am hindukusch und zukünftig bestimmt auch wo anders in die luft gejagt werden???


    ich kann ihrer optimistischen sichtweise auf das momentan vorherrschende phänomen in der arabischen welt einfach nicht folgen.
  6. #105

    nix religiös

    Zitat von alphabravo31 Beitrag anzeigen
    vergessen wir doch einfach mal die ganze ideologische schiene auf der sich der ein oder andere bewegt und fokussieren uns einfach mal aufs wesentliche. wieso um himmels willen verteidigen sie so wehement selbst die miesesten offensichtlich religiös motivierten schandtaten der syrischen revolution und zuvor der lybischen?
    LOL. Wenn jemand alle Ideologie beiseite lassen und sich ganz nüchtern und sachlich "aufs Wesentliche" konzentrieren will, kann man fast schon sicher sein, dass dann Ideologie in Reinkultur kommt. Diese Vergeltungsmorde sind also "offensichtlich religiös motiviert"? Interessant. Weil die Täter zur Rechtfertigung ab und an mal einen Gottensbezug einflechten? Ja, wer würde das nicht tun, wenn die Möglichkeit so nahe liegt, seinen Rachegelüsten höhere Weihen zukommen zu lassen?

    Wenn Sie sich aufs Wesentliche konzentrieren wollen, dann müssten Sie feststellen, dass die Racheakte der syrischen oder libyschen Rebellen sich in Motivation und Ausführung nicht großartig von dem unterscheiden, was die Resistance, die Tito-Partisamen, die algerischen Unabhängigkeitskämpfer, der Vietcong etc. pp. gemacht haben. Es ist halt nur grade in, alles, was in der arabischen Welt passiert, mit irgendwelchen religiösen oder "kulturellen" Spezifica zu erklären. Orientalismus at it's best.
  7. #106

    Zitat von adal_ Beitrag anzeigen
    Sie vergessen eine winzige Kleinigkeit: Die historische Bewertung leitet sich aus dem Paradigmenwechsel ab.

    Im Fall der gescheiterten Sezession: Das Konzept Abschaffung der Sklaverei hat sich gegen die Sklavenwirtschaft des Südens durchgesetzt.
    Es bleibt Spekulation, wie die Geschichte gedeutet worden wäre, wenn die Sache anders ausgegangen wäre. Für die Südstaaten ging es immerhin auch um ihre Freiheit und Souveränität.
    Also um Werte, die heute auch ein große Rolle in solchen Konflikten spielen.
  8. #107

    Zitat von Mononatriumglutamat Beitrag anzeigen
    Ich weiß, dass Sie eine Erklärung von einer Rechtfertigung unterscheiden können, daher...
    Gut, wenn Sie das auch können... war mir da nicht so sicher. Ich halte aber auch die Erklärung für unzureichend. Welche Konsequenzen man aus dem Terror des Regimes oder auch aus persönlichen Erfahrungen damit zieht, ist wie gesagt ganz unterschiedlich.

    Es stellt sich die Frage, was die Aufständischen da machen sollen, rein praktisch gesehen.
    Wenn sie keine Möglichkeit finden, die Gefangenen zu internieren, müssen sie sie halt laufen lassen. Was auch sonst? Die Aussicht macht es den Gegnern auch leichter, sich zu ergeben. Und es geht hier ja offensichtlich nicht um den örtlichen Geheimdienstchef oder so, wo man einen "kurzen Prozess" unter diesen Umständen noch verstehen könnte, sondern um ganz normale Soldaten.

    Zitat von Earendil77 Beitrag anzeigen
    Sicher war es notwendig, die Revolutionen 1789 ff. in Frankreich und 1917 ff. in Russland gewaltsam / militärisch zu verteidigen.
    Hm. Mit Terror? Eher nicht.
    Nein. Hab ich doch deutlich genug geschrieben.
  9. #108

    Zitat von tetaro Beitrag anzeigen
    Es bleibt Spekulation, wie die Geschichte gedeutet worden wäre, wenn die Sache anders ausgegangen wäre. Für die Südstaaten ging es immerhin auch um ihre Freiheit und Souveränität.
    Also um Werte, die heute auch ein große Rolle in solchen Konflikten spielen.
    Genau. Es ging um die Freiheit, Sklavenwirtschaft zu betreiben.

    Es bleibt aber keineswegs Spekulation, wie die Geschichte gedeutet worden wäre, wenn die Sache anders ausgegangen wäre. Auch wenn sie sich in den Staaten ein paar Jahre länger gehalten hätte, würde Sklavenhalterei heute als eine Wirtschafts- und Gesellschaftsform von vorvorgestern gedeutet werden. Rollbacks haben historische Paradigmenwechsel auch noch nie verhindert, sondern allenfalls verzögert
  10. #109

    Zitat von alphabravo31 Beitrag anzeigen
    (...) zumindest wenn man für sich das moralische recht und die richtige, gute, gerechte seite beansprucht.
    Ich sehe nicht, dass irgendjemand das für sich beanspruchen würde. Sie dichten den Aufständischen Ihre eigenen Werte, Wünsche und Moral an und wundern sich dann, wenn die dem nicht entsprechen. Verzeihen Sie bitte, aber was soll der Quatsch?

    Ich weiß nicht, ob Sie es mitbekommen haben, aber die Situation in Syrien ist offensichtlich vollkommen anders als in unserem friedlichen, sicheren, demokratischen und freien Rechtsstaat. Ich fürchte, unsere moralischen Werte und Vorstellungen von Gerechtigkeit können, nein: müssen wir uns bei der Bewertung der Situation in Syrien gepflegt in die Haare schmieren. Nebenbei gehe ich jede Wette darauf ein, dass Sie Ihre Vorstellungen von moralischen Werten und Gerechtigkeit sehr, sehr schnell, äh, "anpassen" würden, wenn Sie sich in einer Situation wieder finden würden, wie sie in Syrien herrscht. (Ich hoffe inständig, dass Ihnen, mir und allen anderen hier das erspart bleiben möge.)