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Prostitutions-Comic: Der Freier von der traurigen Gestalt

Chester Brown/ Walde und GrafDas soll eine Liebesgeschichte sein? Der Kanadier Chester Brown hat einen autobiografischen Comic über seine Besuche bei Prostituierten gezeichnet. Doch das vermeintliche Plädoyer für käuflichen Sex dokumentiert vor allem die emotionale Verarmung des Autors.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...830651,00.html
  1. #1

    Vielleicht einfach nur ehrlich?

    "Emotionale Verarmung" ... "wo bleibt die Liebe?" ...

    Da sind sie wieder, diese ewiggleichen Einflüsterungen und Deutungshoheitsanmaßungen aus dem selbstgefälligen Psychologiebaukasten, voller Unterstellungen, Behauptungen, Herabwürdigungen.

    Er beschreibt ganz nüchtern die (sexuelle) Welt, in der er lebt, mag man das nun bedauern oder nicht – wie müßig!

    Ich finde es nicht verachtenswert, wenn der Autor entlang seiner selbst erkannten physischen und psychischen Raumgrenzen das auslebt, was ihm gelingt. Er beschreibt seine Realität ganz nüchtern und unverstellt.

    Meine Behauptung: "Liebe" gibt es überhaupt nicht! Sie ist ein jahrtausendealter zementierter Nimbus und versteckt lediglich ganz raffiniert die verzweifelte List, sich von anderen das Maß an körperlicher und seelischer Zuwendung zu erheischen, das man sich selbst nicht geben kann. Und um seine eigenen Bedürfnisse unverhohlen befriedigt zu bekommen, lenkt man von seinen Ego-Absichten ab, indem man angebliche Zuneigung seines Gegenübers heuchelt, das eigentlich nur gefügig gemacht werden soll. Geschützt und veredelt wird dieses – ganz menschliche – Vorhaben von der "Liebes"-Raunerei der Gesellschaft, denn schließlich betrifft diese innere Not ja alle Menschen gleichermaßen. Dabei geht es auch gar nicht nur um Sex.
  2. #2

    optional

    ... ich kann die Meinung des Autors von Sie vertraut ihm und tut es. Seine Worte, wenn auch als Freier, werden ihr ggf. sehr viel bedeuten. Die Liebesgeschichte könnte erst noch beginnen. Man sollte das ganze nicht so platt betrachten. Ich denke dies will auch der Künstler vermitteln.

    LG
  3. #3

    schon die wenigen auf spiegel-online gezeigten bilder des comics zeigen, dass der autor der kritik rein moralisch-theoretisch (!) an das werk herangeht, während die bilder deutlich werden lassen, dass es selbst bei äußerster verdinglichung der beziehungsebene auch im kontakt zwischen freier und hure immer wieder zum "aufbrechen" der geschäftsbeziehungen und zu vorsichtigen, echten beziehungserlebnissen kommen kann - wenn auch nur sporadisch.
  4. #4

    Platte Betrachtungsweise des SPON-Autors

    ... ich kann die Meinung des Autors von Sie vertraut ihm und tut es. Seine Worte, wenn auch als Freier, werden ihr ggf. sehr viel bedeuten. Die Liebesgeschichte könnte erst noch beginnen. Man sollte das Ganze nicht so platt betrachten. Ich denke dies will auch der Künstler vermitteln.

    LG
  5. #5

    typisch

    Man müsste den Comic erst mal selbst lesen, um sich ein eigenes Urteil darüber bilden zu können.

    Aber ist es nicht typisch, dass ein Werk, welches sich mit der Grundsatzfrage der moralischen Vertretbarkeit von Prostitution befasst, gleich verrissen wird?

    Oder aber, wie in der Kulturzeit auf 3sat geschehen, nicht ohne den Hinweis auf die (zweifelsfrei auch vorhandenen) Schattenseiten dieses Gewerbes auskommen kann?

    Vielleicht vermag dieser Comic trotz des Seelenstripteases des Autors ja doch, über den ein oder anderen Aspekt der Prostitution nachzudenken.
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das soll eine Liebesgeschichte sein? Der Kanadier Chester Brown hat einen autobiografischen Comic über seine Besuche bei Prostituierten gezeichnet. Doch das vermeintliche Plädoyer für käuflichen Sex dokumentiert vor allem die emotionale Verarmung des Autors.

    Chester Brown zeichnet Comic zu Prostituton - SPIEGEL ONLINE
    Ist ja ein interessantes Thema, aber die gezeigten Panels machen bei mir keine Lust auf mehr. Grade ein Zeichner sollte wissen: Show, don't tell.
    Überspitzt gesagt: In dieser Geschichte über Sex wird mir zuviel gelabert.
  7. #7

    Entlarvend

    Logisch, es darf ja nicht sein, dass es erwachsene Menschen gibt, die sich freiwillig entscheiden, sexuelle Dienstleistungen anzubieten bzw. diese für eine Gebühr in Anspruch zu nehmen.

    Fehlt nur noch der Hinweis auf Menschenhandel und Ausbeutung.
    Ist der Autor Amerikaner?
    Da das Ganze ja stark autobiographisch ist, müsste er dann nicht mit Anklagen rechnen? Hat er vielleicht deswegen die Frauen absichtlich unkenntlich gemacht, damit die nicht auch in den Fokus der Moralordnungshüter geraten?
  8. #8

    Die geistige Verarmung ist allseitig.

    Der Artikel erinnert stark an die Berichte von Eskimos über die Sahara, obwohl sie nie dort waren. Bei dem Zeichner hat man den gleichen Verdacht, bei beiden den unglaublicher Naivität. Das scheint der Zug der Zeit zu sein. Privat – TV, Spiele und Internet, noch nie selbst was gemacht geschweige denn gedacht, ein bißchen wie Piratenphilosophie. Kinder im Wunderland der Phantasie.

    Liebe und käuflicher Sex sind recht unterschiedliche Sachen, wie auch Pornographie, obwohl die Werkzeuge beim Mann just die gleichen sind. Einige Wissenschaftler behaupten, daß es sich dabei um eine Art Triebabfuhr handelt. In Kirchenkreisen ist diese Hypothese nach wie vor umstritten, während Feministinnen den Mann allein auf diese widerliche Brunst reduzieren.

    Man darf weitere spannende Berichte über ganz absonderliche Dinge erwarten: wie repariere ich einen Fahrradschlauch oder wie betanke ich mein Auto ? Da sind der Phantasie des Ofenhockers keine Grenzen gesetzt. Es bieten sich eine Reihe theologischer und philosohischer Themen zu dem jeweiligen Themenkomplex an.
  9. #9

    ...

    Zitat von velociraptor Beitrag anzeigen
    Aber ist es nicht typisch, dass ein Werk, welches sich mit der Grundsatzfrage der moralischen Vertretbarkeit von Prostitution befasst, gleich verrissen wird?
    Vollkommen richtig. Das liegt beim Spiegel allerdings daran, dass Comics, die keinen moralischen Diskussionsstoff bieten, erst gar nicht besprochen werden. Diesmal ist es die Prostitution in "Ich bezahle für Sex", zuletzt war es der Islam in "Habibi", Terrorismus in "Holy Terror" usw.

    Wer es als Comiczeichner ins Feuilleton schaffen will, sollte gefälligst etwas Zündstoff zu bieten haben.








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