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Psychische Erkrankungen: Wenn Kinder zu Eltern werden

ZDFDrei bis vier Millionen Mädchen und Jungen leben in Deutschland bei psychisch kranken Eltern. Frederike und Meike sind zwei von ihnen. Sie versuchen, die Aufgaben ihrer Mütter zu übernehmen, so gut es geht - und opfern dabei ihre Kindheit.

http://www.spiegel.de/panorama/gesel...841687,00.html
  1. #10

    Zu unkritisch

    So sehr ich das Mitgefühl mit dem kranken und leidenden Elternteil nachvollziehen kann, so sehr muss auch darauf hingewiesen werden, dass eine solche Form der Parentifizierung als emotionaler Missbrauch eingestuft werden muss. Ich finde, diese destruktive Komponente wird in diesem Text zu wenig reflektiert. Natürlich: Kinder, die derlei erleben, sind in gewisser Weise "kleine Helden". Je mehr sie sich aber mit dieser "Helden-Rolle" identifizieren, je mehr geraten sie auch in den Strudel eines kranken Familiensystems. Auch - und vielleicht gerade - psychisch kranke Eltern tragen Verantwortung. Diese Verantwortung wahrzunehmen ist vielleicht der einzige Weg aus der psychischen Infektion.
  2. #11

    Schwierig ...

    ist es wohl für alle Beteiligten. Für die Kinder ist es aber besonders schlimm, weil diese sich aus eigener Kraft nicht schützen können. Aber selbst wenn vielleicht der gesunde und inzwischen getrennte Elternteil die Kinder schützen möchte, dann gibt es Psychologen /Psychiater, für die steht alleine das Wohl der (leider) erkrankten Person im Vordergrund und das Kind gerät dabei zum Therapeutikum . Ich weiß leider aus eigenem Erleben, dass primar die erkrankte Person im Fokus steht. Das Umfeld bleibt so lange außen vor, bis sie selbst der Behandlung bedürfen. Wie sagte mir mal ein Psychologe: "Ach wissen Sie, Kinder halten eine Menge aus!" Ich denke, das ist "ohne Worte". Ich habe heute massive Probleme mit meinen Kindern, weil sie das aushalten mussten und leider habe ich die Befürchtung, dass sie daran ihr ganzes leben lang tragen werden. Also, bei allem Verständnis für die erkrankte Person, die Kinder müssen verstärkt geschützt werden.
  3. #12

    Zitat von widower+2 Beitrag anzeigen
    Eher schlicht gestrickte Gemüter können sich so etwas wie eine psychische Krankheit eben nicht einmal vorstellen, was nicht heißt, dass es diese nicht gibt.

    Wobei ein Überlebenstraining in einigen wenigen Fällen sogar ein guter therapeutischer Ansatz wäre.

    Gegen Manien, Psychosen und Schizophrenie wäre es allerdings mit Sicherheit erfolglos.

    Sie haben vergessen zu erwähnen das die betroffenen Menschen oft darunter leiden, weil sie in klaren Phasen merken was mit ihnen los ist.

    Ich Danke Gott dafür das er mich bisher mit einer solchen Erkrankung verschont hat.... nicht das man hier denkt ich würde mich über die Kranken lustig machen.... das kann schlimmer als der Tod sein für die betroffenen....deshalb ja auch eine hohe Suzid-Rate unter den erkrankten.

    Die Gesellschaft sollte sich Mühe geben diese Menschen so gut es geht aufzufangen. Das wird ja auch schon getan.

    Wir müssen uns fragen warum psychische und psychiatrische Krankheitsbilder mittlerweile Nummer 1 bei den Krankenkassen sind.
  4. #13

    Belastung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Drei bis vier Millionen Mädchen und Jungen leben in Deutschland bei psychisch kranken Eltern. Frederike und Meike sind zwei von ihnen. Sie versuchen, die Aufgaben ihrer Mütter zu übernehmen, so gut es geht - und opfern dabei ihre Kindheit.

    Wie Kinder psychisch kranker Eltern leiden - SPIEGEL ONLINE
    Beim Lesen des Artikels merkte ich, wie sich mir die Kehle zuschnürte, weil ich mein eigenes familiäres Schicksal vor dem geistigen Auge ablaufen sah: alkoholkranke Mutter, jüngere Geschwister (darunter eine behinderte Schwester), verzweifelte Flucht des Vaters aus der Verantwortung, Übernahme der Rolle des "Familienoberhauptes" - und: tägliche Angst vor dem Nach-Hause-Kommen, Überforderung durch die Anforderungen im Haushalt, Schulversagen, soziale Isolation, Kompensation der Belastungen durch eigenes auffälliges Verhalten.
    Meine Erfahrungen - auch vor dem Hintergrund der Schilderungen Mitbetroffener: die "gestohlene" oder ausgefallene Kindheit lässt einen früh reifen, scheint einen aber noch im Erwachsenenalter immer wieder einzuholen, ist Last der eigenen Biographie und zugleich Chance im sensiblen Umgang mit seelisch gestörten Menschen, die eben keine gesellschaftliche Randexistenz führen dürfen, sondern "normaler" Teil menschlicher Existenz sind.
  5. #14

    optional

    Naja doch, ich verstehe schon wieso sie sich schämt. Bei mir hat es auch damals keiner so richtig verstanden, bzw es ändert einfach nichts. Die Klassenkameraden die dich vorher nicht mochten, mögen dich deswegen auch nicht, und auch die Freunde stoßen irgendwann auf unverständnis. Man selbst entwickelt sich psychisch ja schneller, ob man will oder nicht - die Kindheit wird einem geraubt - und so gingen auch bei mir damals einige Freundschaften kaputt, weil ich zu ernst oder zu traurig war. Es in die Welt hinauszuposaunen bringt nichts. Man kann sich seine Eltern leider nicht aussuchen, und wenn man nun die psychisch kranken erwischt, muss man irgendwie damit zurechtkommen. Das einzige was dagegen wohl hilft ist keine Kinder zu bekommen, oder eine Art Führerschein für Eltern einzuführen. Da es das aber nie geben wird, wird es sich eh nicht ändern.
  6. #15

    Doch, klingt zynisch

    Zitat von andreasoberholz Beitrag anzeigen
    Das soll jetzt nicht zynisch klingen.

    Aber ein ähnliches Schicksal teilten nach dem Krieg Millionen Kinder.
    Meine Mutter hatte einen Onkel der musste, da beide Eltern im Krieg verstorben sind, die Elterlichen Aufgaben für 4 Geschwister komplett alleine übernehmen. Dennoch hat er es geschafft eine Berufsausbildung zu machen und erfolgreich später im Berufsleben zu sein. Heute macht man aus Schicksalen eine mediale Sensation; was die Betroffenen dann dazu bewegt mal abzuwarten wer ihnen wann Hilfe von Aussen bringt.

    Ich bin Schwergeschädigt und dennoch erfolgreich. Sollen wir daraus dann eine umgekehrte Story machen?

    ....Herr O. schafft es trotz Behinderung und ganz ohne staatliche Förderung.....

    Keine Geschichte/Erfahrungswelt ist vergleichbar.


    Kafka hat's schön auf den Punkt gebracht:

    "Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüsstest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen voreinander so ehrfürchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle."

    Auch im körperlichen Bereich führen gleiche Ursachen nicht zu gleichen Folgen. Mein Erzeuger hat gesoffen wie die Bürstenbinder und geraucht wie ein Schlot und ist 80 Jahre alt geworden. Ist der nun ein Beispiel dafür, dass Alkohol und Zigaretten eigentlich gesundheitstechnisch total harmlos sind?

    Es gibt immer Ausnahmen, aber die bestätigen ja bekanntermaßen die Regel und setzen sie nicht.
  7. #16

    optional

    ich bin auch eins dieser kinder und habe mich sehr über diesen artikel gefreut, der dazu beiträgt, dass diese kinder verständnis und unterstützung bekommen. ich selbst bin anfang 20 und schon ausgezogen, merke aber wie psychisch belastet ich durch mein elternhaus bin und schaffe nur mit viel kraft mein studium. habe jetzt zum 2. mal eine therapie angefangen und hoffe, dass ich irgendwann ein einigermaßen normales leben führen kann.
  8. #17

    Sind Sie sich Ihrer selbst bewusst ?

    Zitat von d.decas Beitrag anzeigen
    es ist so einfach in unserer Gesellschaft den Status "psychisch krank" zu erlangen und schon hat man eine Ausrede für sein Versagen. Das Elternhaus ist schuld, die Umstände oder die Schule- immer sind andere schuld und die Person legt Verantwortung für die Kinder in andere Hände. Ich möchte diese sogenannten "psychisch Kranken" gerne auf einen realen Überlebenskurs schicken, anschließend sind sie selbstbewußt und geheilt und übernehmen die Verantwortung die sie ihrer Familie schuldig sind!
    Ich finde Ihre Meinung armselig, und das ist noch diplomatisch ausgedrückt. Wenn sich montags ein Kollege mit "Grippe" krankmeldet, bedeutet das also, dass alle Menschen mit Grippe nur simulieren? Wenn es vielleicht ein paar gibt, die Depressionen vortäuschen, sind alle wirklich Erkrankten Versager? Würden Sie das gleiche zu einem Krebspatienten und dessen Kindern auch sagen? Stellen Sie sich einfach mal vor, Depression ist Krebs in der Seele.
    Wahrscheinlich halten Sie sich für selbstbewusst. Ich denke aber eher, dass Sie in einem ziemlich leistungsorientierten Umfeld aufgewachsen sind, das keine Schwächen erlaubt hat. Sonst könnten Sie solche gnadenlosen Kommentare gar nicht abgeben. Wann haben Sie das letzte Mal geweint? Wirklich geweint? Oder können Sie gar nicht mehr weinen? Dann Vorsicht: Wer nicht mehr weinen kann, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf dem Weg in eine tiefe Depression. Viel Spaß dann in Ihrem ganz persönlichen Überlebenscamp.

    Die Kinder verdienen Respekt und praktische Hilfe und Therapie; die Eltern benötigen Hilfe und vor Allem ein Umfeld, das ihre Krankheit als genau das akzeptiert: als eine Krankheit, die behandelt werden muss.
    Ihre Häme ist dagegen einfach nur das Letzte!
  9. #18

    So what?

    Zitat von andreasoberholz Beitrag anzeigen
    Das soll jetzt nicht zynisch klingen.

    Aber ein ähnliches Schicksal teilten nach dem Krieg Millionen Kinder.
    Meine Mutter hatte einen Onkel der musste, da beide Eltern im Krieg verstorben sind, die Elterlichen Aufgaben für 4 Geschwister komplett alleine übernehmen. Dennoch hat er es geschafft eine Berufsausbildung zu machen und erfolgreich später im Berufsleben zu sein. Heute macht man aus Schicksalen eine mediale Sensation; was die Betroffenen dann dazu bewegt mal abzuwarten wer ihnen wann Hilfe von Aussen bringt.

    Ich bin Schwergeschädigt und dennoch erfolgreich. Sollen wir daraus dann eine umgekehrte Story machen?

    ....Herr O. schafft es trotz Behinderung und ganz ohne staatliche Förderung.....
    Was wollen Sie damit mitteilen? Das damals alles besser war? Depressionen sind nichts Neues, viele Kriegsheimkehrer haben sich auch damals irgendwann den Strick genommen oder sind im kathatonischen Zustand verreckt. Ich kenne genug Beispiele. Und heute werden viele Depressionserkrankte auch irgendwann wieder gesund oder lernen, mit ihrer Krankheit umzugehen und gehen trotz erschwerter Bedingungen ihrer Karriere nach. Also worauf wollen Sie hinaus? Depressionen sind eine Krankheit, deren Ursachen man bis heute nicht exakt kennt und die ebensogut Leute treffen kann, die mit einem goldenen Löffel im Mund zur Welt gekommen sind und auf der anderen Seite auch Leute nicht treffen muss, selbst wenn diese noch so viel Sch... fressen mussten.
  10. #19

    Zitat von d.decas Beitrag anzeigen
    es ist so einfach in unserer Gesellschaft den Status "psychisch krank" zu erlangen und schon hat man eine Ausrede für sein Versagen. Das Elternhaus ist schuld, die Umstände oder die Schule- immer sind andere schuld und die Person legt Verantwortung für die Kinder in andere Hände. Ich möchte diese sogenannten "psychisch Kranken" gerne auf einen realen Überlebenskurs schicken, anschließend sind sie selbstbewußt und geheilt und übernehmen die Verantwortung die sie ihrer Familie schuldig sind!
    Was hier versagt ist ihren Verstand. Es bedarf nicht mal ein Minimum an Intelligenz zu sagen 'ich schick sie mal auf ein Überlebenskurs'. Es ist so plump und dumm wie 'Ausländer raus', etc. Psychische Krankheiten sind medizinisch-wissenschaftlich fundiert und haben u. A. körperliche Ursachen sowie Gesellschaftliche. Es sind aber vor Allem die Angehörigen die darunter leiden - Kinder so wie Geschwister und Ehepartner. Am liebsten würde ich leute wie Sie auf eine Schule schicken.


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