Die Bürger Schwedens sind empört. Geht es nach ihrem Ministerpräsidenten, sollen sie künftig erst im Alter von 75 Jahren in Rente gehen dürfen. Fredrik Reinfeldt hat eine simple Begründung: Wer lange lebt, muss lange arbeiten.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...813945,00.html
Auch wenn es viele nicht gerne hören: Jahrelang ohne Arbeit, damit ohne Struktur, ohne Teilhabe am normalen Leben etc. zu existieren - und das, bei der heute möglichen Lebenserwartung, ist auch nicht unbedingt der Idealzustand. Und die "restlichen" 20 Jahre mit Kreuzfahrten oder in komfortablen Wellness-Bunkern zu verbringen (was auch nicht das Gelbe vom Ei darstellt) ist für die Mehrzahl von uns wohl auch nicht drin. Bleibt noch das Versumpfen vor der Glotze, unterstützt von ein paar rosaroten Pillen vom Arzt.
Warum keine - an Alter und Leistungsfähigkeit - angepasste "Altersteilzeit"? Viele Ältere, die ich kenne, wären froh, sie dürften noch regelmäßig etwas tun - und gehörten so noch dazu. Muss ja keine 40 Stunden Woche sein. Und es muss ja auch nicht der Baufacharbeiter mit 70 noch auf dem Gerüst herumsteigen müssen.
Alles eine Frage der Ausgestaltung, aber der Proteststurm scheint mir vor allem von denjenigen auszugehen, die noch glauben, dass dauerhaftes Nichts-Tun ein paradiesischer Zustand sei.
Jedenfalls aus Sicht einer finanzierbaren, sozialen Altersabsicherung, und dereinst noch ertraeglichen "Altendurchfuetter-Lasten" der nachfolgenden Generationen mit ihren munter wachsenden Scharen der -mehr oder weniger- ruestigen Alten.
Ob nun 65, 67, 70 oder 75 Jahre, darueber laesst sich, und auch mit Blick auf die Machbarkeiten am Arbeits(nachfrage)markt akademisch wie stammtischlich prima diskutieren.
Fakt aber ist doch, und wenn man das System "Rente" (i.d.Form!) beibehalten moechte, dass es finanzierbar, und nicht auf "Pump", funtionieren soll. Und dies auch bei stagnierenden demografischen wie sonstigen sozio-oekonomischen Umfeld.
Die Hauptfrage aber betrifft das Thema 'Arbeit' selbst, und dessen Zukunft. Also nicht im Sinne v."beschaeftigt sein", sondern produktiver, margenerzielender Arbeit.
Ein an Baustellen, im Bergbau arbeitender Mensch, ein Fischer, ein Lkw-fahrender arbeitender Mensch, ein Musik und Literatur produzierender Mensch, ein am Buerocomputer und Schreibtisch sach-arbeitender Mensch, ein akademisch denk-arbeitender Mensch, u.s.w., sie alle leisten, irgendwie, "Arbeit". Die aber ist als solche -mehr oder weniger- unvergleichbar. Man vergleicht also statistisch-versicherungstheoretisch Kartoffeln mit Aepfeln und trop.Mangos. Das geht nicht auf.
Bei der einen Gruppe der arbeitenden Menschen ist es eher wahrscheinlich, dass diese nicht bis zum -schon bisherigen- Renteneintrittsalter durchhalten, bei den anderen wahrscheinlicher das diese d.Arbeit auch bis >75J. noch -theor.- erledigen koennten.
Fakt aber, je spaeter diese i.d. Renten-Ruhestand gehen, desto kuerzer ist die Zeit, in der diese vor dessen Ableben (u.a.) Sozialrentensystemleistungen, und mehr, erhalten werden. D.h., der Druck auf die, die all das f.d. Rentner sozial-durchfuetter-finanzieren muessen, koennte mglw. so ertraeglich bleiben/werden.
Rentenbeziehende Menschen, d. aber durchnittlich laenger (volle) Rentenleistungen bis zum Ableben erhalten, und bei optimalerweise ausgeglichenen Verhaeltnis zu Rentengeld erwirtschaftenden, heisst, dass die Renten (u.a.Sozialabsicherungen) erarbeitenden Menschen sodann ueberdurchschnittlich mehr in die Renten- wie Sozialkassen einzahlen muessen (wenn sich diese d.Mehrabgabe auf Dauer denn gefallen liessen), oder,
sich der Staat f.seine wachsenden Rentnerscharen verschuldet. Letzteres aber ist eine asoziale Renten-&Sozial-Zeche, die -und so laeuft es derzeit- die nachfolgenden Generationen noch bitter zu erleiden haben.
Es ist wirklich erstaunlich, dass 90 Prozent der Bürger eines Landes, in dem es die Schulpflicht gibt, meinen, zwar werde der Mensch älter, aber die Lebensarbeitszeit könne doch durchaus gleich bleiben. Und das in Zeiten der Globalisierung, in denen die Dritte Welt nach unseren Arbeitsplätzen giert. Wollen die Schweden lieber sterben als zu arbeiten? Oder hoffen sie, dass demnächst die Inder die Rente für die 30 Rentenjahre europäischer Wohlstandsbürger überweisen? Oder meinen die, es sei gerecht, das Sozialsystem und damit die Gesellschaft zu zerstören, weil ja der Unternehmer, der ihnen ja immerhin noch den Arbeitsplatz geschenkt hat, sich auch nicht einschränken müsse?
Mitte-Rechts oder Neoliberalismus existiert im westlichen Europa nicht und wie Sie den Begriff faschistoid im Zusammenhang mit der schwedischen Regierung einsetzen können, wird wohl auf ewig Ihr Geheimnis bleiben. Fakt ist, alle wesentlichen Staaten in Europa sind mehr oder weniger stringente Umverteilungs- und Gleichmachermaschinen, was an der hohen Staatsverschuldung ja überdeutlich zu sehen ist. Diese Rechnung wird wohl jetzt auch den Schweden präsentiert.
Der letzte Satz ist noch der Lustigste: "Denkt..." Ein Ballerspiel auf die Realität zu übertragen und ein wenig hassgeladene SED- oder NPD-Würze mit hineinzupacken ist also "denken". Aber, lieber Kollege: Es sind nicht die Herrschenden, die die Verhältnisse gestalten, es sind auch nicht die Juden oder die Kulaken, sondern die Verhältnisse sind so - es gibt eine unabänderlich vernetzte und deshalb globalisierte Welt. Dieses Rezept, einen Schuldigen zu präsentieren, um anschließend die Macht an sich zu reißen und Jagd auf ihn machen zu können, ist seit dem letzten Jahrhundert passé.
Leider lassen die Menschen es zu, daß solche emotional verarmten Wirtschafts-Marionetten, in der Politik das Sagen haben.
Die Manipulationen sind schon so weit fortgeschritten, daß die Menschen gar nicht mehr merken, wie sie verblöden und Meinungen annehmen, die so gewollt sind.
Man sieht es hier mit dem Nichtrauchergesetz, wie hier Menschen diskreminiert werden und die militanten Nichtraucher auf Hochtouren laufen.
Da gibt es viele Beispiele.
Jetzt geht die Menschenverachtung so weit, daß alte Menschen kein Anrecht mehr auf ihre eingezahlten Rentenbeiträge haben, während sich die Herren Berufspolitiker die Taschen vollstopfen und medizinisch privat bestens versorgt werden.
Die Agenda 2010 von Schröder war das asozialste was durchgesetzt wurde, keiner hat aufgemuckt.
Es ist also völlig sinnlos sich über solche Dinge aufzuregen, wenn das Volk sich nicht einig ist und gegeneinander arbeitet und der Einzelne in einer virtuellen Welt isoliert ist.