Punk-Tragikomödie "Sons of Norway": Die Nackten und der Pogo

Alamode FilmOkay, die Sicherheitsnadel in der Backe kann bleiben - aber nur, wenn du dich im FKK-Camp ausziehst! In "Sons of Norway" üben ein Althippie und sein Punker-Sohn die Selbstbefreiung zum Sound der Sex Pistols. Das gefällt Johnny Rotten so gut, dass er als Gaststar eine harte Weisheit verbreitet.

http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,842104,00.html
  1. #1

    Immer diese Sex Pistols

    Die Schaffung der Band (aus Boutique-Kunden) war vielleicht noch Punk im weiteren Sinne, der Bestand der Band bzw. die Band selbst aber eigentlich das genaue Gegenteil: Zusammengecastet und nach der Pfeife von Malcolm McLaren tanzend (im Grunde nichts anderes, als das, was Dieter Bohlen heute so macht).
    Ramones, The Clash, Stiff Little Fingers.... Das war Punk (bei den Ramones allerdings rein musikalisch, bei Clash und SLF auch inhaltlich). Die Pistols waren nicht viel mehr als ein Konsumprodukt, das ein Bedürfnis befriedigte, welches McLaren sehr clever erkannt hatte.
  2. #2

    Eine Nonkonformisten-Uniform

    war der Punk.

    Heute habens die Kids aber noch schwerer mit der Provokation. Bei uns damals haben schon Bluejeans ausgereicht, um dem Opa den Adrenalinspiegel zu heben.
  3. #3

    Zitat von zappa99 Beitrag anzeigen
    war der Punk.

    Heute habens die Kids aber noch schwerer mit der Provokation. Bei uns damals haben schon Bluejeans ausgereicht, um dem Opa den Adrenalinspiegel zu heben.
    Echt ? Meine ersten, richtigen "Nietenhosen" hatte ich von Opa.

    (Eine habe ich übrigens immer noch, frühe 50er, warte immer noch auf einen reichen Japaner...)
    Geändert von ( um Uhr)
    Mit schönen Grüssen aus Hamburg/Barmbek
    falls diese Nachricht ins Forum gelangt
  4. #4

    Weiß jemand was das für ein Lastenmoped ist mit dem die Zwei zerumfahren?

    Um zu provozieren genügte es in meiner (Katholischen) Gegend übrigens schon eine Evangelische Freundin mit nach Hause zu bringen.
  5. #5

    Weiß jemand was das für ein Lastenmoped ist mit dem die Zwei zerumfahren?

    Um zu provozieren genügte es in meiner (Katholischen) Gegend übrigens schon eine Evangelische Freundin mit nach Hause zu bringen.
  6. #6

    Zitat von dasbeau Beitrag anzeigen
    Zusammengecastet und nach der Pfeife von Malcolm McLaren tanzend (im Grunde nichts anderes, als das, was Dieter Bohlen heute so macht).
    Eine Sichtweise, die auf Aussagen von eben jenem McLaren basiert und darum etwa so glaubwürdig sind, wie das, was besagter Bohlen so von sich gibt. Johnny Rotten äussert sich da diametral anders. Die Wahrheit, wer wieviel positiven oder negativen Einfluss hatte, mag vielleicht in der Mitte liegen.

    Das als Casting, insbesondere im heutigen Sinne, zu bezeichnen ist so oder so relativ lächerlich. Immerhin gingen die Pistols aus The Strand und damit einer bestehenden Band hervor. Dass man im Laufe der Entwicklung passende Leute gesucht hat ist auch ein ziemlich normaler Vorgang. So gesehen könnte man wohl jede Band als "gecastet" bezeichnen, immerhin finden sich selten Leute durch reinen Zufall auf der gleichen Bühne wieder. Der einzige Ausfall und quasi Prototyp moderner Posterboys war da eigentlich nur Sid Vicious.

    Was nicht heissen soll, dass gerade musikalisch sich die Relevanz in Grenzen hält. Aber es sind selten die besten Bands, die die meiste Aufmerksamkeit bekommen. Dass das Ganze mitsamt allen negativen Punkten gewissermassen stilbildend war lässt sich darum kaum bestreiten. Ob mehr oder weniger als The Clash oder Ramones ist dabei eigentlich auch ziemlich egal..
  7. #7

    Kenner

    Da kennt sich jemand aus. Sehr schön.
    Ja, vermutlich liegt die Wahrheit tatsächlich in der Mitte (ein Casting im heutigen Sinne habe ich auch nicht gemeint. McLaren hat sich aber die Jungs rausgesucht, die er für sein Vorhaben als geeignet erachtete).
    Fakt ist jedoch, dass die Sex Pistols, wie wir sie kennen, gezielt inszeniert und vermarktet wurden. Nicht ganz anders erging es zu Beginn auch keinen geringeren als den Beatles und auch vielen anderen. Bei den Sex Pistols steht diese Vorgehensweise jedoch im kompletten Gegensatz zum Wesen des Punk. Das war alles andere als Anarchie, Rebellion o.ä., sondern gezieltes Nutzen des Marktes. Das sollte eigentlich Kern meines Postings sein. Die Stilbildung und den Einfluss der Sexpistols will ich gar nicht leugnen. Sorry, wenn dies so rübergekommen ist.
  8. #8

    Zitat von dasbeau Beitrag anzeigen
    Bei den Sex Pistols steht diese Vorgehensweise jedoch im kompletten Gegensatz zum Wesen des Punk. Das war alles andere als Anarchie, Rebellion o.ä., sondern gezieltes Nutzen des Marktes.
    Ok, so kann man das sicher eher stehen lassen. Wobei das ja generell ein Problem von Subkultur-Bands ist, die einerseits eine Anti-Haltung gegenüber Kommerz, Mainstream und allem verkünden, andererseits aber wie alle letztlich genau so den Zwängen von Privatleben und Geschäft ausgesetzt sind. Darum wird da ja zwangsweise sehr viel Illusion verkauft. Punk war so gesehen halt gar nie das, was sehr viele offenbar darin sehen wollten.

    Wobei man es wiederum genau als Punk bezeichnen kann wenn solch eine Band es schafft mit ein wenig Gitarren-Geschrammel schafft, alle aufs Kreuz zu legen, inklusive all der Leute, die ihr Zeug kaufen und ihren Stil nachäffen ohne zu kapieren dass "Individualität" in uniformer Masse nur lächerlich ist. Und sich das Ganze dann noch stilgerecht selbst zerlegt. Da sieht man gerade in dem Genre heute bedeutend mehr Heuchelei.
  9. #9

    Zitat von dasbeau Beitrag anzeigen
    Die Schaffung der Band (aus Boutique-Kunden) war vielleicht noch Punk im weiteren Sinne, der Bestand der Band bzw. die Band selbst aber eigentlich das genaue Gegenteil: Zusammengecastet und nach der Pfeife von Malcolm McLaren tanzend (im Grunde nichts anderes, als das, was Dieter Bohlen heute so macht).
    Ramones, The Clash, Stiff Little Fingers.... Das war Punk (bei den Ramones allerdings rein musikalisch, bei Clash und SLF auch inhaltlich). Die Pistols waren nicht viel mehr als ein Konsumprodukt, das ein Bedürfnis befriedigte, welches McLaren sehr clever erkannt hatte.
    Vielleicht ist aber auch eine Defintion, "was Punk ist" schon wieder ziemlich Un-Punk? Ich weiss, meine Aussage selbst ist paradox. Aber genau das finde ich auch das Spannende an "Punk".
    M. McLaren hat ja mit dem Great Rock'n'Roll Swindle gezeigt, was er vor hatte: aus Punk eine Marke zu machen. Das ist ihm mit Bravour gelungen und ihm müsste das Herz aufgegangen sein, als traditionelle "Insignien" des Punk in der breiten Mode ankamen. Politik und Attitüde mussten dabei draussen bleiben.
    The Clash u.a. haben Punk von früh an stark politisch links aufgeladen und viele große Bands haben dies weitergeführt (Dead Kennedys, Bad Religion...). Weiss nicht mehr, wer das gesagt hat, aber es bringt den Unterschied ganz gut auf den Punkt: Wenn The Clash was von Riot sagen, dann geht es ziemlich sicher um Sozialismus und Klassenkampf, bei den Pistols darum, dass ihnen jemand in ihr Bier gespuckt hat.

    Aber die Attitüde der Pistols würde ich nicht als "weniger Punk" bezeichnen. Deren "Anarchy" hatte halt nur nichts mit einem belesenen Anarchismus oder fundierter Auseinandersetzung mit linker Theorie zu tun, sondern war ein Nihilismus gegenüber allem Etablierten. Finde ich sogar den radikaleren Ansatz, lief dann aber recht schnell ins inhaltliche Nichts. Wobei John Lydon sicher schlau genug war, das frühzeitig zu erkennen. Hat er dann musikalisch und von der Idee eines kreativen Kollektivs her ja auch mit PIL gezeigt.