Protestwahl: Griechenland ist unregierbar

APWie man die Parteien auch zusammensetzt, es kommt keine Koalition dabei heraus: Griechenlands Politik steht vor dem Chaos. Die Bürger haben sich in ihrer Wut über alle Sparzwänge und Drohkulissen hinweggesetzt - und den Protest stark gemacht. Jetzt hat Europa ein Problem.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...831833,00.html
  1. #280

    Das ist ein Aspekt

    Zitat von Frankfurter87 Beitrag anzeigen
    Griechenland hat deshalb keine Exportwirtschaft, weil die Produktivitaet zu niedrig ist, um konkurrenzfaehig zu produzieren. Deshalb braucht es ja die Abwertung. Das Leistungsbilanzdefitit des Landes ist Ausdruck davon. Andere Laender (Portugal, Spanien, Irland) haben bereits grosse Schritte zur Verbesserung ihrer Konkurrenzfaehigkeit getan (durch den .....
    Aber mindestens genauso schwer wiegen die strukturellen defizite Griechenlands, von der nicht funktuionierenden Bürokratie bis hin zu den zahllosen Streiks. Griechenland ist als Investitionsort gnadenlos uninteressant und daran kann ein Abwertung nur sehr wenig helfen, denn sie müßte erstmal Investoren nach Griechenland ziehen und die finden in vielen Ländern einfach bessere Bedingungen vor.
  2. #281

    Zitat von Frankfurter87 Beitrag anzeigen
    Griechenland hat deshalb keine Exportwirtschaft, weil die Produktivitaet zu niedrig ist, um konkurrenzfaehig zu produzieren. Deshalb braucht es ja die Abwertung. Das Leistungsbilanzdefitit des Landes ist Ausdruck davon. Andere Laender (Portugal, Spanien, Irland) haben bereits grosse Schritte zur Verbesserung ihrer Konkurrenzfaehigkeit getan (durch den unbequemen Weg von Preis und Lohnsenkungen). Sie werden es schaffen.
    Mal sehen. Nach Ansicht vieler dürfte dieser Deflationswettbewerb genauso scheitern wie die früheren Abwertungswettläufe: jeder steht relativ zu den anderen da, wo er vorher war, nur eben auf insgesamt niedrigerem Niveau.
  3. #282

    Zitat von Moshpit Beitrag anzeigen
    24 Stunden nach der Wahl zu behaupten, Griechenland sei jetzt unregierbar halte ich gelinde gesagt für übertrieben. Belgien hat ein paar Tage länger praktisch keine Regierung gehabt. Natürlich arbeitet die Zeit gegen die Griechen aber etwas mehr Zeit als einen ganzen Tag für die Regierungsbildung, sollte man ihnen selbst in dieser Situation lassen, meinen sie nicht?
    Der Vergleich mit Belgien ist verfehlt, weil - wie dem Artikel entnommen werden konnte - die griechische Verfassung jedem Versuch einer Regierungsbildung nur drei Tage zugesteht; ist der letzte gescheitert, gibt es zwangsläufig Neuwahlen.
  4. #283

    Zitat von kalzifer Beitrag anzeigen
    Was ist das für ein Demokratieverständnis? So lange wählen, bis das Ergebnis passt? Ich kann hier nur den Kopf schütteln. Aber unsere Bundeskanzlerin macht es ja hin und wieder genauso, lässt solange abstimmen, bis das Ergebnis passt.
    .
    Es ist das Demokratieverständnis des Grundgesetzes: auch das verpflichtet ein neugewählten Bundestag als erstes, binnen einer Frist von drei Wochen einen Kanzler zu wählen - danach wird er aufgelöst.

    Zitat von kalzifer Beitrag anzeigen
    Man sollte das Wahlergebnis in Griechenland ernst nehmen. Es gibt derzeit nur noch keine Regierung, weil die beiden größten Parteien den Verbleib im Euroraum wollen. Wenn die Bürger aber gegen den Euro stimmen, dann ist das ein Votum des Volkes. Wirtschaftliche Interessen der EU haben hier erst einmal hinten anzustehen.
    Das ist gänzlich verfehlt: im Zeitalter der Globalisierung kann kein Staat (jedenfalls keiner in Europa) einfach ohne Rücksicht auf seine Nachbarn agieren.
  5. #284

    Das Wahlergebnis ist eindeutig

    Der Artikel ist gut, nur lässt er eine wichtige Tatsache einfach beseite - nur aufgrund eines wahltechnischen Tricks, der der relativ stärksten Partei automatisch 50 Parlamentssitzen zusätzlich gewährt, kommen Nea Dimokratia und Pasok überhaupt auf 149 von 300 Sitzen, sonst wären es nur 109 von 250. Aber 65% der Griechen haben für Parteien gestimmt, die den Kurs von Merkel, IWF etc. ablehnen. Ohne die Bonussitze wäre eine Koalition unter der Führung von Syriza durchaus denkbar. Sollte es jetzt am 17. Juni zu Neuwahlen kommen, könnte Syriza stärkste Partei werden, die 50 Bonussitze einstreiche, und wahrscheinlich ohne Probleme eine Koalition auch ohne die Kommunisten bilden. Die Wahltaktiker der alten Regierung haben sich unter dem Druck Europas und des IWF ihr eigenen Grab geschaufelt.
  6. #285

    Das mag sein

    Zitat von wohko Beitrag anzeigen
    Der Artikel ist gut, nur lässt er eine wichtige Tatsache einfach beseite - nur aufgrund eines wahltechnischen Tricks, der der relativ stärksten Partei automatisch 50 Parlamentssitzen zusätzlich gewährt, kommen Nea Dimokratia und Pasok überhaupt auf 149 von 300 Sitzen, sonst wären es nur 109 von 250. Aber 65% der Griechen haben für Parteien gestimmt, die den Kurs von Merkel, IWF etc. ablehnen. Ohne die Bonussitze wäre eine Koalition unter der Führung von Syriza durchaus denkbar. Sollte es jetzt am 17. Juni zu Neuwahlen kommen, könnte Syriza stärkste Partei werden, die 50 Bonussitze einstreiche, und wahrscheinlich ohne Probleme eine Koalition auch ohne die Kommunisten bilden. Die Wahltaktiker der alten Regierung haben sich unter dem Druck Europas und des IWF ihr eigenen Grab geschaufelt.
    Aber es sind nicht ND und Pasok, die sich hier ihr eigenes Grab geschaufelt haben- ich denke mal deren Spitzenpolitiker haben genug Geld im Ausland- sondern die Griechische Bevölkerung. Eine Regierung der Protestparteien wird, wenn man ihnen Glauben schenken kann, das Sparpaket ablehnen und die Schulden nicht zurückzuzahlen. Es glaubt doch wohl nicht irgend jemand, dass Griechenland dann noch eine Cent Unterstützung aus dem Ausland bekommt bzw in der Eurozone und der EU bleiben kann. Nato wäre dann auch fraglich. Good luck with that!
  7. #286

    Urlaub

    Zitat von Direwolf Beitrag anzeigen
    das Griechenland durch eine Abwertung wettbewerbsfähig werden würde?
    Mit wem sollen die denn konkurrieren? Haben die irgendeine nennenswerte Exportwirtschaft, die von der Abwertung profitieren könnte? Oder glauben sie, das Griechenland dank billiger Währung mit China oder Vietnam um einfache Produktionsinvestionen konkurrieren könnte?
    Griechenland hatte doch noch nie ein Wirtschaft im eigentlichen Sinne. Durch den Austritt aus der Eurozone und dem Abwerten des Drachmen wird das Land für Inbestoren einfach billiger. Nur das funktioniert. Griechenland wird wieder ein attraktives Reiseland, da billig.
  8. #287

    Zitat von sunnyindigo Beitrag anzeigen
    Es ist leider der dritte Versuch nach fast 70 Jahren, dass Deutschland -diesmal mit ökonomischen Mittel -ganz Europa zu beherrschen versucht .Manche Politiker haben leider immer noch nicht kapiert, das ein Land nicht über dem Schiksal eines ganzes Kontinents allein bestimmen kann und immer an das eigene Profit denken.Wenn die Deutsche sich für alle ein solches Europa wünschen.....und alle andere ökonomisch erpressen, dann ohne alle anderen! Ich schlage vor, Deutschland tritt aus der EU , kehrt zurück zu D-Mark , verkauft Ihre gute Produkte mit eine harte Wöhrung an die Chinesen, Indier, Afrikaner etc. und macht mit Ihre harte Währung Urlaub in Libyen, Ägypten, oder Syrien , weil kein anderes europäisches Land wird diese Arroganz zum dritten Mal hinschlucken. Die Französen sind jetzt aufgewacht und falls fr. Merkel und co GmbH nicht fair für ein gemeinsame Zukunft kooperieren wollen, dann gibts es auch die traditionelen Verbundeten, die Engländer, die Russen , die Amerikaner und sogar die Chinesen die viel lieber Ihr Geld in Europa investieren würden als manche andere undankbaren misserablen .............Gute Nacht Deutschland, hoffentlich werdet Ihr nicht zu spät aufwachen!!!

    Was für ein hirnrissiges Gewäsch. Es fehlt nur noch der Hinweis auf das kommende 4. Reich.

    Vielleicht ist dir entgangen, dass die Entscheidung für den Sparpakt mit überwältigender Mehrheit von autonomen Ländern getroffen wurde. 17 Länder haben ihn akzeptiert, nicht weil die Deutschen es so wollten, sondern weil die Märkte der Seriosität der Eurozone nicht mehr vertrauten. Wenn jetzt die Griechen abspringen wollen, sollen sie doch. Auf das kleine Land können die EURO-Länder verzichten. Notorische Zechpreller eben.

    Ja, die Italiener und Spanier würden sich unter dem Haftungsschirm der Deutschen gerne billigere Kredite verschaffen, wer will das nicht. Auch Hollande wird bald mit der Realität der Märkte konfrontiert werden, wenn die Kreditzinsen steigen.

    Bei deiner Idee, D sollen seine Produkte in China oder sonst wo verkaufen nur eben (implizit) nicht mehr in den übrigen bisherigen Euro-Ländern, hat du übersehen, dass dem Export ein fast gleich großer Import aus den Euroländern gegenüber steht. Der müßte dann logischerweise auch mit wandern, oder? Am besten den gegenseitigen Handel ganz einstellen.

    Du willst, dass die Deutschen Europa nicht bestimmen (obwohl sie ja nur eine Stimme haben) und Einstimmigkeit die Regel ist, aber beim Zahlen und Haften für alle dürfen sie natürlich vortreten. In BBC spricht man vom deutschen "Pay-Master". Auch die Engländer sparen übrigens heftig, obwohl D da nicht mitbestimmt hat.

    Deine ganze Argumentation ist intellektuell so dürftig, dass es sich nicht lohnt, sich weiter damit auseinander zu setzen.
  9. #288

    Zitat von Frankfurter87 Beitrag anzeigen
    Griechenland hat deshalb keine Exportwirtschaft, weil die Produktivitaet zu niedrig ist, um konkurrenzfaehig zu produzieren. Deshalb braucht es ja die Abwertung. Das Leistungsbilanzdefitit des Landes ist Ausdruck davon. Andere Laender (Portugal, Spanien, Irland) haben bereits grosse Schritte zur Verbesserung ihrer Konkurrenzfaehigkeit getan (durch den unbequemen Weg von Preis und Lohnsenkungen). Sie werden es schaffen. In der griechischen Wirtschaft hat - trotz Arbeitslosigkeit - dieser Prozess noch nicht begonnen. Das Tourismusangebot ist ueberteuert im Vergleich zum tuerkischen Nachbarn. Auch hier wuerde eine Abwertung helfen. Obwohl die vielfach berichtete Beschimpung von Touristen aus Deutschland gewaltigen Flurschaden angerichtet hat.
    Schoene Gruesse
    So ist es. Abwertung ist nicht die einzige Möglichkeit Wettbewerbsfähigkeit herzustellen. Es ist nur der politisch einfacher durchsetzbare Weg. Für die Bürger hat es aber eine ähnliche Wirkung. Importpreise steigen und werden teilweise durch interne Produkte verdrängt. Ein grosser Importteil ist aber unverzichtbar was letztendlich dann doch zu Inflation und Kaufkraftverlust führt.

    Wenn die Griechen also den Euroraum verlassen dann wird es Ihnen keinen Deut besser gehen als wenn Sie versuchen würden innerhalb des Euros wettbewerbsfähiger zu werden.

    Im Moment sieht es so aus also ab sie den dritten Weg beschreiten wollen. Im EURO bleiben, Wettbewerbsfähigkeit gar nicht erst anstreben sondern die dafür erforderlichen schmerzhaften Reformen durch dauerhafte Transferzahlungen ersetzen.
  10. #289

    Keiner

    Zitat von JohnBlank Beitrag anzeigen
    Die Menschen haben uns kein Problem gemacht, dass war ganz alleine die Elite aus Griechenland und unsere Politiler von SPD und Grüne die 10 Jahre lang weggeschaut haben.
    In der Wirtschaft sorgt die Nachfrage für das Angebot. Das ist auch in den politischen Prozessen so. Die Politiker einer Demokratie bieten in den Wahlkämpfen das an was die Bürger so gerne hätten. In der Regel sind das die einfachen Antworten auf komplexe und komplizierte Fragestellungen. Je ungebildeter das Volk ist, umso einfacher muss die Antwort (bestehend aus den Wahlversprechungen) ausfallen.

    In Griechenland haben es die Politiker leider auch mit einem Volk zu tun, das auch wirklich immer auf die bequemsten und einfachsten Antworten setzt. Das konnte man jetzt sehen. Kaum nehmen die Politiker, die das Land in den letzten 30 Jahren in den Abgrund regiert haben, einen Hauch von Realitätssinn an, werden sie abgewählt.

    Nur den Politikern die Schuld zu geben ist mir zu einfach.