Wenn unsere Finanzmärkte Aufgrund von psychologischen Einflüssen zusammenbrechen, muss man das System hinterfragen.
Es würde auch niemand in Flugzeuge steigen die abstürzen weil einige Passagiere Flugangst haben.
Chaos an Finanzmärkten bricht immer dann aus, wenn emotionale Psychologie statt rationaler Ökonomie regiert - sagen Ökonomen. Der Psychologe Fritz Strack hält das für eine bequeme Ausflucht: Als ob die menschliche Psyche keinen Regeln folgte!
http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...585425,00.html
Wenn unsere Finanzmärkte Aufgrund von psychologischen Einflüssen zusammenbrechen, muss man das System hinterfragen.
Es würde auch niemand in Flugzeuge steigen die abstürzen weil einige Passagiere Flugangst haben.
Im Prinzip kann das 'Versagen der Märkte' auf drei mögliche Ursachen zurückgeführt werden:
1. Inkompetenz der Akteure
2. Kriminelle oder unethische Verhaltensmuster der Akteure
3. Ein Versagen der Modelle der Wirtschaftswissenschaften
Bislang werden hauptsächlich die ersten beiden Faktoren als mögliche Ursachen für die Krise diskutiert, doch es spricht vieles dafür, dass der dritte Punkt der Bedeutendste der drei Genannten ist.
Dafür spricht vor Allem, dass die Krise von Vielen, jedoch kaum von den 'Wirtschafts-Experten' vorausgesehen wurde. Wahrscheinlich: nicht vorausgesehen werden konnte, weil die Wirtschaftswissenschaften auf falschen Modellen beruhen.
Insbesondere das stark verwendete Modell des 'homo oeconomicus' ist ein Parade-Beispiel für eine (aus Sicht wissenschaftlicher Psychologie) irrationale (weil wissenschaftlich und empirisch unzureichend überprüfte) Konstruktion, die in den Wirtschaftswissenschaften jedoch, weil vielfach verwendete mathematische Modelle darauf beruhen, seit Jahrzehnten als rationale Konstruktion und als eine der Grundvoraussetzungen der Wirtschaftswissenschaften missverstanden wird. Es ist tatsächlich aus Sicht anderer Wissenschaften so: nicht die Krise ist irrational, sondern einige der wichtigsten Methoden der Wirtschaftswissenschaften sind irrational, und andere viele Andere sind schlicht lückenhaft.
Lässt man diesen Gedanken zu, bedeutet das, dass die Ausbildung in dem Bereich möglichst schnell überprüft und umgestellt werden muss. Schon allein weil wir uns Millionen falsch ausgebildeter Wirtschafts-Experten nicht mehr länger leisten können. Ansätze wie die Verhaltens-Ökonomie, die bislang nur ein Schattendasein führen, stellen einen Ausweg aus der Irrationalität zur Entwicklung einer echten Wissenschaftlichkeit dar, und darauf kann und sollte weitaus mehr zurückgegriffen werden.
Sehr schöner Aufruf!
Die Wirtschaftswissenschaften sehen sich gerne in einer Reihe mit der Mathematik oder den Naturwissenschaften, dabei ist "wirtschaften" doch ein sozialer Prozess der sich zwischen Menschen abspielt, mit all ihren Stärken und Schwächen! Ich hoffe, dass wenn schon nicht die Banker, dann zumindest mehr Politiker und zivilgesellschaftliche Akteure aufhören die Wirtschaft wie ein in sich geschlossenes, rationales System zu betrachten. Nichts was Menschen anpacken kann zu 100% ratinal sein, auch nicht wenn es Wirtschaftwissenschaftler von irgendwelchen Business Schools sind! Die psychologischen und sozialen Komponenten müssen einen viel größeren Raum innerhalb der Wirtschaftswisschenschaften einnehmen! Auch neuere neurowissenschaftliche Erkenntnisse verdeutlichen, dass vor allem die Rational Choice Theorien auf den Müllhaufen der Geschichte gehören! Der Mensch ist nunmal nicht so frei und rational wie ihn das Bildungsbürgertum gerne hätte! Umso wichtiger ist es die Menschen erst besser zu verstehen bevor man an Systemen herum nörgelt oder ebendiese verteidigt!
Ich frage mich bereits seit Längerem, ob man diesem Börsen auf und ab überhaupt mit realen Mitteln beikommen kann!
Wo spiegelt Börse denn noch einen realen Wirtschaftswert ab? Und die Finanzmärkte ? Wo sind denn da noch reale Dinge zu sehen?
Ist nicht der gesamte Markt in der Hand von Spekulanten, die heute zu 90 % ?? das Wirtschaftsgeschehen an Börsen und Waren( Termin ) märkten bestimmen?
Runter die Börsen, kaufen und bereits nach kürzester Zeit zur Risikominderung Gewinne mitnehmen und wieder verkaufen, das scheint angesagt zu sein! Ölpreis ?? Fern jeder Realität ! Goldpreis sackt ins Bodenlose? ( unter 700 $ ? ) Ist das nicht ALLES Spekulation ?
HFB
Als Naturwissenschaftler lese ich selten Meinungsäußerungen von Psychologen, die ich ernstnehmen kann. Daher freut es mich besonders, in diesem Artikel eine so erfreulich sachliche Ausnahme zu finden, der ich voll zustimmen kann.
Es wird dringend Zeit, dass Rahmenbedingungen für Märkte geschaffen werden, die hochriskantes Glücksspiel mit dem Geld anderer Leute nicht länger belohnen.
Das ist wie mit der Reibung in der Physik - normalerweise kann man sie vernachlässigen und die Modelle liefern trotzdem brauchbare Ergebnisse (wirklich "wahr" sind Modelle ja fast nie). Es gibt aber Situationen (einen Steinblock auf Stein schieben z.B) da ist Reibung fast das Wesentliche. Genauso hier. Wir sind alle einigermaßen vernünftig, BIS WIR PANIK bekommen. Und das ist in den meisten Öko-Modellen nicht drin. Deswegen sind sie aber nicht falsch sondern nur unvollständig.
...."und wenn die Experten (hier: die Rating-Agenturen) mit den Anbietern unter einer Decke stecken, ist der Kunde völlig verloren."
SPON vorneweg zitiert tagtäglich "Experten" und ich weiß gar nicht wie oft ich dies hier schon kritisiert habe.
Wenn ich schon das Wort "Experte" lese oder höre schwillt mir inzwischen der Kamm.
Bei einem "Experten" interessiert mich zuallererst, bevor ich überhaupt weiterlese, wer ihn bezahlt bzw. womit er sein Geld verdient.Leider fehlen diese Angaben meißtens, sodass der Informationswert schon mal gegen Null tendiert.
Wenn ich dann ausnahmsweise der Information entnehmen kann, welches Interesse dieser "Experte" verfolgt, kann ich die dargelegte Meinung halbwegs einschätzen.
Ohne diese Hinweise ist das zitieren von "Experten" sinnlos, liebe SPON Redakteure.
"Experte" darf sich grundsätzlich jeder nennen, das ist überhaupt kein Qualitätsmerkmal.
So, nun mal zu der "Finanzkrise".
Mußte ich ein "Experte" sein um diese Krise vorauszusehen?
Keinesfalls. Ich mußte ein "Experte" sein um den Menschen vorzugaukeln, dass es keine Krise gibt, sondern nur unendliche Gewinne.
Da alle "Experten", Gewinner dieser Darstellung waren, haben praktisch auch keine "Experten", zumindest öffentlich, vor dieser Krise gewarnt, bis auf wenige Ausnahmen. Die wollte aber keiner hören, denn mit dieser Meinung ließen sich die "Scheingewinne" nicht fortsetzen.
Der Grund für diese Krise, ich habe diesem Sachverhalt schon öfter meine Aufmerksamkeit gewidmet, ist im wesentlichen das amerikanische Außenhandelsdefizit, so einfach ist das.
Wenn ein Land über Jahre ein gigantisches Außenhandelsdefizit aufbaut, muss irgendwo das Geld herkommen. Das Geld kann ich im Inland drucken, Kredite vergeben, da sind die Möglichkeiten schon erschöpft.
Amerika, so habe ich es in einem anderen Beitrag geschrieben, nimmt mit der "Leitwährung Dollar" praktisch den Rest der Welt in Geiselhaft. Das Ende vom Lied ist, dass als im Inland kein Geld mehr aufzutreiben war, die faulen Kredite ans Ausland verkauft wurden, z.B an 10.000 Menschen in Hamburg die ihre Ersparnisse zur Finanzierung des amerikanischen Konsums ausgegeben haben.
Wenn das kein vorsätzlicher Betrug ist, brauchen wir dementsprechend neue Gesetze, die das unter Strafe stellen.
Aber es kommt noch besser. Jetzt fliegt der Betrug auf und jetzt wird mit unseren Steuergeldern die amerikanische Rechnung bezahlt.
Das ist kein guter Witz, darüber kann keiner mehr lachen.
Die das veranstaltet haben gehören in den Knast.
Schneider hat 6 Jahre bekommen und er hat recht wenn er heute sagt, das was er gemacht habe seien "Peanuts" dagegen.
Dahinter steht eine Frage, die uns wohl noch länger beschäftigen wird: die der Verantwortung.
1. In wievielen Fällen stand schlicht eine persönliche Inkompetenz (etwa der die strukturierten Produkte ein- und verkaufenden Banker) dahinter? Das würde die hohen Lohn und Boni-Zahlungen an die 'Berufs-Experten' völlig ad absurdum führen, und Lohn Rückzahlungsforderungen begründen.
2. In wievielen Fällen stand ein übergrosses Gewinnstreben dahinter, welches Schädigungen an Vielen billigend und wissend in Kauf nahm? Das würde nicht nur Lohn-Rückforderungen, sondern auch zivil- und strafrechtliche Vorgehensweisen der Aufklärung und Ahndung begründen.
3. In wievielen Fällen standen an den Universitäten und Fortbildungsinstituten gelehrte, unvollständige Wirtschaftsmodelle, dahinter? Was ist, wenn eine ganze Gruppe von 'Führungsfiguren', unsere 'Wirtschafts-Elite', schlicht unzureichend ausgebildet worden ist?
Unter dieser Annahme, wird es komplexer bei der persönlichen Inhaftungsnahme, und die Konsequenzen sind zusätzlich in einem anderen Bereich, in der Ausbildung, zu ziehen.
Mir ist bewusst, dass mit diesem Gedankengang die Tür für billige Ausreden geöffnet wird, das ist eine Gefahr. Doch darum auslassen sollte man diese Sichtweise andererseits deshalb nicht, weil die Lösungen ansonsten in einem möglicherweise zu engen Umkreis gesucht und gefunden werden, und die nächste Krise aufgrund der unvollständigen Lösungen schneller käme, als uns allen lieb sein kann.
In der Realität dürften in individuellen Fällen der Verantwortungszuschreibung vermutlich mindestens diese Faktoren in unterschiedlichen Mischunsverhältnissen eine Rolle gespielt haben. Das macht es sicher nicht einfacher ... initiiert jedoch (hoffentlich) adäquatere Lösungsstrategien für die Zukunft ...