Zitat von
inkorekt
die chance, sich tiefgreifend zu zivilisieren, hat dtld. zuletzt bei der wiedervereinigung verpasst.
hätte man seinerzeit den aufkommenden nationalen irrationalismus im keim erstickt, hätten wir es hier heute womöglich mit einer grundzivilen, kosmopolitischen gesellschaft zu tun.
das 'neue' deutschland startete nicht nur mit trubel, trabbis, freudentränen, sondern auch mit "deutschland in den grenzen von 1937!"-transparenten, reichskriegsflaggen in den vorgärten, (tolerierten) pogromen gegen vietnamesen und asylbewerber, der 'normalisierung' des rechtsradikalismus zur jugendkultur, 'national befreiten zonen', 'kameradschaften' und 'heimattreuer front', baseball bats und 'bordstein-kick' und mehreren dutzend rechtsideologisch motivierten mordtaten. geschichtsklitterung, relativierung und die verdrängung historischer schuld inkl. kreation nationaler opfermythen wurden volkssport, die tabuisierungen nationalistischer und revisionistischer reden und anschauungen sukzessive aufgeweicht.
eine gesellschaftliche problematisierung dieses fehlstarts hat nie stattgefunden. er wurde als historische beiläufigkeit abgehandelt wie mittlerweile alles was dem kollektiven wunsch nach 'normalität' und nationalidentitärer selbstaufwertung in die quere kommt.
vor dem hintergrund dieser fehlentwicklung werden auch die indifferenten, bagatellisierenden und abwehrenden reaktionen vieler deutscher auf das bekanntwerden des rechtsterrors verständlich.
das 'ansehen im ausland' ist objektiv gesehen wohl eins der geringeren probleme dieses landes.