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Prostitutions-Comic: Der Freier von der traurigen Gestalt

Chester Brown/ Walde und GrafDas soll eine Liebesgeschichte sein? Der Kanadier Chester Brown hat einen autobiografischen Comic über seine Besuche bei Prostituierten gezeichnet. Doch das vermeintliche Plädoyer für käuflichen Sex dokumentiert vor allem die emotionale Verarmung des Autors.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...830651,00.html
  1. #60

    Das hat mit dem Artikel nur indirekt zu tun und bezieht sich eher auf die Kommentare anderer Nutzer: Kann mir jemand erkären, wo die ausgeleiherte, die Neigungen des Autors offenbarende, verharmlosende Behauptung, "Prostitution sei doch das älteste Gewerbe der Welt" ihren Ursprung hat? Gibt es Belege? Quellen? Auf welche Zeit bezieht sich diese Annahme? Auf die rituell und religiös aufgeladene Tempelprostitution des Altertums kann sie sich wohl nicht stützen. Das wäre eine Projektion unserer eigenen historischen Perspektive auf eine völlig andere Welt, die auch jene im Sinne der Profanierung (Agamben) auffasst. Also, ich würde mich freuen, wenn mir jemand einen Beleg nennen könnte, der einwandfrei als non-fiktional einzustufen ist. Danke im Voraus.
  2. #61

    Der SPON-Author scheint unglaublich verklemmt zu sein.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das soll eine Liebesgeschichte sein? Der Kanadier Chester Brown hat einen autobiografischen Comic über seine Besuche bei Prostituierten gezeichnet. Doch das vermeintliche Plädoyer für käuflichen Sex dokumentiert vor allem die emotionale Verarmung des Autors.

    Chester Brown zeichnet Comic zu Prostitution - SPIEGEL ONLINE
    Das, was er als "emotionale Verarmung" bezeichnet, ist einfach seine platte Unfähigkeit die anderen zu verstehen.

    Der SPON-Author hat weder eine Ahnung von der Liebe, noch hat er je einen guten Sex gehabt. Es ist der stinkende Haufen seiner eigenen sexuellen Komplexe, die er hier vor sich gibt. Dabei will er - wie sonst! - noch die anderen belehren und über sie beurteilen.

    Jeder Mensch ist anders, hat andere sexuellen Neigungen, und sucht seinen Glück auf eine andere Weise.

    Dieser Artikel ist einfach abscheulich.
  3. #62

    zu "vielleicht nur ehrlich"

    Doch -Liebe gibt es sehr wohl. Ich selbst bin Zeuge. Es wohnt der Liebe aber eine Magie inne, die man auch mit einem noch so gut geölten
    Intellekt allein nie und nimmer fassen kann. Zugegeben, von der Liebe wird sicherlich mehr gesprochen und geschrieben, als vorher erlebt
    wurde. Aber ihr eine rein egoistische und triebzentrierte Motivation zu
    unterstellen ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Gott lässt sich
    auch gut als eine passende Erfindung eines bloß gierigen, niedrig
    motivierten Verstandes definieren. Am Ende sitzt der ach so
    abgeklährte, alles entlarvende Geist da und hat nichts zu seiner
    Erbauung, als seine sich zu nichts herablassende große Tiefsicht der Entzauberung.
  4. #63

    Zitat von schnuppe_xxx Beitrag anzeigen
    Das hat mit dem Artikel nur indirekt zu tun und bezieht sich eher auf die Kommentare anderer Nutzer: Kann mir jemand erkären, wo die ausgeleiherte, die Neigungen des Autors offenbarende, verharmlosende Behauptung, "Prostitution sei doch das älteste Gewerbe der Welt" ihren Ursprung hat? Gibt es Belege? Quellen? Auf welche Zeit bezieht sich diese Annahme? Auf die rituell und religiös aufgeladene Tempelprostitution des Altertums kann sie sich wohl nicht stützen. Das wäre eine Projektion unserer eigenen historischen Perspektive auf eine völlig andere Welt, die auch jene im Sinne der Profanierung (Agamben) auffasst. Also, ich würde mich freuen, wenn mir jemand einen Beleg nennen könnte, der einwandfrei als non-fiktional einzustufen ist. Danke im Voraus.
    Das ist keine "verharmlosende Behauptung", sondern kann aus Anthropologischer und Biologischer Sicht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit festgestellt werden. Die meisten unsere nächsten Verwandten- Affen- betreiben Prostitution. Übrigens auch viele andere Tiere. In der Menscheit kann es weit zurückverfolgt werden, und es ist plausibel dass dies auch bei unseren Vorfahren, den Menschenaffen, der Fall war. Es ist nicht eindeutig bewiesen-aus Knochen kann nur wenig über das Verhalten der alten Menschen gesagt werden, aber es spricht alles dafür und nichts dagegen. Also eine Theorie, welche höchstwahrscheinlich ein Fakt ist.
  5. #64

    Zitat von schnuppe_xxx Beitrag anzeigen
    Das hat mit dem Artikel nur indirekt zu tun und bezieht sich eher auf die Kommentare anderer Nutzer: Kann mir jemand erkären, wo die ausgeleiherte, die Neigungen des Autors offenbarende, verharmlosende Behauptung, "Prostitution sei doch das älteste Gewerbe der Welt" ihren Ursprung hat? Gibt es Belege? Quellen? Auf welche Zeit bezieht sich diese Annahme? Auf die rituell und religiös aufgeladene Tempelprostitution des Altertums kann sie sich wohl nicht stützen. Das wäre eine Projektion unserer eigenen historischen Perspektive auf eine völlig andere Welt, die auch jene im Sinne der Profanierung (Agamben) auffasst. Also, ich würde mich freuen, wenn mir jemand einen Beleg nennen könnte, der einwandfrei als non-fiktional einzustufen ist. Danke im Voraus.
    Ich kann Ihnen leider keine Quellen nennen, aber ich war erst kürzlich auf einer kleinen Bildungsreise in der West-Türkei und stand in der antiken Stadt Ephesus in den Ruinen eines Bordells. Es lag bzw liegt gegenüber der ehemaligen (seinerzeit sehr berühmten) Bibliothek, mit der es nebenbei bemerkt durch einen Geheimgang verbunden war, so das die Herren sich unauffällig ihrer "Bildung" widmen konnten... ;-) - auch sonst würde ich mal die Existenz der dem normalen Volk zugänglichen Prostitution seit dem Altertum als geschichtliche Allgemeinbildung betrachten...
  6. #65

    Zitat von sebastiansen@gmx.de Beitrag anzeigen
    Doch -Liebe gibt es sehr wohl. Ich selbst bin Zeuge. Es wohnt der Liebe aber eine Magie inne, die man auch mit einem noch so gut geölten
    Intellekt allein nie und nimmer fassen kann. Zugegeben, von der Liebe wird sicherlich mehr gesprochen und geschrieben, als vorher erlebt
    wurde. Aber ihr eine rein egoistische und triebzentrierte Motivation zu
    unterstellen ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Gott lässt sich
    auch gut als eine passende Erfindung eines bloß gierigen, niedrig
    motivierten Verstandes definieren. Am Ende sitzt der ach so
    abgeklährte, alles entlarvende Geist da und hat nichts zu seiner
    Erbauung, als seine sich zu nichts herablassende große Tiefsicht der Entzauberung.
    Fettes dreifaches Daumen Hoch für diesen Beitrag. Die Welt, insbesondere das sinnliche, seelische, eigentlich "Lebendige" nur intellektuell und analytisch erfassen zu wollen, sehe ich auch als Holzweg, der nur in die Verödung führt. Der Autor des Artikels geht gleich auf moralinsaure, abwertende und belehrende Distanz zum Autor des Comics, ohne sich dessen Gedanken- und Seelenwelt überhaupt anzunehmen, inklusive der Unterstellung von Intentionen, die der Comicautor überhaupt nicht hatte (angebliche Liebesgeschichte).
  7. #66

    Zitat von Sina.m. Beitrag anzeigen
    Das ist keine "verharmlosende Behauptung", sondern kann aus Anthropologischer und Biologischer Sicht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit festgestellt werden. Die meisten unsere nächsten Verwandten- Affen- betreiben Prostitution. Übrigens auch viele andere Tiere. In der Menscheit kann es weit zurückverfolgt werden, und es ist plausibel dass dies auch bei unseren Vorfahren, den Menschenaffen, der Fall war. Es ist nicht eindeutig bewiesen-aus Knochen kann nur wenig über das Verhalten der alten Menschen gesagt werden, aber es spricht alles dafür und nichts dagegen. Also eine Theorie, welche höchstwahrscheinlich ein Fakt ist.
    Vielen Dank für Ihren Kommentar! Leider helfen Sie mir nicht wirklich weiter. Ich frage mich immer noch, ob es einen ernstzunehmenden Beleg gibt.

    Die These, dass Affen "Prostitution betreiben" ist ja leider zu einem hohen Grad anthropomorph. Man kann wohl von Promiskuität sprechen. Aber auf der Basis des Austauschs von Fellpflege oder Geschenken das Sozialgefüge von Affen im Sinne von Prostitution zu deuten, ist eine seltsam kapitalistische, vermenschlichende Deutung der Tierwelt.

    Aber das mit den Knochen interessiert mich. Wie findet man denn Hinweise auf Prostitution in Knochen? Kennen Sie sich da aus?
  8. #67

    Das älteste "Gewerbe" - pseudo-historische Rechtfertigung?

    Zitat von Zwei_Pötte Beitrag anzeigen
    Ich kann Ihnen leider keine Quellen nennen, aber ich war erst kürzlich auf einer kleinen Bildungsreise in der West-Türkei und stand in der antiken Stadt Ephesus in den Ruinen eines Bordells. ;-) - auch sonst würde ich mal die Existenz der dem normalen Volk zugänglichen Prostitution seit dem Altertum als geschichtliche Allgemeinbildung betrachten...
    Vielen Dank für Ihren Kommentar! Leider helfen auch Sie mir nicht wirklich weiter. Ich frage mich immer noch, ob es einen ernstzunehmenden Beleg gibt.
    Die von Ihnen beschriebene "geschichtliche Allgemeinbildung" ist höchst umstritten, da leider nicht belegt werden kann, wie groß der fiktive Anteil in den entsprechenden Quellen ist. Zur historischen Allgemeinbildung gehört heutzutage wohl eher, dass man um den Konstruktcharakter von Geschichtsschreibung weiß.
    Das Konstrukt, dass sich m.E. aus der Quellenlage bilden lässt ist bisher Folgendes: Prostitution im Altertum erfüllt nicht einmal die rudimentärsten Kriterien für den (eben harmlosen) Gewerbe-Begriff, demzufolge eine Person auf eigene Verantwortung mit der Absicht zur Gewinnerzielung für sich selbst wirtschaftlich tätig ist. Die Frauen, die prostituiert w u r d e n, waren unfrei. Sklavinnen oder Mädchen, die von ihren Famiien ausgesetzt wurden, damit die Eltern später nicht die teure Mitgift zahlen mussten. Diese Findelkinder gehörten ihrem Finder, waren rechtlos und wurden häufig zur Prostitution gezwungen. Prostitution im Altertum kann also nicht als "Gewerbe" nachgewiesen werden, sondern entweder als Bereich der Sklaverei oder aber als religiöse, kultische Handlung (vgl. Hetären).
    Jetzt könnten Sie natürlich entgegnen: Menschenhandel und Zwangsprostitution gibt's ja auch heute noch en masse, gerade in Europa, und das ist auch ein "Gewerbe" - die Ware ist bloß der Mensch, d.h. besonders Kinder und Frauen. Da hätten sie sehr recht. Dann sollte man allerdings die Formulierung wählen: "Zwangsprostitution ist das älteste Gewerbe der Welt." Die pseudo-historische Verortung von freiwilliger Prostitution wird eben oft als plattes, verharmlosendes Instrumentarium genutzt, um den leider immer noch häufigen Zusammenhang von Gewalt und Prostitution zu leugnen. Mit "häufig" meine ich ausdrücklich, dass es natürlich auch Prostitution auf freiwilliger Basis gibt. Die ist ja prima, toll wenn's sowas gibt.
    Hiermit spreche ich nun nicht Sie persönlich an! Aber es ist generell einfach lächerlich, Prostitution mit apologetischem Gestus, auf der Grundlage vermeintlich "historischer Wahrheiten" zu rechtfertigen. Denn darum geht es im Prinzip bei der Aussage, Prostitution sei das älteste "Gewerbe" der Welt. Es wäre genauso unangemessen, wollte man andere Verhaltensweisen auf diese Art "normalisieren"... "Vergewaltigung oder Mord - das gibt's ja auch bei Schimpansen!" "Sklaverei und Menschenhandel sind das älteste Gewerbe der Welt, das gab's im Altertum schon!" Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich setze hiermit heutige Prostitution, die auf freiwilligem Berufswunsch der Frauen geschieht, NICHT gleich mit Vergewaltigung o.ä. Allerdings scheint diese positive Form der Prostitution ein eher neues Phänomen zu sein.

    Da fällt mir eine weitere Frage ein: Gibt es eigentlich eine "Ethik" unter Freiern? Ein Interesse, das Angebot per Nachfrage zu regeln, indem man gezielt Sex mit freiwilligen Menschen kaufen möchte?

    :) Danke trotzdem noch mal, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mir zu antworten!
  9. #68

    Zitat von schnuppe_xxx Beitrag anzeigen
    Ich setze hiermit heutige Prostitution, die auf freiwilligem Berufswunsch der Frauen geschieht, NICHT gleich mit Vergewaltigung o.ä. Allerdings scheint diese positive Form der Prostitution ein eher neues Phänomen zu sein.
    Nicht wirklich. Natürlich gibt es kaum echte Belege aus prä Römischer Zeit, wo man so etwas zweifelsfrei belegen könnte, aber aus dem römischen Reich schon eher.
    Pompejis Bordell: Wo Liebe so billig war wie Brot - SPIEGEL ONLINE
    Zitat: Freigelassene Frauen, die nichts anderes gelernt hatten, blieben oftmals in dem ihnen vertrauten Rotlichtmilieu. Das Gros der Prostituierten rekrutierte sich aus diesen sozialen Schichten. Um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, verkauften aber auch manche frei geborenen Frauen ihren Körper in Bordellen.

    Ganz normale, "freiwillige" Armutsprostitution also schon im Altertum. Ok, bei deutschen Frauen ist es keine Armutsprostitution als solche, aber für viele Prostituierte halt der einfachste Weg schnell viel Geld zu verdienen.

    Zitat von schnuppe_xxx Beitrag anzeigen
    Da fällt mir eine weitere Frage ein: Gibt es eigentlich eine "Ethik" unter Freiern? Ein Interesse, das Angebot per Nachfrage zu regeln, indem man gezielt Sex mit freiwilligen Menschen kaufen möchte?
    Wie sollen die Freier das erkennen, wenn nichtmal die Behörden bei kontrollen in Bordellen Zwangsprostitution immer erkennen? Keine Frau, die wirklich zur Prostitution gezwungen wird, gibt das offen zu (Und die die es zugeben, lügen häufig um verliebte Freier abzuzocken."Ich muss hier anschaffen, weil ich einen haufen Schulden habe, hilfst du mir?" - Als Ergebniss Geld weg, Frau weg, Frust da.).

    Und vorallem was ist Freiwillige Prostitution?....

    Ist es Zwangsprostitution wenn sich eine Frau aus Liebe zu ihrem "Freund"(Zuhälter), der (angeblich) unverschuldet in finanziellen Schwierigkeiten steckt prostituiert? Sie hat ja selbst noch die Illusion dass sie es freiwillig tut.

    Ist es Zwangsprostitution wenn der Dealer zur Süchtigen sagt: Entweder zahlst du den Stoff cash (hast aber eh kein Geld mehr), oder du gehst anschaffen für mich.

    und so weiter....
  10. #69

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das soll eine Liebesgeschichte sein? Der Kanadier Chester Brown hat einen autobiografischen Comic über seine Besuche bei Prostituierten gezeichnet. Doch das vermeintliche Plädoyer für käuflichen Sex dokumentiert vor allem die emotionale Verarmung des Autors.

    Chester Brown zeichnet Comic zu Prostitution - SPIEGEL ONLINE
    Für mich ist der Comic kein Plädoyer für käuflichen Sex. Oder der Kritiker meint einen anderen.

    Ich finde den dargestellten Comic zuerst einmal sehr ehrlich. Ehrlich den Gefühlen und Motiven des Protagonisten gegenüber und auch in der Darstellung der Situationen.

    Meiner Meinung nach enthält sich der Comic ganz bewusst jeder Wertung, sonder überlässt diese dem Leser. Was für gute Literatur spricht und dem amerikanischen Prinzip des "Show, don't tell." entspricht.








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