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Profi-Slackliner Kleindl: Balanceakt auf dem Band

Fichtinger / adidas AGSeiltanz über tiefe Abgründe, Rückwärtsflips auf einem Band: Reinhard Kleindl liebt die Gefahr. Der österreichische Profisportler ist Slackliner, auf einem gespannten Seil vollführt er irrwitzige Kunststücke - dabei war sein Beruf erst Liebe auf dem zweiten Blick.

http://www.spiegel.de/reise/europa/0...856906,00.html
  1. #1

    Hohes Risiko wird verschwiegen

    Das mit dem gezeigten Bild verbundene ästhetische Erlebnis sollte nicht über den hohen Preis hinwegtäuschen, welchen einige Extremsportler dafür bezahlen. Vor weniger als eineinhalb Jahren verlor ich einen tollen Kollegen aus Hamburg, einen unglaublich sportlichen jungen Mann an einen sehr sehr hohen Berg in einem fernen Land, wo er in einer unsichtbaren Spalte abgestürzt ist. Letztlich bin ich zu dem Schluß gekommen, dass die Werbung für alpines Outfit zu einer Leichtfertigkeit im Umgang mit lebensgefährlichen Sportaktivitäten einlädt. Bei aller Schönheit der Erlebnisse, der Bilder und der Phantasien rund um diesen Sport: Das Risiko wird weggelächelt, die Angst wird nicht beschrieben, und das finde ich nicht ok!
  2. #2

    Total bekloppt....

    Haben denn diese Typen so wenig positive Spannung in ihrem Leben, dass sie sich für so einen lebensgefährlichen Quatsch hergeben müssen?
  3. #3

    Bitte Artikel lesen ...

    Zitat von helle1712 Beitrag anzeigen
    Haben denn diese Typen so wenig positive Spannung in ihrem Leben, dass sie sich für so einen lebensgefährlichen Quatsch hergeben müssen?
    Wenn er das ohne Sicherung machen würde, würde ich ihnen Recht geben. Ist aber nicht so:

    ... Deswegen sichert sich Reinhard immer mit einem Klettergurt und einer Zusatzleine. Außerdem spannt er zusätzlich unter das Band ein Kletterseil, das im Falle eines Bandrisses seinen Sturz abfängt. "Egal, in welcher Höhe, der Riss der Leine ist die gefährlichste Situation", weiß er.
  4. #4

    Zitat von zefir62 Beitrag anzeigen
    Das mit dem gezeigten Bild verbundene ästhetische Erlebnis sollte nicht über den hohen Preis hinwegtäuschen, welchen einige Extremsportler dafür bezahlen. Vor weniger als eineinhalb Jahren verlor ich einen tollen Kollegen aus Hamburg, einen unglaublich sportlichen jungen Mann an einen sehr sehr hohen Berg in einem fernen Land, wo er in einer unsichtbaren Spalte abgestürzt ist. Letztlich bin ich zu dem Schluß gekommen, dass die Werbung für alpines Outfit zu einer Leichtfertigkeit im Umgang mit lebensgefährlichen Sportaktivitäten einlädt. Bei aller Schönheit der Erlebnisse, der Bilder und der Phantasien rund um diesen Sport: Das Risiko wird weggelächelt, die Angst wird nicht beschrieben, und das finde ich nicht ok!
    Ihr Kollege hat auch in der Slackliner-Szene eine enorme Lücke hinterlassen und ich kann bis heute nicht begreifen, daß er nicht mehr da ist. Sein Unfall hat jedoch mit dem spezifischen Risiko beim Slacklinen (insbesondere Highlinen) nichts zu tun. Er ist den Gefahren des Hochgebirges zum Opfer gefallen und diesen muss sich jeder bewusst sein, der sich dorthin begibt - inklusive der Möglichkeit, von dort nicht mehr heimzukehren. Für die Angehörigen ist das bitter - sein Unfall und der persönlichen Verlust, den wir dadurch erlitten haben, haben mich dies tief reflektieren und auch mein eigenes Tun kritisch hinterfragen lassen.

    Das Slacklinen ist jedoch eigentlich ein ziemlich sicherer Sport, wenn man weiß, was man tut (und der Reini Kleindl weiß das!). Insbesondere das Highlinen ist, wenn die Line von erfahrenen Leuten aufgebaut wird, viel sicherer als beispielsweise Klettern. Die größte Gefahr ist, daß man sich bei einem Sturz in die Sicherung in den Randbereichen den Kopf an der Felswand verletzt - um dieses Risiko zu vermeiden, starten die meisten Highliner 2 Meter vom Rand entfernt. Dazu kommt, dass Highliner in der Regel Meister im Fangen der Slackline sind, sollten sie das Gleichgewicht verlieren. Der Sturz in die Sicherung ist der Ausnahmefall, nicht die Regel. Insofern lauern die größten Gefahren bei einem solchen Projekt beim Zustieg und Aufbau - nicht bei der Begehung.
  5. #5

    soso ... der Reinhard also ...

    Zitat von sysop
    ... dabei war sein Beruf erst Liebe auf dem zweiten Blick
    Zitat von sysop
    ... tritt sozusagen als Artist auf Shows auf ...
    Jau, ich leg mich auch gleich im Bett und schlaf bei der Matratze ...
    Zitat von sysop
    "Egal, in welcher Höhe, der Riss der Leine ist die gefährlichste Situation", weiß er.
    Nee, echt jetz? Ich dachte, das macht nix ...
    Der Redaktion weiterhin viel Glück beim (Ab)Schreiben!
  6. #6

    Slacklinen jenseits des Leistungssports

    zunächst Gratulation an Reinhard Kleindl für seine herausragenden Leistungen, verbunden mit spektakulären Bildern. Meinen aufrichtigen Respekt. Ich slacke mittlerweile auch schon ein paar Jahre, kenne ein paar Extrem- und Profi-Slacker und muss sagen, dass bei aller Bewunderung für deren Leistungen und bei aller Versuchung für mich ebenfalls immer weitere, höhere, schwerere Lines zu gehen meine persönliche Offenbarung im Slacklinen das Zurückschalten in den Plaisir-Modus war. Und zwar so, dass ich auch irgendwelche Leistungs-Ziele aufgegeben habe. Motto: "Das Ziel steht im Weg". Der Reiz, meine Grenzen immer weiter zu verschieben, endete bei einer bestimmten Grenze, die weiter zu verschieben mir zu anstrengend geworden war. Ausserdem blieb der Spass auf der Strecke.

    Slacken kann auch hervorragend als Stress-Ausgleich und Meditation dienen, wie in diesem Artikel angeklungen ist. Einfach mal den Schwierigkeitsgrad reduzieren, die Begehungshürden senken, sodass man auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch die Line genießen kann und Lust hat zu slacken, anstatt sich mit einem zu schwierigen und zu ehrgeizigen Setup eine zu große Überwindungsschranke aufzuerlegen. Es macht großen Spass und hinterher ist man richtig vitalisiert.

    Slacken als Breitensport kann zugleich eine hervorragende Ergänzung zu allen möglichen anderen Sportarten sein, ist sehr gesund, eine hervorragende Rückenschule, trainiert die motorische Intelligenz, Gleichgewicht... u.v.m.

    Freudig erstaunt war ich, als ich an meinem Haus-Badesee eine ältere Dame beim Slacken getroffen hatte und sie offensichtlich großen Spass dabei hatte. So muss das sein.

    Viel Spass also auch allen Slackerinnen und Slackern im gesamten Leistungsspektrum.

    Beim Profisport bin ich gespannt, wohin die Reise gehen wird. Slacken steht noch ziemlich am Anfang der Entwicklung.


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