Was wäre denn, wenn die demokratische Mehrheit der Aufständischen einen islamischen Staat will? Wäre es nicht typisch westlich-arrogant und obendrein undemokratisch, den Leuten vorschreiben, dass sie Freiheit und Demokratie zu wünschen haben? Hm.
Und um die Verwirrung komplett zu machen: nur weil ein Teil dieser Aufständischen aus Islamisten besteht oder von diesen unterwandert ist -- was durchaus eine perfide Strategie des Assad-Regimes und seiner Verbündeten sein könnte -- so bedeutet das noch lange nicht, dass alle Aufständischen gleich auch Islamisten sein müssen. Das ist nämlich der eigentliche Punkt: die Aufständischen sind gar keine homogene Gruppe, sondern teilweise Demokraten, teilweise Islamisten und teilweise anders motivierte Menschen, deren Gemeinsamkeit nicht langfristige politische Ziele sind, sondern nur das kurzfristige Ziel, sich von der Unterdrückung des Assad-Regime zu befreien. Das ist doch auch eine bemerkenswerte Aussage: dass die Abneigung gegen das Unterdrückerregime so stark ist, dass sie sogar Demokraten und Islamisten miteinander vereint.
Was danach kommt? Das weiß ich so wenig wie Sie, wie alle anderen hier und wie sicherlich auch die Aufständischen selbst. Aber dafür sind die Syrer dann selbst verantwortlich.
Richtig. Deswegen verfolge ich persönlich einen gänzlich anderen Ansatz, nämlich einen humanistischen. Ich lehne es ab, wenn Menschen sterben, besonders wenn der einzige Grund dafür der Machterhalt eines brutalen Gewaltherrschers und seiner schmierigen innen- wie außenpolitischen Freunde ist. Ich lehne es ab, dass egal zivile Wohngebiete mit schwerer Artillerie bombardiert werden, und auch wenn ich es für nachvollziehbar halte, dass die Aufständischen keine Gefangenenlager errichten und sie noch viel weniger unterhalten können, so lehne ich es dennoch ab, dass Gefangene gefoltert oder gar getötet werden.
Tatsächlich kann man nur für ein Ende der Gewalt eintreten, und dafür ist Assad verantwortlich -- ganz genauso, wie er ja auch für ihren Ausbruch verantwortlich war und ist. Wie es danach weitergeht, ob mit Assad oder ohne, ob in einem vereinten Syrien oder mit einer Aufteilung auf mehrere Einzelstaaten, oder oder oder: das ist dann Sache der Syrer, und deren Entscheidung ist zu akzeptieren. Wenn diese in einem islamischen Staat leben wollen, müssen wir schauen, ob wir uns damit arrangieren können und wollen -- und, ganz ehrlich: sogar die Schari'a halte ich trotz aller berechtigten Kritikpunkte daran für ein besseres Rechtssystem als die rechtlose und korrupte Willkürherrschaft des Assad-Regime.

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