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multilateral
Das Problem, das dahinter steckt, greift meiner Erfahrung nach seit den Neunzigern um sich. Große Konzerne haben sich intern so feingranular in einzelne Abteilungsstückchen und Zuständigkeiten zerteilt, dass niemand mehr für "das große Ganze" zuständig ist, wie z.B. der Abschluss eines Projektes, sondern jeder nur noch bis zu seinem Tellerrand schaut. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich berichten, dass in den neunziger Jahren in dem großen Elektronikkonzern, in dem ich gearbeitet habe, angefangen wurde Waren und Dienstleistungen zwischen Abteilungen zu handeln, die in derselben Werkshalle tätig waren. Ein Arbeiter aus Abteilung A, der mit einem Werkstück von Abteilung B etwas für Abteilung C hergestellt hat, war damit in demselben Verwaltungsverfahren gefangen, als hätte er das Werkstück von einer völlig anderen Firma X aus Köln z.B. gekauft, um es im Auftrag einer wiederum völlig anderen Firma Y aus Hamburg herzustellen. Die Abteilungsleiter hatten stets immer nur ihre Vorgaben im Kopf und haben diese im "gesunden Konkurrenzdenken zur Steigerung der Effektivität" umgesetzt - so zumindest war das wohl von irgendwelchen achso schlauen Geistern erdacht worden. Die Realität ist, dass jeder nur bis zu seinem Tellerrand - seinen Vorgaben - gedacht hat und nur darauf bedacht war, Probleme irgendwie an andere Abteilungen weiterzureichen anstatt das diese gemeinsam gelöst wurden. Das Projekt an sich wurde völlig egal, denn das hatte keiner mehr auf dem Schirm. Dazu passte es dann auch, dass Einkauf und Produktion völlig voneinander separiert wurden. Ein Beispiel: Bei uns wurden unter anderem Hochspannungsschalter gebaut. Die dazu notwendigen Keramikisolatoren wurden jahrelang (vielleicht sogar jahrzehntelang) von derselben deutschen Firma produziert und zugeliefert. Irgendwann kam dann jemand auf die Idee, dass man die Dinger auch in Indien herstellen und liefern lassen kann. Trotz des langen Lieferweges waren fünf von den indischen Isolatoren immernoch billiger als zwei aus deutsche Produktion. Der Haken? 50% der gelieferten Isolatoren waren Ausschuss. Da dachte sich der Einkauf: "Na, dann kriegen wir unterm Strich halt nicht 5 statt 2 sondern nur 2,5 statt 2 - immernoch ein Gewinn!". Was der Einkauf nicht sah, oder nicht sehen wollte, weil es auch überhaupt nicht sein Problem bzw. nicht innerhalb seines Tellerrandes war, waren die verlorenen Arbeitsstunden von deutschen Arbeitern (die nach deutschen Gehaltsstandards bezahlt werden!). Diese hatte nämlich die Abteilung der Produktion auf der Liste. Die Produktion hat diesen schwarzen Peter dann intern rumgereicht und irgendwann zum Teil dem Vertrieb auf's Auge gedrückt. O tempora, o mores.