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Psychologie der Finanzkrise: Die verrückte Mär vom irren Markt

Chaos an Finanzmärkten bricht immer dann aus, wenn emotionale Psychologie statt rationaler Ökonomie regiert - sagen Ökonomen. Der Psychologe Fritz Strack hält das für eine bequeme Ausflucht: Als ob die menschliche Psyche keinen Regeln folgte!

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...585425,00.html
  1. #10

    x

    Der ganze Artikel ist Unsinn. Er geht von der falschen Grundannahme aus, daß die Entwicklungen auf dme Kapitalmarkt lediglich "Fehlentwicklungen" seien - auf der Grundlage falscher Entscheidungen. Wodurch in Einzelfall auch immer ausgelöst und begünstigt. Entwicklungne, die man korrigieren kann und dann geht alles wieder seinen kapitalistischen Gang.

    Das ist Quatsch. Der Kapitalismus hatte bereits in den 70/80er Jahren einen Punkt erreicht, an dem echtes (Gesamt-)Wachstum nicht mehr mglich war. Die Rationalisierungseffekte waren zu groß geworden, die strukturelle Massenarbeitlosigkeit, eine logische Folge der Rationalisierungen, verdarb die theoretischen Rechnungen. Und auch der Keynesianismus hatte bereits seine Grenzen erreicht.

    Eigentlich hätte es damals zum Crash kommen müssen, da dieses Wirtschaftssystem bekanntlich ohne Wachstum umgehend im Eimer ist. Aber man hat noch einmal Zeit gewonnen und zwar durch zwei Maßnahmen:

    1. Massive Staatsverschuldungen und

    2. Eine unregulierte Ausweitung des Kapitalmarktes.

    Während auf der einen Seite alle "Experten" die Inflation durch Drucken von Geld durch dne Staat verdammen, nahmen sie es gleichzeitig hin, daß am Kapitalmarkt in bis dahin unvorstellbarem Maße virtuelles Geld gedruckt wurde, praktisch aus dem Nichts entstand. Da dieses Geld aber im Wesentlichen im Kapitalmarkt blieb, erzeugte es keine realwirtschaftliche Inflation. Im Gegenteil saugte der Kapitalmarkt sogar Geld aus der Realwirtschaft ab.

    Das ganze Wachstum der letzten 30 Jahre war fiktiv! Geld akkumulierte Geld und von Zyklus zu Zyklus kreiste mehr völlig ungedecktes Geld im Kapitalmarkt. Wenn man von der klassischen Theorie des Kapitalmarktes als Geldbeschaffer der Realwirtschaft ausgeht, daß also die Kapitalmärkte nur eine Vorwegnahme zukünftiger, echter Akkumulation in der Realwirtschaft über Kredite darstellen, dann erreichte die Summe dieser Vorwegnahme schon zur Jahrtausendwende die zu erwartende Realakkumulation des gesamten 21.Jahrhunderts!

    Das Ding MUSS einfach mit einem großen Knall platzen! Es geht gar nicht anders! Wenn nicht jetzt, dann in 5 oder 10 oder 20 Jahren - je länger um so größer wird der Knall. Und jeder, der nicht die Augen davor verschloß, wußte das auch! Aber alle haben das Spiel mitgespielt, in der Hoffnung, daß es noch ein wenig weitergehen möge...
  2. #11

    Risikoabschätzung - Computerspiele zum Üben

    Spontan fallen mir zwei Computerspiele ein, bei denen der Spieler sehr stark seine Risiken abschätzen muß:

    "Final Liberation" - ein zugbasiertes taktisches Kriegspiel:

    1. Innerhalb einer Mission (Eroberung einer Provinz):
    Man kann Kontrollpunkte einnehmen und nach Möglichkeit halten, dies senkt den "Gefechtspunktestand" des Gegners. Genauso senkt es diesen Punktestand, wenn Einheiten zerstört werden.
    Gleiches gilt natürlich auch für die eigenen Truppen.
    Wessen Gefechtspunktestand (abhängig von Truppenstärke) zuerst auf Null gefallen ist, hat verloren.

    2. Gesamtfeldzug (Eroberung des Planeten):
    Ersatz/ Reparatur im Gefecht beschädigter oder zerstörter Einheiten, sowie ev. neue Gerätschaften kosten relativ viel Geld. Das Geld erhält der Spieler aus Steuern der eroberten Provinzen. Gerät der Vormarsch ins Stocken (z.B. wegen zu hoher Verluste), so greift der Gegner an der schwächsten Stelle an.

    Um das Spiel zu gewinnen, muß ständig abgewogen werden:
    -Welches Risiko MUß ich eingehen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen ? (Wer zu zögerlich ist, hat auch keine Chance !)
    -Wie hoch dürfen meine Verluste maximal sein, damit es kein "Pyrrhus-Sieg" wird ?

    Das Spiel arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten und dem Zufallsgenerator. Man kann zugweise abspeichern, das heißt man "übt" Risikoabschätzung.

    "Chaos Gate" - ein ähnliches Spiel, nur ohne "Wirtschaft" und der Spieler steuert einzelne Soldaten und teilweise auch Fahrzeuge. Die Abfolge der Missionen ist vorgegeben (Kampagne).

    Interessant in Bezug auf Risikoabschätzung:
    1. Zerstörte Einheiten werden nur ÄUßERST spärlich (teilw. gar nicht !) ersetzt.
    2. Auf höchster Schwierigkeitsstufe wird nur beim Verlassen des Spiels gespeichert. Beim nächsten Mal geht es dann genau da weiter. Wenn also z.B. ein Fahrzeug in Mission 7 zerstört wurde, dann steht es eben in Mission 10 nicht mehr zur Verfügung. Die Konsequenzen erlebt der Spieler ganz direkt auf dem Schlachtfeld, wenn er feststellen muß, daß seine Truppen zu ausgedünnt sind, um den Gegner noch besiegen zu können.

    Bezogen auf "den Investmentbanker": Wenn für ihn Risiko mit anschließendem Erfolg Gewinn bedeutet, aber Risiko mit anschließendem Verlust ohne Konsequenzen bleibt, wie, und vor allem weshalb, soll er dann sinnvolles Risikomanagement lernen ?
  3. #12

    Interessant...

    Jetzt wird die Wirtschaft schon mit Kriegs-Computerspielen verglichen! Kann man die Idiotie und Realitätsferne des Kapitalismus noch besser zusammenfassen?

    Btw. Wo ist beim Kapitalismus eigentlich der "New Game"-Button?
  4. #13

    ...

    Zitat von horst1857 Beitrag anzeigen
    Jetzt wird die Wirtschaft schon mit Kriegs-Computerspielen verglichen! Kann man die Idiotie und Realitätsferne des Kapitalismus noch besser zusammenfassen?

    Btw. Wo ist beim Kapitalismus eigentlich der "New Game"-Button?
    Sehen Sie sich doch einfach die Sprache an mit der im Finanz- und Wirtschaftsbereich gesprochen wird. Und nicht nur dort ist die Sprache durchdrungen von kriegerischen Wörtern. Allein das Wort Kampf ist Bestandteil vieler vieler Beschreibungen. Und genau das sagt sehr viel über unser Selbstverständnis aus. Noch immer befinden wir uns wie in archaischen früheren Zeiten im ständigen Wett-Streit, Wett-Kampf, Wahl-Kampf, ...
    Wen wundert es also das sich dieses Unvermögen wohlwollend und kooperativ miteinander umzugehen auch im Wirtschaftsgebaren widerspiegelt? Insofern ist auch eine Computerspielsimulation geeignet als Vergleich herzuhalten, vor allem wenn die dortigen Regeln im Gegensatz zum realen Wirtschaftssystem auch Konsequenzen vorsehen, wenn falsch gehandelt wird.
    New Game button wäre in unserer Situation allerdings wirklich zu wünschen.
  5. #14

    Neue "Spielregeln"

    Zitat von horst1857 Beitrag anzeigen
    Jetzt wird die Wirtschaft schon mit Kriegs-Computerspielen verglichen! Kann man die Idiotie und Realitätsferne des Kapitalismus noch besser zusammenfassen?

    Btw. Wo ist beim Kapitalismus eigentlich der "New Game"-Button?
    Wie Sie oben richtig geschrieben haben, hätte man den "New Game"-Button schon früher drücken sollen. Meine Hoffnung derzeit ist aber, daß das gleiche Spiel mit neuen Regeln versehen wird, bevor dieser Button gedrückt wird.

    Was wir jetzt brauchen, ist Zeit, um diese neuen Regeln auszuarbeiten und aufzustellen. Im Grunde müßte man die "Luft" aus diesen ganzen Blasen ablassen, einschließlich der Bankblase, damit das Finanzsystem stabil ist.

    Ich wiederhole hier, was ich schonmal geschrieben habe:

    1. Eine Bank soll 40-60% der Sichtguthaben in Form von Geld besitzen.
    2.a) Im Falle einer Insolvenz wird dieses Geld anteilig an die Gläubiger der Bank ausgegeben. Kleinsparer erhalten die vollen Beträge ausbezahlt.
    2.b) Kredite und Unternehmensaktien, die die Bank besitzt, werden anteilig unter den Eigentümern der Bank aufgeteilt.
    4. Eine staatliche Großbank, die unabhängig von den anderen Staatsgewalten ist, finanziert langfristige Großprojekte, die die Kapazität normaler Geschäftsbanken überschreiten würde.

    Das entspräche meiner Auffassung von Risiko und Konsequenzen.
  6. #15

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    Diese angeblich archaischen Zeiten ständigen "Wettstreits/kampfes" hätte der Homo Sapiens nie überlebt. Wir neigen dazu, die Vergangenheit mit den Augen der Gegenwart zu sehen. Somit projizieren wir das Bild vom rücksichtslosen Individualisten, welches die Gesellschaft tatsächlich erst mit dem Liberalismus (der Ideologie hinter der Marktwirtschft) seit etwa 300 Jahren zu prägen begann, auf die Menschen der Vergangenheit.

    Dabei übersehen wir wissentlich oder unwissentlich, daß der Mensch ein Sozialwesen ist und nur also solches eine Überlebenschance hatte und hat.
  7. #16

    Den Nagel auf den Kopf getroffen

    Grundsätzlich war es falsch, den Banken unter die Arme zu greifen und die „faulen“ Kredite“ abzukaufen. Die Kredite waren schlecht und bleiben schlecht nur steht jetzt ein anderer dafür Gerade und das ist das Volk. Die Situation hat sich nicht geändert.

    Die EZB – der Eigentümer ist das europäische Volk - gibt den Banken mehr Liquidität um bei fallenden Kursen alle Wertpapiere der verunsicherten Kleinanleger aufzukaufen um sie später wieder teuerer an die Kleinanleger zurück zu verkaufen. Welches Interesse haben die Banken die Talfahrt zu stoppen?

    Die Diskussionen über den Kapitalismus können nur von ideologisch verblendeten Leuten geführt werden. Kein Staat funktioniert ohne Kapitalismus. Bei kommunistischen Systemen gibt es nur einen Kapitalisten und das ist der Staat. Was daraus wurde, weiß jeder und kann heute auch noch in der Praxis in Kuba sehen.

    Was fehlt, sind seriöse Rahmenbedingungen für die Banken. Es müssen alle Leerverkäufe verboten werden, denn sie dienen nur zur Marktmanipulation. Zertifikate und Optionen sind Wettscheine ohne einen realen Wert. Jeder der dieses Papier kauft, muß vorher unterschreiben, daß er verstanden hat, daß er einen Wettschein kauft.

    Noch ein Wort zur Verarmung der Bevölkerung, obwohl dies in diese Debatte nur indirekt betrifft. Der Bürger übersieht, daß was er mehr an Sozialleistungen und Lohn bekommt, ein anderer Bürger für ihn bezahlen muß. In den 70er Jahren hat ein Automechaniker etwa zwei Stunden Arbeiten müssen, um mit seiner Arbeit die Reparaturstunde der Werkstatt bezahlen zu können. Heute muß er etwa sieben Stunden dafür arbeiten. Man sieht daran sehr deutlich, was die Gewerkschaften durch Ihre Forderungen und die Bundesregierungen durch ihre sozialen Wohltaten wirklich erreicht haben. Man liest in der Presse z.B. die Lufthansa wird bestreikt. Das ist falsch. Der Kunde der Lufthansa wird bestreikt, denn der muß nachher dies bezahlen, was eine Gruppe des Volkes ohne Mehrarbeit mehr verdienen möchte. Die Lufthansa hat keine Gelddruckmaschine im Keller. Mehr Sozialismus bedeutet automatisch höhere Kosten und die muß ein anderer Teil der Bevölkerung bezahlen. Oder die Produkte sind unverkaufbar.
  8. #17

    Den Nagel auf den Kopf getroffen

    Grundsätzlich war es falsch, den Banken unter die Arme zu greifen und die „faulen“ Kredite“ abzukaufen. Die Kredite waren schlecht und bleiben schlecht nur steht jetzt ein anderer dafür Gerade und das ist das Volk. Die Situation hat sich nicht geändert.

    Die EZB – der Eigentümer ist das europäische Volk - gibt den Banken mehr Liquidität um bei fallenden Kursen alle Wertpapiere der verunsicherten Kleinanleger aufzukaufen um sie später wieder teuerer an die Kleinanleger zurück zu verkaufen. Welches Interesse haben die Banken die Talfahrt zu stoppen?

    Die Diskussionen über den Kapitalismus können nur von ideologisch verblendeten Leuten geführt werden. Kein Staat funktioniert ohne Kapitalismus. Bei kommunistischen Systemen gibt es nur einen Kapitalisten und das ist der Staat. Was daraus wurde, weiß jeder und kann heute auch noch in der Praxis in Kuba sehen.

    Was fehlt, sind seriöse Rahmenbedingungen für die Banken. Es müssen alle Leerverkäufe verboten werden, denn sie dienen nur zur Marktmanipulation. Zertifikate und Optionen sind Wettscheine ohne einen realen Wert. Jeder der dieses Papier kauft, muß vorher unterschreiben, daß er verstanden hat, daß er einen Wettschein kauft.

    Noch ein Wort zur Verarmung der Bevölkerung, obwohl dies in diese Debatte nur indirekt betrifft. Der Bürger übersieht, daß was er mehr an Sozialleistungen und Lohn bekommt, ein anderer Bürger für ihn bezahlen muß. In den 70er Jahren hat ein Automechaniker etwa zwei Stunden Arbeiten müssen, um mit seiner Arbeit die Reparaturstunde der Werkstatt bezahlen zu können. Heute muß er etwa sieben Stunden dafür arbeiten. Man sieht daran sehr deutlich, was die Gewerkschaften durch Ihre Forderungen und die Bundesregierungen durch ihre sozialen Wohltaten wirklich erreicht haben. Man liest in der Presse z.B. die Lufthansa wird bestreikt. Das ist falsch. Der Kunde der Lufthansa wird bestreikt, denn der muß nachher dies bezahlen, was eine Gruppe des Volkes ohne Mehrarbeit mehr verdienen möchte. Die Lufthansa hat keine Gelddruckmaschine im Keller. Mehr Sozialismus bedeutet automatisch höhere Kosten und die muß ein anderer Teil der Bevölkerung bezahlen. Oder die Produkte sind unverkaufbar.
  9. #18

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    Ihr könnt gern über Regeln für dne Kapitalmarkt nachdenken. Das ist in etwa so, als wenn man bei einer schweren Grippe über Grenzwerte für den Schallpegel beim Niesen berät.

    Der Kapitalismus ist das Problem - der Kapitalmarkt ist nur ein extremes Symptom. Und die vermeintliche Auswüchse waren eine Maßnahme, den nächsten, zwangsläufigen Crash aufzuschieben.

    Ihr wünscht euch ein "New Game"? Ihr wißt aber hoffentlich aus der Geschichte, welch katastrophale Auswirkungen solche "Reboots" immer auf die Menschen hatten?
  10. #19

    Reset

    Zitat von horst1857 Beitrag anzeigen
    ...Btw. Wo ist beim Kapitalismus eigentlich der "New Game"-Button?
    Das sind die größeren oder kleineren Zusammenbrüche an den Finananzmärkten. Danach geht es weiter ...


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